Es fing an, wie Bahnreisen derzeit häufig laufen; Bereits im Mai hatte ich zum Sparpreis, also mit Zugbindung, meine Hin- und Rückreise von Königswinter nach Malente gekauft.
Eingestellt am 7.11.25, erweitert am 13.7.
Zugbindung? Was schätzt Ihr?
Was soll ich Euch sagen – die Zugbindung musste ich NICHT einhalten 😉
Bereits einige Tage zuvor hatte ich realisiert, dass am geplanten Tag der Hinreise, dem 5.7., aber auch noch bei der Rückreise am 11.7. zwischen Königswinter und Köln rein gar nichts ging. Die Hinfahrt führte mich über Bonn HBF zum Kölner HBF, die Rückreise scheint noch komplizierter zu werden, aber ich bin jetzt erst einmal hier beim Seminar im Bildungsurlaub zu „Deutschland, Europa und die Zukunft unserer Demokratie. Bin sehr gespannt, was mich ab morgen und bis inklusive Freitag erwartet
Aber zunächst zur Hinreise
Los ging es um 8.15 h von der Clemens-August-Str. in Königswinter mit der 66 statt vom Bahnhof in Königswinter um 09.08 h. Also zumindest etwa eine Stunde längere Reisezeit, aber da nicht „Verspätung“, ergibt sich daraus keine Fahrpreiserstattung.
Ein Tipp aber dennoch:
Sollten Sie aufgrund eines Zugausfalles (etwa nachts) nicht öffentlich zum Bahnhof kommen, behalten Sie die Taxiquittung, da sie diese mit entsprechender Begründung im Zuge der Fahrpreiserstattung geltend machen können. Allerdings darf es dann tatsächlich keine ÖPNV-Alternative gegeben haben.
Nach Köln und weiter …
Die 66 kam pünktlich, was auch nicht garantiert ist – Eingeweihte kennen den interessanten Countdown: Die Bahn kommt in „5-4-3-2-5-4-3-…“Minuten – oh sorry: Die Bahn fällt aus“, oder „Stau“. Aber heute klappt es und ich erreiche problemlos Bonn HBF. Dort habe ich genug Zeit vom U-Bahn-Bahnhof „tief“ zu Gleis 1 zu kommen, und auch die Weiterfahrt zum Kölner HBF klappt problemlos. Dort habe ich noch etwas Zeit und setze mich ans Gleis, wo ich die Wagenreihung des ICEs nach Hamburg checke, um den mit meinen reservierten Sitzplatz zu identifizieren und ungefähr richtig bei Zugankunft zu stehen. Heute ist es für mich Wagen 2, und an B stehe ich recht gut. Kurz bevor der Zug dann kommt, frage ich einen Mitreisenden, ob er mir mit meinem Koffer beim Einsteigen helfen kann. Wir scherzen noch über plötzlich geänderte Wagenreihung, was im tatsächlichen Fall eher kein Scherz, sondern ein Grund zum schweißtreibenden Rennen zum anderen Ende des Bahnsteigs sein kann. Aber heute ist alles gut, und wir stehen ziemlich optimal. Der nette Herr antwortet ein „kriegen wir hin!“, und fragt mich auch noch nach meiner Sitzplatznummer. Er trägt dann meinen Koffer durch fast den gesamten Wagen – in der Mitte ist ein Gepäckfach, und zunächst stellen wir (er) meinen Rollkoffer dort ab. Doch dann sehe ich, dass direkt hinter meinem gebuchten Sitzplatz ein weiteres Gepäckfach steht. Also gehe ich zurück, und will meinen Rollkoffer holen, doch lässt es sich mein freundlicher Helfer nicht nehmen, meinen Rollkoffer höchstpersönlich erneut durch den Wagon zu tragen. Dann sitze ich – den Rollkoffer direkt hinter mir und wir fahren gen Hamburg.
Am HH-HBF gehe ich zur Ausgangstür, wo ich mit einer Soldatin und zwei anderen Frauen stehe. Die Soldatin frage ich, ob sie aussteigt. – „Ja“ – „Können Sie mr beim Ausstieg mit meinen Koffer helfen?“ – „“Klar!“ – Da meldet sich die direkt an der Tür stehende Dame: „Ich nehme ihn mit raus!“ – Die Soldatin: „Ich mache das – Sie haben doch selbst einen Koffer.“ – Darauf die dritte Dame: „Ich kann Ihnen auch helfen.“ Jetzt sind es drei:-)
Die Dame an der Tür nimmt meinen Koffer und hebt ihn hoch – „Na, sind ja keine Backsteine drin!“ – „Ne“, sage ich, „nur Goldbarren“. Jetzt mischt sich die 3. Dame wieder ein: „Dann nehme ich ihn!!!“.
Nun gut, der Zug hält, wir steigen alle aus und wünschen uns gute Reise. Im PKW hätte ich diese Art von kleinen, netten Begegnungen nicht – und zwar kennt auch die Bahn entgegen eines Werbespruches sehr wohl „Stau“ – aber die Autofahrenden natürlich auch – und viele sitzen dann einsam in ihrer Blechkarosse und können nicht mal mit anderen Reisenden mosern stänkern und lästern. Sind Autofahrende also nicht bedauernswerte Kreaturen – angeblich und subjektiv mit mehr „Freiheit“? Klar: „weitgehend frei von kurzen belebend schönen Begegnungen mit Mitreisenden – außer „Stoßstange an Stoßstange“!
Ok, ganz pünktlich kommen wir dort nicht an, aber bei einer geplanten Umstiegszeit von 20 Minuten ist auch deren Halbierung kein Problem, und so stehe ich rechtzeitig an Gleis des Zuges nach Lübeck
Lübeck Bahnhof (Foto: StH)
Und dann treffe ich Spiderman
Direkt am von mir gewählten Eingang gibt es eine 4er-Gruppe, in der ein Vater mit seinem Sohn sitzen. Ob ein Platz frei sei, frage ich den Vater. Ja, setzen Sie sich. Ich sitze am Gang, neben mir der Sohn, uns gegenüber der Vater. Plötzlich sitzt der Sohn neben dem Vater und letzterer bedeutet mir, dann könne ich meinen Rucksack auf den Sitz neben mit legen.
Dann fängt der Vater (könnte Syrer der Gruppe von 2015 sein) an „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ mit seinen Sohn an. Erst „blau“, doch der Sohn sagt: „Ne – rot!“ – „Gut, also rot“. Auf jeden Fall kommt der Aufdruck auf des Jungen T-Shirts raus – und das ist ein blau-roter Spiderman. Die beiden sprechen in fehlerfreiem Deutsch miteinander und es ist schön, ihren neckenden Umgang miteinander – etwa die Rechenaufgaben, die der Vater ihm stellt – zu beobachten. In Ahrensburg steigen sie aus – und wir verabschieden uns freundlich voneinander. Die beiden repräsentieren sicherlich eine gelungene Integration – ich will nicht wissen, was der Vater auf seinem Weg nach Deutschland (und zuvor) erlebt haben mag. Besser gesagt; es würde mich schon interessieren, aber es ist nicht das Setting für ein derartiges Gespräch und so frage ich auch nicht.
Aber ich freue mich über diese freundlich-offene Begegnung und das unser Land den Beiden eine (hoffentlich sichere) Heimat geben kann.
Übergang zu SEV
Wir kommen mit so viel Verspätung (etwa 15 Minuten) in Lübeck an, so dass mein geplanter SEV nicht zu erreichen ist.
So hatte der Nachwuchs-Spiderman zwar nicht die Verspätung verhindert, damit ich den Anschluss erreiche, aber immerhin meine Laune gerettet und weiter aufgehellt – zusammen mit seinem Vater.
Und man darf Spiderman mit seinen Superkräften ja auch nicht überfordern. Für die Pünktlichkeit der Bahn braucht es nach Jahrzehnten der Vernachlässigung, um sie zunächst „börsentauglich“ zu machen und dann ihr gegenüber anderen Prioritäten die Flügel zu stutzen, bzw. die Räder zu entölen, also die erforderlichen Mittel zu streichen, mehr als die Begleitung für vielleicht 20 Minuten und all dem guten Willen eines freundlichen Spiderboys!
Das ist zwar überaus schade, aber der Lauf der Dinge im real extistierenden Bahn-Sparianismus seit Herrn Mehdorn im Auftrag des viertletzten Bundeskanzlers, also jenes Kurfürsten aus der Pfalz, der seinen (Vor-)Namensvetter abgelöst hatte und den „Spar-(stab) an jenen Kanzleramtstor-gerüttelt habenden Niedersachsen übergab, dessen Vorname zumindest alphabetisch ein Rückschritt war. Über den Rest seines Vermächtnisses wie auch das dessen mit den „jüdischen Vermächtnissen“ mag man trefflich streiten – was weder hier noch meine Aufgabe ist …
Zwar mögen seitdem die Zahl der Gleise nicht sonderlich viel mehr geworden sein, aber der Parteien im bundesrepublikanischen Alltag und Parlament auf jeden Fall, und der ungelösten Probleme vielleicht auch – selbst wenn einige Gruppierungen politischer Akteure deren Existenz hartnäckig zu leugnen belieben.
Also muss ich den Abfahrtsort für den SEV finden, was nach einigem Fragen auch gelingt. Am Bus des SEV gibt es vielfaches Befragen des dann ankommenden Buses und einige Verwirrung bei Fahrer und Reisenden. Schließlich jedoch werden alle Klarheiten beseitigt, und ich sitze im Bus, der in Eutin, aber auch in Malente hält.
Mit dem SEV-Bus geht es bis zum Bahnhof in Malente. Dort suche ich den Bus 3 zur Holebystr., von wo aus es dann noch gut 700 m bis zu meinem Ziel, der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte, sein soll.
Ich finde sie und setze mich gerade auf eine Bank, als ein PKW hält und ich durch das offene Fenster gefragt werde, wo in Malente ich denn hin wolle. Zwar hatten meine Eltern mir für etlichen Jahrzehnten immer gesagt, ich solle mich nicht von fremden Menschen ansprechen lassen , aber erstens ist es ein älteres Ehepaar, und sie haben, wie ich glaube, im SEV-Bus hinter mir gesessen.
Und so erhalte ich auf meine wahrheitsgemäße Auskunft ein: „Wir bringen Sie hin!“. Also hilft mir der Herr, mein Gepäck in den Kofferraum zu verstauen und dann im Auto Platz zu nehmen.
Und zu guter Letzt ein unerwartetes „Privattaxi“
Das Ehepaar, das aus Malente kommt, und gerade aus Magdeburg vom Besuch einer Freundin der Dame kommen, fragen, welches Seminar es denn gebe? Ich antworte „Deutschland, Europa und die Zukunft unserer Demokratie“ Kurz versichern wir uns gegenseitig, dass wir die derzeitigen Entwicklungen in der Welt als echt schrecklich und eine ziemliche Katastrophen empfinden , und schon sind wir da und ich habe mir eine Wartezeit von gut 40 Minuten in Malente sowie gut 700 m laufen erspart.
Und so geht meine, ein wenig abenteuerliche Reise nach einigen wirklich netten Begegnungen mit freundlichen und hilfsbereiten Händen, bzw. den ihre Handlungen steuernden Köpfen nach etwa 9 Stunden glücklich, wenn auch etwas erschöpft, zu Ende.
Ende gut, alles gut! – Und der Weg war das Ziel!
Nun bin ich gespannt auf eine (hoffentlich) spannende Woche zur Bildung und mit Gesprächen zu und über Demokratie und unser aller Zukunft.
Der Kellersee von der Gelände der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte aus – Foto: StH, 2025
Gemeinsam in Europa und Jeder Einzelne!
Das Bildungsseminar „Deutschland, Europa und die Zukunft unserer Demokratie“ fand vom 7.-11.7.25 in der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte in Malente unter sehr kompetenter Leitung von Joachim Bussiek in einer Gruppe von 19 Teilnehmenden statt. Die Inhalte und Diskussionen hier weitergeben zu wollen, würde zu weit führen. Inhalte waren unter anderem die Krisen der letzten Dekaden als Polykrisen, die Demokratieentwicklung in Deutschland, ein Überblick über bundesdeutsche Institutionen sowie die Schutzmechanismen unserer Verfassung, der Einfluss sozialer Medien, sowie die EU und ihre Chancen und Herausforderungen. Ich und die anderen Teilnehmenden empfanden die Inhalte und Diskussionen in einer wirklich interessanten Seminargruppe als hilfreich und anregend. Ich kann die Teilnahme an diesem Seminar nur empfehlen.
Vielleicht kann man das Seminar zusammenfassen durch zwei Grundaussagen:
Gemeinsam (in Europa!) sind wir und unsere Demokratie stark – es wäre gut, wenn wir alle uns dessen wieder bewusster würden und die Ergebnisse und Erkenntnisse der letzten 80 Jahre nicht auf’s Spiel setzen würden. Andernfalls merken wir was wir verloren haben, wenn wir es verloren haben. Aber das wäre dann ein echter und großer Verlust
Die Demokratie benötigt jeden von uns. Und der Einsatz Jedes und Jeder für unsere Demokratie und gegen alle Interressen geleiteten Missgünstigen im Innern und von Außen lohnt sich!
Am Freitag, den 11.7.25 kam es dann zur Heimreise – und auch diese verlief nicht völlig ohne Überraschungen, von denen ich eine hier schildern möchte, da sie wirklich überaus überraschend war. Dass es so etwas gibt!
Die Strecke von Köln nach Königswinter war lediglich bis Troisdorf per Zug fahrbar. In Troisdorf war in den Schienen-Ersatz-Verkehr (SEV) zu bewältigen. Offensichtlich gab es mehrere unterschiedliche Unternehmen, die diesen Service für die Passagiere zwischen Troisdorf und Bad Honnef durchführten. Der Bus, den ich bestieg, fuhr dann geleitet durch eine Navi-App die eigentlich auf der Strecke liegenden Bahnhöfe an, also zunächst Friedrichs-Wilhelmshütte und fuhr von dort weiter gen Menden.
Und dann kam es zur Überraschung. An der Kreuzung , wo der Bus eigentlich rechts zum Bahnhof Menden unter einer Brücke hätte abbiegen sollen, stoppte der Fahrer und meinte, sein Bus passe nicht unter der 3,1 m hohen Brücke durch. Er telefonierte ratsuchend und fuhr schließlich ein Stück zurück, um direkt nach Bonn-Beuel abzubiegen. Andere Busse hatten wohl auch Menden angefahren, aber für seine Art Bus war die Brücke einfach zu niedrig. Dass es so etwas auch gibt! Schon erstaunlich!
Zumindest danach ging es problemlos weiter und zu „guter Letzt“ kam ich dann mit einiger Verspätung doch in Königswinter am Bahnhof an und von dort zu Fuß dann auch in meiner Wohnung.
Früher fuhr ich, wie vermutlich die meisten gesunden Menschen, ein Zweirad,
Dann kam 2004 die Erkrankung, die ein 2-Rad „unpraktisch“ machte.
Ich erwog die Beantragung einer Sänfte mit vier starken Personen, die mich von A nach B und über Stock und Stein bringen könnten, doch selbst im deutschen Sozialstaat und obwohl „Alles gut ist, was Arbeit schafft“, wie eine Kanzlerin einmal meinte, hatte der Antrag wenig Erfolgsaussicht. Meine Karriere als Arbeit gebender Kleinunternehmer war also frühzeitig ausgebremst 😉
2006 hörte ich von Reharädern mit 3 Beinen (Rädern), was mir auch bei Halbseitenlähmung das Radfahren ermöglichen könnte. Ich sah ein damals noch analoges Exemplar in Friedberg/Hessen und sprach den Ladeninhaber darauf an. Mein Rad hatte zwei Hinterräder mit einem größeren Korb zwischen diesen. Der Laden bot auch ein Modell mit zwei Vorderrädern an, doch kam ich persönlich damit nicht so gut klar, aber das muss jede/r selbst ausprobieren und für sich entscheiden.
Zunächst „analog“ (2006-2020)
Auch schilderte ich dem Personal im Fahrradgeschäft die Lähmung der linken Körperhälfte. Einige Bedienelemente, wie die Feststellbremse oder die Steuerung der E-Einheit könne man von der linken Lenkerseite auf rechts verlegen, weil mein linker Arm gelähmt ist. Für den gelähmten linken Fuß und damit dieser auf der Pedale verharre statt ständig das „Weite“ suchen zu wollen, böte sich eventuell ein Korb an der Pedale wie etwa bei Rennrädern an.
Aber kann ich es einhändig und ohne Hilfe beherrschen? Alleine auf- und absteigen? Es alleine bedienen? Was brauche ich eventuell dafür?
Also machten wir einen Termin zum Probefahren aus, zu dem eines der Drei-Räder der Marke Pfau-Tec mit Tiefeinstieg in meinem Sinne präpariert sei.
Bei Neuendettelsau/Franken im Mai 2014 (Foto: StH)
An einem Wochenendtag war es dann so weit, dass ich zusammen mit meinen Bruder das neue Gefährt und den neuen Gefährten in Empfang nehmen konnte – selbstredend nicht, ohne meine Geldbörse mit einem Betrag von damals gut 1.200 € erleichtert zu haben. Zusammen mit meinem ebenfalls beradetem, wenn auch zweirädrig versorgtem Bruder, machte ich mich auf den etwa 3-3,5 kilometerweiten Weg von Friedberg/Hessen zu meiner Wohnung im benachbarten Bad Nauheim. Das ging nach etwas Eingewöhnung auch recht gut, nur auf der recht leicht ansteigenden Parkstr. im badigen Nauheim versagten mir noch Kraft und Übung, so dass mein Bruder mir anschiebenden Schwung angedeihen ließ.
Den nun skeptisch Überlegenden sei beruhigend erwidert, dass – wie bei Allem – „Übung den Meister macht“, und ich später nicht nur den Johannisberg in Bad Nauheim mit meiner „Ute-Stute“ erklomm, sondern 2012 auch in einer dreitägigen Tour mit Gepäck die etwa 180 km von der Rehaklinik in Bayreuth nach Marktbreit in Mittelfranken bewältigte, von wo ich dann die letzten gut 50 km mit dem Zug benutzte. In Bayern konnte ich, wie auch in einigen anderen Bundesländern, das Rad kostenlos im Zug mitnehmen.
Nun könnte man fragen, warum nicht die letzten 50 km auch noch pedalierend zurückgelegt wurden, wo doch gut 180 km bereits bewältigt waren. Nun: Es ist ein paar Jahre her, doch steckten mir die 180 km dann doch recht stark in den wie erwähnt, noch analog, also ohne Unterstützung einer E-Einheit pedalierenden Beinen, es war warm, ich erschöpft und ich wollte an diesem Tag mein Domizil noch erreichen.
Bei Plankenfels/Franken – an der linken Pedale erkennt man auch den Korb zur Fixierung des gelähmten Fußes (Foto: StH im Sept. 2015)
Und – apropos „Meisterübung“:
Das ist die Gegend bei Plankenfels im September 2015, die ich mit obigem Rad durchquerte, also nicht alles nur flach und leicht :-), aber landschaftlich „sehr reizvoll“ ( Foto: StH)
Hallerndorf/Franken Sept. 2015 (Foto: StH)
Dennoch – oder gerade deshalb – war es eine tolle Tour, die mir und anderen belegen mag, dass mit etwas Übung auch weit größere Hindernisse als die Parkstraße in Bad Nauheim zu bewältigen sind – mit einem E-Trike, wie ich es seit 2020 habe, ohnehin.
Neben der größeren Stabilität durch die drei Räder bieten diese Fahrzeuge durch den Korb zwischen den Hinterrädern auch noch Platz für Einkäufe oder eben Reisegepäck. Es gibt auch Ausführungen mit geschlossenen Kästen, doch wählte ich diese Version mit Korb, bei der ich das Gepäck gegebenenfalls mit Spanngurten sichere und bei Bedarf mit einer Plastiktüte unter den Spanngurten gegen Regen schütze. Aber diese Wahl ist natürlich individuell zu entscheiden.
Nun ein paar Tipps:
Es gibt einige Modelle mit einem „Tiefeinstieg“, was das Auf- und Absteigen je nach Behinderungsform erleichtert. Das Bein seitlich über die Stange schwingen, wie ich es früher beim Zweiradfahren gewohnt war, oder gar das Cowboy-artige „Bock-“Aufspringen von hinten sind mir und vermutlich den meisten ähnlich Behinderten eher nicht mehr möglich, aber es gibt auch für uns Modelle mit Erleichterungen.
Wie bereits angedeutet gibt es eine Reihe anderer Funktionshilfen und Anpassungen wie z.B. den Pedalkorb zum Fixieren eines gelähmten oder anderweitig nicht „normal“ funktionierenden Fußes. Etwa 2018 machte mich ein ebenso kompetenter wie wohlmeinender Techniker bei E-Motion in Bonn auf die „Hase-Pedale“ aufmerksam. Diese verfügt neben dem Korb für den Vorderfuß zusätzlich noch über einen Fersengummi, der den Fuß zusätzlich in die Pedale drückt. Dies verhindert, dass der gelähmte Fuß bei starken Anstiegen oder bei unebenem Gelände aus der Pedale nach hinten rausrutscht. Sehr praktisch und hilfreich!
Das Fahren mit einem Dreirad ist sehr anders als das gewohnte Zweiradfahren, und insbesondere das Kurvenfahren sollte man zunächst vorsichtig üben, um die Kurven unfallfrei zu bewältigen. Ich gebe gerne zu, dass ich in meinem „jugendlichen Übermut“ (mit Mitte 40) anfangs bisweilen mit dem Rad umkippte, da ich die Kurve mit zu viel Schwung anging und dabei die Hebelkräfte unterschätzte. Jedoch ist auch hierbei auf dem Weg zu Meisterschaft eine Frage des Übens! Aber ich möchte die werten Lesenden auf eine gewisse erforderliche Vorsicht hinweisen, um Verletzungen vorzubeugen.
Ich persönlich habe mir ein Modell mit Rücktrittbremse gewählt, weil ich ja ohnehin nur eine Handbremse bedienen könnte, und mich mit Rücktrittbremse sicherer fühle. Welches Bremssystem Sie aber immer wählen, denken Sie daran, beim Bergabfahren nicht zu schnell zu fahren, insbesondere wenn die Abfahrt kurvig ist. Mein Rad wiegt 55 kg (ohne Gepäck) und mit mir selbst sind gut 120 kg zu bremsen. Auf langen Abfahrten und ständigem Benutzen können die Bremsen „heißlaufen“ und dann die Bremswirkung verlieren oder diese zumindest gemindert sein. Zu vermeiden ist doch sicher, dass Sie die nächste Kurve nicht mehr be-, sondern von der Straße abkommen. Mit einen Zweirad können Sie sich ggf. noch in die Kurve legen – das geht mit einem Dreirad nicht! Also gehen Sie vernünftig mit dem „Geschwindigkeitsrausch“ um, und tasten Sie sich ggf. auch hier erst mit der erforderlichen Vorsicht an das Fahrverhalten Ihres Fahrzeuges heran!
Eine weitere m.E. höchst sinnvolle Anschaffung sind „unplattbar“-Mäntel, die zwar grundsätzlich auch, aber viel seltener ein Loch im Schlauch ermöglichen. Einmal hatte ich mit meiner noch „analogen Ute-Stute“ einen Plattfuß etwa 5 km von meinem damaligen Wohnsitz entfernt. Diese Trikes mit erheblich größeren Maßen und Gewicht, können Sie in einem normalen PKW schwerlich transportieren. Zu meinem Glück hielt, als ich mich zu Fuß und das Trike schiebend auf der Landstraße auf den Heimweg machte, der Kleintransporter eines Handwerkers, der mein Rad einlud und mich nach Hause brachte, wofür ich ihm höchst dankbar war. – Anschließend ließ ich jene verstärkten und pannengeschützteren „Hufeisen“ auf allen drei Beinen aufziehen, was mich seitdem vor derartigen Pannen weitgehend schützt. Nur einmal war der Mantel dann an eine Stelle der Flanke derart porös, dass der Schlauch eine Blase an dieser Stelle bildete und folglich platzte.
Fazit: Vereinbaren Sie einen Termin in einem derartige Gefährte anbietenden Fachgeschäft, nehmen Sie sich ausreichend Zeit und Neugierde mit, fahren Sie einige Modelle zur Probe, um einschätzen zu können, welches für Ihre individuellen Bedürfnisse und Behinderungsform besonders geeignet ist, damit Sie damit auch selbständig klarkommen, und reden Sie mit dem Fachpersonal über mögliche und Ihren individuellen Bedürfnissen hilfreichen Anpassungen und Zusatzausstattungen.
Meine „Ute-Stute“ begleitete mich von Juli 2006 bis März 2020, und diente mir gut 8.000 km bergauf- und bergab, über Stock und Stein, durch Wald und Feld. Es war meine sportliche Betätigung, die mich mein Körpergewicht gelenkschonend halten half, und diente mir außerdem als Einkaufswagen und Reisetrolley.
Unvermittelt schied uns das Schicksal im März 2020, wobei mir klar war, dass ein Ersatz unabdingbar sei.
Mit Zeit und Fortschritt und somit e-unterstützt in die Zukunft
Angesichts weiter fortgeschrittenem Alter (mit Ende 50) und da wir alle zwar immer jünger, aber deshalb nicht unbedingt fitter und kräftiger werden, erwog ich nun einen Ersatz mit Elektro-Unterstützung, auch um mit jüngeren und bisweilen fitteren Begleitungen bei meinen Touren besser mithalten zu können.
Da ich mittlerweile im Raum Bonn lebte, machte ich mich also auf die Suche. Zunächst begegnete mir ein gebrauchtes E-Trike, das ich auch erprobte. Eine E-Einheit ist schon eine erneut ungewohnte Erfahrung, die etwas Gewöhnung bedarf, doch stimmte bei diesem Rad der Sitzwinkel nicht, so dass die Kraftübertragung auf die Pedalen von mir als suboptimal erlebt wurde. Deshalb nahm ich Abstand vom Kauf dieses Modelles.
Auch ein Ausflug nach Ahrweiler und zum dortigen Fahrradladen ergab keine Identifikation eines für mich geeigneten Modells, da die vorrätigen Modelle beim Test erneut mangelnde Kraftübertragung für meine individuelle Körpersituation boten.
Schließlich stieß ich auf E-Motion in Bonn, ein Fachgeschäft (Dein e-Bike Experte in Bonn – e-motion e-Bike Experten), das eine große Auswahl an E-Bikes und -Trikes vorrätig hat. Ein Mitarbeiter kam sogar mit einem Kleintransporter und eingeladenen Trike zu mir nach Königswinter, und nach einigen schnellen Umbauten für meinen Bedarf (Korbpedale und Verlegen einiger Bedieneinheiten von der linken auf die rechte Lenkerseite), erprobte ich das Gefährt erfolgreich. Im März 2020 kam es zu also zum Kauf eines Combo-E-Trikes.
Aufbruch zum Bodensee vom Bahnhof Königswinter aus im Juni 2020 (Foto: StH)
weitere Tipps
Diese Räder sind durchaus nicht preiswert; mich kostete es mit meinen individuellen Anpassungen im März 2020 bereits stolze 4.500 € – und das Modell ist seitdem nicht billiger geworden. Andererseits dient es mir wie bereits erwähnt. gleichermaßen als Sport- und Fitnessgerät wie Einkaufswagen und Reisetrolley. Zwar trägt mein linkes (gelähmtes) Bein nur einen eher bescheideneren Teil der vorwärtstreibenden Kraft, doch wird es zumindest passiv stets mitbewegt und dadurch bleibt zumindest seine Beweglichkeit erhalten, und ein wenig Kräftigung erfährt es sicherlich auch.
Fachgeschäfte wie E-Motion halten vielfältige und sehr unterschiedliche Modelle vor, von tiefliegenden Rädern mit Sitz und Rückenstütze über Räder mit quasi „normaler“ Sitzposition wie meinem „Combo“. Letztere Modelle mit unterschiedlichen Einstiegen und Sitzpositionen, also den z.B. für mich wichtigem Winkel der Kraftübertragung auf die Pedalen. Wie erwähnt müssen Sie diesbezüglich ausprobieren, welches Modell für Sie am Besten passt.
Machen Sie einen Termin, nehmen Sie ausreichend Zeit mit und fahren Sie verschiedene Modelle zur Probe. Reden Sie auch mit dem Fachpersonal über für Sie hilfreiche individuelle Anpassungen, und erfreuen Sie sich der wiedergewonnenen Beweglichkeit, wenn Sie ein für Sie geeignetes Modell gefunden haben.
Und noch zwei Tipps zur Finanzierung
a) Grundsätzlich können je nach Ihrer Behinderungsform auch Reha-Dreiräder – ähnlich wie Rollstühle oder Rollatoren – als „Hilfsmittel“ bezuschusst werden. Das setzt allerdings eine ärztlich begründete Verordnung und ein oft langfristiges Antragsverfahren VOR dem Kauf voraus.
Krankenkassen scheinen bei derartigen Genehmigungen allerdings ziemlich „zurückhaltend“ zu sein, um es vorsichtig auszudrücken, und vermutlich müssen Sie sich zumindest auf anfängliche Ablehnung und ein eventuell langfristiges Widerspruchsverfahren einstellen (gibt es Zuschüsse zu Reha-Dreirädern von GKV? ):
Voraussetzungen und Rahmenbedingungen:
Medizinische Notwendigkeit: Das Reha-Dreirad muss aus medizinischen Gründen erforderlich sein, um den Behandlungserfolg zu sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine bestehende Behinderung auszugleichen.
Verordnung durch den Arzt: Ein Rezept vom behandelnden Arzt ist notwendig. Die medizinische Begründung und der therapeutische Nutzen müssen klar dokumentiert sein.
Hilfsmittelnummer: Das Produkt sollte im Hilfsmittelverzeichnis der GKV gelistet sein. Eine Listung ist keine Garantie, aber eine wichtige Orientierung für die Kostenübernahme. Auch ohne Listung sind Einzelfallentscheidungen möglich“
b) Mit einer amtsärztlichen Verordnung der Notwendigkeit/ Sinnhaftigkeit einer Reha-Radnutzung durch Sie ist es zumindest möglich, die Kauf- und spätere Wartungskosten steuerlich geltend zu machen.
Zumindest gelang mir Derartiges 2015 im bayrischen Ansbach, so dass ich diese Art von Kosten seitdem als „Sonderausgaben“ unter „Gesundheitskosten/ behinderungsbedingter Mehraufwand“ steuerlich geltend machen kann, was die Kosten zumindest ein wenig verringert. Dem dortigem Finanzamt reichte eine hausärztliche Verordnung nicht, und es verlange das Urteil eines Amtsarztes, mit dem ich folglich in Ansbach einen Termin ausmachte. Der Amtsarzt teilte damals meine Einschätzung, dass ein Reha-Dreirad meine Beweglichkeit und meine Fitness durch die Art von Sport, die ich mit Halbseitenlähmung in Form des Radfahrens noch praktizieren konnte, dient und somit meiner Gesunderhaltung und Selbständigkeit förderlich ist. Deshalb befürwortete er es schriftlich, so dass auch das Finanzamt die damit verbundenen Kosten als steuerlich absetzbar akzeptierte.
Möglicherweise kann Sie auch Ihr örtlicher VdK (Sozialverband VdK Deutschland e.V. ) bei derartigen Bemühungen unterstützen. Unter dieser Webadresse können Sie auch nach Ihren Landesverband sowie dem Kreis- oder Ortsverband in Ihrer Nähe suchen.
Berichte über einige dieser Touren finden Sie in meinem Blog unter Reisen mit Behinderung – sanchotrotztgegenwind.blog. Künftig plane ich hier über weitere Ausflüge zu berichten. Neben Schilderungen von Eindrücken über Menschen und Regionen, denen ich begegne, versuche ich diese Berichte stets mit hoffentlich für andere Menschen mit Behinderungen hilfreichen Tipps anzureichern. Über Ihre Rückmeldungen oder das Weitergeben an andere Menschen mit oder ohne Behinderung freue ich mich. Der eigentliche „Lohn“ des Autors ist ja das Gelesenwerden seiner Machwerke 😉
Gerne können Sie diese Blogseite auch abonnieren (Abonnieren – sanchotrotztgegenwind.blog ), so dass Sie automatisch über neue Beiträge unterrichtet werden. „Reisen mit Behinderung“ ist dort derzeit eine von mehreren weiteren Kategorien (Unterthemen). Andere sind „Perspektivwechsel“ , „Aus Politik und Zeitgeschehen“ und „Demokratie“, teilweise mit eigenen Unterkategorien. Vielleicht möchten Sie dort ja mal vorbeischauen und etwas stöbern?
Zunächst ging es mit der Bahn von Fuß des Drachenfels zum Fuße des Brocken nach Wernigerode
am Bahnhof in Königswinter (Foto: StH, 2025)
Los geht’s – Oh Wunder anders als geplant
17.3.25
Die ursprünglich geplante Verbindung klappte nicht, wie ich morgens früh noch checkte. Der Zug von Köln-Deutz nach Hamm fiel aus. Zum Glück hatte ich früh genug im Internet nachgeschaut, und meinen Rollkoffer bereits am Vortag gepackt. Ich machte mich schnell reisefertig und nahm den Zug ab Königswinter, der eine halbe Stunde vor dem ursprünglich geplanten fuhr.
Mit dem klappt die Verbindung über Köln-Deutz, Hamm, Altenbeken, Kreiensen und Goslar dann auch ziemlich problemlos.
An allen Bahnhöfen außer Köln-Deutz gibt es Aufzüge, was mein Umsteigen mit Rollkoffer erleichtert. In Köln-Deutz hilft mir ein freundlicher Zeitgenosse, den Rollkoffer die lange Treppe hinunterzutragen – auf das Auffahrtsgleis (wie allen anderen Gleise) gibt es aufwärts Rolltreppen, so das es auch für mich einfach ist, das Bahngleis zu erreichen. Nur abwärts müssen lange Treppen bewältigt werden – und Vorsicht, die „Handläufe“ sind an einigen Stellen voll Taubenkot, mit dem ich vor einigen Wochen bereits unerfreuliche Bekanntschaft gemacht hatte.
Umstieg als Herausforderung, aber bewältbar
Ich hatte eine reine Nahverkehrsverbindung gewählt, da eine IC/ICE-Verbindung auch nur auf einer relativ übersichtliche Teilstrecke möglich gewesen wäre, auch vier Umstiege erfordert hätte, und auch nicht so sonderlich viel Zeitvorteil gebracht hätte. Das ist natürlich eine individuelle Entscheidung, die jede/r für sich treffen muss. Da zum Zeitpunkt meiner Reise keine Ferienzeit war, waren auch Sichtplätze vorhanden.
Nur auf einer Teilstrecke ist es ziemlich voll, mit Koffern im Gang und (fast) allen Sitzen besetzt.
Auf einer (für Behinderte, Schwangere und ältere Menschen) durch Zeichen gekennzeichneten Vierergruppe saßen 2 Frauen, wobei zusätzlich ein größerer Rollkoffer Platz einnahm. Dennoch sind theoretisch noch 2 Plätze frei, so dass ich die beiden frage, ob sie bitte etwas zusammenrücken könnten, damit auch ich mich setzen könne. Von der einen (mittelalterlichen) Frau werde ich darauf hingewiesen, dass auch ihr Hund (ein Zwergpudel) einen Sitz belege. Ich antworte: „Ich könnte Sie auch bitten, aufzustehen, da diese Sitze für Behinderte reserviert sind, und ich behindert bin. Also zieht sie eine ziemliche Schnute, doch nimmt ihren Pudel auf den Schoss, so dass auch ich einen Sitzplatz habe.
Vor Ankunft in Altenbeken besuche ich nochmals die Toilette, da man ja nie weiß, ob jene im nächsten Zug auch funktionsfähig sind und benutzt werden können. Ich bitte andere Reisenden auf meinen Rollkoffer aufzupassen, da ich auf Toilette gehen wolle.
Als ich zurückkomme, ist mein Koffer tatsächlich noch da, und die Dame mit dem Hund steht an der Tür, weil auch sie offensichtlich in Altenbeken aussteigen will.
Auch ich nehme meinen Rollkoffer und stelle mich an die Tür, da der Zug bald in Altenbeken eintreffen wird. Sie würdigt mich keines Blickes und blickt irgendwie anklagend, demonstrativ in eine andere Richtung. Die Bemerkung, dass ich einsähe, wie absolut unverschämt und unentschuldbar es von mir gewesen war, Ihrem Hund den Platz weggenommen zu haben, verkniff ich mir, was ja prima zu ihren Gesichtsausdruck passte. Tja, Solidarität und gutes Benehmen gegenüber Mitreisenden sind halt nicht allen Menschen gegeben 🙁
Von Weltbahnhöfen mit vielen Gleisen – Herausforderung für gehbehinderte Reisende?
Altenbeken scheint ein großer Bahnhof zu sein! Zumindest muss ich auf Gleis 21 wechselt, und habe nicht so sehr viel Zeit zum Umstieg zum Zug nach Kreiensen. Vorsorglich hatte ich jedoch die Schaffnerin gefragt, die mich beruhigt, es sei nicht weit – nur am Gebäude vorbei. Und so ist es tatsächlich kein Problem, den Anschluss von Altenbeken nach Kreiensen zu erreichen, und genug Sitzplätze finden sich in diesem auch.
Getoppt wird die Wichtigkeit des Bahnhofes in Altenbeken noch durch die des Bahnhofs Kreiensen: Hier muss ich von Gleis 1 auf Gleis 72, um von dort die nächste Etappe nach Goslar anzutreten. 72 Bahngleise! – Wahnsinn, da kommen München oder Köln ja bei weitem nicht mit! Aber auch dieser Umstieg ist ebenerdig und nicht weit. Manche Bahnhöfe tendieren dazu, sich wichtiger erscheinen zu lassen, als sie tatsächlich sind. Doch ist das wohl nur „menschlich, allzu menschlich“ – Ist das nicht bei manchen Menschen kaum anders?
In Goslar ist der Umstieg angesichts funktionierender Aufzüge und genügend Zeit zum Umstieg problemlos, so dass ich von dort aus Wernigerode am späten Nachmittag erreiche.
Ganz in der Nähe des Bahnhofgebäudes ist auch der Busbahnhof, von dem sowohl lokale Busse fahren als auch einige regionale Busse fahren, regional etwa nach Quedlinburg, den ich einige Tage später nutzen werde.
Also warte ich noch etwas auf den von mir benötigten Bus 202 zum Zwölfmorgental. Ein wenig verwirrt bin ich, da die Uhr in der Nähe 17.05 anzeigt, was eigentlich die Abfahrtszeit des Busses sein soll, aber vom Bus ist weit und breit nichts zu sehen. Die Auflösung bestätigt sich am kommenden Tag, als die Uhr noch immer 17.05 Uhr anzeige.
Der Bus kommt dann – es bewegt sich hier also doch etwas, wenn auch die Uhr nicht! Der Bus nimmt mich bis zur Haltestelle Zwölfmorgental mit. Mir gegenüber setzen sich eine Frau und dann kommt noch ein Mann mit Rollator, den sie offensichtlich kennt. Wie ich dem Gespräch der beiden entnehme, hat der Mann „Rücken“ und scheint in Frührente zu sein. Sie sind mir gegenüber freundlich, sagen mir, wann meine Haltestelle kommt, und drücken dann auch den Stoppknopf, an den ich selbst schlecht herankomme.
Von der Haltestelle muss ich die Straße „Zwölfmorgental“ mit meinem Rollkoffer knapp 500 m hochgehen, um zum von mir gebuchten „Regiohotel Schanzenhaus“ zu gelangen. Nach etwa der Mitte der Strecke endet der Bürgersteig, so dass ich auf der Straße gehen muss, aber es gibt nicht viel Verkehr, so dass dies problemlos ist.
Das Regiohotel liegt an Ende der Straße neben Sprungschanzen. Es gibt eine Treppe mit drei Stufen, aber auch eine barrierefreie Rampe als Zugang zur Rezeption, an der mich eine junge Frau freundlich begrüßt. Überhaupt erlebe ich das Personal beim Aufenthalt als stets freundlich und hilfsbereit. So erhalte ich am nächsten Morgen einen Stadtplan und die Dame erklärt mir den Weg zum Schloss und weist mich darauf hin, dass ich dahin nicht durch den gegenüber des Hotels liegenden Wald gelangen kann.
Dank Vorlage meines Behindertenausweises, den sie kopiert, wird mir bei Ankunft zunächst die Kurtaxe in Höhe von täglich 3,50 € erlassen. Danach hatte ich mich vorab bereits erkundet. Sind zwar für meine 4 Nächte „nur“ 14,- €, aber man kann ja fragen, ob man die Kurtaxe (oder Tourismusabgabe) auch als Schwerbehinderter zahlen muss. Nach meiner Erfahrung in manchen Orten ja, in anderen nicht – und warum soll ich leichte „Nachteilsausgleiche“, die ich als Schwerbehinderter erhalten kann, nicht in Anspruch nehmen? Nachteile habe ich sicherlich genug in meinem Leben, auch wenn ich nach bald 21 Jahren gelernt habe, recht gut mit diesen klarzukommen.
Also Tipps zum Reisen:
Vor Abfahrt nochmals die geplante Verbindung im Internet checken
„Augen auf“ vermeidet „beschissene Hand“.
Als Schwerbehinderter, oder älterer Mensch oder Schwangere darf man sich trauen, auch mal andere Mitreisende (etwas) „in die Schranke zu weisen“. Böse Blicke muss man allerdings bereit sein, zu ertragen. Ich begegnete jedoch auch mehreren Mitreisenden, die mir (teilweise ungefragt) ihre Hilfe anboten. Es gibt also noch Hoffnung für die Welt und das verträgliche Leben und Miteinander in ihr.
Von hohen Gleisnummern nicht unbedingt abschrecken lassen – Ob Bahnhöfe barrierefrei sind, kann man vorab im Internet unter https://www.bahnhof.de ( bzw.www.bahn.de/barrierefrei) checken. Das ist insbesondere hilfreich, wenn man mit einem Fahrrad unterwegs ist, aber natürlich auch für Rollstuhlfahrende oder Eltern mit Kinderwagen. Bei Fahrrädern muss man allerdings bedenken, dass einige Aufzüge recht klein, und manche sogar zu kurz für ein Fahrrad sein können. Und es gibt den „Mobilitätsservice“, den man unter 030 65212888 oder msz@deutschebahn.com erreicht. Bei Bedarf hilft dieser Service auch über Gleise oder in/aus dem Zug. Allerdings empfiehlt es sich, den Service einige Tage vorab zu kontaktieren, um sich über den Stand der Barrierefreiheit zu informieren und ggf. eine Unterstützung zu vereinbaren.
Ruhig fragen, ob die Kurtaxe/Tourismusabgabe gegen Vorlage des Behindertenausweises erlassen wird.
Die meisten Mitreisenden sind hilfsbereit, wenn man sie z.B. an Treppen bzgl. des eigenen Rollkoffers (freundlich!) um Mithilfe bittet. Übrigens sind nach meiner (ganz subjektiven) Erfahrung die meisten „Menschen mit Migrationshintergrund“ eher hilfsbereit als einige Franken . Das kann und soll natürlich nicht verallgemeinert werden, sondern ergibt sich aus meinen ganz subjektiven und nicht repräsentativen Erfahrungen. Jedenfalls habe ich meist gute Erfahrungen gemacht, wenn ich um Hilfe bat, ggf. in Englisch. Ausnahmen wie die Dame mit dem Zwergpudel bestätigen die Regel, aber solche Erfahrungen musste ich eher selten machen. Allerdings habe ich auch keinerlei Probleme, meinen Mund aufzumachen, wenn ich Hilfe oder in einem vollen Zug einen Sitzplatz benötige.
In Wernigerode
Ein wenig zur Geschichte
Die Ursprünge der Stadt, die 1121 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde, liegen in der Zeit der Rodungen von Benediktinern um das Jahr 900.
Am 17.4.1229 erhielt Wernigerode das Stadtrecht.
Im Mittelalter war die Stadt von einer steinernen Mauer mir vier Toren und etwa 20 Türmen umgeben.
Während des Bauernkriegs (1525) und der Hexenprozesse (1521-1608 – woie war das mit der Walburgisnacht und dem nahegelegenen Brocken?) erlebte die Region schwere soziale und religiöse Konflikte. Der Dreißigjährige Krieg (1718-1648) brachte Zerstörungen durch Brände, doch die Stadt wurde immer wieder aufgebaut.
Ab 1714 gehörte Wernigerode offiziell zu Brandenburg-Preußen, und das Schloss wurde im späten 17. Jahrhundert mehrfach umgebaut.
Im Dezember 2023 hatte Wernigerode gut 32.400 Bewohnende
18.3.25
Das Zimmer liegt ebenerdig und ist einfach, aber ausreichend ausgestattet. Lediglich die Fernsehsender sind beschränkt, da es zwar ZDF, 3Sat. RTL. und andere Privatsender sowie einige Werbesender gibt, aber keinerlei ARD-Sender (weder „das Erste“ noch irgendwelche ARD-Regionalsender und nicht einmal der „heimische MDR“). Andererseits gibt es auch Radiosender.
Frühstück gibt es von 7.-10.00 Uhr. Direkt neben meinem Zimmer (102) befindet sich der „Nachtzugang“, der morgens offensichtlich auch vom Personal sowie früh abreisenden Gästen genutzt wird. Trotz hinweisenden Schild, man solle diese Tür vorsichtig (geräuscharm) schließen, ist das leider häufig nicht der Fall und so werde ich die ersten beiden Tage gegen 5.30 Uhr geweckt, so dass ich eher um 7.00 denn um 10.00 Uhr beim Frühstück bin.
Der Frühstücksraum ist im mit dem Aufzug erreichbaren 1. Stock. Das Buffet ist mit Müslisorten, Leinsamen, Kürbiskernen, Gucchibeeren, aber auch Lachs, Wurst und Käse, gekochten Eiern und Rührei, Gurken, Tomaten, Mozarella sowie Brötchen, Brot, Knäcke und natürlich mehrere Marmeladensorten, Kaffee, Tee, Milch und ab dem zweiten Tag auch Saft reichhaltig und lecker. Die Servicekräfte sind freundlich und hilfsbereit, etwa dabei, mir das Brötchen aufzuschneiden, da ich Brötchen einhändig eher zu meucheln als aufzuschneiden vermag.
Nach dem Frühstück frage ich an der Rezeption, wie ich zum Schloss komme, dass man auf einem Hügel sieht. Die freundliche Dame kopiert einen Stadtplan, und erklärt mir den Weg, den sie auch mit Marker auf dem Plan markiert.
Dieses Foto wurde nicht von der Unterkunft aus, sondern später von der Stadt aus gemacht. (Foto: StH, 2025)
Also mache ich mich auf den Weg, den ich eigentlich auch recht gut finde – es gibt mehrere Wege, die zum Schloss führen. Einen, der wohl der kürzeste wäre, aber sehr steil beginnt, ignoriere ich, und wähle den für mich verträglicheren, den mir ein freundlicher Arbeiter in der Nähe des Friedhofs nennt.
Es ist zwar etwas steil, aber auch für mich gut zu bewältigen, so dass ich vielleicht 20-30 Minuten später am Schloss ankomme. Zunächst führt der Weg durch eine am Hang liegende Straße mit einer Häuserzeile an der linken Straßenseite, in denen sich offensichtlich Appartements sowie Werkstätten und kurz vor dem Schloss ein Restaurant mit Terrasse befinden.
Gegenüber vom Schloss gibt es eine Aussichtsebene mit herrlichem Blick über die Stadt. Ich habe Glück, dass es ein schöner sonniger Frühlingstag ist, und somit auch der Ausblick wirklich schön:
Wernigerode vom Schloss aus. (Foto: StH, 2025)
Im Schloss gäbe es einige Räumlichkeiten zu besichtigen, doch frage ich vorsichtshalber zunächst, ob viele Stufen zu bewältigen sind. Der Mann an Kartenschalter empfiehlt mir, von der Tür links neben dem Souvenir- und Kartenverkaufsraum aus mir selbst ein Bild zu machen. Als ich von dort die steinerne und geschwungene Treppe mit doch recht vielen Stufen sehe, nehme ich von der Besichtigung Abstand. Das ist zwar schade, aber einer der Nachteile in meinem Dasein seit 2004, für die ich bisweilen einen Ausgleich in Form von ermäßigten Eintrittskarten oder dem Erlass der Kurtaxe erhalte. Neid von „Gesunden“ ist also wohl nicht angesagt, da man bekanntlich immer „einen Tod sterben muss“.
Ich setze mich also stattdessen gemütlich und bei warmem Sonnenwetter auf die Terrasse der benachbarten Restaurants, bis zu der nur einige wenige Stufen zu überwinden sind, und gönne mir mit Blick über die Stadt ein Stück Kuchen und einen Capucchino. Die „spanische Vanilletorte“ verspricht vom Namen mehr, als der Geschmack dann bietet, doch sind die beim Aufstieg eingesetzten Kalorien derart gleich ersetzt!
Danach mache ich mich auf den Abstieg zurück in die Stadt, für den ich einen anderen, auch für mich gut bewältbaren Weg wähle. Unten angekommen erkunde ich Wernigerode
Einige Eindrücke:
Wernigerode hat u.a. viele Fachwerkhäuser – was könnte das Kennzeichen „WR“ bedeuten? (Foto: StH, 2025)
Über dem Dach dieser Villa erahnt man das Schloss (Foto: StH, 2025)
Erwähnte ich nicht, dass des Frühling ist ;)- Foto: StH, 2025
Schließlich nehme ich wieder den Bus (202) und fahre zurück zum Zwölfmorgental, wo ich dann nach etwa 6-7 Stunden unterwegs auch genug für heute habe, aber es
Vom Brocken und seinem Gehölz
19.3.25
Nach mitgastbedingt frühem Aufwachen (s.o.) und leckerem Frühstück, will ich heute bei erneut herrlichem Frühlingswetter den Brocken erklimmen – allerdings dann doch nicht zu Fuß, sondern mit der Harzschmalspurbahn (HSB), die ebenfalls vom HBF Wernigerode aus fährt.
Passenderweise hörte ich gestern in „Wissen aktuell“ im DLF einen Beitrag über die Feuermeldeinstallationen am Brocken, die in 2024 zweimal versagt, bzw. die beiden Feuer nicht angesagt hatten.
Erläutert wird, dass die Dampflok, die auf den Brocken fährt, halt Qualm und auch manchmal Funken ausstößt, und für die Meldegeräte der Wind ungünstig gestanden habe, und diese Meldegeräte natürlich auch nicht flächendeckend aufgestellt werden konnten – die (auch klimawandelbedingte) Trockenheit trug dann das ihre dazu bei.
Die Folge der Brände in 2024, – Foto: StH, 2025
Also gehe ich zum Bus, der auch kurz nach meiner Ankunft an der Haltestelle kommt. Der 202 fährt einen Rundkurs, der recht lang von einem Ende der Stadt zum Industriegebiet auf der anderen Stadtseite führt. Und so bekomme ich eine gut einstündige Stadttour, bevor ich am Bahnhof ankomme Auch komme ich nach gut 20 Minuten erneut an der Haltestelle vorbei, an der ich eingestiegen bin – nur dann an der anderen Straßenseite und in der anderen Fahrtrichtung.
Somit weiß ich für die kommenden Tage, dass ich denselben Bus auch etwas später von dieser anderen Straßenseite nehmen kann, sollte ich ihn auf „meiner“ Seite gerade verpasst haben. Und ich weiß, dass ich die Fahrtzeit zum Bahnhof durch Umsteigen unterwegs in einen anderen Bus verkürzen kann, was ich an den folgenden beiden Tagen auch tue.
Heute aber stört es mich nicht, etwas von der Stadt zu sehen, da ich recht früh unterwegs bin.
Am Bahnhof gehe ich zum HSB-Fahrkartenschalter, wo ich erfreut feststelle, dass mein vorgelegter Behindertenausweis (mit ÖPNV-Wertmarke) bereits als Fahrkarte gilt und ich mir die üblicherweise zu entrichtenden 57 € für Hin- und Rückfahrt sparen kann. Ich bin nicht allzu unglücklich 😉
Der Zug steht auch bereits auf Gleis 31 und ich gehe ihn entlang. Der Einstieg erscheint auf den erstem Blick ein wenig herausfordernd für mich, da es zwei Tritte bis auf die Plattform zu beiden Seiten eines Wagons gibt, deren Abstand vom Bahnsteig etwas weiter erscheint. Aber ich bekomme es dann doch gut bewältigt und suche mir einen Platz.
im HSB-Wagon, der sich dann noch gut füllt. – Foto: StH, 2025
Dann geht es los, und vorbei am Bahnhof Westerntor, Hochschule Harz und einigen weiteren wie „Drei Annen Hohne“ und Schierke bis zum Brocken
Wernigerode ist in der Mitte oben zu finden, die Brockenstation rechts unter dem Wort „Harz“ – Foto: StH, 2025)
Mir gegenüber setzt sich an einer der Stationen ein Vater mit seinem Sohn, die ein Stück gewandert sind und somit unterwegs zusteigen. Sie kommen aus Hamburg, und der Vater will diese Gegend, die er bereits selbst als Kind kennenlernte, nun seinem Sohn zeigen. Er erzählt, dass man früher durch dichten Fichtenwald gefahren sei.
Bliclk aus dem Zug auf die Brandschäden – Foto: StH, 2025
Nun sieht es überwiegend einiges trockener aus. Neben Klimawandel und Trockenheit hat insbesondere auch der Borkenkäfer reichhaltig geschlemmt. Und so stehen die abgestorbenen Bäume wie eine Zahnstocher-Armee neben den Bahngleisen, was schon recht bizarr erscheint. Doch „Zahnstocher“ und „Schlemmern“ haben ja durchaus eine sinnvolle Verbindung. zahnstochernutzende Borkenkäfer wären allerdings wohl zirkusreif!
Einzelne offenbar noch lebende Bäume stehen dazwischen und einige gefallene Stämme liegen verkohlt auf dem Boden.
Allerdings wird per Ansage erläutert, dass man das „Totholz“ liegen lasse, so dass es mitnichten „tot“ sei, sondern vielen Insekten und anderen Lebensformen ein zu Hause gebe. Auch entstehe bereits am Boden ein neuer Mischwald …
In Drei Annen und Schierke gibt es einige Minuten Aufenthalt, so dass man aussteigen und Fotos machen könnte. Bei Schierke wird dann von den Schaffnerinnen auch lokaler Schnaps und Likör, etwa der „Schierker Feuerstein“ verkauft.
Nach gut 1,5 Stunden erreichen wir dann die Bergstation. Der Brocken selbst ist felsig, und es gibt nur etwas recht trockenes Gras – eigentlich durch Holzgeländer geschützt. Klar soll man die vorgegebenen Wege zum Artenschutz in diesem recht kargen Naturschutzgebiet nicht verlassen, aber meint ihr, dass sich alle daran halten?
Der Brocken ist wohl an sehr vielen Tagen in Nebel gehüllt. Auch deshalb hatte ich die Chance, des heute sonnigen Tags ergriffen, um ihn zu besuchen, und tatsächlich ist die Aussicht heute wirklich gut
Man sieht von hier heute auch Wernigerode – rechts, etwas abseits auf dem Hügel ist das Schloss zu erkennen, das ich gestern besucht hatte – Foto: StH, 2025
Auch heute bei Sonnenschein ist es recht kühl um den Kopf. Auf der Spitze des Brocken gibt es ein kleines Plateau mit einem Stein, auf den auch die Höhenangabe (1143 m über NN) angebracht ist, sowie in den Boden rings um diesen Stein eingelassene Tafel mit Städte-/Ortsnamen und Entfernungsangabe, u.a. London, Madrid, Goslar, Hamburg, Bremen, Kahler Asten.
Ein Besucher sagt, er käme nie wieder hierhin, werde es ab nun boykottieren, da Düsseldorf nicht angegeben sei. Gut Köln oder Bonn sind ebenfalls nicht zu finden, und nicht einmal Königswinter oder der Drachenfels – echt unverzeihlich!
Bänke, um sich hinzusetzen und die Aussicht zu genießen gibt es außerhalb der Restaurationen auch nicht, und es liegt noch etwas Schnee.
Nach einem kleinen Rundgang und einer kleinen Pause mich auf eines der niedrigen Holzgeländer setzend, gehe ich zurück zum Bahnhof, da ich eine Abfahrtszeit bei der Ankunft auf dem Fahrplan gesehen hatte, die bald wäre. Am Bahnsteig warten auch viele Menschen, doch schaue ich nochmals auf den Fahrplan und frage auch eine Dame im Souvenirladen, die mir Auskunft gibt, dass der Zug, auf den offensichtlich viele dieser Menschen warten, nicht fährt, da er nur in den Osterferien (12.-20.4. oder so) fahre. Der nächste Zug fahre um 13.59 h, dann aber auch nur bis „Drei Annen“, wo man etwa eine Stunde Aufenthalt habe, bevor man mit einem anderen Zug von Gleis 3 nach Wernigerode weiterfahren könne.
Also setze ich mich auf zunächst eine eiserne Baggerschaufel mit Blick gen Wernigerode, und dann auf ein Mäuerchen am Asphaltweg, den einige auf- wie abwärts nehmen. Ich frage jemanden, wo der hingehe: „Nach Schierke“ – „und wieweit ist das“ – „8,3 km“ – Ok, die Strecke spare ich mir und warte lieber auf den Zug, der dann auch tatsächlich kommt. Ein älteres Ehepaar, die bereits mit mit zusammen hochgefahren waren, bietet mir an, mir beim Einstieg zu helfen und mit einen Sitzplatz freizuhalten, da doch recht viele Menschen auf den Zug warten.
Einstieg und Sitzplatzsuche bewältige ich dann gut. Mir gegenüber setzt sich ein jüngerer Mann, der mit seinen Freunden hochgewandert war, unterwegs aber die Aussicht genießend sich den Fuß verknackst habe. Der sei nun total dick, so dass er lieber die Bahn bis Schierke nehme, wo dann seine Kumpel mit dem Auto auf ihn warteten. Tja, einen Moment nicht aufgepasst 🙁
In Drei Annen setze ich mich auf eine Bank an Gleis 1 in die Sonne zu einem älteren Ehepaar. Die Dame erwähnt dann, sie stamme aus Argentinien, so dass wir ins Spanische wechseln. Sie war mit einem Mitarbeiter von Kraus-Maffei verheiratet und hatte in München gelebt, bis ihr Mann starb. Ihren jetzigen Begleiter, der auch verwitwet ist, lernte sie vor einigen Jahren kennen. Beim Unterhalten über dies und das verfliegt die Zeit, so dass wir erstaunt sind, dass unser Zug nach Wernigerode bereits eintrifft.
Bahnhof in Drei Annen Hohne – Foto: StH, 2025
Wir steigen also ein, und es geht kurz vor 15.00 Uhr mit dem Zug weiter nach Wernigerrode.
Eine Weile stehen drei Züge in Drei Annen nebeneinander: einer nach Nordhausen, einer hoch zum Brocken und unserer nach Wernigerode. Hier, wie an den Endstationen wechseln die Loks zum anderen Ende. Mit den drei Zügen in Drei Annen wechseln einige Loks auch zwischen den Zügen.
In Wernigerode muss ich nicht zu lange auf meinen Bus warten und fahre zu meinen Hotel.
Quedlingburg
Quedlinburg wurde erstmals 922 urkundlich erwähnt und erhielt 994 das Stadtrecht. Seit 1994 ist sie Teil des UNESCO-Welterbes. In der Altstadt befinden sich über 2.100 Fachwerkhäuser aus 8. Jahrhunderten. Im Dezember 2023 hatte Quedlinburg gut 23.260 Einwohnende
20.3.25
Erneut werde ich dankenswerterweise früh geweckt, so dass ich nicht in Versuchung komme, zu viele Stunden des erneut sonnige Tages zu verpennen – Herzlichen Dank den früh abgereisten Gästen 😉
Also gehe ich nach dem Frühstück zur Bushaltestelle und steige in Rendevous vom Bus 2o2 in den Bus 201 um, so dass ich recht schnell am Bahnhof bin. Dort steige ich in den Bus 230 nach Quedlinburg um, und erreiche nach knapp 1 Stunde Quedlinburg, wo ich bis zur Endstation am Bahnhof fahre. Von dort gehe ich zurück ins Zentrum. Quedlingburg besteht aus vielen Fachwerkhäusern und ist ein recht schönes Städtchen. Ich laufe kreuzt und quer durch die Straßen, und genieße Stadt und Frühlingswetter:
in Quedlinburg – Foto: StH, 2025
Straßenflucht in Quedlingburg – Foto: StH, 2025
Straßenflucht
am Markt von Quedlinburg – Foto: StH, 2025
an diesem kleinen Platz gibt es auch Flammkuchen, allerdings täglich erst ab 17.00 Uhr, so dass ich keinen genießen konnte, da ich bereits früher dort war. – Foto: StH, 2025
Ich setze mich noch etwas in die Sonne, und fahre gegen 15.30 Uhr mit dem Bus zurück nach Wernigerode. Es war ein schöner Tag, doch gibt es in Quedlinburg auch viel Kopfsteinpflaster, was mir das Gehen leider etwas schwer macht, da dann meine Unterschenkelorthese nach einer Weile zu schmerzen beginnt. Aber ich muss mir meine Nachteilsausgleiche ja auch verdienen!
Ciao Wernigerode, hola Goslar
Auch Goslar wurde erstmals im 10. Jahrhundert (979) erstmals erwähnt und war ein wichtiges Zentrum des Heiligen Römische Reiches deutscher Nation, war Kaiserpfalz und erlebte ihre Blütezeit unter dem Salier Heinrich III, und war von 1290 bis 1802 eine freie Reichsstadt. In Goslar befinden sich über 1.500 Fachwerkhäuser und die Stadt ist seit 1992 Teil des UNESCO-Welterbes und hatte im November 2023 fast 49.800 Bewohnende.
21.3.25
Damit sind meine 3 Tage in Wernigerode zu Ende und ich gehe nach dem Frühstück zum Bus, mit dem ich zum Bahnhof fahre, von wo ich den Zug nach Goslar nehme.
In Goslar komme ich nach etwa 1/2 Stunde Zugfahrt an, und gehe vom Bahnhof ins nahegelegene Hotel „Der Achtermann“. Leider gibt es dort zum Eingang (Rezeption) eine Treppe mit vielleicht 15 Stufen, die für mich mit Rollkoffer bewältigbar ist, aber mit etwas Anstrengung. Allerdings steht oben ein Arbeiter, den ich frage, ob es einen Lift gebe. „Leider nicht!“, aber er kommt mir entgegen. Ich frage: „Also sind Sie mein Lift?“ – „Wen ich schon mal hier bin, bin ich gerne Ihr Lift“. Das ist natürlich wieder sehr nett und hilfsbereit, worüber ich mich freue, und ihm herzlich danke.
Drinnen gehe ich zur Rezeption. Eigentlich bin ich zu früh, und müsste auf das Einchecken (ab 15.00 Uhr) noch warten. Also will ich eigentlich nur meinen Rollkoffer abstellen dürfen, um dann (ohne störendes Gepäck) Goslar erkunden zu können. Aber an der Rezeption erfahre ich, dass mein Zimmer bereits bezugsfähig sei. Also kann ich meine Sachen bereits im Zimmer lassen, bevor ich mit „kleinen Gepäck“, also nur meinem Rucksack in die Stadt gehe. Wenn man die Zugangstreppe des Achtermann hinuntergegangen ist, und dann links geht, kommt man ins Zentrum von Goslar. Auch Goslar ist eine alte Fachwerkstadt
im Hintergrund rechts der Goslarer Marktplatz – Foto: StH, 2025
Ich streife durch die Straßen und gelange zum Markt, wo ich mich auf einer Bank am Rande des Platzes etwas in der Sonne ausruhe, Da es gerade 15.00 Uhr ist, beginnt das Glockenspiel
Beim Glockenspiel auf dem Goslarer Markt kommen aus den drei Türen auch Figuren mit drei Szenen z.B. aus dem Bergbau:
a) Die Entdeckung des silberhaltigen Erzes: Der Ritter Ramm entdeckt das Erz, als sein Pferd mit dem Huf scharrt
b) Die Einrichtung des Bergbaubetriebes: Kaiser Heinrich III. ordnet den Beginn des Bergbaus an
c) Der moderne Erzbergbau: Bergleute der heutigen Zeit demonstrieren die Nutzung moderner Geräte
Das Glockenspiel wurde 1968 von der Preussag anlässlich des Jubiläums „1000 Jahre Rammelsberger Bergbau“ gestiftet und ist eine beliebte Attraktion für Touristen und Einheimische
Vom Markt aus gehe ich zur nahegelegenen Touristeninformation, in der ich einen Stadtplan erhalte und in deren Untergeschoss eine UNESCO-Welterbe-Ausstellung über den Bergbau im Harz zu besichtigen ist
Danach gehe ich noch zur Kaiserpfalz, vor der ein größerer Platz ist. Vor dem Portal befinden sich zwei Reiter-Standbilder mit Pickelhauben
Foto: StH, 2025 – Friedrich Barbarossa symbolisiert das erste deutsche Reich (Heiliges Römisches Reich deutscher Nation) , Wilhelm I repräsentiert das zweite Deutsche Reich, das 1871 gegründet wurde – und nach dem 1. Weltkrieg im November 1918 durch Abdankung und Flucht des Monarchen in die Niederlande endete.
Es ist erneut ein herrlicher Frühlinngstag
Die Frühlingsboten zeigen sich in voller Blüte – Foto: StH, 2025
Dann gehe ich noch einen weiten Bogen zurück zum Hotel und esse in einem italienischen Restaurant in Bahnhofsnähe zu Abend – habe schon leckerer gegessen, aber wurde satt.
In der Nacht zum 23.3. werde ich nachts durch Türeschlagen und laute Stimmen vom Raum vor der Zimmertür, von der 8 Zimmer abgehen geweckt. Irgendwie verfolgt es mich, aber ich schlafe wieder ein.
Als ich gegen 8.00 Uhr zum Frühstück gehe, ist es im recht weitläufigen Frühstücksraum recht bevölkert, aber ich setze mich an einen Tisch mit einem älteren Ehepaar. Auch hier ist das Buffet recht vielfältig – die eine Kaffeemaschine wird aber heftig belagert. Es gibt aber auch Filterkaffee in Warmhaltekannen, an denen ich mich bediene. Der Kaffee ist etwas besser als der relativ dünne im Regiohotel, das Wasser lief also vermutlich an mehr Kaffeebohnen vorbei.
Erneut ist es ein schöner und sonniger Frühlingstag. Nachmittags erhole ich mich im Hotel. Es gibt im Achtermann auch einen Wellnessbereich mit Schwimmbad und Sauna. Nach dem Frühstück erkunde ich wo dieser sich befindet, nehme von einem Besuch dort aber Abstand, da der Weg dorthin recht weit durch einen Hausflügel und dann auch noch eine Treppe abwärts führt.
Also gehe ich stattdessen wieder in die Stadt. Um 12.00 Uhr erlebe ich am Markt erneut das Glockenspiel, das etwa 5 Minuten dauert. Ich genieße Sonne und Wärme und beobachte die Menschen, die den Markt bevölkern.
Zurück an den Rhein
23.3.25
Jeder Urlaub, und sei er auch noch so frühlingshaft und sonnig geht einmal zu Ende, so auch dieser Harzausflug
Heute gehe ich etwas früher, kurz nach 7.00 Uhr zum Frühstück, so dass es noch etwas leerer ist. Gegen 7.3o kommt dann eine größere Gruppe älterer Menschen – wie ich erfahre reine Reisegruppe aus Fürstenewalde – später sehe ich auf der Straße auch die Busse.
Gegen 9.00 Uhr checke ich aus, und stelle fest: „Einen Aufzug zur Straße haben Sie wohl nicht?“ – „Doch! Fahren Sie bitte mit dem Lift nach unten (Servicebereich) – ich komme gleich und mache Ihnen auf“
Gesagt, getan, tatsächlich gibt es dort einen ebenerdigen Ausgang – man muss nur fragen 🙂
Von Goslar geht es in vier Etappen über Kreiensen (Gleis 72 zu Gleis 1). Statt in Paderborn steige bereits in Altenbeken um, da ich dort den Anschluss nach Hamm noch erreiche, in Paderborn laut Internet nicht mehr).
Und tatsächlich erreiche ich in Altenbeken den Zug nach Hamm noch, der auch über Paderborn fährt, wenn auch dank eines netten Menschen, der auf mein Rufen die Tür für mich aufhält, obwohl er selbst gar nicht mitfahren möchte.
Allerdings addieren sich halt häufig die kleinen Verspätungen, und so haben wir in Hamm etwas zu viel Verspätung, bzw. am zum Glück vorhandenen Aufzug stauen sich die Bekofferten, und eine Aufzugfüllung fährt abwärts, obwohl da noch Platz für einen weiteren Passagier gewesen wäre. Im nächsten Schwung komme auch ich mit, nur bleiben die vor mir Aussteigenden unten vor der geöffneten Tür stehen, so dass ich nicht vorbeikomme. Als ich dann am Gleis ankomme, ist mein Zug weg. Ok, knapp eine Stunde später fährt der nächste nach Köln-Deutz, und von dort komme ich mit relativ wenig warten in meinen Zug nach Königwinter.
Beim Umsteigen bemerke ich auch, dass es sehr wohl auch Rolltreppen abwärts gibt, allerdings am anderen Bahnsteigende, also in Fahrtrichtung Süden am Ende entgegen der Fahrtrichtung, und bei Fahrtrichtung Norden am Ende in Fahrtrichtung, Dann weiß ich das auch bei der nächste Reise und Vermeide sowohl helfende wie auch taubenbekotete Hände …
Also komme ich nach 6 schön sonnigen Frühlingstagen mit vielfältigen Eindrücken und dem Besuch von 3 Städten und der höchsten Erhebung des Harz wieder am Rhein. Einen Sonnenbrand habe ich nicht, aber eine „gesunde Gesichtsfarbe“.
Auf diesen Tag hatten Sven und Kitty seit 5 Dekaden, also seit dem 24. Juni 2024, hin gefiebert.
Immer wieder hatten sie oder eine/r von ihnen gezweifelt, ob sie diesen Tag gemeinsam erleben dürften, aber trotz mannigfaltigem Auf und Ab – schließlich wurden sie ja nicht jünger – war es nun so weit!
Bisweilen hatte ein Zeh da geschmerzt und ein Finger dort geschwächelt, der Haaransatz zwickte oder das Herz raste und hin und wieder waren Fachkräfte in weißen Kitteln konsultiert worden. Aber insgesamt waren sie beide zwar ziemlich wacklig auf de Füßen, aber für ihr tatsächlich fortgeschrittenes Alter erstaunlich gut beieinander – gute Pflege gegenseitig, pflegten sie zu sagen.
Und nun war der Tag wirklich gemeinsam erreicht, sie 107-jährig, er schlappe 113-jährig, Kaum zu glauben, aber die Fortschritte der Medizin hatten das Ihrige dazu getan.
Und so hatten sie eine riesige Torte backen lassen, einen großen Saal angemietet und die 200 engsten Freunde und Verwandten eingeladen, um das Goldfest zu feiern. Sie planten, von den gegenüberliegenden Ecken des Saales aufeinander zuzustreben, um dann gemeinsam die Torte anzuschneiden, die Gästeschar mit derart Süßen zu verwöhnen, wie es ihnen in den vielen, aber kurzweiligen Jahren des Schlenderns und manchmal Stolperns durch das gemeinsame Leben, vergönnt gewesen war. All das zu den Klängen des bekannten Hits aus den 1920er Jahren: „Du bist alles, was ich will!“
Und als der Tag gekommen war, ölten sie ihre Rollatoren, brachten diese auf Hochglanz und begaben sich zu den gegenüberliegenden Türen des Saales. Als dann die Musik erklang, öffneten sie die Türen und strebten mit einem ein wenig wirr-erscheinenden, aber glücklichen Lächeln auf Lippen und Gesicht dem in der Mitte des Saales aufgebauten Tisch mit der Torte zu. Der halbseitig gelähmte Sven schien ein wenig mehr verwirrt, da er zunächst mit seinem Rollator stets im Kreis zu laufen schien, aber dann schüttelte er sich und zwang sich, auf der zu seiner Leitlinie auf dem Boden geklebten geraden Linie der Torte und seiner Kitty entgegenzustreben.
Schon war Kitty an der Torte angekommen, als Sven noch mit der geraden Linie kämpfte, aber auch dem gemeinsamen Ziel immer näher kommend.
Als sie sich schließlich an den gegenüberliegenden Seite der Torte gegenüberstanden, schauten sie sich lächelnd und tief in die Augen und dann hoben beide ihre Messer, um die Torte an beiden Seiten anzuschneiden.
Schon nährten sie ein wenig zittern die Messer zur Torte, als beide aus unverständlichen Gründen zu straucheln schienen und schließlich den allerletzten Schritten verstolpernd von gegenüberliegenden Seiten in die Torte fielen. Dort lagen dann ihre Gesichter nah aneinander und er flüsterte ihr zu: Danke ! Nun sind wir angekommen – beim letzten Kuss – Und der ist wirklich süß und cremig 🙂
Diese Tour habe ich im Juni 2024 zusammen mit meiner Partnerin unternommen, die auch die Fotos gemacht hat.
Nachdem wir bereits voriges Jahr in Rüdesheim eine Nacht verbracht hatten, jedoch das trübe Wetter die Sicht „vernebelte“, nutzten wir den sonnigen Samstag anfangs Juni 2024, um mit dem Zug von Königswinter über Koblenz nach Rüdesheim zu fahren.
In Neuwied stiegen wir kurzentschlossen aus und in den Regionalzug nach Richtung Wiesbaden um. Dies entpuppte sich als sehr gute Entscheidung, da ich in der DB-App nicht Rüdesheim, sondern Rüsselsheim eingegeben hatte. Vermutlich kann man auch nach Rüsselsheim fahren, muss dies aber wohl nicht unbedingt, und unseren heutigen Plänen entsprach das ja ohnehin nicht. So hatten wir als „Holzauge-sei-wachsam“ gerade noch rechtzeitig die richtige Kurve gekriegt, und der weiterführende Zug stand ohne Treppenübergang bereits auf Gleis 15 bereit, welches eine Verlängerung des uns empfangenden Gleises 1 darstellt.
Der Zug war bereits ordentlich mit einer Ausflugsgruppe aus 130 Eltern und laut Aussage einer Mutter fußballernden Kindern bevölkert, doch fanden wir noch zwei Sitzplätze. Der Geräuschpegel zeigte, dass die Kinder durchaus lebendig waren, was ja zu begrüßen ist. Nach einigen Stationen wurde es fast befremdlich still, als diese Gruppe den Zug verlassen hatte. Bisher Stehende verteilten sich nun auf den frei-gewordenen Sitzplätzen und selbst der Schaffner schien etwas zu entspannen.
Die reizvolle Bahnstrecke führt nach Koblenz wieder zurück auf das rechte („schäl“) Rheinufer, das die dort Wohnenden lieber die „Sonnenseite“ nennen. Unter Anderem kommen wir an Kaub mit der Pfalzgrafenburg vorbei, wo in Jahren mit wenig Nieder-schlägen die Rheinschifffahrt unterbrochen ist, bzw. nur der Frachtverkehr an der flachen Stelle vorbei nur in Schiffen mit sehr niedrigem Tiefgang passiert werden kann. Natürlich wird auch die Loreley passiert und viele Burgen auf den Hügeln und an den Hängen des Rheintales.
Wir fuhren durch das mit vielen Burgen versehene und wirklich sehr reizvolle Rheintal bis Rüdesheim, und ahnten bereits, dass es an der Seilbahn dort voll werden könnte. Auch ohne kickende Kinder war der Zug gut gefüllt, und weitere Reisende stiegen fast an jedem Bahnhof zu. So erfreute auch eine irgendwie vatertagsanmutende Gruppe von Jungmännern mit wummernder Musik und nicht immer tonsicherem Mitsingen freund-lich die anderen Reisenden. Sie stiegen ebenfalls in Rüdesheim aus und strebten bier-flaschenschwenkend in Richtung Rüdesheimer Seilbahn. In Rüdesheim angekommen folgten wir den dem Zug entsteigenden Massen, und fanden, diese kaum verfehlend könnend, dort eine des Gondelbesteigens harrenden Schlange. Bei entsprechender Stimmung versprach dies sicher einen interessanten Austausch mit anderen in der Sonne Wartenden, allerdings war uns nicht wirklich danach, und so beschlossen wir erneut kurzentschlossen eine Planänderung. Also: nicht wie die Meisten in Rüdesheim aufzufahren, auf der Höhe nach Assmannshausen zu wandern und dort mit dem Sessellift wieder abzufahren, sondern es gegenstromschwimmend zu versuchen.
Foti: StH (2024 – in Rüdesheim)
Wir strebten wieder zum Bahnhof in Rüdesheim und tatsächlich mussten wir nicht lange warten, bis wir einen Zug gen Koblenz besteigen konnten, der uns die eine Bahnstation zurück nach Assmannshausen mitnehmen konnte.
In Rüdesheim gibt es am Bahnhof die Besonderheit, dass der Ausgang von der Wartehalle zu den Bahnsteigen geschlossen bleibt, bis sie kurz vor Zugankunft für die Reisenden geöffnet wird. Als wir auf den Bahnsteig warteten, geriet die Bahnbediens-tete in ziemliche Aufregung, da irgendein bierflaschenbewaffneter Nachwuchs-Gentle-man die Gleise ungesichert überschritt, so das der ankommende Zugführer sich nach ihren Aussagen sehr erschrocken hatte. Dieser einfahrende Zug endete allerdings außerplanmäßig hier, so dass wir auf den wenige Minuten später Eintreffenden warten mussten. Die Bahnbedienstete war nun sehr bestimmt und ließ Niemanden mehr in den vorderen Gleisbereich gehen. Auch mein Hinweis, dass ich keine Bierflasche habe, ver-mochte sie nicht zu erweichen, was nicht wirklich schlimm war. Diejenigen, die in die Gegenrichtung gen Wiesbaden reisen wollten, schickte sie rigoros wieder in die Wartehalle zurück. Gleis 1 für die Züge von Koblenz in Richtung Wiesbaden erreicht man lediglich über einen ungesicherten Übergang über die Gleise, der vom Bahn-personal bei Bedarf für Ankommende und Abreisende freigegeben werden muss.
Dann kam unser Zug und wir fuhren die eine Station bis Assmannshausen. Zunächst dachten wir, dass wir in Assmannshausen die Treppe hinab und unter den Gleisen durch zum Ausgang Richtung Rhein gehen müssten, doch gingen andere Reisende in Fahrtrichtung auf dem Bahnsteig weiter und wir folgen ihnen.
Tatsächlich befindet sich auch dort ein Ausgang auf die parallel führende Straße sowie ein Schild, dass es zur Sesselbahn nur 200 m seien. Dieser Weg führt zwar etwas hang-aufwärts, aber an einem großen und recht beeindruckenden Fachwerkhaus vorbei.
Dieses rechts passierend gelangten wir kurz darauf an eine Treppe hin zur Talstation. Leider befindet sich nur an deren linken Seite ein Geländer, für mich linksseitig Gelähm-ten beim Aufstieg also an der falschen Seite. Nach ein paar Stufen mit Gehstock an der rechten Treppenseite, wechselte ich zur Seite mit Geländer hin und ging seitwärts, mich am Geländer haltend Stufe für Stufe hoch. Das ging zwar langsam, aber bot mir mehr Sicherheitsgefühl. Allerdings scheint es nur diesen Aufstieg und keine barrierefreie Auffahrt zu geben, was für Rollstuhlfahrende schade ist.
Am oberen Ende der Treppe angekommen und leicht verschwitzt gelangten wir an einen Kartenschalter, wo ich mich zunächst erkundigte, ob auch ich den Sessellift sicher und problemlos besteigen und verlassen könne. Ja, sie hielten den Lift an und versähen den entsprechenden Sessel mit einer Kennzeichnung, damit die Bergstation das auch direkt sehe, wenn wir oben ankämen. Und so sind Ein- und Ausstieg tatsächlich für mich, aber auch für kleinere Kinder und ältere Menschen problemlos.
Nach vielleicht 15 Minuten Fahrt oben angekommen, erwartete uns ein Schild gut gekennzeichneten Wegen nach Rüdesheim durch ein angenehm schattiges Waldgebiet, den „Oststeinschen Niederwald“.
Im Niederwald (Foto: StH, 2024)
Der gut 3 km weite, gut befestigte und meist angenehm schattige Weg bietet unter-wegs noch einige Besonderheiten, wie einen Wildpark mit Rehen direkt hinter der Bergstation.
Die wummermusikbewehrte Jungmännergruppe kommt uns bereits hier entgegen, so dass wir uns über ihre Schnelligkeit wundern, und uns fragen, ob sie statt wegverlängernder und akloholgeschuldeter Schlangenlinie doch eher eine Abkürzung genommen haben?
Unser Weg führte uns u.a. über einen Aussichtspunkt der „Burgruine Ehrenfels“, von dem man die Nahemündung sehen kann,
Erklärtafel zur Burgruine „Ehrenfels“ (Foto: StH, 2024)Blick auf Nahemündung (Foto: StH, 2024)
Oder die „Eremitage“:
Blick auf Rhein bei Rüdesheim (Foto: StH, 2024)Erklärtafel zu „Eremitage“ (Foto: StH, 2024)
sowie die Zauberhöhle.
Erklärtafel zur „Zauberhöhle“ (Foto: StH, 2024)„Zauberhöhle“ oim Niederwald (Foto: StH, 2024)Erklärtafel an „Zauberhöhle“ (Foto: StH, 2024)
Der Hauptstrom der Wandernden kam uns entgegen, da sie den „üblichen“ Weg in Rüdesheim auf- und in Assmannshausen abfahrend nahmen. Einige wanderten mit Bollerwagen mit oder ohne Kinder. Andere mit weißweingefüllten Gläsern, was uns doch als etwas unpraktisch erschien. Auch gab es jüngere Zeitgenossen, die bade-mantelbekleidet (gerade nach durchzechter Nacht dem Bett entsprungen?) fortschreiten, und andere mit gruppenbedruckten T-Shirts (Junggesellenabschied?). Einige übertönen das sicherlich störend-betörende Vogelgezwitscher mit gut hörbaren, mit-geführten Wummerklängen. Die Eindrücke, nicht nur der Natur, waren also vielfältig, und für uns zum Teil ein wenig befremdlich. Aber wir leben in einem freien Land und somit jedem/r das Seine/Ihre. Sicher könnte dies eher als Ausdruck der „deutschen ‚Leitkultur“ gesehen werden, als unser links- und rechts die visuellen Eindrücke, die Klänge und Düfte wahrnehmendes und behindertes „Walddurchschleichen“?
So sahen wir an mehreren Stellen eine Blume, die viele Namen hat, u.a. „roter Fingerhut“ und „Unserer-lieben-Frauen-Handschuh“
Im Niederwald (Foto: StH, 2024)
Am Ende der Wegstrecke erwartete uns die gut 38 m hohe Germania, Teil des geschichtsträchtigen Niederwalddenkmal mit erläuternden Schrifttafeln, die Aufschluss über die wechselhafte Bedeutung insbesondere im deutsch-französischen Verhältnis gibt.
Germania-Denkmal (Foto: StH, 2024)
Die Überwindung dieser „Erbfeindschaft“ möge sowohl die Wichtigkeit des vereinten Europas den Skeptischen näherbringen, als auch Hoffnung für den ein oder anderen heutigen Konflikt geben.
In der Bergstation oberhalb Rüdesheims ist auch eine Behindertentoilette verfügbar, die vom Bedienpersonal gerne für entsprechend Bedürftige geöffnet wird. An der Talstation gibt es einen Aufzug, so dass die Fahrt einigermaßen barrierefrei durchgeführt werden kann. Auch die Gondelkabinen für je 2 sich gegenübersitzende Passagiere fahren an Berg- wie Talstation so langsam, dass die Fahrt auch für ältere oder gehbehinderte Reisende gut möglich ist. An der Talstation und zur Fußgängerzone der Stadt Rüdesheim hin, führen sowohl Treppen als auch rollstuhl- oder kinderwagenbefahrbare schräge Wege.
in der Seilbahn nach Rüdesheim (Foto: StH, 2024)
Der Ausblick war heute wunderschön. An der Talstation erklärte uns ein reichlich über-motivierter Reiseführer freundlich den Weg zum Bahnhof, obwohl wir nicht danach gefragt hatten und auch ihm zu vermitteln versuchten, dass wir den Weg kennen. Nun ja, es gibt Schlimmeres als gut meinende hilfsbereite Mitmenschen.
Für zur Klaustrophobie neigende oder gleichgewichtsbeeinträchtigte Reisende sei allerdings erwähnt, dass die Rüdesheimer Fußgängerzone und Innenstadt an schönen Tagen doch recht dichtgedrängt anzufinden ist.
Die Rückfahrt mit dem Zug über Neuwied zurück zum Drachenfuß war ruhig und problemlos, so dass wir hiermit unseren Tagesausflug angenehm zu Ende bringen konnten.
Mitte der 1990er Jahre besuchte ich ARTEFACT bei Glücksburg zum ersten Mal und war sehr beeindruckt über die installierte Solaranlage, das Windrad (beides damals noch relativ ungewöhnlich) und die eigene Abwasserklärung in einem mit Schilf bewachsenen Teich auf dem Gelände. Auch waren die Gebäude des Tagungs- und Schulungszentrums in Lehmbauweise hergestellt, was ein sehr angenehmes Raumklima bedingte.
Gerade im Sommer 2026 ist das Raumklima von besonderer Bedeutung für viele Menschen, da wir bereits Mitte/Ende Juni, also so früh im Sommer wie noch nie, eine lange (18-tägige) Hitzeperiode mit Rekordtemperaturen für Deutschland von über 41 Grad Celsius erleben. Viele Menschen, besonders kranke und alte Menschen, aber auch Bewohnende von Dachwohnungen stöhnen über diese langanhaltende Hitze, die z.B. in Königswinter mehrere Nächte hintereinander auch nachts nicht unter 20 Grad fällt. Ventilatoren sind ausverkauft, Menschen und Tiere leiden, Experten betonen, dass die Wärmeperiode eindeutig durch den menschengemachten und längst unleugbaren Klimawandel zumindest stark verstärkt wird. Ausgelöst wird auch sie, wie die Fluten an Ahr und Erft im Juli 2021, durch längere stationäre Wetterlagen, 2021 mit Regenfällen, 2026 nun mit extremen Sonnenschein und Hitze.
Einig sind sich Experten auch, dass derartige Perioden in kommenden Jahren in Zahl und Ausmaß eher zunehmen werden. Städte und Kommunen sollten sich auch in der Stadtplanung und Bauweise anpassen, um ein Leben für die Bewohnenden noch erträglich zu machen: von mehr Grünflächen, Entsiegelung von Flächen, Wasserspendern und Kälteräumen ist die Rede – das deckt sich nicht unbedingt mit der Forderung von Autofahrenden nach mehr Parkplätzen und breiteten Straßen für immer größere Autos und dem unsäglichen Trend zu versiegelten, also pflegeleichten Vorgärten.
ARTEFACT hat übrigens schon lange nicht nur Lehmbauten sondern auch Dachbegrünung auf seinem Gelände angelegt
Dachbegrünung und Solarenergie auf einem Gebäude des ARTEFACT-Geländes – Foto: StH, Anfang Juni 2026
In 2026 wurde in den Medien bereits am 10. Mai vermeldet, dass Deutschland bereits seine statistischen natürlichen Reserven für 2026 verbraucht habe. Solche Überlegungen, also das Bemühen, dass „kein Teil der Welt dauerhaft auf Kosten der anderen leben solle“, manifestiert sich im Leitbild von ARTEFACT.
ARTEFACT stellt auf seinem Gelände und im dazugehörigen „Klimapark“ mit vielerlei Beispielen und Installationen dar, wie dem immer früheren Erreichen des statistischen Reserveverbrauches begegnet werden kann
Solargebäude und Lehmbau mit Kuppeldach bei ARTEFACT in Glücksburg – Foto: StH, Anfang Juni 2026
Auch informieren sie über verschiedene Baustoffe und Bauweisen und unterschiedliche regenerative Energiegewinnungsoptionen. Der Klimapark ist mit seinen reichhaltigen und vielfältigen Informationen gerade vor dem Hintergrund unserer „Wetter-„Erfahrungen im Juni 2026 nur zu empfehlen. Keiner sollte sagen: „Wir haben es ja nicht geswusst“ oder „Ich kann ja ohnehin nichts tun!“ – Das Team von ARTEFACT zeigt seit nunmehr 40 Jahren, was geht und zeigt Besuchenden und u.a. Schulklassen, WIE es geht
Schulkinder und ihre Betreuenden stärken sich beim Frühstück anlässlich des Besuchs des ARTEFACT-Klimaparks – Foto: StH, 2.6.26
Die Idee
Bei der Mitgliederversammlung des AT-Verbandes (Verband zur Förderung angepasster, sozial- und umweltverträglicher Technologien e.V.) im Dezember 25 wies der ARTEFACT-Geschäftsführer, Werner Kiwitt, darauf hin, dass ARTEFACT 40 Jahre in in 2026werde, und lud dazu ein, vorbeizukommen.
Ich antwortete ihm dass das passieren könne, und plante mit meiner Partnerin einen Besuch im späten Frühling 26.
Die Planung
Unsere Räder wollten wir mitnehmen und erwogen zunächst diese in Nahverkehrszügen mitzunehmen, Doch dann recherchierten wir auf Komoot und suchten uns eine Tour entlang des Rheines bis Wesel, dann am Wesel-Dattel-Kanal bis Coesfeld und von dort an Bremen und Hamburg vorbei nach Schleswig-Holstein und bis zur dänischen Grenze heraus.
In 14 Tageetappen von je etwa 50 km sollten wir dorthin gelangen. Besser als Zug – und natürlich sieht und erlebt man viel mehr beim lamgsameren Reisen per Rad als im Auto oder Zug!
Vorbereitung
Das E-Bike meiner Partnerin unterzogen wir noch einer Inspektion, mein Dreirad hatte eine fehlende Speiche, so dass ich diese noch einziehen ließ. Als ich das Rad mit vollständigem Speichensatz (bei E-Motion https://emotion-ebikes.de/standorte/nrw/bonn ) abholen wollte, wurde ich mit einer „schlechten Nachricht“ empfangen: „Ihr Rahnen weist einen beginnenden Rahmenbruch auf!“ – „Aber wir wollten doch eine etwa 650 km lange Fahrradtour unternehmen!“.“ Das würde ich tun – es sollte zuvor geschweißt werden. Aber wir dürfen das nicht.“ – „In einer Autowerkstatt“? – „Ja.“ – „Und wenn es geschweißt ist“? Dann können Sie wieder fahren!“
Also radelte ich die Firma Löffelholz in Königswinter an, wo ich bei Bedarf mein Auto reparieren lasse. Zunächst hieß es, sie könnten Termine erst wieder ab Mitte Mai vergeben. Wir wollten jedoch um den 16.5. losradeln. Schließlich wurde mir nach stöbern im Computer am 7.5. noch ein Slot eingeräumt. Also brachte ich meinen Drahtesel – eher ein „Vollblut-Pferd , wenn auch nur mit 3 Beinen (Rädern); am 6.5. abends dort vorbei und konnte es tatsächlich am 7.5. geschweißt und die Naht wieder gestrichen, abholen.
Diese überaus sinnvolle Vorbereitung war also glücklich geschafft. Nicht auszudenken, der Rahmen wäre während der Fahrt knapp hinter dem Sattel gebrochen – das hätte erhebliche Verletzungen bedingen können.
In jeweils einen neuen Akku für das 7 Jahre alte Bike meiner Partnerin und mein gut 6-jähriges Gefährt hatten wir auch investiert – man gönnt sich ja sonst nichts, bzw. ein interkontinentales Flugticket wäre sicherlich teurer gewesen.
Und dann stellte ich am 11.5. fest, dass sich die Sohle meines Orthesenschuhes an der Innenseite des linken Schuhs ablöste. Also auch noch meinen Orthopädiemechaniker bei Sanitätshaus Hohn in Bonn angerufen, und einen Termin für den nächsten Tag ausgemacht, an dem er die Sohle des Schuhs fachmännisch klebte.
Die Sohle löst sich ab (Foto: StH, Mai 26)
Am „Vatertag“ verzichteten wir auf den Ausflug mit Bollerwagen und Bierkiste, sondern nutzten ihn zu Probepacken. Dass wir uns beim Gepäck beschränken müssten, war uns zuvor bereits klar.
Im Prinzip konnte es nun losgehen, doch war für Samstag einiges an Regen angesagt, Dass wir Regen kaum komplett vermeiden könnten, war uns bewusst, aber vielleicht doch erst am Sonntag losfahren?
Und da in diesem Mai und in den kommenden Tagen einiges an Regen oder zumindest „Regenneigung“ angesagt ist, kaufte ich mir am 15.5. noch eine Regenhose. Allerdings ist es trotz Reißverschluss an den Unterschenkeln nicht banal, die Reise über die Orthesenschuhe zu bekommen, wenn der Regen plötzlich einsetzen sollte, da sie nur schwer über die steifen und etwas klobigen Schuhe geht. Vermutlich ist es eher sinnvoll, entweder die Regenhose bereits morgens (und vor den Schuhen) anzuziehen, sollte die Wetter-App für die Tagesetappe eine höhere Regenwahrscheinlichkeit ansagen. Oder ggf. ein trockenes Plätzchen zu suchen, wo ich die Schuhe aus, dann die Regenhose an- und die Schuhe auch wieder anzuziehen. Auch wird das An- und Auskleiden sicher leichter fallen, wenn ich mich dabei hinsetzen kann. Wie ein gesunder Mensch, die Hose bei Bedarf mal kurz im Stehen überzustreifen, wird mir sicher kaum gelingen. Nun gut, auch hiermit werden wir Erfahrungen machen – und ich über diese später in diesem Beitrag berichten.
Jedenfalls ist einiges für mich als mit Halbseitenlähmung Reisenden zumindest „etwas anspruchsvoller“ als für einen Durchschnittsbürger. Aber das macht das Abenteuer letztlich umso spannender 🙂 –
Bleiben Se also dran, begleiten Sie uns, und erleben Sie derart Sanchos Abenteuer mit: jene, die mit Impressionen über Land und Leute, Tipps und ggf. Anregung und Ermutigung für andere Reisende mit Behinderung garniert sein werden …
Die Reise (17.5.26 ab Königswinter)
17.5.26: 1. Etappe (Königswinter-Opladen) – 71 gefahrene km
Bereits die von Komoot vorgeschlagene Etappe änderten wir, da sie uns ziemlich mitten ins Industriegebiet in Köln-Porz geführt hätte. Wir entschieden uns, unsere erste Nacht in Leverkusen-Opladen zu buchen, und fanden dort im Hotel Villa am Fürstenfeldplatz 1 eine uns geeignet erscheinende Unterkunft. Wichtig war uns neben einem einigermaßen annehmbaren Preis insbesondere, die Räder sicher und trocken abstellen zu können.
Die Route der 1. Etappe – Screenshot
Foto: StH, 2026: gepackte Räder in der Hofeinfahrt unserer Wohnung)
Wir packen die Räder gegen 9.00 Uhr. Es ist morgens noch recht frisch und es ist auch Regen angesagt. Also starten wir mit Regenjacken- und Hosen, und meine Partnerin zieht noch in Königswinter ihre Mütze unter dem Helm an. Dies soll ihre Ohren und Stirn schützen, die bei Kälte empfindlich sind. Auch prüft sie die Verzurrung des Gepäcks.
Kurzer Halt, um die Mütze anzuziehen
Den ersten Teil der Etappe bis zum „Daisys“ in Köln-Zündorf kannten wir bereits von früheren Ausflügen entlang des Rheins. Die Strecke führt über knapp 35 km von Königswinter an Bonn- Beuel, Schwarzrheindorf, Bergheim, Mondorf, Niederkassel durch Lützel durch bis Zündorf. Man führt überwiegend am Rhein entlang, kommt an Fachwerkhäusern und Feldern vorbei und über Dämme und entlang von Wäldern. Sie fährt sich recht gut und teilweise sieht man schöne Feld- und sonstige Blumen an den Hängen des Dammes, auf dem der Radweg meist recht gut ausgebaut, entlangführt.
Ein Radeln mit derart schwerem Gepäck ist gewöhnungsbedürftig, so dass meine Partnerin entsprechend vorsichtig fährt, um sich zunächst an das Fahrverhalten zu gewöhnen, aber es klappt recht gut.
In Zündorf ist heute ein Fest mit Buden und viel Publikumsverkehr, so dass wir über einige hundert Meter sehr vorsichtig fahren müssen (ich) bzw. das Rad schieben (meine Partnerin) müssen. Bei zweien der Kabelkanäle komme ich ins Stocken, doch ein freundlicher Besucher des Straßenfestes schiebt mich jeweils kurz an.
Seit wenigen Jahren habe ich eine Hake-Pedale, die neben dem Fußkorb für meinen linken Fuß auch über einen Fersengummi verfügt, so dass ich nicht, wie früher, bei Unebenheiten aus dem Korb abrutsche und mir den Unterschenkel an der Pedale stoße, was dann doch bei Wiederholung recht weh tat. Diese Hake-Pedale, die mir bei E-Motion von einem Mitarbeiter empfohlen worden war, ist eine wirkliche Verbesserung und bewährt sich immer wieder für meinen gelähmten Fuß. Der Fersengummi reißt irgendwann, doch habe ich als Meterware gekauft und wir wissen mittlerweile, wir wir diese an der Pedale mit Doppelknoten festbinden und die Knoten mit Gaffaband sichern. Ist zwar „gefrickelt“, aber hält recht gut.
Im Daisys machten wir eine erste Rast und stärken uns mit heißer Schokolade und ich einem Quarkbrot. Das Daisys ist ein wirklich nettes, kleines Café/Restaurant, das auch eine Terrasse hat, auf der wir heute einen Tisch finden, Bei gutem Ausflugswetter sollte man besser einen Tisch reservieren. Neben Kaffee, gutem und unterschiedlichem Tee gibt es auch leckeren Kuchen und kleinere Häppchen.
Die Theke des Daisys mit Durchgang zur Küche -Foto: StH, 2026
Das bepackte Rad meiner Partnerin am Daisys in Zündorf
Nach der Rast (und Stärkung) fahren wir weiter am Rhein entlang
Der Radweg hinter Zündorf ist recht gut und schön und hat auf seiner linken Seite teilweise eine Baumallee mit Fußgängerweg.
und sehen Dom und Deutzer Brücke von der scheel Sick aus. – Foto: StH, 2026
Kölner Dom und Deutzer Brücke vom Radweg in Köln-Deutz aus – Foto: StH, 2026
Irgendwann hinter Porz stehen wir plötzlich an einer Treppe, jedoch können wir etwas zurückgefahren ohne Treppe auf die darüberliegende Straße gelangen.
Bei Köln-Mühlheim müssen wir erstmals einen Akku wechseln und machen dort eine kleine Rast.
Kurze Rast mit Akkutausch und ein paar Keksen zur Stärkung – Foto: StH, 2026
Dann geht es weiter, weg vom Rhein und durch den Leverkusen-Chemiepark. Hinter Leverkusen verfahren wir uns ein wenig an einer Baustelle – bei Änderungen ist Komoot halt nicht aktuell, aber dann finden wir doch den Weg Richtung Opladen, der durch einen kleinen Wald führt und weiterhin recht schön ist.
Der Radweg durch den Wald bei Opladen Richtung „Wildgehege“.
Foto: IFM, 2026
Nachdem uns Komoot auch am Markt in Opladen noch etwas verwirrt hat, kommen wir gut am Hotel Villa am Fürstenbergplatz 1 in Obladen an.
Hotel Villa (Fürstenbergplatz 1, Leverkusen-Opladen) Foto: IFM
Opladen ist nach wechselnden Zugehörigkeiten seit dem 1. Januar 1975 ein Stadtteil von Leverkusen und hatte Ende 2023 knapp 26.000 Bewohnende. Sie liegt an den unteren Ausläufern des Bergischen Landes an der Wupper, die in der Nähe in den Rhein mündet. Die ältesten archäologischen Funde stammen aus der mittleren Steinzeit (8.000 – 3.000 v. Chr.). Erst um 600 n. Chr. wird eine erneute Besiedlung im Rahmen der fränkischen Landnahme vermutet. Nach der Reformation wechselte Opladen zunächst um 1600 n.Chr. ins Lutherische Lager, bevor es mit einem neuen Pfarrer wieder zur katholischen Kirche zurück wechselte.
Ende des 18. Jahrhunderts fiel Opladen nach der Rheinüberquerung der französischen Truppen unter französische Herrschaft, bevor der bayrische König Max Joseph im Jahre 1806 das Herzogtum Berg (mit Opladen) gegen die Marktgrafschaft Ansbach mit Napoleon tauschte, so dass 1810 auch der Code Napoleon als Rechtssystem eingeführt wurde.
Nach Napoleons Niederlage kam die Region nach dem Wiener Kongreß an Preußen und wurde 1822 Teil der Rheinprovinz.
Wir stehen etwas ratlos vor dem Eingang, wo wir offenbar einen Zugangscode benötigen, als jemand herauskommt, der wohl im Hotel arbeitet und uns die Telefonnummer seines Chefs geben kann, selbst aber schnell zum Bus muss.
Ich rufe den Chef an, und finde dann auch die Zugangsodes zu Haus und Zimmer. Der Chef erklärt uns, wo wir due Räder abstellen können – sie stehen in einem Raum mit einigem Krempel sicher und trocken – offensichtlich finden in der Villa, die ein recht schönes Gebäude ist, noch Renovierungsarbeiten statt.
Das Zimmer ist ok, wenn auch nur über Treppen erreichbar. Wir bringen unser Gepäck hoch und beenden die 1. Etappe nach etwa 70 km, teilweise durch Regen, aber auch über teilweise schöne Wege.
Für meinen Geschmack sind die Matratzen zu weich, aber das ist natürlich Geschmackssache, und wir schlafen trotzdem gut.
Wir schauen und noch an, wie wir morgen weiterfahren möchten und ich buche in Duisburg die nächste Unterkunft im „Restaurant zum Löwen“ in der Kremer Str. 21
18.5.28 (2. Etappe: Opladen-Duisburg): 54 gefahrene km
Die Route des 2. Tages – Sceenshot
Wir erwachen recht früh, packen und fahren kurz nach 9.00 Uhr los.
Da erneut Regen angesagt ist und es zunächst auch tatsächlich regnet, ziehen wir die Regensachen wieder an.
Zunächst geht es im Nieselregen auf Radwegen entlang der Landstraße entlang aus Leverkusen-Opladen raus in Richtung Norden. Die Komoot-Ansagen sind bisweilen etwas gewöhnungsbedürftig, da sie jegliche Kurve z.B. an Kreuzungen mit „links“ bzw. „rechts“ ansagt – und dabei KEIN „tatsächliches Abbiegen“ meint.
Aus irgendeinem, mir nicht ersichtlichen Grund funktioniert die Google-Maps-APP-Ansage derzeit nicht über meine Bluetooth-Kopfhörer.
Radweg an der Landstraße von Opladen gen Norden
Die Ausfallstraße aus Leverkusen-Opladen gen Norden, das Wetter ist „erfrischend“ – Foto: StH, 2026
Hin und wieder halten wir an und orientieren uns anhand der Weganzeigen der Apps. Bis auf eine Stelle finden wir den Weg allerdings recht gut. In der Google-Maps-Ansicht führte der Radweg durchs Grüne. Das tut er auch tatsächlich, allerdings nur in Form von Bäumen am Fahrbahnrand der Landesstraße. Auch der Regen ist etwas nervig, aber auch eine Radtour ist schließlich kein (oder „nicht immer“) ein „Wunschkonzert“
die Karte des Waldgebietes hinter Benrath – Foto: StH, 2026
Ab Benrath führt der Radweg dann aber nach einmal rechts und dann links in den Wald hinein abbiegen, durch eben diesen Wald
Der Weg ist wirklich schön und recht gut zu fahren. Wir hören die Vögel singen und können teilweise nebeneinanderher radeln. Autos hört man wenig und irgendwann kommen wir etwas an einer Bahnstrecke entlang.
der Radweg durch den Wald – Foto: StH, 2026
an einem Kletterpark verwirren uns unsere Apps mal wieder ein wenig, aber wir finden dann doch den Weg und sehen an einem Bächlein auch einen Reiher im Bach waten.
Ein Reiher watet im Bach – Foto: StH, 2026
Schließlich kommen wir in Rath über eine Bahnlinie
Bahnstation Rath – Foto: StH, 2026
Von dort führt uns nach dem Überqueren der Gleise der Radweg entlang Bahn und Straße nach Ratingen.
In Ratingen kehren wir am Markt in ein Café ein und stärken uns mit Kuchen und heißer Schokolade. Auch nutzen wir die Gelegenheit zum Toilettengang.
Wir können draußen sitzen und haben so unsere Räder im Blick. Mittlerweile hat der Regen auch aufgehört.
Der Markplatz in Ratingen vom Café aus gesehen – Foto: StH, 2026
Hinter Ratingen geht es weiter gen Duisburg und nach einer gewissen Strecke an der Landstraße wieder in ein Waldgebiet und über die „gelbe Brücke“ der „Sechs-Seen-Platte“.
auf der „gelben Brücke, über der Sechs-Seen-Platte – Foto: StH, 2026
der Yachthafen rechts der gelben Brücke – Foto: StH, 2026
Der Weg führt uns weiter durch den Wald gen Duisburg. Duisburg ist mit gut 500.000 Bewohnenden eine kreisfreie Stadt an der Mündung der Ruhr in den Rhein. Im Ruhrgebiet ist sie nach Dortmund und Essen die drittgrößte Stadt sowie nach Köln, Düsseldorf, Dortmund und Essen die fünftgrößte Stadt in NRW.
Duisburg wurde erstmals 883 urkundlich erwähnt und entwickelte sich bereits im Mittelalter zu einem urbanen Handelszentrum, verlor allerdings im 13. Jahrhundert aufgrund der Verlagerung des Rheins, die Duisburg vom Rhein abschloss, erheblich an wirtschaftlicher und politischer Bedeutung. 1407 wurde Duisburg auf Anregung Kölns Hanse-Mitglief
Bekannt ist Duisburg natürlich auch für seinen Rheinhafen , der der größte Binnenhafen Europas ist. Im 20. Jahrhundert war Duisburg, wie das gesamte Ruhrgebiet stark von der Kohle- und Stahlindustrie geprägt.
im Naturschutzgebiet zwischen Ratingen und Duisburg, durch das der Radweg führt – Foto: StH, 2026
Duisburg ist natürlich bekannt und hat häufig eher keinen guten Ruf bezüglich Lebensqualität. Doch gehört auch die Sechs-Seen-Platte (s.o.)zum Naherholungsgebiet von Duisburg
Im Wald vor Duisburg – Foto: StH, 2026
Man tendiert ja dazu, das Ruhrgebiet als industriell und staubig sowie wenig attraktiv anzusehen, doch bietet es auch sehr viel Grün, Wälder und Naherholungsgebiete. Wir genießen das Zwitschern der Vögel um uns herum und radeln beseelt weiter gen Duisburg – laut einer Statistik des Regionalverbandes Ruhr (RVR) und Statistiken des Landesamtes IT.NRW von 2016/2017 umfasst der Waldanteil etwa 16.000 bis 17.600 Hektar, was rund 17 bis 17 Prozent der Metropole Ruhr entspricht.
In Duisburg selbst liegt der recht schmale Radweg überwiegend direkt an der Fahrbahn, und ist an manchen Stellen durch Wurzelwerk angehoben. Das ist kein wirklich gemütliches und entspanntes fahren, vor allen nicht mit meinem Dreirad, da ich an einigen Stellen Angst habe, auf die Straße und vor die Autos zu kippen. Ich fahre entsprechend vorsichtig, und schließlich erreichen wir gegen 15.00 Uhr auch wohlbehalten unser Hotel.
Dort sagt der Rezeptionist, wir sollten zunächst unser Gepäck abladen und ins Hotel stellen. bevor er uns hilft, die Räder in einen Raum in einem anderen zum Hotel gehörigen Gebäude zu verstauen. Dort stehen sie erneut sicher und trocken, auch wenn es ein Heben meines Dreirades ein wenig auf die der Tür gegenüberliegende Treppe benötigt, im es um die Ecke und durch die Tür in den Raum zu bekommen.
Dann bringen wir unser Gepäck mit dem recht kleinen Aufzug in unser Zimmer im 3. Stock und ruhen uns ein wenig aus, bevor wir im hoteleigenen Restaurant mit einem Gutschein von 5 € zum Abendessen gehen. Es gibt selbstgemachte Döner (auch vegetarisch), von denen ich einen nehme, während meine Partnerin einen Salat und Fritten aus Süßkartoffeln bestellt. Dazu trinken wir alkoholfreie Radler, die auch unseren Flüssigkeits- und Mineralienvorrat etwas auffrischen sollen.
Das Essen ist schmackhaft und der Kellner sehr nett. Wir sind froh, rechtzeitig runtergegangen zu sein, dass sich die Tische dann recht gut füllen.
Das Zimmer ist etwas eng, und besonders der Durchgang zwischen der Ecke des Doppelbettes und der schrägen Wand für mich mit Halbseitenlähmung nicht ganz problemlos, doch setze ich mich dann auf die Ecke des Bettes und schwinge die Beine an der Wand vorbei über die Ecke.
Wir planen die morgige Tour bis Schermbeck-Gahlen und schlafen recht gut und erholsam.
19.5.26 (3. Etappe: Duisburg-Schermbeck-Gahlen): 43 gefahrene km
Die Route der 3. Etappe) – Screenshot
In der Nacht gibt es auf dem Flur unseres Zimmers einiges an Krach. Zunächst scheint ein Kind ziemlich zu toben, später die Eltern recht lautstark zu streiten. Nun gut, wir schlafen dennoch und einigermaßen erholsam.
Nachdem wir erneut früh erwacht sind, machen wir uns fertig und gehen zum mitgebuchten Frühstück. Es ist recht gut, und irgendwann kommt auch die (etwas geräuschvollere) Familie von unserem Flur. Die etwas „kräftigere“ Frau sitzt mit ihrem Stuhl in meinem Rücken, und lässt mir teilweise nicht allzu viel Bewegungsraum, aber wir müssen ja keine Freunde mehr werden!
Das Hotelpersonal hilft uns, unsere Räder aus dem Raum im anderen Gebäude zu holen, und vor dem Hotel packen wir unser Gepäck auf. So langsam entsteht so etwas wie Packroutine.
Mithilfe der Apps finden wir unseren Weg aus Duisburg und durch Oberhausen. Allerdings stößt Komoot aufgrund einer in Duisburg gesperrten Brücke an ihre Grenzen, da Komoot halt keine Aktualisierungen kennt. Mit Unterstützung von Google Maps finden wir allerdings unseren Weg über die übernächste Brücke.
Die Brücke, über die wir die Umleitung raus aus Duisburg finden.
Die Ruhr bei Duisburg – Foto: StH, 2026
Hinter Oberhausen wird der Radweg dann wieder schön und führt uns erneut durch waldige Gebiete mit Vogelzwitschern und gut zu radeln.
Von der Brücke zu Beginn des Radweges hinter Oberhausen – Foto: StH, 2026
Weiter geht es nach Oberhausen auf einem schönen Radweg – Fotos: StH, 2026
Der Weg führt uns an Sterkrade und dem Heidesee vorbei über gen Schermbeck.
Der Heidesee liegt in der Kirchheller Heide im Nordwesten der Stadt Bottrop und ist Teil des Ruhrgebietes. Es handelt sich um ein 54 Hektar großes Naturschutzgebiet und ehemaliges Kiesabgrabungsgelände, das aus drei Gewässern besteht. Als Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes „Natura 2000“ ist es bedeutsam für seine nährstoffarme Unterwasservegetation und dient als Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarte, darunter Haubentaucher und Reiherenten.
Wir fahren weiter durch das Gebiet der Gemeinde Kirchhellen und passieren Höfe und Felder.
Pferde auf einem Hof zwischen Kirchhellen und Scherbeck – Foto: StH, 2026
Hinter Kirchhellen geht es durch Felder weiter Richtung Schmermbeck.
Wegweiser hinter Kirchhellen – Foto: StH, 2026
Bei recht angenehmer Temperatur und Witterung geht es durch Felder, an einzelnen Häusern und Gehöften sowie Bäumen und Baumgruppen vorbei weiter gen Schermbeck .
Landschaft hinter Kirchhellen – Foto: StH, 2026
Radweg hinter Kirchhellen – Foto: StH, 2026
Von Schermbeck oder gar Schermbeck-Gahlen hatten wir zuvor auch noch nichts gehört, aber wir planen unsere Tagestouren stets in Kombination von Etappen um die 50 km in die ungefähre Richtung (gen Schleswig-Holstein und der Verfügbarkeit von erschwinglichen Unterkünften über Booking.com. Dabei kam heute halt El Capitan in Schermbeck-Gahlen heraus. Stets versuchen wir auch in Erfahrung zu bringen, ob unsere Räder sicher untergestellt werden können, was heute in einer abschließbaren Garage möglich ist.
Gegen Ende verwirrt uns Komoot mal wieder ordentlich und wir verstehen nicht wirklich, warum wir so fahren müssen, wie sie uns leitet, doch schließlich sind wir in Gahlen am El Capitan, auch wenn Komoot uns irgendwie noch weiterschicken will. Ich hatte ein Probeabo von Komoot, aber das kündige ich vor Ablauf der Probewoche, da mich die APP nicht wirklich überzeugt. Wir nutzen zunächst parallel und dann ausschließlich „Google Maps“. Vorteile sind, dass diese APP meist Streckenänderungen berücksichtigt (eine Ausnahme erleben wir später in Schleswig) und sich anpasst, wenn man einen anderen Weg wählt. Nachteile sind, das wir bisweilen ins Nirvana geleitet wurden (auch dies wird in späteren Etappen geschildert) und die APP offenbar recht viel „High-Speed-Kontingent frisst- Auch passiert es mir wiederholt und aus mit unverständlichen Gründen, dass die APP kein Sprachsignal mehr auf mein Bluetooth-Kopfhörer schickt – einige Tage später funktionierte das Sprachsignal dann wieder. vorläufiges Fazit: die vollumfänglich befriedigende APP habe zumindest ich noch nicht gefunden.
In der Rezeption des El Capitano treffen wir eine Dame an, die uns mit dem Gepäck die gut 20 Stufen hinauf zum Zimmer hilft und uns die Garage zum Unterstellen der Räder zeigt.
Anschließend wollen wir im Ort etwas essen, doch hat ein Restaurant nur Mittwoch-Sonntag auf, also am heutigen Dienstag nicht. Wir essen schließlich eine Pizza und einen Salat in einer Pizzeria mit Lieferservice
Auch sehen wir eine Mitfahrerbank, an der ein Schild darauf hinweist, dass dies erst ab 16 Jahre erlaubt sei. Ja, der Nahverkehr ist in ländlichen Gegenden ja bekanntlich kaum ausreichend.
die Kirche von Schermbeck-Gahlen scheint recht geräumig und liegt gegenüber unserem Zimmer.
Kirche in Schermbeck-Gahlen von unserem Zimmerfenster aus – Foto: StH, 2026
Es ist eine evangelische Kirche mit einem romanischen Turm aus dem 12. Jahrhundert und einem spätgotischen Schiff aus dem 17. Jahrhundert. Bereits am Ende des 8. Jahrhunderts gehörte Gahlen durch eine Schenkung zum Kloster Echternach im Herzogtum Luxemburg.
Die Gemeinde Schermbeck, zu der auch Gahlen als einer von neun Ortsteilengehört, liegt im Kreis Wesel im Regierungsbezirk Düsseldorf. Es liegt mit seinen gut 13.500 Bewohnenden an der Lippe.
Erstmals erwähnt wurde Schermbeck als „Scirenbeke“ im Jahr 799, der Ortsteil Gahlen als „Galnon“um 900.
Im 13. Jahrhundert profitierte Schermbeck durch seine Lage an einer Handelsroute. Im 15. Jahrhundert wurde Schermbeck kurz hintereinander zweimal zerstört.
20.9.26 (4. Etappe: Schermbeck-Gahlen-Dülmen): 48 gefahrene km
Unsere heutige Etappe soll uns nach Dülmen führen, wo wir ein Zimmer im Hotel Wildpferd gebucht haben, nachdem ich erneut das sichere Abstellen unserer „Pferde“ geklärt habe.
Route des 4. Tages – Screenshot
Zunächst fahren wir allerdings nach Schermbeck rein und besorgen uns im örtlichen REWE sowie der angeschlossenen Bäckerei unser Frühstück.
beim Frühstück in Schermbeck (Foto: StH, 2026):
Dort ziehen wir auch unsere Regenhosen wieder an, da es leicht zu tröpfeln beginnt. Mit einem anderen Gast, der auch gerne radfährt, wechsele ich ein paar Worte und darf im REWE-Markt die Personaltoilette besuchen.
Auf dem Weg über sanfte Hügel, also immer moderat hoch und runter entlang der Landstraße sehen wir an einer Stelle auch die Montage eines Windrades, bei dem das Triebwerk mit einem hohen Kran wohl noch oben angebracht werden muss.
Radweg Richtung Dorsten – Foto: StH, 2026
Weiter geht es an Dorsten vorbei gen Haltern am See
Hinter Dorsten wird es wieder sehr reizvoll (Foto: StH, 2026).
Der Weg führt uns auf einem sehr guten Radweg durch das Moor- und Seengebiet vor Haltern. – Foto: StH, 2026
Foto: StH, 2026
Am Harvester Bruch machen wir eine Rast. Wir sehen unterwegs Störche, Reiher, Enten und Greifvögel und hören Frösche und natürlich sonstige Vogelstimmen. Da es nicht mehr regnet, entledigen wir uns der Regehosen.
Erklärtafel zum Harvester Moor – Foto: IFM, 2026
Bei der Rast kommt ein Mann, der uns auf die Störche ein Stück zurück hinweist, die auch wir gesehen hatten. Er erzählt, er wohne im 5. Stock und sehe die Störche auf sein Fenster zu segeln. Deshalb wolle er das mal erkunden. Als wir weiterfahren, bleibt er auf einer Bank sitzen und scheint die Atmosphäre, wie wir, zu genießen.
Auch sind an einer moorigen Stelle sehr viele Narzissen, was sehr gut aussieht (Foto: StH, 2026):
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Wir fahren weiter an Seen und anderen Wassern und durch waldiges Gebiet auf guten und breiten Radwegen – Foto: StH, 2026
In Haltern fahren wir in die Fußgängerzone und machen an einer Konditorei Pause (Foto: StH, 2026):
Haltern-Fußgängerzone (Foto: StH, 2026):
Haltern-Fußgängerzone – Foto: StH, 2026
Nach der Stärkung fahren wir weiter in Richtung Dülmen. Hier führt der Weg erneut durch Felder und gelegentliche waldige Stellen.
Radweg zwischen Haltern am See gen Dülmen – Foto: IFM, 2026
Im Nachmittag reiten wir in Dülmen, einer mittleren kreisangehörigen Stadt im Kreis Coesfeld, mit seinen etwa 48.000 Bewohnenden ein.
Die Stadt Dülmen ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte und Gemeinden in NRW und erlangte Bekanntheit durch die „Dülmener Wildpferde“. Kein Wunder, dass auch wir im im Hotel „Wildpferd“ einen geeigneten Stall für unsere insgesamt fünfrädrigen Rösser finden. Wir schieben sie an der Rezeption vorbei durch einen Flur in einen gesonderten Raum.
Dann verfrachten wir unser Gepäck im recht geräumigen Zimmer und wollen dann noch etwas einkaufen. Im Eingangsbereich sitzt eine Deutschlehrerin, die in Spanien (bei Malaga) lebt und auf „Familienurlaub“ sei. Sie hatte mich mit „hola!“ begrüßt, so dass ich in Spanisch antwortete und sie aber darauf hinweist, dass sie Deutsch spricht, Von ihr erfahre ich auch, dass wir im benachbarten „K&K“ Lebensmittel einkaufen können. Den Laden hatte ich durch das Fenster vom Gang zur Rezeption aus gesehen, kannte diese (hiesige) Kette jedoch nicht.
Das WLAN tut es leider nicht, obwohl sie es längst bemängelt haben, aber ich kann meinen Handy-Hotspot nutzen.
Wir planen noch die morgige Etappe, die auf Horstmar und das Hotel Holstenbänd hinausläuft. Dieses Mal erfuhr ich beim Anruf wegen dem Unterstellen der Räder, dass ich auch direkt für einen etwas besseren Preis buchen könne, was ich dann mit Frühstück auch tat
Wir gehen also einkaufen, essen etwas und begeben und bald zur Ruhe
21.5.26 (5. Etappe: Dülmen-Horstmar) – 40 gefahrene km
Von Horstmar hatten wir auch noch nie gehört, aber erfahren im Internet, dass diese im 11, Jahrhundert erstmals erwähnte Stadt ursprünglich aus 13 Burgmannshöfen bestand, von denen heute noch 4 existieren.
Route der 5. Etappe – Screenshot
Horstmar ist allerdings das sinnvolle Ergebnis unserer Abendrecherche für den kommenden Tag, da die Entfernung in etwa in unserer Spanne (bis etwa 50 km) liegt, und wir dort eine geeignete Unterkunft buchen können. Ja, derartig flexible Planung bringt uns auch an zuvor völlig ungeahnte Orte, was ja durchaus den Reiz der Tour ausmacht. Also radeln wir neugierig auf unser heutiges Ziel wiederum gegen 09.30 Uhr auf unser heutiges Etappenziel zu.
Zunächst geht es erneut über sanfte Hügel aus Dülmen heraus gen Norden – zunächst nach Rorup
Radweg gen Rorup mit einer Baumallee – Foto: StH, 2026:
Wir sehen Felder und Gehöfte – Foto: StH, 2026:
und Windräder (Foto: StH, 2026):
Eine seltsame Antenne fällt uns auf. Vermutlich ist ein Funkmast – oder wird er doch von Aliens benutzt, um uns auszukundschaften, oder doch Peter Thiels Palantir-Software? –
Foto: StH, 2026:
Hinter Rorup geht es in Richtung Billerbeck, von wo aus der Weg dann wieder weg von der Landstraße führt.
Der Weg führt durch Felder bei Billerbeck: – Foto: StH, 2026
Wir kommen durch Felder und an Baumgruppen vorbei (Foto: StH, 2026):
Bisweilen sehen wir ein Gehöft – Foto: StH, 2026:
An einer Kreuzung ist mal wieder Zeit für einen Akkutausch. Wir rasten uns „unterhalten“ uns mit den dortigen Landhorn- und Zottelrindern – Fotos; StH, 2026:
Ein Hof mir Rindern, in dessen Nähe wir eine Pause machen Foto: StH, 2026
Es ist friedlich und ruhig, die Vögel singen und bisweilen sehen wir einen Raubvogel – und natürlich Rinder und Pferde
An einer Wegkreuzung mit einer von Hecken umrahmten Bank machen wir erneut Rast
Foto: StH, 2026
Anschließend fahren wir am Gedenkstätte Trapistenkloster vorbei durch die Felder, der Weg mal nach links, mal nach rechts abbiegend.
Es ist eine ruhige Gegend mit Getreidefeldern und Bäumen oder Waldstücken, die wir genießen, bis wir plötzlich in Horstmar einfahren
Der Ortseingang nach Horstmar – Foto: StH, 2026
Horstmar besteht aus zwei Ortsteilen, Horstmar selbst als südlicher Stadtteil und das bis 1969 selbständige Leer nördlich davon. Im Dez. 2024 hatte Horstmar gut 7.500 Bewohnende.
Durch den Ort fahrend passieren wir auch das Stadtwappen –
Foto: StH, 2026
Dann erreichen wir unser Hotel „Holstenbänk“. Wir werden nett begrüßt, das Zimmer ist ordentlich, bequem und sauber im 1. Stock gelegen, den wir allerdings per Aufzug erreichen können.
Nach einer erholsamen Nacht nehmen wir morgens ein gutes und reichhaltiges Frühstück ein, bepacken unsere Räder und starten zu unserer
22.5.2026: 6. Etappe (Horstmar-Recke-Steinbeck) – 57 gefahrene km
Diese Etappe führt uns zunächst nach Steinfurt, der Kreisstadt unseres ehemaligen Wohnsitzes Ibbenbüren. Insgesamt führt uns die Strecke also durch durchaus bekanntes Terrain, wenn auch nicht im Detail, aber wir sehen immer wieder Wegweiser zu uns bekannten Orten in der Region.
Route der 6. Etappe – Screenshot
Zunächst an der Landstraße entlang, ein kleines Stück vor Steinfurt müssen wir auch auf der Straße fahren, aber das Stück ist zum Glück nicht zu lang, sondern wir können dann rechts abbiegen um auf einem an der Kreisstraße entlangführenden Radweg nach Steinfurt – Foto: StH, 2026 hineinzurollen.
Radweg an der Landstraße gen Steinfurth – Foto: StH, 2026
In Steinfurt verfahren wir uns etwas, aber fahren auch durch den Wochenmarkt. Hinter Steinfurt geht es dann ab auf einen wirklich hervorragenden Radweg, glatt geteert und durch Wald- und Buschgebiete:
Der hervorragend ausgebaute Radweg von Steinfurth nach Rheine – Foto: IFM 2026
Kilometerlang geht der Weg immer geradeaus, doch ist das Fahren mit Begleitung der Vogelstimmen sehr angenehm.
Auf dem Radweg in Richtung Rheine – Foto: StH, 2026
Dann fahren wir in Rheine ein, das wir von unserer Zeit in Ibbenbüren recht gut kennen, und wo wir vor einigen Jahren das erste e-Bike für meine Partnerin gekauft hatten – an den Fahrradgeschäft kommen wir sogar vorbei, und fahren dann weiter in Richtung Recke.
In der Ferne sehen wir den Teutoburger Wald, jene Hügelkette, über die man z.B. von Ibbenbüren gen Greven überwinden muss, aber dieses Mal müssen wir sie nicht überqueren (Foto: StH, 2026).
Im Münsterland gibt es bekanntlich auch recht viele Schweinemastbetriebe (Foto: StH, 2026)
Dann ist wieder ein Akku leer, und wir rasten zum Akkuwechsel und einer Erfrischung mit Wassern und Keksen (Foto: IFM, 2026.)
Mittlerweile ist die Boxencrew extrem eingespielt, und stellt vermutlich jeden Tag einen neuen Rekord auf – wobei es uns natürlich nicht um Geschwindigkeit und Überholen durch eine gute Boxenstrategie und den Gewinn von Sekunden gegen die Konkurrenz, die wir einander eh nicht sind, geht!
Vor Recke geht es wieder über Felder und Waldgebiete sowie bisweilen kleinere Ortschaften
Foto: StH, 2026
Dass der Rhododendron in dieser Gegend hervorragend gedeiht, haben wir bereits in den letzten Tagen bewundern können – Foto: StH, 2026
Schließlich überqueren wir auf einer Brücke den Mittellandkanal
Foto: StH, 2026
Auf der anderen Seite dieser Brücke liegt Recke-Steinburg, in dem unsere Unterkunft, dem örtlichen EDEKA angegliederte „Zimmer8“ liegt – in dem wir das Zimmer Nr. 5 reserviert haben.
Als wir vor der Eingangstür mit unseren bepackten Rädern halten, kommt ein Mann auf uns zu, der zum EDEKA/Unterkunft gehört, uns freundlich begrüßt und uns hilft, unser Gepäck die Treppe hoch in den 1. Stock zu unserem Zimmer zu tragen. Das Zimmer ist gut, und es gibt einen abschließbaren Raum für die Räder.
Nachdem wir unser Gepäck im Zimmer abgelegt haben, radeln wir noch etwas am Mittellandkanal in Richtung Yachthafen entlang und sehen in dessen Nähe auch eine Schautafel über den Handelsweg von den Niederlanden bis nach Polen und die Marskramer und Kiepenkerle (Foto; StH. 2026).
Im Ortskern von Steinbeck gibt es mit dem Schwefelbad Steinbeck die einzige im Münsterland anerkannte Heilquelle – gegen rheumatische Erkrankungen, Arthrose und Hautkrankheiten.
Zurück in der Unterkunft kaufen wir im EDEKA noch etwas ein und beschließen den Tag, nur etwa 10 km von Ibbenbüren entfernt
23.5.25 (7. Etappe): Recke-Steinbeck – Quakenbrück – 57 gefahrene km
Heute ist warmes Wetter, so dass wir auch ohne Jacken fahren können.
Zunächst geht es hinter Recke auf wenig befahrenen Straßen und waldige Gegenden in Richtung Ankum. Die Strecke ist überwiegend flach und durch die beschatteten Wege recht angenehm
Route der 7. Etappe – Screenshot
Natürlich gibt es auch Gehöfte, die wie passieren – Foto: StH, 2026
sowie Windräder, die hier im Norden bekanntlich reichlich produzieren, sofern sie von Wirtschaftsministerin Katharina Reiche nicht „abgeregelt“ werden, da der Leitungsbau in den deutschen Süd-Osten, wo in und um die Metropole München viel Strom gebraucht wird, dank CSU und Freien Wählern in den letzten Jahren nicht wirklich gut voranschritt. Ist ja auch überaus verständlich, dass man zwar gerne den Strom hätte, jedoch die Leitungen eher „hässlich“ findet – ebenso wie Windräder. Und so möchte man die Leitungen lieber entweder recht teuer unterirdisch verlegen, oder am Besten über Nachbarbundesländer (Hessen, Thüringen und gegebenenfalls Baden-Württemberg führen. Und im Übrigen ist Atomstrom eine total tolle Sache, wenn man auch „leider“ keinen geeigneten Ort für die Atommülllagerung in Bayern finden kann. Aber auch hier können nördliche Bundesländer (Niedersachsen mit Gorleben und der (abgesoffenen) Asse ) doch super aushelfen! – Foto: StH, 2026
Foto: StH, 2026
Ankum liegt etwa in der Mitte der heutigen Etappe, und wir machen dort eine Rast, bei der wir etwas essen und trinken.
Nach der Stärkung fahren wir über den Ankumer Markt weiter gen Loxter nördlich von Ankum weiter. – Foto: StH, 2026
Wetter und Radweg sind weiterhin recht angenehm, leider nehmen wir bei Merzen eine falsche Route, so dass wir ab dort relativ viele Hügel bewältigen müssen.
In Merzen selbst fragt mein Begleiterin, ob hier überhaupt Menschen leben, da wir auf den Straßen tatsächlich Niemanden sehen, der nicht in einem Auto sitzt.
Im frühen Nachmittag bereits in Quakenbrück ein.
Quakenbrück-Stadttor — Foto: StH, 2026
Wir beziehen unser wirklich uriges Hotel Hagsphil, das, wie wir erfahren, bereits lange in Familienbesitz ist (Foto: StH, 2026).
Foto: StH, 2026
Die Treppe im Rezeptionsbereich ist gut bewacht, wobei mir die Rezeptionistin am kommenden Morgen beim Auschecken erzählt, dass ihre Schwester als Kind mit der Rüstung einmal die Treppe hinuntergefallen ist, und selbst genäht werden musste – Aua!
Foto: StH, 2026
Im Hotel finden sich mehrere Gemälde sowie einige Schwarz-Weiß (bzw. bräunliche) Fotos, in unserem Zimmer von Audrey Hepburn.
Foto: StH, 2026
Nachdem wir die Räder gut in einem Unterstand im Hof und das Gepäck im Zimmer verstaut haben, machen wir noch eine Rundfahrt durch Quakenbrück.
Quakenbrück hat etwa 14.000 Bewohnende und liegt als Verwaltungssitz sowie geschichtlicher, wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt der „Samtgemeinde Artland“ im Landkreis Osnabrück am Fluß „Hase“. Erstmals wurde die Stadt 1235 urkundlich erwähnt und war bis etwa 1500 Burgmanns- und bis 1544 Hansestadt. Das Zentrum ist sehenswert, wenn auch sehr übersichtlich.
Auffällig ist, dass in Quakenbrück viele russischsprechende Menschen leben, und wir kaufen auch in einem russischen Supermarkt einige Lebensmittel ein. Der Grund ist, dass die Stadt ab 1993 ein Zielort für Spätaussiedler (besonders aus Russland mit 1.540 Personen und Kasachstan (mit 710 Personen) war.
In der Nähe des Marktplatzes gehen wir abends noch etwas essen.
Marktplatz im Quakenbrück – Foto: StH, 2026
Haus in Quakenbrück – Foto: StH. 2026
Und so steht vor dem Finanzamt in Quakenbrück auch eine vielsagende Skulptur (Foto: StH. 2026)
Statue vor dem Finanzamt in Quakenbrück – Foto: StH, 2026
Tja – so geht es zwar dank Tankrabatt nicht den „Cruizern“, aber bei reichlichem „Cruizen“ einigen anderen Steuerpflichtigen während die Mineralölkonzerne ihre Taschen sehr gut gefüllt zu haben scheinen?
Und so bleibt wohl auch nicht mehr viel für manchen Hund, der sich total geknickt vor Herrchen niederlassen muss (Foto: StH, 2026).
In der Nähe des Marktplatzes gehen wir abends noch etwas essen. Einige Autos „cruizen“ scheinbar durch die Gemeinde, sprich, wie kommen häufiger an unserem im Außenbereich einer Restauration gelegenen Tisch vorbei – aber zum Glück gibt es ja seit dem 1. Mai den Tankrabatt, so dass das „Cruizen“ zumindest zum Teil von der Gemeinschaft der Steuerzahlenden mitfinanziert wird.
Einige Autos „cruizen“ scheinbar durch die Gemeinde, sprich, wie kommen häufiger an unserem im Außenbereich einer Restauration gelegenen Tisch vorbei – aber zum Glück gibt es ja seit dem 1. Mai den Tankrabatt, so dass das „Cruizen“ zumindest zum Teil von der Gemeinschaft der Steuerzahlenden mitfinanziert wird.
Tja – so geht es zwar dank Tankrabatt nicht den „Cruizern“, aber bei reichlichem „Cruizen“ einigen anderen Steuerpflichtigen während die Mineralölkonzerne ihre Taschen sehr gut gefüllt zu haben scheinen?
Die überwiegende Meinung von Wissenschaftlern ist, dass der Tankrabatt weder zielgerichtet noch effizient ist. Im Gegenteil werden jene besonders „belohnt“ (subventioniert), die mit großen und spritfressenden Autos mit hoher Geschwindigkeit möglichst weite Strecken fahren, und derart die meisten Liter „Treibstoff“ umwelt- und finanzkassenschädlich in die Umwelt blasen.
Es müsse eine schnelle Lösung z.B. für Pendler her, und eine solche gäbe es außer dem Tankrabatt nicht.
Doch! Die gäbe es: Bereits zu Zeiten der „Ampel“ wurde ein „Klimageld“ gefordert. Dieses könnte als Pro-Kopf-Pauschale ausgezahlt werden, und dann bliebe jede/m die von der FDP stets geforderte „Entscheidungsfreiheit“, diese Pauschale einzusetzen, wie es der jeweiligem Familie vor dem Hintergrund der Familiensituation am Sinnvollsten erscheint. Wer möchte, kann das Geld in „freier Entscheidung“ verrasen (oder auch – wie ich häufig beobachtete – den Motor bei stehendem Fahrzeug (am Straßenrand, vor geschlossenen Bahnschranken oder auch beim Ausladen des Nachwuchses an Kindergarten oder Schule und laufen lassen – vermutlich, weil die technisch herausstechenden deutschen KfZ-Entwickler den Anlasser vergaßen???
Wem weniger Geld für den täglichen Lebenswandel zur Verfügung stehen, kann die Pauschale natürlich auch für Lebensmittel oder Lernmaterialien für den Nachwuchs einsetzen.
Verbindet man dies noch damit, dass diese Pauschale (ähnlich wie z.B. Lohnersatzleistungen oder Pflegegeld) im Folgejahr mit dem individuellen Steuersatz als Einkommen zu berücksichtigen ist (ggf. nur „progressionssteigernd“), dann erhält man zusätzlich noch eine Sozialkomponente, da Gut- und Besserverdienende im Folgenjahr über die Besteuerung mehr als Geringverdienende oder gar Menschen unterhalb der Armutsschwelle versteuern und eventuell im Rahmen der Besteuerung an den Steuertopf zurückzahlen. Insofern wäre die Pauschale, ob für Klima, Energie oder Mobilität im Auszahlungsjahr eine Investition, die im Folgejahr teilweise refinanziert wird, wobei bei den Bedürftigsten von der Pauschale am meisten verbleibt und stärkere Schultern entsprechend mehr der „Finanzierungslast“ tragen.
Solche Modelle gibt es und sie wurden im Rahmen von Sozialtransfers z.B. in Namibia auch erfolgreich praktiziert.
Allerdings scheint in Deutschland automatisch das Gegenargument, es schade dem Mittelstand und das „Kapital“ würde dann aus Deutschland abwandern und somit würden Arbeitsplätze vernichtet. NEIN! Nicht das Unternehmensvermögen. sondern das Individuum erhält den Zuschuss als Pauschale und muss diese dann im Folgejahr INDIVIDUELL versteuern.
Wie gesagt: die „freie Entscheidung freier Bürger“, statt besonders umweltschädliches Verhalten von „Besserverdienenden“ zu belohnen! Aber ist das in einem Land überhaupt denkbar, in dem selbst das (fast weltweite) bundesdeutsche „Alleinstellungsmerkmal“ des fehlenden „Tempolimits völlig undenkbar zu sein scheint. Und nicht nur die FDP während der Ampel. sondern nun auch die Union trägt die „Technologieoffenheit“ wie eine Monstranz vor sich her und stellt damit Dinge wie Klimaschutz und CO2-Vermeidung in den Hintergrund.
Natürlich hängen an der deutschen Autoindustrie und ihre Zulieferverträgen sehr viele Arbeitsplätze – und somit auch Familienexistenzen. Doch scheint es mir sinnlos, einen nötigen Strukturwandel hinauszuschieben. Auch an der bayrischen Landwirtschaft in den 1950er Jahren und in der Kohle- und Stahlindustrie im Ruhrgebiet bis in die 1990erJahren hingen viele Arbeitsplätze, und besonders im Ruhrgebiet sind ganz sicher noch nicht alle Folgen des durchgeführten Strukturwandels bewältigt, aber hätte es ernsthaft eine sinnvolle Alternative zu jenen Strukturwandeln gegeben. Aufschieben löst die Probleme nicht, sondern verschiebt sie eben nur, und verschärft sie im Laufe der Zeit, wie wir derzeit u.a. an jährlich steigendem Durchschnittstemperaturen gerade und besonders in Europa sehen können. Bereits Mitte Juni 2026 erleiden wir Lufttemperaturen von bis zu 39 Grad Celsius. wie es diese hin und wieder auch früher gab, allerdings höchstens im sogenannten „Hochsommer“, also Juli und August.
Natürlich ist es einfacher, all das zu leugnen und die „gute alte Zeit“ wieder herbei zu sehnen, sowie jene zu wählen, die uns diese „goldenen Zeiten“ komplett ohne eigenes Anstrengung versprechen. Aber ist dieses kindliche Gehabe eines: „Ich mache die Augen zu und sehe Dich nicht – also kannst Du mich auch nicht sehen!“ irgendwie zielführend oder sinnvoll?
Und so bleibt wohl auch nicht mehr viel für manchen Hund, der sich total geknickt vor Herrchen niederlassen muss. Und in der sommerlichen Hitze hockt er durstig und verstört zu Füßen seines Herrn. Und ohne ausreichendes Wasser hechelt er sich zur Temperaturegulierung die Zunge aus dem Leib und verbleibt kraft- und saftlos zunehmend erschöpft – hoffentlich zumindest im Schatten, wo es den in den Betonwüsten vieler Städte noch gibt.
Das wirklich schöne und gut geführte Hotel ist nicht ganz billig, aber lohnt unserer Meinung nach mit guten Zimmern und reichhaltigem Frühstück den Preis. Für Gehbehinderte ist lediglich zu bedenken, dass es keinen Aufzug gibt und die Zimmern nur über Treppen zu erreichen sind.
Es gibt noch mehr zu berichten, aber das zu einem späteren Zeitpunkt. Also bleiben Sie dran – oder kommen Sie gerne auch wieder …
24.5.25 (8. Etappe): Quakenbrück- Cloppenburg – 31 gefahrene km
Route der 8 Etappe – Screenshot
Heute fällt die bislang kürzeste Etappe mit lediglich 22 Entfernungs-km an, Nach Ankunft in Cloppenburg fahren wir dort allerdings noch etwas rum. Unsere heutige Tagesetappe ist mit ihren knapp 50.000 Bewohnenden eine Stadt im Oldenburger Münsterland und besteht aus der Kernstadt sowie acht Ortsteilen, in denen Ackerbau und Viehzucht überwiegen. Hydrologisch gehört die Stadt zum Flussgebiet der Ems, in dem heute Moore und andere Feuchtgebiete, die ursprünglich die Landschaft geprägt haben, nur noch in eingeschränktem Umfang erhalten sind, da die Landschaft seit dem 18. und 19. Jahrhundert durch Entwässerung und Kultivierung verändert wurde – tja, heutzutage wird als Klimaschutzmaßnahme die Wiederbefeuchtung von Mooren diskutiert, doch widerspräche das häufig den Interessen von Landwirten. Es scheint, dass wir einen „Hitze-„Tod wohl sterben müssen, und dabei stets unterschiedliche Interessen einander gegenüberstehen. Gerade wurde im ARD-Brennpunkt über „zu viel Versiegelung von Böden“ berichtet (s. auch oben), doch widerspricht die Entsiegelung eben auch den Interessen von vielen Eigenheimbesitzenden und insbesondere von Autofahrenden, die über zu wenig Straßen und Parkplätze klagen 🙁 Die einfachen Lösungen gibt es halt nicht, auch wenn gewisse Menschen und Parteien diese mit schierem Leugnen eines Klimawandels oder anderen scheinbar „guten Lösungen ohne Verhaltenslösung) zu bieten versprechen. Und pure Ignoranz ist für viele auch Realität und geübte Praxis. Heute sah ich erneut einen Porsche-SUV-Fahrer, der bei laufendem Verbrennermotor genüsslich seine Fritten verspeiste. Wie bereits erwähnt, kann man von einem Auto, das wohl um die 50.000 € kostet, kaum erwarten, dass die Konstrukteure auch an den Einbau eines Anlassers gedacht haben. Dieser liebenswerte Herr ignorierte meine Zeichen und Kommunikationsangebote vollständig bei geschlossenem Fenster und ohne Zeichen irgendeiner Wahrnehmung meiner Person, sondern mümmelte friedlich weiter seine Fritten gut, dass wir alle (Steuerzahlenden) ihn mit 17 Cent/Liter Sprit subventionieren, sonst könnte „der Arme“ am Ende sich sein soziales Verhalten gar nicht leisten?
Klischee? Feinbild? Nein: leider massenhaft beobachtetes Verhalten im Autoland Deutschland. Einer meiner Sprüche in solchen Situationen ist, dass das Einschalten des Hirns und gleichzeitige Abschalten des Motors „fast überhaut nicht wehttut!“ – vgl. auch: https://sanchotrotztgegenwind.de/2026/06/autofahren-ok-aber-bitte-mit-hirn
bei angenehmem Wetter radeln wir aus Quakenbrück raus
zunächst nach Hasenkamp
Der Radweg kurz hinter Quakenbrück – Foto: StH, 2026
Zunächst kommen wir an Hasenkamp vorbei
Haus in Hasenkamp – Foto: StH, 2026
Der Radweg bleibt recht gut und lässt sich im Halbschatten gut befahren.
Radweg bei Hasenkamp – Foto: StH, 2026
Hinter Hasenkamp überqueren wir die Lager
Der Radweg über die Lager Hase – Foto: StH, 2026
Die „Lager Hase“ – ein 12,2 km langer Fluss, der an der Grenze der Stadt Dinklage und der Gemeinde Essen (Oldenburg) aus dem Zusammenfluss des Dinklager Mühlenbachs und der Aue entsteht und sich 2 km westlich vom Ortskern Essens mit dem Essener Kanal zur Großen Hase vereinigt – Foto: StH, 2026
Weiter geht es durch Felder gen Bevern –
Landschaft zwischen Lager Hase und Bevern – Foto: StH, 2025
Auch hier ist der Radweg ruhig und angenehm zu befahren
in Bevern – Foto: StH, 2026
Auch hinter Bevern bleibt der Radweg weiterhin gut zu befahren und führt durch schattenspendende Baumgruppen
Radweg hinter Bevern – Foto: StH, 2026
Bereits mittags am Zielort (Schäfers Hotel) ankommen, und zunächst in der Eisdiele am Beginn der Fußgängerzone, die gegenüber der gebuchten Unterkunft liegt, zunächst einen Drink nehmen. Unser Zimmer ist ohnehin noch nicht bezugsbereit, doch können wir nach einem Anruf bei der die Unterkunft Verwalterenden uns in den Hof von Schäfers Hotel, zu dem auch ein Bistro gehört setzen. In diesem Hof können wir auch unsere Räder sicher abstellen, da das Bistro mit den Außensitzplätzen in diesem Hof über Pfingsten geschlossen ist.
In Schäfers Hof können wir bequem und im Schatten warten, bis unser Zimmer bezugsfähig ist – Foto: StH, 2026
In diesen Hof setzen wir also uns warten noch etwa 30 Minuten, bis wir unser Zimmer beziehen können. Das Zimmer ist gut, nur erneut nur über Treppen, also ohne Aufzug zu erreichen.
Auch die Räder können wir in diesem Hof abstellen
mein Dreirad in Schäfers Hof – Foto: StH, 2026
Nach dem Abstellen des Gepäcks nehmen wir die Räder und erkunden ein wenig die Stadt. Wir fahren zunächst durch die Fußgängerzone
In Cloppenburg gibt es auch ein Freilichtmuseum, das wir uns jedoch sparen. Stattdessen fahren wir in den dahinterliegenden Park, in dem sich auch ein Teich befindet
Brücke zum Teich in Cloppenburg – Foto: StH, 2026
Später möchten wir noch etwas Kuchen in eine, Café zu uns nehmen, finden jedoch an Pfingsten kein geöffnetes, sondern lediglich zwei geöffnete Eiscafés. Also kaufen wir in jenem gegenüber unserer Unterkunft zwei Becher Eis und nehmen diese im Schäfers Hof zu uns.
Auch in Cloppenburg gibt es einen hohen Anteil russisch-stämmiger Aussiedler – laut Internet stammen von den etwa 37.000 Bewohnenden Cloppenburgs jeder Fünfte aus Russland, in einem Dorf in der Nähe sogar jeder Zweite.
Auch heute sind uns schönes Wetter und eine gute Strecke vergönnt.
unser einfaches, jedoch gesundes, nahrhaftes und leckeres Frühstück – Foto: StH, 2026
Nach dem selbst bereiteten Frühstück im Hof von Schäfers Hotel/Bistro bepacken wir unsere Drahtesel und machen uns auf den Weg, zunächst vorbei am Freilichtmuseum und aus der Stadt hinaus.
Radweg nach Bethen (aus Quakenbrück heraus) – Foto: StH, 2026
Wie üblich sind wir früh unterwegs und machen am Wendepunkt eine Rast
Haltestelle „Wendeplatz – Foto: StH, 2026
Der Beweis, dass es auch hier Busse gibt, allerdings, wie der Fahrplan verrät, allerdings ist die Zahl der angebotenen Fahrten relativ „übersichtlich:. Immerhin morgens, mittags i und i Nachmittag, offenbar zum Kindergarten und zur Grundschule – Foto: StH, 2026
Es fragt sich, wie man wirklich den klimafreundlichen, um nicht zu sagen „erforderlichen Umstieg auch im ländlichen Raum vom Individualverkehr zum (nachhaltigeren) öffentlichen Nahverkehr hinbekommt. Natürlich setzt das voraus, dass ein solcher Umstieg sowohl von Regierungs- und staatlicher (Angebot) als auch von Verbraucher-/Bürger Seite (Nachfrage) wirklich gewollt ist.
Ja, der Individualverkehr ist (zumindest vordergründig) „bequemer“ – das Auto steht stets zum Losfahren bereit vor der Tür und bringt mich bis zu der Tür, die mein Ziel ist
Die Bahn mit ihrer jahrzehntelang vernachlässigten Infrastruktur tut derzeit offenbar alles, um von ihrer Nutzung abzuschrecken. Jüngstes Beispiel ist der etwa zweistündige und (Software?)-pannenbedingte Ausfall aller Züge in Deutschland in der Nacht 23./24.6.2026, bei dem eine erhebliche Zahl von Reisenden irgendwo gestrandet war. Aber wer von den Autofahrenden stand noch nicht in sengender Sommerhitze im kilometer- und stundenlangen Stau – oder als Berufspendler auch zweimal täglich bei der Hin- und Rückreise zur bzw. von der Arbeitsstelle? Und ist (bzw. war) nicht auch die Straßen-Infrastruktur nach ebenfalls jahrzehntelanger Vernachlässigung ebenso marode – als Beispiele mögen nur die Rheinbrücke bei Leverkusen, die Carolabrücke in Dresden, die Brücken der A45 im Sauerland oder zuletzt die Nord-Brücke (Friedrich-Ebert-Brücke ) in Bonn.
Wenn man „milchmädchenartig rechnet und argumentiert, ist das Autonutzung doch viel billiger als die Bahnnutzung: „Die Ticketpreise kann sich doch Niemand leisten!“. Allerdings erschöpfen sich auch die individuellen Autokosten nicht im Preis des Treibstoffs, sondern sollten KfZ-Steuer und Versicherung, TÜV- und Reparaturkosten, Ersatzteile und auch Parkkosten einbeziehen. Die gesellschaftlichen Folgekosten durch etwa Luftverschmutzung, Lärmbelästigung, Gebäudeschäden und Klimaschäden wie auch im Juni 2026 erneut zu fühlende Hitzebeschwerden wären bei den Individualkosten noch gar nicht berücksichtigt, aber die sind auch bei dieser individuellen Entscheidung ja >“zum Glück“ kollektiv zu tragen! Fazit: Man kann all das leugnen und wie Vogel Strauß auch die kommenden 590 Jahre noch den Klimawandel negieren und den nächste Schritt in den („bequemen“???) Abgrund machen – und ohnehin: nach der derzeit lebenden Generation die „Sintflut“ -> es lebt sich schließlich recht gut und bequem als „tatsächlich letzten Generation“ mit halbwegs erträglichen und lebenswerten Lebensumständen! Aber wollen oder können wir uns derartige Ignoranz tatsächlich weiter erlauben? Oder nehmen wir unsere Verantwortung (auch individuell!) endlich wahr. „Wir haben es doch nicht gewusst“?: – die Ausrede ist wohl längst nicht mehr glaubwürdig. Wohl eher: „Wir sind bequem und agieren hirnlos“.
Also: Wäre es nicht Zeit, an innovativen Verkehrssystemen zu arbeiten? Die gibt es doch bereits an einigen Orten. Das Deutschlandticket ist sicher ein Anfang, allerdings laufen Angebot vor allem im ländlichen Bereich und Infrastruktur meistenorts hinterher. Aber gibt es nicht auch örtlich bemerkenswerte- und sinnvolle lokale Ansätze? Wäre es nicht möglich und sinnvoll, etwa (kleine) E-Autos mit z.B. Studierenden oder Bürgergeldemfangenden als „lokale Taxis auf Abruf anzubieten, damit z.B. alten Menschen oder solche ohne eigenes Auto für vielleicht eine sozialverträgliche Nutzungsgebühr gesellschaftliche Teilhabe (zum Einkauf, gesundheitsbedingten oder auch kulturellen und sozialen Reisen)ermöglicht wird, ohne, dass sie – ich weiß, diese Aussage erzeugt ebenfalls einen Aufschrei! – teilweise ihre Mitmenschen gefährdend ihr eigenes Auto nutzen müssen? –
Aber all das passt wohl nicht zum Autoland Deutschland , wo weder eine Fahrprobe für ältere Mitmenschen noch ein Tempolimit überhaupt denkbar ist!
Immerhin gibt es einen überdachten Fahrradständer Foto: StH, 2026
Der Gedanke von Gemeinschaft scheint in dieser Gegend jedoch sehr wohl in Form des „Bürgermoors“ traditionell erprobt und breit geübt:
Erklärtafel zum „Bürgermoor“ an der Haltestelle „Wendeplatz“ – Foto: StH, 2026
Der Gedanke von Gemeinschaft scheint in dieser Gegend jedoch sehr wohl traditionell erprobt und breit geübt: Das Bürgermoor war (laut Erläuterungstafel) ein „von der Landwirtschaft geprägter Landstrich, der mit starkem Willen, großer Geduld und noch mehr körperlichem Einsatz der Siedler sind aus einer Einöde Flächen geschaffen worden, der seine Besitzer ernährte. (…) >Das übrige Bürgermoor war in a. 140 kleine Parzellen aufgeteilt, die zum größten Teil im Besitz von Cloppenburger Bürgrerfamilien waren. Sie nutzten das Gebiet zur Torfgrewinnung, um mit diesem Brennmaterial ihre Häuser und Eohnungen zu heizen. Um 1910nkaufte der Landeskulturfond sogenannte“Placken“ zu 2 h Größe“ (…) „So entstanden hier 11 landwirtschaftliche Betriebe.
Auch „Freilandeier“ werden hier angeboten:
freilebende Hühner am „Wendeplatz“ – Foto: StH, 2026
Der Gedanke von Gemeinschaft scheint in dieser Gegend jedoch sehr wohl traditionell erprobt und breit geübt: Das Bürgermoor war (laut Erläuterungstafel) ein „von der Landwirtschaft geprägter Landstrich, der mit starkem Willen, großer Geduld und noch mehr körperlichem Einsatz der Siedler sind aus einer Einöde Flächen geschaffen worden, der seine Besitzer ernährte. (…) >Das übrige Bürgermoor war in a. 140 kleine Parzellen aufgeteilt, die zum größten Teil im Besitz von Cloppenburger Bürgerfamilien waren. Sie nutzten das Gebiet zur Torfgewinnung, um mit diesem Brennmaterial ihre Häuser und Wohnungen zu heizen. Um 1910 kaufte der Landeskulturfond sogenannte „Placken“ zu 2 h Größe“ (…) „So entstanden hier 11 landwirtschaftliche Betriebe.
Nach einer Pause fahren wir weiter gen Bevenbruch
Klatschmondfeld vor Bevenbruch – Foto: StH, 2026
Wir fahren weiter und durch „Littel“, einem Ortsteil der Gemeinde Wardenburg, südlich von Oldenburg. Der ältesten Hinweise auf die Existenz dieser Bauernschaft stammen aus dem 14. Jahrhundert: in einer Urkunde von 1350 wird der Verkauf eines Zehnt-Anteils an einem Hof „Littlo“ an die Wardenburger Kirche festgehalten.
Ortseinfahrt von Littel – Foto: StH, 2026
Wir finden den Namen etwas lustig – beim Einfahren in den Ort sehen wir zunächst nur ein Gehöft links und eines rechts, so dass der Name durchaus zutreffend erscheint, doch sehen wir anschließend noch weitere Häuser – der Ortsteil hat gut 450 Einwohner.
Eigentlich würden wir gerne eine zweite Frühstückspause (mit Kaffee) machen, doch finden wir vor Wardenburg am heutigen Pfingstmontag keine geöffnete Bäckerei.
in Wardenburg endlich eine geöffnete Bäckerei – wir sind keineswegs die Einzigen, die diese Möglichkeit nutzen – Foto: StH, 2026
Wir kommen bereits gegen 14.00 Uhr in Oldenburg an, so dass wir in der Unterkunft noch nicht einchecken können – das geht im Hotel Antares erst ab 15.00 Uhr. Also fahren wir mit den Rädern zunächst in Oldenburgs Fußgängerzone und dann auch in den Schloßpark.
Zunächst reist der Fersengurt meiner Hake-Pedale am linken Fuß, was wir mithilfe von Gaffaband „flicken“.
Im OIdenburger Schlosspark fiel dann plötzlich das Rad meiner Partnerin, und wir stellen fest, dass der Seitenständer abgebrochen ist. Das ist ziemlich unpraktisch und wir müssen den Ständer am kommenden Tag möglichst vor der Weiterfahrt ersetzen lassen.
im Schlosspark befindet sich ein Teich – von diesem Rhododendrengeschmückten Ufer sieht man auch die Oldenburger Kirche – Foto: StH, 2026
Im Hotel frage ich also beim Einchecken nach einer Fahrradwerkstatt in der Nähe, und der hilfsbereite Rezeptionist sucht uns zwei in der nahegelegenen Fußgängerzone. Wie wir abends bei eigener Recherche feststellen, öffnen diese aber eh erst relativ spät, und ohnehin erscheint zweifelhaft, ob wir dort zeitnahe Hilfe finden können. Meine Partnerin findet im Netz eine kleine Fahrradwerkstatt in etwa 3,5 km vom Hotel, von dem es allerdings in dem Bewertungen heißt, dort werde fachkundig und schnell geholfen. Also entscheiden wir, am folgenden Tag nach einem frühen Frühstück möglich bei Öffnung der Werkstatt bereits dort zu sein.
Die Schaltung meines Dreirades knarrt auch, und so möchte ich zumindest fragen, ob diese sowie die Feststellbremse ebenfalls eingestellt werden könnte.
Oldenburgs Geschichte begann nach den Ergebnissen ärchäologischer Ausgrabungen im 7. oder 8. Jahrhundert. Heute ist die Stadt mit ihren gut 175.000 Bewohnenden eine kreisfreie Großstadt in Niedersachsen. Die heutige Universitätsstadt ist nach Hannover und Braunschweig die drittgrößte Stadt Niedersachsens, und war ehemals Residenzstadt und Hauptstadt der Grafschaft, des Herzogtums, des Großherzogtums, des Freistaates und des Landes Oldenburg.
Dann verstauen wir unser Gepäck im Zimmer und fahren nochmals in die nahegelegene Stadt, deren Zentrum recht schön ist.
In der Oldenburger Fußgängerzone – Foto: StH, 2026
Auch das Schloss und den Marktplatz mit Rathaus betrachten wir noch:
Oldenburger Schloss vom Marktplatz aus
Die evangelisch-lutheranische Kirche vom Schlosspark aus
Das Schloss, das nun auch Landesmuseum ist
Teich im Schloßpark
Rathaus von Oldenburg vom Markt aus
Wiese im Schloßpark
Anschließend essen wir noch beim Asiaten und ruhen uns dann im Hotel aus. Das Zimmer ist gut, jedoch an einer recht lauten Straße gelegen – dennoch schlafen wir gut und erholsam.
26.5.25 (10. Etappe): Oldenburg-Brake-Bremerhaven): 80 gefahrene km
Nach dem frühen Erwachen nehmen wir auch recht früh unser Frühstück im Hotel Antes ein, packen dann und sind bereits gegen 8.45 Uhr die knapp 3,5 km zu Fahrrad Hinrichs gefahren. Wir wussten ja, dass er erst um 9.00 Uhr öffnet, wollten jedoch die ersten dort sein, da wir heute noch eine lange Etappe bis Bremerhaven vor uns hatten.
Die Eingangstür der Fahrradwerkstatt Hinrichs in Oldenburg – Foto: StH, 2026
Wir stehen also mit dem „Corpus Delicti“ in der Einfahrt vor der Tür und warten
Am Hinterrad unter dem Ritzel erkennt man den Stumpf des Seitenständers – Foto: StH, 2026
Es ist ein warmer Tag und einige Minuten nach uns kommt ein weiterer Kunde, der aber dann auch nach uns dran wäre. Herr Hinrichs kommt dann an sein Hoftor und fragt mich, was wir bräuchten, damit wir nicht vergebens auf ihn warten würden. Ich erzähle ihm vom Seitenständer – kein Problem, und von meinem Wunsch, an meinem Dreirad die mechanische Schaltung und die Feststellbremse eingestellt zu bekommen. Zunächst meint er angesichts meines Combo-E-Trikes von Pfautec, dafür sei er nicht ausgebildet, aber da es um traditionell-mechanische Wartung geht, lässt er uns beide rein, und montiert zunächst einen neuen Seitenständer am Rad meiner Partnerin und stellt dann Schaltung und Feststellbremse meines Gefährts ein. Dabei unterhalten wir und nett über seine Katze und Radfahren. Er scheint einer dieser Überzeugungstäter zu sein, und bestätigt unsere Vermutung, dass wir bei größeren und zentraler gelegenen Fahrradwerkstätten wohl ohne Termin kaum bedient worden seien. Seine Reparatur hingegen beginnt er sofort mit Sachverstand und Geschick und berechnet uns wirklich einen Preis, den uns sein Service wirklich wert ist. Die positiven Bewertungen über ihn im Netz können wir nur voll und ganz bestätigen.
Tipp: Im Bedarfsfall lieber vorab im Netz nach gut bewerteten und kleineren Werkstätten suchen und ggf. eine etwas längere Strecke in Kauf nehmen, als zur erst-besten Werkstatt zu fahren.
Wir sind Herrn Hinrichs wirklich dankbar und können bereits vor 10 Uhr unsere heutige Etappe in Angriff nehmen. Meine Schaltung hat er auch gut eingestellt, wie ich daran merke, dass sie beim Fahren viel weniger hakt.
Zunächst fahren wir aus Oldenburg hinaus
Landschaft hinter Oldenburg – Foto: StH, 2026
und durch Bethel, einem Ortsteil von Oldenburg
Radeweg hinter Bethel – Foto: StH, 2026
Irgendwann verwirrt uns die APP wieder und wir bleiben stehen, um es uns visuell genau anzuschauen. Schließlich fahren wir auf einem recht guten und an einer Landstraße entlangführenden Radweg – die APP wollte uns wenige Meter vor dieser Straßenkreuzung auf einen Feldweg führen, der uns allerdings bezüglich seiner Fortführung nach einigen hundert Metern nicht sehr vertrauenswürdig erschien. An einer weiteren Kreuzung nahe einer Tankstelle hie uns die APP links abbiegen und dann nach einigen hundert Metern auf einer in der Mitte erhöhten und somit mit Rädern an den abfallenden Straßenrändern nicht sehr komfortabel zu beradelten Straße, die zum Glück nur mäßig von Autod befahren wurde, rechts abbiegen. Ein Bauer mit Trekker sah uns verwundert an, doch konnten wir ihn und seinen Treker passieren unf fuhren weiter, bis wir an eine gesperrte Stelle (Umleitung) gelangten. Dort bogen wir links in einen recht schönen Weg ein, der aber immer weniger ein Radweg zu sein schien. Shließlich sprang ein junger Hund (Wind- oder Jagdhund?) auf und zu, wedelte mit dem Schwanz und beschnüffelte und abwechselnde mit großem Interesse, bis er von einem Mann mit zwei weiteren Hunden zurückgerufen wurde. Dieser auskunftsfreudige Mann teilte uns mit, dass es weiter geradeaus einen malerischen Weg gebe (er betonte die 2. Silbe), der aber auch herausfordernd sei.
Also entschlossen wir und zur Umkehr und folgten weiter dem Radweg an der Landstraße. Der Radweg endete, als wir eine Brücke überqueren mussten und auch auf unserem weiteren Weg zur Weserfähre in Brake mussten wir hin und wieder unsere APP visuell befragen.
Schließlich gelangten wir zum Weserdeich, auf dem viele Schafe weidetem
Schafe auf dem Weserdeich – Foto: StH, 2026
Am Deich entlangradelnd erreichten wir schließlich die Fähre bei Brake
auf der Weserfähre bei Brake – Foto: StH, 2026
Die Weser bei Brake Foto: StH, 2026
Auf der anderen Weserseite radelten wir entlang des Deiches. Eigentlich hätte wir gerne eine Pause mit Stärkung gemacht, und unser mitgeführtes Wasser war auch bereits getrunken, doch gab es nur einzelne Häuser oder Gehöfte und keine Restauration. Erst in Dedendorf sahen wir einen Hinweis auf eine Bude mit Getränken und etwas zu Essen, die wir allerdings zunächst nicht fanden, bis wir einen vorbeiradelnden Jungen (scheinbar einheimisch) fragten. Er wies uns den Weg über den Deich zum Ufer der Weser, und tatsächlich gab es dort zwei Anhänger (einer mit Fischbrötchen, Bier und Ähnlichem, der andere mit Quiche, Softdrinks und etwas Kuchen. Wir entschieden uns für die Quiche-Bude und kauften uns etwas zu Essen und zu Trinken. Auch eine Toilette gab es in der Nähe, in der wir auch unsere Wasserflaschen auffüllten. Da am Becken kein gegenteiliger Hinweis war, gingen wir davon aus, dass es sich um Trinkwasser handelte – und tatsächlich hatten wir anschließend auch keine Beschwerden.
Danach fuhren wir weiter, zunächst durch die paar Häuser von Dedendorf durch noch auf etwas wie einem Radweg, der aber schnell immer schlechter wurde und sich dann ganz verlor. also mussten wir ein Stück auf einer Landstraße fahren, deren Straßenrand leider ziemlich schlecht befahrbar war. Nach vielleicht 3-4 km sahen wir links von der Straße einen guten Radweg, zu dem wir hinüberwechselten vermutlich kam der auf der anderen Seite des Deiches von den Büdchen (?) –
Wir folgten diesem sehr guten Radweg weiter gen Bremerhaven und überquerten kurz vor 16.00 Uhr einen Kanal
Die Weser kurz vor Bremerhaven – Foto: StH, 2026
Nun fuhren wir nach Bremerhaven durch die Hafengegend hinein auf dem Weg zu unserer gebuchten Unterkunft („Brunnen“ – dazu gleich mehr …)
Auf dem Weg mussten wir noch einen Boxenstopp einlegen – gut, dass wir beide zwei Akkus dabei haben!
Schließlich kamen wir am „Brunnen“ an – die Gegend erschien nicht gerade vertrauenssteigernd, und in der Unterkunft standen im Treppenaufgang ein paar Fahrräder. Das Rad meiner Begleiterin stellten wir eine Halbtreppe hoch vor eine Tür auf einen kleinen Absatz, auf dem bereits ein anderes Rad stand. Mit und für mein gut 55 kg schweres Dreirad gab es absolut keinen Platz!
Wir luden ab, und während meine Partnerin mit Rädern und Gepäck am Eingang wartete, stiefelte ich die zwei Etagen hoch zu unserer Zimmernummer. Als ich wieder die Treppe hinabging, sprach mich eine Frau an, dass unser Gepäck so aber nicht liegenbleiben könne. Ich versicherte ihr, wir würden es ins Zimmer bringen, doch betonte sie auch, dass das Rad meiner Partnerin dort unmöglich stehen bleiben könne.
Beide Räder über Nacht auf der Straße zu lassen, hielten wir beide für überhaupt keine gute Idee, wenn wir sie am folgenden Tag überhaupt noch und in unversehrtem Zustand vorfinden wollten, um unsere Reise fortsetzen zu können.
Auch traf ich zwei Handwerker, die seit einer Woche dort Zimmer hatten und alles andere als abgetan waren.
Also besprach ich mich kurz mit meiner Partnerin und suchte dann online eine Alternativ-Unterkunft. Nachdem ich mich telefonisch versichert hatte, dass es dort sichere Unterstellmöglichkeiten für unsere Räder gäbe führte ich die Buchung durch und ließ unsere zuerst gebuchte Bleibe, die (natürlich!) nicht stornierbar war, verfallen. Die Handwerker halfen uns noch mit dem Rad meiner Partnerin und dann radelten wir die nächste Straße links vielleicht 600 Meter runter bis zu unserer anderen Unterkunft Von dort rief ich die die Wohnung betreuende Frau an , die etwas unwillig, aber dann doch kam, um uns eine (etwas verranzte, aber für eine Nacht akzeptable Wohnung (im Erdgeschoss) und Stellplätze für unsere Räder in einem abschließbaren Schuppen zuzuweisen.
Wir verstauten unser Gepäck in der Wohnung und fuhren mit dem Bus noch zu einem Netto, um Essen und (nach diesem sehr ereignisreichen) Tag eine Flasche Wein zu kaufen.
Die Gegend ist wirklich nicht toll, wie man auch an diesem Foto sieht:
Die Tür war offenbar mal aufgebrochen worden, und auch die Wohnung war wirklich nicht toll! Aber wenigstens standen die Räder sicher und für eine Nacht ging es – Foto: StH, 2026
Derart hatten wir 59 € für den Brunnen verschenkt, doch waren uns unsere unversehrten Räder eindeutig mehr wert, und wir konnten unsere Akkus und Handys aufladen und eine Mütze Schlaf nach unserer bislang längsten und recht ereignisreichen Etappe nehmen.
Screenshot der 10. Etappe
27.5.25 (11. Etappe): Bremerhaven-Hemmoor): 58 gefahrene km
Wie üblich werden wir früh wach, frühstücken in der zum Appartement (Rickmersstr. 61), gehörigen Küche und packen unsere Sachen.
Gut an der Unterkunft war, dass wir die Räder sicher abstellen konnten. Auch erhielten wir für die eine Nacht ein 2-Zimmer-Appartement mit Bad und Küche im Erdgeschoss für 53,10 €. Ok, die Bettwäsche empfand ich als klamm, die Wohnung nicht supersauber und im Schlafzimmer war eine Ameisenstr, aber im Preis-Leistungs-Verhältnis war es für eine Nacht ok. Wir hatten schon besser übernachtet und auch bereits schlechter, doch hatten wir die Nacht gut überstanden und fanden die Räder sicher und unversehrt wieder vor, was am „Brunnen“ sicher nicht garantiert gewesen wäre.
Bremerhaven ist mit knapp 120.000 Bewohnenden eine Großstadt am Westrand des Elbe-Weser-Dreiecks und gehört als Exklave zur Land „Freie Hansestadt Bremen“. Sie möchte mit verschiedenen Projekten „Smart City“ werden.
Der Hafen steckt ja bereits im Namen und deren Geschichte beginnt 1830 mit dem alten Hafen. Laut Wikipedia ist sie mittlerweile nicht nur Hafen-, Handels- und Industriestadt, sondern durch den regionalen Strukturwandel auch Dienstleistungs- und mit der Hochschule auch Wissensstadt mit Tourismus
Die Tourismusseite der Stadt nennt als Highlights mehrere Museen, das Klimahaus Bremerhaven, dem Zoo am Meer mit Eisbären und Pinguinen und das Deutsche Auswandererhaus, das ein preisgekröntes Erlebnismuseum ist, und das auch im DLF -Podcast „Amerika verstehen“ in einer Folge erwähnt wurde – dort wird die Geschichte der Auswanderung von 7,2 Millionen Auswandernden zwischen 1830 und 1974 nach Übersee auf knapp 3.500 m² ebenso wie seit 2012 rund 330 Jahre Einwanderungsgeschichte nach Deutschland präsentiert.
Das Auswanderhaus wäre vermutlich einen Besuch wert gewesen, doch ist das Bestreben von uns „Banausen“ lediglich die Durchreise, und nach Kennenlernen „eines besonderes Charmes“ in der Umgebung unserer beiden Unterkünfte die Weiterreise unserem nächsten Etappenziel in Hemmoorentgegen (zu dieser Stadt später, auch sie fanden wir durch unsere Teamsuche, bei der meine Partnerin zunächst eine für uns machbare Tagesetappe von etwa 50 km in Richtung unseres Zieles Glücksburg suchte, und ich dann eine Unterkunft in einem vernünftigen Preissegment und mit sicherer Unterstellmöglichkeit für unsere uns teuren Fahrzeuge, die gleichzeitig Gepäckwagen und Sportgeräte darstellen. Ohne eine derartige Suche hätten wir vermutlich ebenso wenig jemals von Hemmoor wie z.B. von Schermbeck-Gahlen oder Horstmar erfahren, so dass diese Art der Reiseplanung einen besonderen Reiz darstellt und immer wieder für Überraschungen gut ist.
Nun aber zunächst zur heutigen Tagesetappe:
Screenshot der 11. Etappe von Bremerhaven nach Hemmoor
Von den Möglichkeiten, die uns von Google Maps für die Radreise zwischen den beidem Orten der heutigen Etappe entscheiden wir uns für die mittlere, die einiges kürzer ist als die nördliche Route. Von unserer Unterkunft finden wir zunächst gut aus Bremerhaven heraus.
Die „Langener Landstr.“ bei Lehe, das noch ein Stadtteil von Bremerhaven ist – -Foto: StH, 2026
Vor Spaden wechseln wir vom Bundesland Bremen wieder nach Niedersachsen. Die Radwege sind recht gut, selbst wenn sie teilweise durch Wohngebiete wie in Spadenüber Bürgersteige oder an der Landstr. entlangführen.
Haus in Spaden, das bereits in Niedersachsen liegt – Foto: StH, 2026
Hinter Spaden führt uns ein recht gut ausgebauter Radweg an einer Landstraße entlang, bis er auf unserer Straßenseite endet und auf der anderen Straßenseite fortgeführt wird. Also heißt es, die Landstraße zu überqueren, was etwas vom Radweg zur recht viel und schnell befahrenen Straße ansteigend gar nicht so einfach ist
diesen Übergang könnte man vermutlich geschickter und ungefährlicher gestalten (?) – Foto: StH, 2026
Mit etwas Umsicht kommen wir gut auf die andere Seite und folgen weiter unserer Route.
Als nächstes kommt eine Ortschaft:
Welche sinniger Ortsname 🙂 – Foto: StH, 2026
Zur „Ortschaft“ gehört auch eine beeindruckende Villa
oder ist diese Villa die „Ortschaft“? – Foto: StH, 2026
Wie das Ortsschild verrät, gehört „Ortschaft“ bereits zur Stadt „Geestland“, die wir durch Wälder und Felder weiter durchradeln und so auch an den Flögelner See gelangen.
Der Wald bei Ortschaft, durch den der Radweg uns führt.
Die Straße dorthin ist ohne gesonderten Radweg und einige Autos fahren (rasen) sie mit erheblicher Geschwindigkeit entlang
Da der Straßenrand nicht gut zu befahren ist, versuchen wir stets Autos, die von vorne oder hinten kommen, frühzeitig zu hören, um auf das Passieren vorbereitet zu sein. – Foto: StH, 2026
Dass Rhododendron in dieser Gegend hervorragend gedeiht, wissen wir ja bereits – Foto: StH, 2026
Schließlich kommen wir am Flögelner See an, wo sich auch ein Hochstand als Aussichtsplattform befindet. Wir klettern hinauf, sehen uns die Erläuterungstafel und den See von dort an.
Der Flögelner See von der Aussichtsplattform aus – Foto: StH, 2026
Der See ist mit ein 155 Hektar großer Moorsee mit Wasserverbindung zum Halemer und zum Dahlemer See, die jedoch beide unter Naturschutz stehen. Er grenzt im Nordosten an weitläufige Moorgebiete. Im See gibt es eine kleine Insel mit Überresten einer mittelalterlichen Wasserburg. Am See nisten zahlreiche Vogelarten und im Winter kommen aus Nordeuropa und Russland Singschwäne hinzu
Erläurungstafeln in der Aussichtsplattform am Flögelner See – Foto: StH, 2026
Der südliche Seeabfluss führt über die Aue zum Hadelner Kanal, der Teil des Elbe-Weser-Schifffahrtsweges ist. Er ist nicht schiffbar, aber für Paddler geeignet
Der südliche Abfluss des Fölgelner Sees nahe der Aussichtsplattform – Foto: StH, 2026
Wir machen dort eine Pause inklusive „Boxenstopp“ und radeln dann weiter weiter durch Wälder, in denen Vögel erzählen – möglicherweise tauschen sie sich über diese seltsamen und schwer bepackten Radler aus? Auch sehen wir bei unserer Fahrt mal einen Storch, dem die um die Wette quakenden Frösche zum Festmahl den Weg leiten, mal einen Reiher und auch mal einen Fasan, der erschreckt vor uns auffliegt und einen Raubvogel, der über einer Wiese oder einem Feld nach Beute ausspäht.
Hinter „Ortschshaft fahren wir auch durch Wiesen – Foto: StH, 2026
Wir sehen mal einen Reiher, mal einen Storch, der von den um die Wette quakenden Fröschen bereitwillig zu einer leckeren Mahlzeit gerufen wird. Auch fliegt mal ein von uns aufgescheuchter Fasan auf oder wir sehen einen Raubvogel über einem Feld oder einer Wiese auf Beute lauernd kreisen.
Es ist eine schöne und friedliche Fahrt, die uns als nächstes nach Steinau führt
eine Kirche gibt es in Steinau, doch eine Raststätte für eine kleine Stärkung suchen wir vergebens – Foto: StH, 2026
Irgendwann treffen wir an einer Straßenkreuzung 3 radelnde Damen aus Cuxhaven. Auch sie haben keine geöffnete Gaststätte gefunden – schade, aber dann halt weiter.
ein Haus am Radweg hinter Steinau – Foto: StH, 2026
Wir kommen weiterhin an Wiesen und Feldern vorbei
die Landschaft hinter Steinau – Foto: StH, 2026
und überqueren kurz hinter Steinau einen Kanal mit Booten – Foto: StH, 2026
wir folgen weiter dem Radweg, der an der Landstraße recht gut ausgebaut ist – Foto: StH, 2026
weiter geht es durch Ödisheim
die Landschaft bei Ödisheim – Foto: StH, 2026
Hier ist die Landschaft schon fast heidemäßig. Man sieht weiterhin Felder und Wiese, bisweilen durchzogen durch Baumgruppen.
Uns fallen auch Klatschmond und Gräser mit wollartigen Blüten auf – Foto: StH, 2026
Auch an Pferdeweiden kommen wir vorbei
Pferdewiese mit Schimmel und einem Fohlen bei Ödisheim – Foto: StH, 2026
Etwas weiter bei Süderbusch stoßen wir an einer Straßenkreuzung auf einden von der Gemeinde eingerichteten Rastplatz
wir sind dankbar für diesen von der Gemeinde eingerichteten Rastplatz, am dem wir mit unseren Reiseprovisant eine Mahlzeit einnehmen – Foto: StH, 2026
Zeit für eine Kräftigung – Foto: StH, 2026
Nach der Stärkung geht es weiter auf die letzte Wegstrecke
Natürlich sehen wir auch wieder Rhododendren – hier auch mit orangen Blüten
auch orangenen Rhododendron gibt es in der Nähe von Hemmoor – Foto: StH, 2026
Schließlich kommen wir an unserer Pension „Kolibri“ an. Wie erbeten hatte ich etwa 1/2 Stunde vor Ankunft an, und die Wirtin sitzt bei unserer Ankunft in der Küche. Wir beziehen unser wirklich tolles Zimmer im Obergeschoss (über eine Treppe erreichbar), bringen unser Gepäck hin, und fahren dann gemäß den Angaben der Wirtin zum nahegelegenem Supermarkt mit Bäckerei im Vorraum – wir kaufen für unser Frühstück ein und nehmen auch Teilchen für einen Snack am nahegelegenem Kreisesee, wo wir nach dem Einkauf hinfahren mit
der „Kreidesee“ nahe Hemmoor – Foto: StH, 2026
Wir setzen uns dort auf eine Bank und verzehren den erworbenen Kaffee mit den Teilchen.
Der Kreidesee ist ein bis zu 60 m tiefes Tauchparadies, das aus einer ehemaligen Kreidegrube entstanden ist.
Anschließend fahren wir noch etwas um den See herum und kommen an ein paar Häusern aus
Häuser und ein beeindruckender Baum an einem anderen Ende des Weges um den See – Foto: StH, 2026
Die Pension „Kolibri“ gehört zu einem Fliesenmarkt, dessen Werksgelände direkt benachbart ist – Foto: StH, 2026
2026-05-28 (12. Tag – Hemmoor-Glücksstadt) – 30 gefahrene km
Am nächste Morgen frühstücken wir in der auch uns zur Verfügung gestellten Küche im Erdgeschoss und begeben uns auf die heute recht übersichtliche Etappe, die uns allerdings über die Elbe führen soll – der Elbtunnel ist per Rad natürlich keine Option 🙂
Noch in Hemmoor kommen wir am „kaiserlichen Postamt“ vorbei
eigentlich dachten wir, der hätte vor längerer Zeit abgedankt? Doch nicht? – Nun, es soll ja noch Zeitgenossen geben, die als „Reichsbürger“ die jetzige Staatsordnung nicht anerkennen – Foto: StH, 2026
Weiter geht es über die über die Ostebrücke an Osten vorbei, wo es über den Fluss Oste offenbar eine Schwebefähre gibt
Blicke von der Ostebrücke auf die Schwebefähre bei Osten – Foto: StH, 2026
Wir kommen auch durch das „alte Land“
der Radweg entlang der wohlorganisierten Apfelplantage – Foto: StH, 2026
Die Gegend hatte meine damals kindliche Partnerin noch als quasi wilde „Apfel-Streuwiesengegend“ in Erinnerung. Davon ist allerdings im Sinne von effizientem Anbau und Ernte rein überhaupt nichts mehr übrig!
Heutzutage sind die Apfelbäume effektiv für die Ernte gestutzt und in Reih und Glied gepflanzt – Foto: StH, 2026
Und dann radeln wir auch bereits an einer laangen Autoschlange entlang, die offensichtlich warten sie an der Elbfähre
Wartende Autoschlange vor der Elbfähre bei Wischhafen – manchmal ist es doch sehr angenehm, mit dem Rad unterwegs zu sein und fröhlich und „nicht zu huldvoll winkend“ beim Vorbeifahren zu grüßen – Foto: StH, 2026
Natürlich können wir, wie andere Radelnden auch sofort bis zur Fähre vorfahren, und nehmen ohnehin keinem der wartenden Autos den Stellplatz weg.
auf der Elbfähre nach Glückstadt – Foto: StH, 2026
Natürlich kommen wir mit den anderen mit uns übersetzenden Radelnden ins Gespräch, wobei mein Dreirad durchaus Aufmerksamkeit anzieht. Unter anderen tauschen wir uns mit einem dänischen Paar aus, das von Dänemark ins Allgäu geradelt war und sich nun auf dem Rückweg befindet. Sie haben an ihren Rädern (ohne E-Motor) unter anderem GPS-Trecker, die im Falle von Diebstahl ein Signal schicken und die „entführten“ Räder aufzuspüren vermögen.
Meine Partnerin im Gespräch auf der Elbfähre – Foto: StH, 2026
Wir dachten ja, dass unsere Leistung einer Fahrt von Königswinter nach Glücksburg schon beeindruckend sei, aber gegen dieses Radlerpaar sind wir wirklich „Waisenkinder“! Der Mann hatte durch einen Sturz vom Hausdach das Rückgrat gebrochen, ist Rentner und nutzt mit seiner Frau nun die Zeit für sehr ausgedehnte Touren. Prinzipiell hat er sich vom Unfall wohl recht gut erholt, nur in einem Bein kribbelt es wohl zunehmend mit etwas Taubheit.
Die beiden reisen mit ziemlich kleinem Gepäck – und auch wir haben gemerkt, dass wir einige Dinge mitführen, die eher unnötig sind.- So sind Radhosen zur Schonung des Gesäßes ziemlich wichtig, aber dann täten es eben auch weniger Slips, die ohnehin gewaschen werden können. Ok – für uns E-Bikenden ist der jeweilige Ersatz-Akku mit eine, Gewicht von jeweils etwa 3-5 kg vielleicht nicht absolut erforderlich, aber zweifelsohne hilfreich, und auch ein Paar Socken und das ein oder andere T-Shirt könnte ggf. eingespart werden? Waschzeug und anderes Verbrauchsmaterial haben wir ohnehin nur für eine Weile dabei, da es jederzeit nachgekauft werden kann – lediglich Trinkwasser und kleine Snacks haben stets dabei – Vor Reiseantritt hatte ich mir noch ein kleineres und leichteres Notebook (gebraucht) gekauft, da ich keine hohe Bildschirmdiagonale auf Reisen benötige, aber ein Notebook für meine Blog und das Herunterladen der gemachten Fotos von Vorteil ist.
Regenklamotten sind, wie wir zu Beginn feststellten, auch mehr als hilfreich, und eine Ersatz-Hose und ein Pulli für kühlere Tage, die wir uns Ende Juni 26 kaum noch vorstellen können, aber auf der Tour durchaus erlebt haben.
Und etwas Pflege- und Erste-Hilfe-Material könnte auch mal gebracht werden (Sonnenmilch, Insektenspray, Pflaster und Zinksalbe). Außerdem benötigen wir beide eine gewisse Menge an Medikamenten, die in Zeiten von E-Rezept allerdings telefonisch beim Hausarzt nachbestellt werden können, sofern kein neues Quartal begonnen hat, was ich selbst auch zweimal während der Reise in Anspruch nahm. Die Digitalisierung ist in einigem Dingen also durchaus ein Fortschritt!
Von der Fähre aus sehen wir in der Ferne den Atomkraftwerk Brokdorf sowie Windräder
am Ziel-Elbufer (Glückstadt) sieht man Windräder sowie den Atommeiler Brokdorf, das nun ebenfalls abgeschaltet ist und als „Zwischenlager“ dient. Die Suche eines Endlagers für Atommüll in Deutschland ist ja eine weiterhin unvollendete Aufgabe und wird voraussichtlich noch Jahrzehnte dauern – ein Umstand, den die Befürworter von Small Modular Reaktoren gerne unterschlagen- Foto: StH, 2026
Auf dieser privat betriebenen Elbfähre erhalten wir übrigens keinerlei Behinderten-Rabatt, sondern zahlen, wie alle anderen auch, für unsere beiden Räder und uns beide einen Preis von 13,20 € für die Überfahrt.
Und so erreichen wir das Ende unserer Überfahrt
kurz vor dem Anlegen bringt ein Fährenbediensteter das Deck der Fähre auf dieselbe Höhe wie den Anleger – Foto: StH, 2026
Und so warten die Räder ab, bis die Autos die Fähre verlassen haben und wechseln dann ebenfalls wieder an Land – dieses Mal auf dem Ufer bei Glückstadt. Nun sind wir in Schleswig-Holstein. An diesem Ufer befindet sich etwas landeinwärts ein Teich, an dessen Ufer wir auf einer Bank ein wenig rasten
ein Teich am Ende der Abfahrt von der Elbfähre, auf der linken Straßenseite, wo es auch nach Glücksburg geht -Foto: StH, 2026
Dann laden wir unsere Unterkunft in die APP bzw., da wir noch zu früh zum Einchecken sind, den Marktplatz von Glückstadt, wo wir zhnächst hinfahren, um Kaffee und Kuchen einzunehmen.
Pause zum zweiten Frühstück am Markt von Glücksburg – Foto: StH, 2026
Anschließend suchen wir das Apartuum („Am Fleth“)
und ich rufe den Vermieter an. Natürlich sind wir noch zu früh zum Einchecken, und möchten und gegen 14.30 Uhr erneut melden.
Fleth in Glückstadt – Foto: StH, 2026
Also erkunden wir per Rad etwas die Stadt und setzen und dann an Ufer des Hafens.
Glücksburg ist eine an der Unterelbe gelegene Kleinstadt in Schleswig- Holstein, die mit ihren gut 11.000 Bewohnenden nach Itzehoe die zweitgrößte Stadt des zur Metropolregion Hamburg gehrenden Kreis Steinburg. Die Stadt wurde 1617 vom König von Dänemark und Norwegen, Christian IV. gegründet und nach den Plänen des in holländischen Diensten stehenden französischen Festungsbaumeisters Pieter de Perceval errichtet und sollte eine uneinnehmbare Festungs- und Hafenstadt an der Unterelbe werden. Leitspruch von Christian IV. sei gewesen: „Dat schall glücken und dat mutt glücken – und dann schall se ok Glückstadt heten!“
Der historische Stadtkern ist bis heute ein Musterbeispiel für eine auf dem Reißbrett entworfene Fürstenstadt der Neuzeit
Erklärtafel der „Radialstadt Glücksburg“ am Ufer des Hafens – Foto: StH 2026
Der König versprach Religionsfreiheit und so siedelten bald erste Exiliantengruppen niederländischer Reformierter in die Stadt, denen kostenlose Baugrundstücke zur Verfügung gestellt und Steuerfreiheit gewährt wurden. Ebenfalls „Remonstranten“ und Minoriten kamen aus den Niederlanden und Christian IV. garantierte in 1624 in einem Toleranzedikt Religionsfreiheit. Auch aus Portugal stammende sephardische Juden kamen mit des Königs Toleranzedikt von 1619 ab 1620 aus den Niederlanden und 1630 wurde ihnen der Bau einer Synagoge gestattet, die 1767 in der Königstraße 6 neu aufgebaut wurde. Die Zahl der jüdischen Bürger nahm jedoch in den folgenden Generationen ab, was schließlich zum Verkauf und Abbruch der Synagoge im Jahr 1895 führte.
Katholiken durften im zunächst lutherischen Holstein ihre Religion zunächst nicht offen ausüben, und ihnen wurde im Haus des spanischen Konsuls Gabriel de Roy 1630 erstmals private Gottesdienste gestattet. in den 1660er Jahren gab es durch aus Polen-Litauen vertriebene Brüder Bemühungen einer Gegenreformation, besonders von Stanislaw Lubieniecki initiiert, doch misslang eine Ansiedlung in der Stadt.
Die im Ausbau kräftig vorangetriebene Festung bewährte sich tatsächlich im Dreißigjährigen Krieg. und so konnte Glücksburg als einzige Festung in Schleswig-Holstein nicht durch Belagerung bezwungen werden konnte.
Zucker, Salz, Seifensiedereien, eine Ölmühle und der Walfang um Grönland waren wirtschaftlich bedeutend, und Glücksstadt wurde kurzzeitig Sitz der 1671 zu Grunde gegangenen „Glückstädter Aficanischen Kompanie“ sowie der isländischen und norwegischen Handelskompanie.
1649 wurde Glückstadt Regierungskanzlei für die königlichen Landesteile Schleswig und Holstein., 1713 auf die königlichen Teile Holsteins beschränkt. Seit 1867 gehört Glückstadt zum Kreis „Steinburg“ und als „Hauptstadt Holsteins“ 1845 an die neu errichtete Stammstrecke der Schleswig-Holsteinischen Marschbahn-Gesellschaft angeschlossen.
Bezüglich des Hafens wurde die Konkurrenz Hamburgs und Altonas im 18 Jahrhundert zu stark, und die Bedeutung von Glücksstadt war mehr von Militär und Regierung als von Gewerbe und Handel geprägt.
Wir verbringen also noch Zeit am Hafen und beobachten die Boote und die Hafeneinfahrt
der Hafen in Glücksstadt in Richtung der Hafeneinfahrt – Foto: StH, 2026
Wir sehen auch das Boot „Moby Dick“, das ein Restaurant ist
Die „Moby Dick“ im Glücksstädter Hafen – Foto: StH, 2026
Auch haben wir von unserer Bank aus einen Blick auf die Altstadt
Blick vom Hafen auf die Stadt – Foto: StH, 2026
Gegen 14.30 Uhr gehen wir zum Apartuum. von wo ich den Vermieter anrufe. Er sagt, er käme und so warten wir vor der Tür der Unterkunft
meine Partnerin vor dem Apartuum „Am Fleth“ – Foto: StH, 2026
Tatsächlich kommt er dann auch und führt uns in der Parallelstraße in den Innenhof des Gebäudes, wo wir unsere Räder abstellen und von wo wir unser Zimmer im Erdgeschoss erreichen können, das er uns bei meinem Anblick überlässt. Er ist zurecht stolz auf dieses barrierefrei eingerichtete und wirklich schöne Zimmer, das wir beziehen.
Nach dem Auspacken, erkunden wir nochmals zu Fuß andere Teile der Stadt und stoßen unter anderem nach der „Ortschaft“ hier die „Namenlose Straße“
Auch nicht schlecht, hier zu wohnen gut: Diese Postadresse liegt nicht in „Ortschaft“ 🙂 – Foto: StH, 2026
Abends gehen wir noch im dem Apartuuum „Am Fleth“ gegenüberliegenden „Casa Mia“, wo wir nett im Freien im Hof sitzen können und italienische Speisen zu uns nehmen.
2026-05-29 (13. Tag – Glücksstadt- Itzehoe-Lütjenweststedt) – 48 gefahrene km
Screenshot: Glückstadt – Lütjenweststedt
Der heutige Zielort kam anders zustande als z.B. Horstmar. In diesem weltbekannten Ort lebt eine Schulfreundin meiner Partnerin mit ihrem Mann, die wir dort besuchen möchten. Die Adresse ist auch noch „Am Kloster“, aber wir sammeln auf dieser Reise ja scheinbar etwas skurile Orts- und Straßennamen.
Bekanntlich können wir besser nach unserer Tour ausschlafen und werden ohnehin früh wach, da ja auch die Sonne dieser Tage gehen 5.00 Uhr aufgeht – je weiter wir in den Norden kommen, dämmert es morgens sogar noch etwas früher – am heutigen 29.5. war der Sonnenaufgang laut Internet um 05.01 Uhr.
Also werden wir früh wach, frühstücken im Hof des Apartuum und packen dann unsere (etwas mehr) als „sieben Sachen“.
Bereits gegen 8.30 Uhr sind wir unterwegs und sehen etwas außerhalb von Glückdstadt den Abzweig nach Brokdorf und Brunsbüttel
Abzweig nach Brokdorf (10 km) und Brunsbüttel (23 km) – Foto: StH. 2026
Bald darauf fahren wir durch Breitenburg
Windräder an Bahnstrecke
Meist gute Radwege – an kleinem Stück auf Straße, dann wieder ok
Gen Regenfront (Angst vor Gewitter), aber kommen ohne Regen durch
Wir beide sind schwerbehindert, und letztlich lernten wir uns kennen und liebten wir uns auch deshalb, seit einer medizinischen Rehabilitation im Frankenland im Januar/Februar 2012. Nach fast 13 Jahren waren wir getrennt, weil es wohl trotz allem Bemühen nicht ging und der (seelische) Schmerz zu tief saß und zu überwältigend zu wirken schien. Doch im „Trennungsjahr“ merkten wir, dass wir ohne einander weder können noch wollen – und so fanden wir wieder zusammen,
Wir, das sind:
sie, geb. 1967 und nach der Diagnose einer primär progredienten MS frühverrentet. Es gibt bessere und schlechtere Tage, 2012 gaben ihr die Ärzte eine extrem schlechte Prognose, „weil die MS viel zu schnell fortschreite“. Mit viel unerschütterlichem Willen und Lust am Leben strafte sie die Ärzte Lügen, wie man nun im Juni 2024 mit Fug und Recht behaupten kann. Aber es ist oft tatsächlich ein Kampf, die Tage sind oft begleitet von Schmerzen und sie muss stets auf die Einteilung ihrer Kräfte achten, was ihr oft schwerfällt. Aber, als die Kraft für ein „analoges Fahrrad“ nicht mehr reichte, entdeckten wir e-Bikes und bei ihrer ersten Probefahrt strahlte sie über beide Ohren und wie ein Honigkuchenpferd. Das e-Bike bietet ihr neue Möglichkeiten, wobei sie auch dabei stets auf ihren Kräftehaushalt achten muss. Geht sie über den Punkt, geht plötzlich gar nichts mehr und sie muss es auch an den Folgetagen mit Schmerzen und Muskelversteifung / Spastiken teuer bezahlen. Dann kann sie kaum die Füße heben und die Angst kommt, dass es nicht mehr besser wird. Übrigens hat die progrediente MS keine Schübe und es gibt im Falle einer bereits längeren Erkrankung keinerlei Medikamente oder erfolgversprechende Behandlung außer dem eigenen Willen und dem täglichen Kampf, sich nicht hängen zu lassen und in sein Schicksal zu fügen. Es ist die chronisch sich verschlechternde Form.
Sicher nur dank ihres Willens kann sie mit ihm noch die Touren unternehmen, bei denen wir gemeinsam beschlossen, diese in einem Blog zu beschreiben, um andere Menschen an unserer Lebensfreude und unseren Erlebnissen teilhaben zu lassen und (hoffentlich) anderen Menschen mit eingeschränkten Möglichkeiten den ein oder anderen Tipp und vielleicht Kraft, Lust und Mut auf Nachahmung zu vermitteln. Wir sind interessiert an neuen Eindrücken, Menschen und Gegenden, sowie deren Perspektiven. Wir möchten unsere gewohnten Denk- und Lebensweisen, letztlich die „Komfortzone“ auch mal verlassen.
Er, geb. 1961, erlitt im Juli 2004 einen schweren Schlaganfall, der ihn über Not-OP, künstliches Koma und Intensivstation sowie jahrelange Physiotherapie, die ihn nach etwa 9 Monaten zunächst aus dem Rollstuhl befreite, bevor sich mit viel Ausdauer immer mehr „Bewegungsfreiheit“ wieder eröffnete. Ein Leben mit linksseitiger Lähmung verblieb, doch reiste er z.B. dienstlich auch wieder selbständig interkontinental, was ihm (wieder) eine neue Qualität bot .
Natürlich hat sich das Leben in vielen Aspekten sehr geändert, doch sieht und erfreut er sich der Dinge, die noch gehen. Und seit er 2006 ein Dreirad in einem Fahrradladen sah und bei der Probefahrt gewahr wurde, dass er (mit ganz leichtem Umbau) darauf auf- und von ihm wieder selbstständig absteigen konnte, hat auch er wieder einen weit größeren Aktionsradius. Außerdem wurden einige Bedienelemente von der linken Lenkerseite auf die rechte verlegt. Das Hilfsmittel ist ein Fusskorb der Pedale am linken (gelähmten) Fuß, damit dieser nicht immer von der Pedale rutscht, Und etwa 2022 erhielt er in einem Bonner Fahrradfachhandel den Tipp einer „Hase-Pedale“, die die Ferse durch einen Gummizug in die Pedale hineindrückt und somit besser auf der Pedale hält, was zuvor insbesondere bei unebener Strecke oft nicht gut gelang. Seitdem sind auch Steigungen etwas besser zu bewältigen. Für Alpen reicht der Ehrgeiz dann doch nicht;). Aber die Eifel wurde schon besucht.
Und nachdem sein erstes, noch „analoges“ Dreirad 2020 im Rahmen brach, kaufte er sich ein neues e-Trike, das ebenfalls die Steigungen etwas erleichtert und den Aktionsradius nochmals erweitert.
11.-14.6.2024 – MOSEL-/RHEINTOUR
Der 3-beinige Drahtesel (ohne Verbrennungsmotor)
11.6.25: Von Königswinter nach Unkel
Radeln am Rhein entlang von Königswinter nach Unkel: eigentlich eine schöne und leichte Etappe, wäre da nicht die Vollsperrung des Fahrradweges kurz vor dem Bahnhof Unkel gewesen, die in der Rich-tung leider vorher nicht angekündigt wurde – wohl jedoch in der anderen Richtung in Unkel, wie wir später feststellten. Kurz vor der Baustelle kam uns ein anderer Fahrradfahrer entgegen, der meinte, etwas weiter sei gesperrt. Wir dachten in unserem jugendlichen Leichtsinn (sie in den späten 50ern, er die gleiche Jahreszahl bereits jenseits der 60), man wird doch wohl irgendwie dort weiterkommen, doch die Vollsperrung belehrte uns eines Schlechteren.
Also ein Stück zurück und dann links oder rechts? Der andere Radler fuhr links und da er ein (noch mehr) Einheimischer als wir zu sein schien, folgten wir ihm. Tatsächlich konnte man links ein kleineres Stück zum Rhein hin radeln, und dann wieder links entlang des Rheins. Dieser Weg war allerdings eher ein Radtrampelpfad denn ein Radweg, also relativ eng – zumindest für mein Dreirad und durch eine „Brennnesselallee“. Dennoch erreichten wir nach vielleicht gut 500 m einen Parkplatz und konnten von dort aus bequem und problemlos Gleis 1 des Unkeler Bahnhofs erreichen, das ohne Unterführungen, also barrierefrei zugänglich ist. Auf dem Bahnhof befand sich bereits eine lustige, vielleicht 8-köpfige Wandergruppe. Da wir wussten, dass der Einstieg in das Fahrradabteil einiger Regionalzüge nur über 2 Stufen führt und damit nicht barrierefrei zu bewältigen ist – was denkt sich die DB eigentlich dabei? Hunde und Rollstuhlfahrende: „Wir müssen leider draußen bleiben!“?
Jedenfalls fragte ich die Wandersleut schon mal vorsorglich, ob sie uns beim Einstieg helfen könnten, wozu sie gerne bereit waren, sollte dieser Zug einer jener welcher sein …
Und so warteten wir die nicht nur fahrplanmäßig etwa 20 Minuten bis zur tatsächlichen Ankunft, sondern das akademische Viertel oben-drauf! Schön, dass die Bahn auch derart hochgebildet unterwegs ist!
Und dann war es tatsächlich einer dieser „Was-denkt-sich-die-DB-eigentlich-dabei“-Züge und die Wandersleut legten helfende Hand an. Während sie bis Bad Hönningen fuhren. Unserer Meinung nach ist Bad Hönningen im Gegensatz zu Erpel und Unkel, deren Ortskern einen Besuch wirklich wert ist, keine besonders reizvolle Stadt, doch bleiben uns die vermutlich reizvollen Wanderwege im Hinterland leider behinderungsbedingt verborgen.
Jedenfalls ging die Gruppe dort freundlich grüßend uns das beste wünschend auf Wanderschaft, während wir weiter bis Koblenz fuhren, wo wir zwar nicht den fahrplanmäßig nächsten Zug erreichten, aber mit durchaus erträglicher Wartezeit einen kleinen Zug zu unserem Ziel „Cochem“. Dieser wurde mir in der DB-App nicht als Möglichkeit genannt, war aber dennoch erfreulicherweise real existierend. OK, die Menge an Fahrradstellplätzen war eher überschaubar und wurde dies durch mein Dreirad eher noch mehr, aber dann passten die insgesamt 4 Räder doch, auch wenn mein Dreirad quer in einem Eingangsbereich stand. Die Fahrt bis Cochem verlief dann problemlos. Der Einstieg in diesen Zug war übrigens dank ausfahrender Rampe und Stufenlosigkeit tatsächlich barrierefrei, wofür der DB herzlichst gedankt sei!
Vom Bahnhof, der über einen Aufzug verfügte, was wir zuvor im Internet erkundet hatten, verließen wir den Bahnhof. Allen nicht-tätig-gewesenen Zerstörenden sei gedankt, dass der Aufzug im Bahnhof tatsächlich funktionierte. Ja, liebe Leute: Aufzüge in Bahnhöfen haben tatsächlich Sinn und Wert – und für einige, wie uns, noch etwas mehr!
Dann radelten wir entlang des Rheins gut 2 km weiter flussaufwärts bis zum Hotel „Zur schönen Aussicht“, wo uns der Besitzer bereits erwartete.
Die begrüßende Einführung am Hotel war hilfreich, auch wenn sie nicht auf die Aussicht einging. So wurde beschrieben, wo der Fahrrad-raum liegt: links und dann wieder links, dann durch eine braune Tür – und so brachten wir unsere Drahtesel zunächst in ihren Stall und dann uns selbst in den unsrigen in der 1. Etage.
Der Fahrradstellraum ist gut gesichert und bietet relativ vielen Rädern Platz und Lademöglichkeiten. Das Zimmer war völlig ok und das morgendliche Frühstück reichhaltig, frisch zubereitet und wirklich lobenswert. Für mich war die Treppe in den 1. Stock durchaus zu bewältigen. Ein Aufzug steht leider nicht bereit, was für anderes Gehbehinderte zum Hindernis werden kann.
12.6.24: Von Cochem nach Kobern-Gondorf
Blick von Hotel „Schöne Aussicht“ in Richtung Cochem
Gegen 10.00 Uhr verließen wir dieses empfehlenswert gastliche Haus und ritten auf unseren 5 Rädern zunächst zu einer kurzen Rundfahrt durch das Zentrum von Cochem
– die Burg zu erklimmen sparten wir uns, doch führte uns unsere rege Phantasie, die wir durch ein am Wegesrand lagerndes Faltblatt von und zur Historie der Stadt anregen ließen: Eine Zeit einige Jahrhunder-te zurück, als Raubritter sich gegenseitig die Köpfe ein- und die Pferde unter dem Arsch wegschlugen und statt den wohl damals eher selte-nen Radlern lieber prall gefüllten Schiffsbäuchen und einigen ebenso gefüllten Wagen mit Pferdestärke wegelagerten. Somit sei die, doch wieder allen Unkenrufen interessierter Kreise zum Trotz, in heutigen Tagen durchaus gute innere Sicherheit der modernen radbewegten Handels- und Wanderwege gelobt und gepriesen.
Wie mag es gewesen sein, als die Stadt 1688 und 1689 niedergebrannt und die Bevölkerung gequält, beraubt, geschändet und ermordet wurde? Was mögen die Menschen empfunden haben? Oder nahmen sie es als „gottgegeben“ hin? Aber haben nicht Menschen zu allen Zeiten gelitten, waren sie nicht immer gefühls- und schmerzempfindlich? Konnte der Glaube dieses Leiden tatsächlich erträglich machen?
Oder die Pest in Cochem von 1423-25, an die noch heute das Peterskappelchen am Hang, zwischen Burg und Stadt erinnert:
Peterskapellchen und Burg Cochem am Hang über Cochem
Es kommt uns so fern und unmenschlich vor, und doch ist es gar nicht so fern, wenn man an Dafur im Sudan, Homs und Aleppo in Syrien oder Butscha in der Ukraine denkt. Der Mensch bleibt dem Menschen ein Wolf – auch heute!
Wie mag andererseits das Leben zur Blüte der Stadt gewesen sein, als etwa im 18. Jahrhundert Cochem laut des Faltblatts „Geschichte der Stadt Cochem“ die Stadt immer mehr zum Zentrum von Handwerk und Handel wurde, und jede Woche das Marktschiff mit Waren und Reisenden vollbeladen nach Koblenz fuhr?
Aus Ruinen erstanden, wie nach schwerer Krankheit. Kann das Leben nicht auch schön sein? Solches Wiederaufblühen wünschen wir auch der Ukraine und all den anderen geschundenen Orten dieser Welt!
Nach der kleinen Rundfahrt durch Cochem fahren wir weiter moselabwärts gen Koblenz.
Gut: wir treffen andere Radler, die wollen heute noch bis Koblenz oder gar Mainz. Wie meine werte Begleiterin ein wenig kopfschüttelnd bemerkt, sind einige der Herren mehr oder weniger modisch und sicher praktisch funktionsgekleidet, während wir batikbehemdet doch eher nicht fahrradmessentauglich gekleidet sind. Zugegeben, uns fehlt für solche weitradelnden Pläne neben der passenden Funktionsklei-dung wohl auch der nicht-behinderte Ehrgeiz. Uns reicht als Tages-pensum die etwa 35 km bis Kobern-Gondorf und so wurden wir folge-richtig von den Funktionsbekleideten überholt und abgehängt. Dies stört uns nicht weiter, weil unserer Meinung nach in der Ruhe die Kraft liegt und in der gemütlich durchradelten Landschaft die Freude. An der Mosel besteht diese Landschaft neben Fluss und Dörfern aus Weinbergen, die teilweise hier an den weltweit steilsten Hanglagen liegen. Einige Flächen, besonders jene weiter oben, scheinen für den Weinbau aufgegeben zu sein, doch sieht man auch immer wieder Parzellen mit offensichtlich jüngeren Rebstöcken.
Weinberge hinter Cochem
Und auf den Hügeln und teilweise an den Hängen beiderseits des Flusstales befinden sich immer wieder Burgen.
Der Radweg führt in dieser Etappe leider auf einem nicht sehr breiten Streifen neben der durchaus breiteren Autostraße.
Ganz offensichtlich hat der Autoverkehr Priorität
Irgendwie schade, aber das wird dem Autoland Deutschland und seiner entsprechend lobbymächtigen Industrie sicher gerecht – man muss halt Prioritäten setzen, nicht wahr?
Preisfrage: Was haben Hochwasser im Dezember an der Ruhr, später an Saar und Blies und jüngst Inn und Donau mit einer solchen Prioritätensetzung zu tun? Keine Ahnung – ich bin ja behindert!!!
Unterwegs haben wir bei einer Rast am Moselufer einen netten Schnack und Austausch mit einem österreichischem Radlerpärchen, die wir des Dialekts halber für Schweizer halten, doch dann aufgeklärt werden, dass sie aus dem schweiznahen Österreich kämen. Mit dem Auto waren sie bis Koblenz und dann mit der Bahn – jeweils die Räder mitnehmend nach Trier gefahren, von wo sie nun moselabwärts zu-rückradelten. Wir hatten uns bereits in der „schönen Aussicht“ gesehen.
Bei einer anderen Rast kommen Besucher, die vermutlich erfahren haben, dass bei Rastenden auch gerne etwas abfällt. Dabei wissen sie vielleicht nicht, dass Brot ihren Mägen wirklich nicht förderlich wäre? Gras ist da schon geeigneter!
Gras ist auch tatsächlich bekömmlicher für Euch!
Etwa bei Müden kommt uns ein kleiner Trupp Radelnder entgegen und einer wirft uns das hier heimische und sehr beliebte „Grüß Gott“ entgegen. Na, hat denn König Markus seinen Freistaat schon an die Gefilde der Mosel erweitert und den „Preußen“, für die sich die Rhein-länder übrigens nie wirklich hielten, gezeigt, wo der Hammer der deutschen Leitkultur hängt? Und das ist uns nur gar nicht aufgefallen? Oder sind das erst die ersten Späher und Kundschafter, die alle hilfrei-chen Informationen für die bevorstehende Invasion erheischen sollen? Nun ja, der Mann scheint ganz friedlich und so vermuten wir stattdes-sen das Beste, dass er ein freundlich zugewandtes Gemüt hat und nur der hiesigen Sitten noch nicht ganz gewahr ist.
Und so radeln wir den frommen Wunsch mitnehmend einem dunklen Himmel entgegen und nutzen den Gedanken an ein höheres Wesen zu einem dreifachen „No rain“ – schließlich hat die Zahl Drei im Christentum eine wichtige Bedeutung.
Vor uns die Regenfront
Doch wie schon in Woodstock wird der Wusch nicht erfüllt, zumindest nicht ganz und es fängt an zu tröpfeln. Allerdings ist dies am diesen den April quasi verlängernden Junitag eher eine kleine Sommerdusche denn wirklich störend. Nur die Brille weist ein etwas sehbehinderndes Muster auf.
Und dann stellen wir etwas später und einige Radkilometer weiter erfreut fest, dass wir mitnichten alleine auf der Welt in unserer Art sind. Uns begegnete eine größere Gruppe „Signalwesten“, auf Ein- oder Doppelrädern, einige der letzteren mit 2 Sitzen nebeneinander und einem Schild am Lenker: „Mich kann man mieten“ – auch diesen Gleichgesinnten gefiel ihr Ausflug ganz offensichtlich und wir strahl-ten einander an, während wir uns begegneten.
Eines der entgegenkommenden und offensichtlich ausleihbarem Doppelrädern
In Gondorf fahren wir zu weit, also an der gebuchten „Pension Marien-hof“ vorbei.
Wir sind rechts der Bahnstrecke und der Ort Gondorf scheint sich links der Schienen zu erstrecken. Nur kommt man hinter Lehmen und dann bis Kobern nicht mehr über die Schienen. Bereits zu Gondorf gehört das Schloss von der Leyden:
„Ehemals umgeben von einem Wassergraben ist Schloss von der Leyen – die ehemalige Gondorfer Oberburg – die einzige Wasserburg an der Mosel.
Erstmals erwähnt wurde die Burg im Jahr 1272. Erbaut wurde sie wahr-scheinlich bereits im 12. Jahrhundert. 1560 residierten die Fürsten von der Leyen hier und gestalteten die Burg zum Schloss um. Dieses Adels-geschlecht war seinerzeit das mächtigste der Mosel. Im Jahr 1720 gehörten ihnen allein 275.000 Rebstöcke. Damit machten sie ihrem Namen alle Ehre. Ley bedeutet Fels, was die von der Leyens zu den Herren der Felsen macht.“
Der Radweg führt durch das Gebäude hindurch, und hinter dem Schloss sehen wir, auf der jenseitigen Bahngleisseite interessante Gebäude wie eine Kirche, ein größeres Herrenhaus und einen „abgebrochenen Turm“ an einer Mauer, die zu Schloss Liebig gehören.
Die Kirche in Gondorf
Der Turm
(dies der Blick von der anderen Moselseite von Niederfell aus)
Jedenfalls haben wir den Eindruck, dass wir zu weit gefahren sind, checken dies im Internet und sind uns dann sicher. Also müssen wir ein Stück zurückradeln, und tatsächlich geht bald ein Durchgang näher zur Mosel hin und dann ein schmaler Pfad am Moselufer in Richtung Lehmen zurück. Wir fahren dort entlang, doch ist der befestigte Pfad wirklich recht schmal, und links von ihm droht ein Absturz über eine Kante, im besten Fall in Büche, oder gleich auf Steine am Moselufer.
Der schmale und für breitere Räder herausfordernde Weg direkt an der Mosel
Mit dem Dreirad ist das kein wirkliches Vergnügen und ich muss sehr langsam und vorsichtig-konzentriert fahren, doch nach einigen hundert Meter zurück kommt zunächst eine Durchfahrt, hinter der sich jedoch nur eine Treppe befindet, und noch etwas weiter tatsächlich eine Durchfahrt, die uns unter Straße und Bahngleisen durch und nach einer Rechtskurve tatsächlich direkt zu unserer Unterkunft führt. Als wir auf das Gelände dieser Pension fahren, kommt uns ein Radlerpärchen entgegen und sie grüßen uns freundlich.
Vorderseite des „Marienhof“ in Kobern-Gondorf
Wir halten vor dem Haus und orientieren uns. Etwas links sind 2 breite Stufen und Klingeln. Ich klingele und merke dann, dass die Tür offen ist und trete in einen Flur. Nach ein paar Metern geht eine Treppe in Gegenrichtung ab, an der ein Pfeil „Rezeption“ hängt. Also steige ich in den 1. Stock hinauf, wo mich ein Mann in den besten Jahren empfängt. Ich grüße und verweise auf unsere Reservierung über Booking.com. Er möchte mir das Zimmer in der nächsthöheren Etage zeigen, aber ich verweise auf meine Begleiterin und unsere Räder. Die Räder können wir im Flur unten abstellen und er kommt mit mir die Treppe runter. Er macht auch den anderen Türflügel auf und hilft mir, die beiden kleinen Stufen an der Schwelle zu überwinden, um mein Dreirad in den Flur zu schieben. Danach führt er uns in den 2. Stock zu unserem Zimmer.
Doppelzimmer im „Marienhof“
Dabei erzählt er – offensichtlich durch meine Gehbehinderung angeregt, von einer blinden Dame, die vor einiger Zeit mit ihrer Begleitung in seiner Pension übernachtet habe.
Er sei bezüglich der Treppen etwas beunruhigt gewesen, doch sie habe versichert, es bewältigen zu können. Bei ihrer Abreise meinte sie „Sehen Sie, das ging doch gut!“ Gerne hätte er einen Aufzug eingebaut, doch stehe das Gebäude stehe unter Denkmalschutz. Im weiteren Gespräch erfuhr ich, dass er seit gut 30 Jahren in Kobern sei und diese Pension seit 20 Jahren betreibe.
Das Gebäude ist wirklich urig und die Zimmer zwar einfach, aber ansprechend eingerichtet. Eine Dusche befindet sich in einer Seitennische, wo sich auch ein Waschbecken findet, das WC ist auf dem Flur und wird von zwei Doppelzimmern genutzt.
Aus den Fenster an der hinteren Wand blickt man in einen Garten, wo sich auch ein Tisch mit Stühlen befindet.
Sitzgruppe im „Marienhof“
Wir fühlen uns wohl in dieser nicht ganz alltäglichen Umgebung, und lassen unser Gepäck im Zimmer, bevor wir die etwas mehr als 2 km nach Kobern radeln.
Zunächst fahren wir über den restaurantbewehrten Markt hinaus ein Café suchend. Eine Bäckerei, die wir passieren, ist ganz offensichtlich ohne Betrieb, um nicht „verlassen und verrammelt“ zu sagen. Als es nur noch aus dem Ort hinaus weitergeht, frage ich einen entgegenkom-menden Mann, den ich als Einheimischen einschätze, wo es ein Café gebe. Er bleibt gerne für einen Schnack stehen und meint melancho-lisch, früher sei in Kobern viel los gewesen, ganze Busladungen aus Holland hätten damals Kobern besuchten. 4-6.000 Besucher sind damals am Wochenende in den Ort gekommen. Es habe Dutzende von Kneipen gegeben, aber nun sei vieles ausgestorben und geschlossen.
Die Treppe ist eine Herausforderung für Gehbehinderte und war dies sicher auch für die blinde Besucherin, von der der Wirt uns erzählte. Aber sie schaffte es, und wir auch. Ein Zimmer gibt es wohl auch im Erdgeschoss, wobei dann die Treppe zum Frühstück im 1. Obergeschoss bewältigt werden muss.
Er beschreibt uns den Weg und wir radeln dorthin. Allerdings ist das Café von der Straße durch eine Baustelle getrennt. Dennoch kehren wir ein und bekommen Kaffee und Kuchen. Das Personal ist ob Lärm und Staub „not amused“, aber was sollen sie machen. Es werde ein Kabel verlegt – also wird das Café dann künftig zumindest schnelles Internet an jene bieten können, die dies wünschen.
Da es noch früh ist, fahren wir noch über die Moselbrücke von Gondorf nach Niederfell. Es erscheint zunächst als Straßendorf, wenn man sich nicht den hinteren und moselabgewendeten Dorfteil erkundet. In der Parallelstraße befinden sich ein alter und wieder restaurierter Dorfbrunnen und einige ältere Häuser.
Von Niederfell aus fahren wir zurück zu unserer Pension. Dieses Mal nehmen wir nicht den schmalen Moselpfad, den wir – wie uns die Frage unseres Wirtes klarmachte – nur dank emsig Arbeitender überhaupt passieren konnten, die nach dem Hochwasser, das vor kurzem auch an der Mosel stattgefunden hatte, den Pfad von angeschwemmten Ästen und gar Bäumen befreit hatten.
Aber für Besuchende, die aus Richtung Cochem kommen und zur Pension Marienhof streben, jedoch nicht nach blutdruckerhöhendem Abenteuer, zumindest Reisenden mit breiteren Gefährten als Zweirädern sei empfohlen, bereits in Lehmen auf die andere Seite der Bahngleise zu wechseln, oder bis Kobern weiterzufahren und dort durch die Durchfahrt zur Hauptstraße und dann jenseits der Gleise sofort links zurück in Richtung Liebig-Schloss und Pension zu fahren.
An dieser Straße befindet sich rechts übrigens auch ein großer REWE-Markt, in dem man hoffentlich entgegen des Namens nicht nur mit „Hundertmark“ zahlen kann, da die mittlerweile recht schwer zu erhalten sind.
13.6.24 Nach den Frühstück von Kobern-Godorf nach Andernach
Der sehr liebevoll eingedeckte Frühstücksraum im 1. Obergeschoss
Es wird in einen wirklich mit viel Liebe eingedeckten Raum im ersten Obergeschoss serviert, und „serviert“ ist wörtlich zu nehmen. Beim Eintritt fragt der Pensionswirt, ob man Kaffee haben wolle – es gäbe auch Tee. Er serviert einen Teller, der kunstvoll mit Gurken-, Tomaten- und Radieschenstücken belegt ist sowie einen anderen mit etwas Obst. Auch ein Brötchenkorb, Butter, Marmelade, Honig und Wurst und Käse werden kredenzt.
beim Frühstück
Auf den Tischen stehen frische Blumen, ruhige Musik begleitet das Frühstück. Es ist wirklich eine zauberhafte und diesem besonderen Ort angemessene Atmosphäre sowie eine Bewirtung zweifellos aus Passion.
Von unserem Wirt erfahren wir beim Frühstück auch, dass Kobern früher der „Ballermann an der Mosel“ gewesen sei und tatsächlich viele Holländer gekommen sind, ebenso viele Menschen aus bis zu 20 km entfernten Moselorten. Es sei der Ort gewesen, um Partner oder Partnerin kennenzulernen, eine große Party an jedem Wochenende.
Allerdings habe der Lärm und das Gesaufe und Gegröle etwa die Hälfte der Einwohnerschaft gestört, so dass sie sich beschwert und die Polizei gerufen hätten. Irgendwann sei es so billig geworden nach Mallorca zu fliegen, dass Kobern an Bedeutung verloren habe.
Durch den Bericht unseres Wirtes verstehen wir den ehemaligen Boom und seinen derzeitigen Zustand, in dem es nach Auskunft des traurig-erscheinenden Einheimischen nur noch ein einziges Café auf der Hauptstraße gibt.
Nach dem besonderen Frühstück packen wir und machen uns fertig für die heutige Etappe, die uns bis über Koblenz nach Andernach führen soll. Am Eingang wird noch ein Schwätzchen mit anderen Radelnden gehalten, bevor man sich verabschiedet und jede/r seiner Wege radelt.
Das Wetter ist heute sonnig, etwas kühl, aber sehr angenehm zum Radeln. Der Weg führt uns weiter entlang der Mosel, meist auf einem Streifen direkt neben der Bundesstraße, nur an manchen Stellen etwas abseits der Straße über gesonderte Fahrradwege.
Geblitzt wurde ich zum Glück nicht
Apropos „Geschwindigkeitsbegrenzung“. Meist habe ich mit dem innerörtlichen Tempo 30 kein Problem, das hier wäre aber wohl teuer und nur knapp unterhalb des Führerscheinentzugs gelandet: Noch mal Glück gehabt, dass ich nicht erwischt wurde!
Nach einiger Zeit radeln wir nach Koblenz hinein
sie tragen uns tapfer
In Koblenz nehmen wir auf einem Platz einen Snack und einen leckeren Drink in Form von Apfelschorle mit einem Spritzer Zitrone ein.
Nach dieser Pause suchen und finden wir den Weg in Richtung Andernach, der uns weg von der Mosel und entlang des Rheines führt. Zunächst führt der Radweg durch Koblenz und ein Industriegebiet, bevor es durch ein kleines, im Hochsommer sicher angenehm kühles Waldstückchen hinunter zum Rheinufer führt. Der Weg führt sehr angenehm an Urmitz vorbei bis kurz vor Andernach.
In Koblenz überqueren wir die Mosel gen Andernach
In Andernach fahren wir immer geradeaus durch ein Stadttor der Stadtmitte zu, wo sich nahe des alten Rathauses unsere nächste Unterkunft, eine kleine Ferienwohnung befindet. Die Räder können wir in den Innenhof schieben, die Ferienwohnung ist zweckmäßig mit guter und barrierefreier Dusche, etwas Geschirr, und natürlich einem Fernseher, WLAN und einem Doppelbett.
Ein Frühstück konnte in fußläufiger Entfernung auf der Hochstr. eingenommen werden.
Eingang zum Appartement
Am 14.6.24: Von Andernach zurück nach Königswinter
Unsere letzte Etappe führt uns von Andernach über Brohl, Bad Breisig, Sinzig und Remagen zur Fähre in Rolandseck, wo wir den Rhein nach Bad Honnef überqueren, um von dort nach Königswinter zu radeln.
Direkt hinter Andernach gibt es eine etwas enge und steile Stelle, die für mich auf meinem Dreirad eine Herausforderung darstellt, aber ich kann (und muss halt) absteigen und ein wenig schieben. Leider führt dieser Teil des Radweges nicht am Rhein selbst entlang, aber an einem Schloss vorbei und durch Felder, bevor man in Brohl an der Stätte des gleichnahmigen Sprudels vorbeikommt. In Brohl gibt es eine etwas überraschende Wendung des Radweges, da man scheinbar zurück in die falsche Richtung fährt, doch hat die Ausschilderung schon ihre Richtigkeit.
Vor Bad Breisig gibt es noch eine etwas herausfordernde Stelle mit einer geländerbewehrten Art von Serpentine – diese ist aber eher in der Gegenrichtung schwierig und dies ganz besonders, wenn noch jemand entgegenkommt.
Der Rückenwind kommt uns heute entgegen – da er das Radeln leichter und mit weniger Krafteinsatz möglich macht.
Bei Sinzig überquert man die Ahr über eine neue, metallene Brücke.
Der alten, vom Ahrhochwasser weggerissenen Holzbrücke kann sie bei weitem nicht die Schönheit reichen, aber sie erfüllt natürlich ihren Zweck erfüllt und widersteht vermutlich einem eventuell künftigen Hochwasser besser. Sieht man die Ahr in ihrem „normalen Zustand“, so ist die Gewalt und das Ausmaß des Hochwassers von Juli 2021 nicht wirklich vorstellbar, doch hatte ich damals Fotos über das sehr weitgedehnte Überschwemmungsgebiet und einige Monate später trotz Aufräumbemühungen auch die Zerstörungen von Infrastruktur und Häusern im Ahrtal gesehen. Selbst im September 22, also fast 15 Monate nach der verheerenden Flut konnten noch nicht alle Schäden beseitig werden, wie wir bei einer Radtour von Königswinter nach Ahrweiler feststellen mussten. Es waren noch viele Flutnarben zu sehen, die erahnen lassen, wie schwer die Schäden waren
Was tun wir Menschen uns, unseren Mitmenschen, der Infrastruktur und der Natur eigentlich durch unser oft gedankenloses Verhalten an? Und nun kämpfen die Menschen an Saar und Blies, Donau und Inn mit den jüngsten Folgen unseres Tuns, und wollen es noch immer nicht wahrhaben. Die Entscheidungen von Verkehrs- und Konsumverhalten sind halt individuell und sollen frei(willig) sein, die Folgen dieses Tuns sind kollektiv und oft unfreiwillig zu ertragen – jedoch eben meist von Anderen. Dann ist für den freien Bürger mit freier Fahrt ja alles in Ordnung – zumindest bis er/sie selbst und unmittelbar betroffen ist. Aber – wie der Kölner sagt: „et hätt ja noch immer jot jejange“!
Eine letzte Rast, quasi bereits auf der Landebahn machen wir in Remagen-Kripp gegenüber von Linz am Rhein. Hier gab es vor einigen Jahren noch ein echt tolles Restaurant, das von einem Wirt aus Passion geführt wurde. Als wir den Genuss hatten, bei ihm das einzige Mal speisen zu können, erwähnte er, bald aufhören zu wollen. Dies machte er leider bereits im Folgejahr wahr, was ihm natürlich gegönnt sei, aber aus Gästesicht dennoch schade ist.
Ahrtal bei Sinzig- im Juli 21 war all das überschwemmt und die schöne, alte Holzbrücke wurde einfach weggespült
Was unseren Augen immer wieder wehtut, ist jenes Gebäude auf der gegenüberliegenden Linzer Rheinseite, aber natürlich benötigen wir alle Wohnraum, wobei zu wünschen wäre, dass die Architektur ein wenig mehr ihre Visionen an die Landschaft anpassen würde, und es entstanden in den letzten Jahren ja durchaus Konzepte des Bauens mit weniger Beton und durch verschiedene Maßnahmen mit mehr Nachhaltigkeit.
Nach einer kurzen Rast führt uns unser Weg an der Brücke von Remagen und Oberwinter vorbei zur Fähre in Rolandseck:
An der Fähre sieht man den Rolandsbogen und die Insel Nonnenwerth sowie hinter der Insel bereits den Drachenfels, also den an schönen Wochenenden stark besuchten, und tatsächlich eines Ausflugs werten Ort, an dessen Fuß wir leben.
An der Rheinfähre in Rolandseck
Der Rolandsbogen ist der erhaltene Ruinenrest der erstmals 1040 genannten Burg Rolandseck, die zusammen mit den gegenüberliegen-den Burgen Drachenfels und Wolkenburg der Sicherung der Südgrenze des Territoriums des Erzstiftes Köln diente. 1475 zerstört und um 1622 wieder aufgebaut trotzte der Bogen im Gegensatz zur übrigen Burg dem Erdbeben vom 19. Februar 1672.
Der Rolandssage nach ließ der Ritter Roland eine trauernde Hilde-gunde vom Drachenfels zurück, die daraufhin ins Kloster Nonnenwerth eintrat, so dass der zurückgekehrte Ritter Roland dann nur noch wehmütig vom Bogen hinunter seiner Hildegunde auf Nonnenwerth nachschauen konnte. All das zeigt uns mal wieder, dass unsere Taten Folgen haben können, und wir „frei“ (fast) alles tun können, wenn wir bereit sind, die Konsequenzen zu tragen, manchmal müssen wir letzteres dann wehmütig tun.
Das war 2004 – seitdem ist viel passiert, und den Rollstuhl brauche ich seit 2005 nicht mehr! – Der Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben (und weiter) wird im nachfolgenden Text beschrieben …
Lesen differenziert den „ersten Eindruck“ (tiefergehendes Interesse erweitert die oberflächliche Perspektive <- nicht nur hier!
Sancho I – oder weniger Bürokratie, mehr …
Die nachfolgenden Texte schrieb ich in den 2 Jahren nach diesem Bild als damalige Rundmails an befreundete und verwandte Menschen, um sie etwas an meinen Erlebnissen und „Fortschritten“ teilhaben zu lassen und mich selbst ein wenig darin zu reflektieren. Manches konnte, wie Lesende vermutlich erahnen werden, nur mit (auch grauem bis schwarzem) Humor genommen werden.
Vielleicht gibt dieser Text aber auch anderen Menschen, die eine sehr einschneidende Lebensveränderung durchleben, etwas Mut (?). Es war nicht alles leicht, und es gab auch bei mir die Frage: „Warum das Alles“, aber von heute (gut 20 Jahre später) aus betrachtet, hat es sich gelohnt, nicht aufgegeben zu haben!
05. Okt 2005 00:04
… dann müsste man ja wohl FDP (gewählt haben). Nun wird ja wohl niemand (selbst Richie, mein Rehakollege und Liberalensymphatisant – besonderen Gruß an ihn) von mir ernsthaft erwarten, dass ich die Guidos dieses Landes zum Kreuzchensammler empfehle, aber die Stilblüten teitscher Bürowahnie, die ich zuletzt wieder erleben durfte, sind schon nicht schlecht!
Für die Spätgeborenen: der damalige Christian hieß Guido (Westerwelle), der das „Projekt 18“ auch auf seinen Schuhsohlen vor (bzw. unter )sich her trug, bevor die FDP das erste Mal in die „außerparlimentarische Opposition“ ging.
Zunächst war am 30.9 05 die Rehaberatung. Schon im Vorfeld hatte der freundliche Mensch telefonisch verlauten lassen, dass es bei uns bei-den ja sicherlich nicht lange dauern würde, da ja eh nichts zu bespre-chen sei – ja, das Einladeschreiben aus Berlin sei ein Standardschrei-ben, das bei mir (Mitwirkungspflicht bei Arbeitsstellensuche) ja nicht zutreffend sei, da mein AG mich ja weiterhin beschäftigen wolle.
Da man ja aber morgens um 7.00 Uhr sich eh langweilt und zu langes schlafen ungesund ist, es außerdem ja immer schön ist, neue Leute kennen zu lernen – und seien es auch Rehaberater – , dackelte ich also pünktlich um 8.30 h bei der Arbeitsagentur in Marburg vor- Mir wurde auch das richtige Zimmer genannt und dann hieß es etwa den halben vorgesehenen Termin warten – mit anderen gab es halt mehr zu besprechen.
Kafka lässt grüßen
Einmal an der Reihe stellten wir fest, dass es in der Tat nicht viel zu besprechen gebe. Jetzt müsse halt das Anforderungsprofil vom Arbeitgeber (AG) an den Rehaberater gesandt werden. Dessen ersten Entwurf hatte ich 2 Tage zuvor selbst geschrieben und meinem AG zwecks Prüfung, Abstimmung und ggf. Überarbeitung zugemailt, doch das habe ich der freundlichen BfA natürlich nicht erzählt! Jedenfalls könne zuvor jetzt gar nichts mehr unternommen werden – aber immerhin war es sicherlich hilfreich, die neue eMailadresse des Rehaberaters zu erhalten. Kurz vorher war Zusammenlegung der Rentenversicherungen passiert – also: brandaktuell!!!).
Auch meinte er, dass der Grund dafür, dass die BfA-Berlin noch nicht über meinen Antrag auf KfZ-Beihilfe entschieden habe, ja irgendwo klar sei: Erst müsse sicher sein, dass ich auch tatsächlich wieder arbeiten werde – schließlich wolle man ja keine Fehlinvestition machen, und dass ich wieder arbeiten werde, sei ja noch nicht klar!
Ich wies darauf hin, dass die Bestellung eines Autos sowie dessen behindertengerechte Umbau Zeit brauche, die ich nach erfolgtem Arbeitsbeginn dann eher nicht mehr habe. Und dann müsse ich ja möglichst auch zum Ort des Arbeitens kommen. Das konnte er jetzt auch nicht kommentieren, aber ich könne das ja mal mit Berlin telefonisch besprechen – derzeit (nach der Wahl und so) wird sicherlich eine ganze Menge mit „Berlin“ besprochen.
Warten und erste Fortschritte
Positiv festzustellen bleibt, dass auch der Rehaberater 4,5 – 5 Stunden Fahrtzeit zur Arbeit zu viel findet und selbst Notebook und Spracherkennungssystem für sinnvolle Unterstützung bei wiederaufgenommener und sozialversicherungspflichtiger Arbeitstätigkeit hält. Alles weitere wird man dann aber sehen, wenn das Anforderungsprofil vorliegt …
Einige Zeit später:
Heute dann war Fahrtauglichkeitsprobe (nicht Prüfung!) in Gießen beim TÜV: zunächst wurde ich informiert, dass man ein „Neurologi-sches Gutachten zur Feststellung der Fahrtauglichkeit“ brauche – ein Umstand, der mir bereits letzten Freitag vom Fahrlehrer angekündigt worden war. Der Abschlussbericht aus Lippoldsberg reiche nicht aus, auch wenn es immerhin vom Chefarzt für Neurologie stammt und nach umfangreicher neuro-psychologischer und psychologischer Testung zum Schluss kommt und dies ausformuliert, dass ich fahrtauglich bin!
Es geht voran – Zumindest etwas 🙂
Ob er in Form und Inhalt irgendwelchen DIN-Normen nicht entspricht oder es daran liegt, dass der neurologische Chefarzt nicht die formale verkehrsmedizinische (selbstredend „gebührenpflichtige“) Zusatzqualifikation hat, vermag ich nicht genau zu sagen. Eigentlich also hätte überhaupt keine Fahrprobe stattfinden dürfen, aber wir fuhren trotzdem und es wurde festgestellt, dass ich mit entsprechen-der Zusatzausstattung durchaus verantwortlich am Straßenverkehr teilzunehmen vermag. Andere würden das vielleicht fahrtauglich nennen. Aber dies kann ich offiziell erst bescheinigt bekommen, wenn ich im Gegenzug das neurologische Gutachten bringe – Ihr wisst schon, jenes nach DIN-Norm oder qualifiziert oder wie auch immer)!
Auflagen bekomme ich im Großen und Ganzen die Erwarteten:
kein Motorrad und keinen Kleinlaster mehr
nicht schneller als 130 km/h
2 Außenspiegel (dass es das gibt!)
Servolenkung und Servobremse (dito!)
Automatikgetriebe
Lenkknauf, an dem alle Bedienelemente per Infrarotsteuerung mit der einen Hand bedient werden können (gibt es bei Petri + Lehr; damals in Offenbach)
Auch die Bürokratie macht mal Urlaub (wohlverdienten):
Welcher Arzt in Marburg das ominöse Gutachten machen darf, durfte er mir nicht sagen. Wenigstens jedoch gab er mir den Tipp, mal bei der Fahrerlaubnisbehörde in Marburg zu fragen. Dies tat ich, und bekam zwei Ärzte genannt.
Deren einer machte zwar früher solche Gutachten, aber nicht mehr
jetzt (im Jahre 2005). Wie ich vom Anrufbeantworter des Anderen erfuhr, sei jener bis 17.10. in Urlaub.
Also schrieb ich ein Fax (das gab es damals noch, liebe Spätgeborene, man konnte es allerdings bereits vom Computer aus verschicken) an den urlaubenden zweiten Gutachtenbevollmächtigten mit meinem Anliegen und der Bitte, mir für die 43. oder 44. KW einen Termin zu reservieren – hoffentlich klappt es!
Wenn ja, kann ich Flocken für das Gutachten abdrücken, das ich dann persönlich (nicht per Post oder Fax!) zum TÜV-Gießen bringen kann. Im Austausch kann ich dann das TÜV-Gutachten zu meiner Fahrtauglichkeit erhalten. Und auf das wartet bereits die BfA, um meinen Antrag auf KfZ-Beihilfe entscheiden zu können, weil es ja bekanntlich wenig Sinn, mir ein Auto und Umbau teil zu finanzieren, wenn ich überhaupt nicht fahren darf! Kompliziert ausgedrückt? Mag sein, aber spiegelt halt den erforderlichen Sachverhalt!
In Berlin (BfA) habe ich dann auch noch angerufen und mal gefragt, wie es denn so mit meinem Antrag stehe? „Ich warte noch auf was – was war das denn gleich? Ach ja: der Nachweis der Fahrtauglichkeit!“ Ich erwähnte auch in diesem Telefonat, dass die Lieferung eines Neuwagens und der behindertengerechte Umbau die Zeit benötigen wird, die ich nicht mehr haben werde, wenn ich wieder arbeite, doch dann sinnvollerweise zum Arbeitsplatz hinkommen und dort arbeiten müsse. Die sehr verständige BfA-Mitarbeiterin sagte zu, mir einen konditionierten Bescheid zukommen zu lassen: eine Bedingung sei die (nachgewiesene) Fahrtauglichkeit, die andere der Nachweis der Wiederaufnahme der Arbeit.
Also rief ich noch meinen Arbeitgeber (AG) an und bat ihn um Erstellung eines Schreibens an die BfA, dass sie mich nach „behindertengerechter Umsetzung“ weiter beschäftigen wollten.
Fazit: ich bin guter Hoffnung, dass ich noch in dieser Dekade an den beruflichen Wiedereinstieg denken darf, und möglicherweise auch in der Lage sein könnte, die Arbeitsstelle zu erreichen …
Glücklicherweise habe ich keine kognitiven Defizite. Hätte ich sie, wäre ich in diesem Bürokratiedschungel wohl verloren gewesen
Lieben und (immer noch) hoffnungsvollen Gruß
Sancho II oder … und da wähnten wir den Kampf gegen die Büromühlen schon gewonnen …
02. Nov 2005 14:25
Liebe Leute!
wahrscheinlich erinnert Ihr Euch noch schemenhaft an die wilden Abenteuer von Sancho im Kampf gegen die Büromühlen! Seitdem ist so einiges passiert, so dass der „Fortsetzungsroman“ jetzt erscheinen soll:
Beim zweiten neuropsychologischen Gutachter in Marburg hatte mir eine freundliche Bandstimme mitgeteilt, die Praxis sei bis einschließlich 17.10.05 geschlossen.
Dann halt selbst auch „Urlaub mit Therapie“
Sancho fuhr also erst mal nach Freiburg, um mit Bruder und Schwägerin Geburtstage zu feiern, die Bürokraten hier mal gute Leute sein zu lassen (die ihn gerne haben könnten) und, nicht zuletzt, wieder zwei Wochen Intensivtherapie zu erheischen. Gesagt, getan, das gastfreundliche Haus meines Bruders ertrug mich mal wieder zwei Wochen und insbesondere meine Schwägerin ertrug zwei Brüder, die überwiegend über dem Computer saßen.
Noch in Freiburg erreichte mich ein Brief von der BfA in Berlin (weitergeleitet aus Marburg), dass man meinen Antrag auf KfZ-Beihilfe vorläufig genehmige und mir neben Kosten für behindertengerechten Umbau und Fahrerlaubnis auch 7.980,- € Zuschuss zur Anschaffung eines geeigneten Wagens bewillige, sofern ich in nächster Zeit noch eine ganze Latte Papiere und Belege beibringe. Diese Nachricht wurde natürlich freudig-überrascht aufgenommen. Der bundesdeutsche Sozialstaat bietet neben Bürokratie also auch Absicherung in der Not – und eine gewisse Bürokratie mag zur Vermeidung von Missbrauch vielleicht auch gerechtfertigt sein. Wie immer scheint es eine Frage von „Maß und Mitte“. Also vielleicht nicht alle Bürokratie verteufeln, wie es 2025 ja etwa durch die Trump-Administration zu geschehen scheint!
Also wusste ich, was ich zu tun habe, als ich am 21.10. wieder in Marburg eintrudelte, damit keine Langeweile aufkommt. Die beiden Wochen im Badenländle hatten mir übrigens ausgesprochen gut getan und meine Gastgebenden verabschiedeten sich wenige Tage nach meiner durchaus nicht überstürzten Abreise in den nun wirklich wohlverdienten einwöchigen Urlaub.
Wieder in Marburg, verknackste mir am ersten Abend den linken Fuß, was ich aber erst beim Aufstehen am Sonntag morgen merkte – ich spürte Schmerz im linken (gelähmten und sensitivitätsgestörten) Bein – Toll, dass ich das kann! Und der Fuß war über Nacht echt „muskulös“ statt zuvor eher „muskellos“. Na ja, auf jeden Fall war er jetzt ziemlich dick . Adé gerade erworbene Fortschritte aus Freiburg und erst mal Übungen und Belastung des Beines runterschrauben …!
Am Dienstag talpte ich dann zum Arzt und der Fuß wurde geröntgt – gebrochen war zum Glück nichts. Ich solle hochlegen, kühlen (nicht zu stark) und schonen sowie am Freitag wiederkommen! Gesagt, getan – die Orthese ging über dicken Fuß und Zinkleinverband (oder wie das Ding auch immer heißt) doch ziemlich schwer anzuziehen und drückte beim Laufen, aber es gibt echt Schlimmeres. Letztlich doch „besser Fuß dran als Fuß ab“ – oder war das der Arm?
Freitag dann war der Fuß schon erheblich abgeschwollen und einen neuen Verband befand der Arzt nicht für nötig, Mit Physiotherapie (KG) solle ich auch wieder anfangen, ansonsten weiter hochlegen und kühlen (nicht zu stark!). Heute morgen war ich wieder dort, der Fuß sieht noch besser aus – dass das noch geht! Nochmals kommen muss ich nicht, sondern hochlegen und – Ihr wisst schon!
Das Hirn kann fahren!
Auch am 25.10. (vor dem Besuch bei Herrn Dr. „Fuß“) war ich beim anderen Herrn Dr.: dem mit der Fahrtauglichkeit! Ein EEG wurde gemacht – keine krankhaften Ergebnisse in Sachen mögliche Epilepsie. Er leuchtete in meine Pupillen, klopfte mit Hämmerchen ein wenig auf Reflexpunkte an den Gliedmaßen und forderte mich auf, links eine Faust zu machen, was mir lähmungsbedingt nicht gelang :-(.
Inwieweit diese Untersuchung aussagekräftiger sein kann als 6 Wochen stationärer Aufenthalt in der Rehaklinik Lippoldsberg, wird mir wohl auf ewig eine Windmühle mit sieben unbesiegbaren Flügeln bleiben (wenn Ihr wisst, was ich meine)!
Weiter bis zur nächsten Bremse
Aber er versprach, bis zum Wochenende das Gutachten fertig zu haben. Als es Freitag noch nicht im Briefkasten lag, rief ich an und holte es dann mit dem Bus (und zu Fuß) ab. Das Gutachten hatte ich also schon einmal:.)
Natürlich rief ich sofort anschließend beim Menschen vom TÜV-Gießen an, der mir ja im Austausch sein TÜV-Gutachten geben wollte, das ich u.a. für die BfA brauchte. Leider wurde mir mitgeteilt, dass der nun erst am Dienstag, den 1.11., wieder da sei – Also wieder warten, aber das kennen wir ja schon! Man kann ja schon mal als Sancho die Lanze spitzen und den Schild bohnern, um die Langeweile zu vertreiben.
Auf der Suche nach arbeitsfreudigen, doch futtereffizienten Pferdestärken
Parallel machte ich eine weitere Infotour durch die Autohäuser. Da ich ja richtig viel fahren werden muss (160 km täglich nur für Arbeit), kommt es mir insbesondere auf möglichst geringe laufende Kosten an. Somit war die eigentliche Wahl der Wahl ein Erdgasauto, doch musste ich erfahren, dass es als Erdgas-Automatik-Auto werksmäßig nur Volvo V70 gäbe. Der habe allerdings mit 2,4 l-Maschine 140 PS und verbrauche schlappe 10,0 l /100 km (Super) bzw. Erdgas 7,8 kg/100 km). Fazit: schöner, geräumiger Wagen für leicht erschwingliche 40.000,- €!
Also doch wieder Diesel, wobei Diesel-Automatik bei den meisten Fabrikaten leider ebenfalls recht große Maschinen bedeutet. Die erfreuliche Ausnahme fand sich bei Toyota, deren Corolla 1,4 D-4D MMT beides hat: eine 1,4 l-Maschine mit 90 PS, und braucht im Mix 4,8 l/100 km (Diesel). Auch im Preis bekommt man für einen Volvo etwa zwei Corolla! Auch wenn ich derzeit nur ein Auto brauche, ist dann vielleicht noch eine Flasche Sekt (oder gar Champagner) zum Feiern drin!
Fazit, und daran hat sich auch etwa 20 Jahre später noch nicht viel geändert: Ich hätte auch ein deutsches Fabrikat kaufen können, doch wäre das erheblich größer, schwerer, teurer und mit erheblich viel mehr CO2-Ausstoß gewesen – mindigens das 1,5 fache der 127 g/km meines ausländischen Fabrikats. Gut, dass gewisse Parteien weiter dafür sorgen, dass die deutsche Autoindustrie die Zeichen der Zeit auch weiterhin verpennen darf – und freudig tut!
Vom Dieselskandal, um nicht „Beschiss“ zu sagen, war 2005 noch nichts bekannt, und meines Wissens war der japanische Toyota im Gegensatz zu den deutschen Modellen auch nicht betroffen. Mein Corola braucht übrigens auch im langjährigen Betrieb durchschnittlich unter 5,0 Liter (Diesel) auf 100 km. Welches deutsche Modell (mit Verbrennermotor) kommt auch 20 Jahre später an diesen Wert heran? Es lebe deutsche innovative Auto-Ingenieurskunst :-(! Aber warum sollte man innovative und sprit-/CO2-sparende Autos bauen, wenn ein Jammern bei den richtigen Ansprechpartnern auch dazu führt, das EU-Abgaswerte mit „German Vote“ verwässert werden können – und die Penunzen für unnötig dicke, aber beliebte Blechkollosse weiter fließen. Wieso verkaufen sich unsere tollen Autos eigentlich nicht mehr gut im Ausland? Egal – etwas ändern und damit auch noch die Umwelt schonen ist schließlich sooo anstrengend. Da lässt man das doch lieber, und merkt irgendwann, dass man nach 2005 auch gleich die nächsten zwei Jahrzehnte in Gemütlichkeit verpennt hat. Als Letztes „rettendes Argument“ hat man ja immer noch die Arbeitsplätze in der Hinterhand …
Wichtig zu klären war jetzt noch, ob bei diesem, von mir umweltbewegt gewähltem Modell die für mich aufgrund der Halb-seitenlähmung erforderlichen Umbaumaßnamen (insbesondere die „Infrarot-Fernbedienung“ für die Elektrik) möglich wären. Das klärte ich gestern positiv! Also werde ich morgen nochmals zu Toyota und eine Probefahrt machen. Natürlich mit Begleitung, da ich selbst ja noch nicht fahren darf! Nach der Probefahrt und dies als leichter Vorgriff – genau am 11.11.2005 – auf Uhrzeit achtete ich nicht, kaufte ich dann mein „Carolchen“ in einem „heiteren silbergrau“, was einen Preisnachlass von etwa 2.000 € brachte, da der Toyotahandel in Marburg zwar viele Fahrzeuge in dieser zuvor scheinbar modischen Farbe hatte, diese sich nun allerdings als „Ladenhüter“ entpuppten. Für 2.000 € fahre ich auch gerne einen etwas farblosen Wagen!
Soweit, so gut! Dass auf der vom Stadtbüro zugeschickten Lohnsteuerkarte der mir zustehend Schwerbehindertenfreibetrag wieder nicht eingetragen war, ließ sich recht schnell durch einen beherzten Angriff auf das hiesige Finanzamt korrigieren.
Bald könnte er wieder arbeiten – und das sozialversicherungspflichtig
Blieb noch die Frage des beruflichen Wiedereinstiegs – Anforderungsprofil und so …
Nachdem ich auch das Anforderungsprofil vor einiger Zeit selbst formuliert und meinem AG gemailt hatte, mehrmals nachgehakt und genervt hatte, bekam ich am 26.10. in der Tat eine Version des Anforderungsprofils gemailt, das die Vorstellungen meines AGs auf der Grundlage meines Entwurfs widerspiegelte. Was soll ich sagen? Bis auf das überflüssige, da falsche „c“ in meinem Nachnamen (Eingeweihte wissen, wie mein Papa sich grämen würde!) hatte ich nur noch eine kleine Anmerkung, aber nicht eigentlich Einwände. So ging es nach wenigen weiteren kurzen Telefonaten mit der Sekretärin meines Chefs wahrhaftig vorgestern an den Rehaberater und CC an mich.
Fast da – bei unerwartbaren Hindernissen, die aber überwunden werden
Nachdem ich es mittags als eMail gefunden hatte, wollte ich den Rehaberater anrufen, um direkt weitere Kopfnägel zu machen, doch stand mein Sohn davor, der mit einem Freund telefonisch Pokemonkarten diskutieren musste! Schließlich hatte er aber auch das geschafft und ich rief in Gießen an. Mein dortiger Gesprächspartner meinte, dass er in den letzten 20 Minuten (Ihr erinnert Euch: Pokemon!) versucht habe, mich anzurufen, aber es sei besetzt gewesen – oh Wunder! Wir danken den Japanern und ihren tollen Erfindungen und grüßen bei dieser Gelegenheit meinen Exkollegen ganz herzlich – Nein, der hat die Pokemons nicht erfunden, ist aber in Japan!. Ist aber ja alles nicht wirklich schlimm, da ich den Rehaberater ja jetzt am Telefon hatte. Das Anforderungsprofil war von ihm bereits gelesen und wir traten also unverzüglich in die weitere Planung (noch ohne AG-Beteiligung) ein.
Vereinbartes Modell des weiteren Vorgehens war folgendes:
1. ich fange (sofern seitens meines Arbeitgebers möglich) am 14.11. wieder an: zunächst in Teilzeit („stufenweise Wiedereingliederung“) und Bezug von Übergangsgeld, wobei wir eine etwa 7-wöchige Stufen-Eingliederung mit zunehmend mehr Arbeitsstunden/Tag machen soll.
2. Ab 1.1.2006 fange ich dann, sofern die erste Phase gut verlaufen ist, wieder in Vollzeit an.
3. Der Rehaberater empfiehlt der BfA einen 50%-Lohnkostenzuschuss an meinen Arbeitgeber für 12 Monate – das gibt mir Zeit genug, mich einzuarbeiten, und meinem AG zu beweisen, dass ich für ihn noch immer wertvoll bin.
4. Da ich das Auto so schnell ja noch nicht zur Verfügung habe, werde ich zunächst öffentlich fahren, wobei Teilzeit + Fahrzeit dann in etwa Vollzeit ergibt – und ich vielleicht ja inoffiziell die tägliche Teilzeit auf 2-3 Tage/Woche Vollzeit zusammenziehen kann.
5. Ich kümmere mich weiter intensiv um Fahrerlaubnis und Auto, der Rehaberater kontaktiert meinen AG, um dem unseren Vorschlag mitzuteilen.
Natürlich kontaktierte ich selbst noch am selben Tag die Sekretärin meines Chefs (von der ich erfuhr, dass mein Chef selbst im Ausland weile), und teilte ihr das Modell mit. Sie meinte: „und auf welchen Arbeitsplatz?“ – Ich rückfragte: „Sie meinen den physischen Arbeitsplatz?“ – „Ja!“ – „Das bleibt noch zu klären. Der Rehaberater hatte versprochen, Sie diesbezüglich anzurufen.“ (Was er ca. 3-4 Stunden nach dem Telefonat mit mir noch nicht getan hatte), aber er hatte ja – im Gegensatz zu mir – sicher auch anderes zu tun.
Einige Tage später rief mich der Rehaberater an, er habe mit der Sekretärin gesprochen: Sie könne keine Entscheidungen treffen, mein Chef sei in Italien und am kommenden Montag (7.11.) zurück. Sie werde meinem Chef den gemachten Vorschlag unterbreiten und dann werde man sehen … Wird dann natürlich ziemlich knapp, aber es heißt mal wieder „WARTEN!“
offizielle Fahrerlaubnis
Auch rief ich den Herrn vom TÜV-Gießen an (Fahrerlaubnis). Er käme erst um 10.30 Uhr – ich bat, dass er mich zurückrufe. Dies tat er dann auch als ich gerade aus der KG kam. Ich sagte ihm, dass ich das neurologische Gutachten habe und er sagte, er sei da und ich solle vorbeikommen.
Mit welchem Bus ich am Besten zu seinem Büro käme, konnte er leider nicht sagen. Schließlich ist er, wie die überwiegende Mehrzahl unserer im Stau dann heftig fluchenden Mitbürger, passionierter Autofahrer. Bekanntlich werde auch ich zu dieser Spezie mangels behindertenbedingter Bewegungsalternative auch bald wieder gehören. Gut: der Werbespruch aus den 1980er Jahren: „Die Bahn kennt keinen Stau!“ haben Investitionsstau zwecks besserer Bilanzen für den vor ehemals geplanten Börsengang der Bundesbahn auch längst widerlegt, und so kämpft die sogenannte „Ampel“ dank der Instandhaltungs- und Modernisierungsversäumnisse von gut 30 Jahren nun mit einer reichlich maroden Infrastruktur in Zeiten recht leerer Kassen. Schuld wollte natürlich weder früher noch heute Irgendjemand sein, doch alle rufen: „Haltet den Dieb!“
Dennoch schwang ich mich auf mein zischendes Stahlross mit den angehängten, bestuhlten Streitwagen und raste gen Gießen, wo mir ein kompetenter und auskunftsfreudiger Bahnbediensteter bereits im zweiten Ansatz das Anschlussross nennen konnte. Dieses trabte wenige Minuten bereits los. Von dessen Postkutschenstation musste ich ca. 2 km ohne Ross zurücklegen, aber solche Distanzen machen mir nicht mehr wirklich Probleme.
Von unterwegs rief ich den TÜV-Herren nochmals an, dass ich schon ganz in der Nähe sei, um zu vermeiden, dass er in den nächstgelegenen Saloon zu Bohnensuppe mit Speck entschwinden könnte, da mittlerweile die Mittagssonne am Firmament geglänzt hätte, wenn die Wolken dies zugelassen hätten.
Schließlich erreichte ich meinen Zielort, wenn auch mit Hühneraugen. Der für mich nicht unwichtige TÜV- Mitarbeiter las das ihm von mir gereichte Gutachten mit reichlich gekräuselter Stirn durch. Ich dachte bereits, es nicht wieder etwas nicht, doch er sprach die erlösenden Worte: „Damit können wir leben!“ Hierauf erstellte er das TÜV-Gutachten, das er an die Führerscheinstelle in Marburg schicken wird, die mich dann irgendwann informieren wird, dass ich den geänderten Führerschein abholen kann. Ich bat ihn um eine Kopie, die er machte, allerdings strich er den Text mit Rot durch und schrieb quer Kopie darüber. Auch konnte er diese Kopie, die ich für die BfA brauchen werde, nicht unterschreiben.
Ein anderes Duplikat machen konnte er auch nicht, da dieses TÜV-Gutachten nur an die zuständige Führerscheinstelle (in meinem Fall jene in Marburg) geht und der Betroffene es nicht bekommen darf – ist doch logisch! Andererseits empfahl er, eine Kopie ins Auto zu legen. Die grünen Sheriff-Freunde wüssten mit den auf dem neuen Führerschein eingetragen Codeziffern meist nichts anzufangen, auf dem Gutachten stünden jedoch neben den Ziffern auch die Beschreibung. Ich solle dann halt in Marburg bei der Führerscheinstelle fragen, ob die mir eine Kopie geben würden – was die eigentlich natürlich auch nicht dürften.
Trotz all dieser Wirren und gefährlichen Windmühlenflügeln der Bürokratie bin ich auf jeden Fall erhebliche Schritte weiter und guten Mutes, dass auch die verbliebenen Kämpfe noch erfolgreich (und bald) gemeistert werden können.
Lieben Gruß und: „Nicht aufgeben und nicht unterkriegen lassen!“ – Ihr wisst ja: Am Ende hat schließlich das „Life“ auch immer wieder eine „bright side“, auf die man „looken“ kann!
Sancho
Sancho III oder Sancho goes Morgenland
19. Dez 2005 23:08
Harry Potter V (oder so – „und der Halbblutprinz“) ist längst veröffentlicht und so wird es auch Zeit für „Sancho III“, das Euch nun erreichen soll:
Was bisher geschah, ist dem geneigten Leser hoffentlich noch in Erinnerung, der Knüddel begann sich ein wenig aufzulösen (oder war es, dass der Vorhang langsam fiel?“) – fragt sich: „Für wen? Für die Bürokraten, die sich der fortgesetzten Angriffe von Sancho nicht mehr zu erwehren wussten?
Wie dem auch sei, mit Beharrlichkeit füllt die Biene das Honigtöpfchen, die Taube das Fenstersims (mit Kot), die Regierung (welche auch immer) das Jammertal oder den Schuldenberg, John Wayne leert so die Whiskeyflasche und Sanchos steter Tropfen höhlt den Amtsschimmelstein …
Also:
das Auto ist gekauft, behindertengerecht umgebaut und schon kräftig umweltschädlich bewegt – dabei aber doch immerhin relativ wenig schädlich! Der mit TÜV-Gutachten versehene Umbau musste dann beim Straßenverkehrsamt noch in die Wagenpapiere eingetragen werden – da wiehert der Amtsschimmel doch wieder glücklich, und hielt die Hand für 12,- schlappe EURO auf.
Für die BfA musste die Kopie des Fahrzeugbriefes mit erfolgtem Eintrag noch beglaubigt werden, was die Dame im Bürgerhaus wahrhaftig schnell, quasi unbürokratisch und gar gebührenfrei tut – darf die dat? – Dat darf die bestimmt net! – Gut für den Bürger, schlecht für den europäischen Stabilitätspakt, aber Sancho lässt sein Ross freudig wiehern und tritt freundlich schnaufend den geordneten Rückzug an …
Meine ehemaligen KollegInnen erfreuen sich seit dem 28.11.wieder meiner teilzeitigen Anwesenheit in den christlichen Hallen – gegrüsset seist Du, oh edler, im Niger weilender Freund auf diesem Wege: möge Zeuss Dir Deine Zornesblitze über Christen und andere Übel dieser Welt nicht mit Negativenergie erstatten …
Der technische Berater beriet beratend, damit dem Bürokratismus weitere Arbeitsfelder eröffnet werden, da Entzug ja echt langsam vor sich gehen muss (oder etwa nicht?)
Jetzt heißt es Kostenvoranschläge sammeln, dem Rehaberater gesammelt zuschicken, den diese mit Stellungnahme versehen an BfA schicken lassen, letztere entscheiden lassen und schließlich vielleicht beschaffen (kaufen und nutzen) kurz bevor man in Rente geht. Nein, die quasi Hammer und Zange der Referenten-Knappen-Arbeit, nämlich Computerausstattung vorab geht nicht, sondern bittscheen alles z’sammen, auch den Schreibtischstuhl! Letzterer sollte zwar möglichst probegesessen (sinnvollerweise minigens 1 (Arbeits-)woche, erst dann sinnvollerweise ausgesucht werden- weil er ja quasi das Streitross des Bürohengstes (oder war es dessen Bruder?) ist.
Wenn man natürlich mehrere Stühle ausprobieren will, muss man schon längere Zeit arbeitswochen (to arbeitswoch – arbeitsweek – arbeitsweaked, you know?).
Schlecht, wenn Sancho dann auf Dienstritt im wilden Kurdistan oder anderswo weilt, da das Probesitzen dann unterbrochen – Weihnachten kommt natürlich diesbezüglich auch gar nicht gut! Aber, da wir ja Optimist und die rot-schwarze Regierung uns ja zart Längerarbeiten versprochen hatte und falls nicht sozialverträglich frühabgelebt oder rentenkürzend frühpensioniert, wie ein verehrter Funktionär der Liberalen einmal als soziales Erfolgsmodell benannt hatte, könnte all das ja noch vor der Verrentung klappen – Insha Allah (ausländisch für „So Gott will“ für diejenigen Inländer, die nicht so welterfahren sind und dies auch noch zugeben).
Ernte „einfahren“ auch dank flexibler Hilfe
Nachdem ich bereits eine Woche (mit Auto) zur Arbeit gefahren war, konnte ich auch meinen umgeschriebenen Führerschein abholen, was ich dann auch im Austausch gegen mein edles, teures und mehrfach (nicht zu mühsam) erworbenes, umfangreicheres Altexemplar tat. Der erste Versuch war wohl daran gescheitert, dass die Bundesdruckerei irgend etwas, aber eben nicht das Korrekte gedruckt hatte – was es alles so gibt! Der nette und verständige Stadtbedienstete, der all die Wirren ganz offensichtlich selbst nicht recht verstand und vor allem nicht guthieß, meinte auf meine Anfrage, was ich denn jetzt tun solle, wo ich das Stück angesichts Erwerbstätigkeit dringendst bräuchte, er könne mir ein Provisorium ausstellen. Ich fragte ihn, ob ich nicht einfach mein vorhandenes und immerhin gültiges Teil nutzen könne – worauf er dem zustimmte und anregte, dass ich ihn anrufen könne, wenn es Not tue. Nur LKW dürfe ich halt nicht fahren! Na also: es geht doch auch einfach, aber entspricht dann wohl nicht der heißgeliebten „deutschen Leitkultur“, oder?
Im Land des Blechrossfutters
Die Grüße aus dem Morgenland kommen doch wieder nur en memoriam und aus dem frostig-dunklen D-land, aber es ist wahr: Sancho war mit Haschti Halef Omar auf der Arabischen Halbinsel in einem Ursprungsland des Strohs (das sich dort „Öl“ nennt) unserer Amtsschimmel und ihrer vierrädrigen Rösser, im sagenhaften Dubai, bei angenehmen 20-25 Grad C, trotzdem Klimaanlage und verschnupft zurück. Die ersten dortigen Meetings hatte er nach durchflogener Anreisenacht eher verpennt. Dort war Sancho auf helfende Hände angewiesen, wenn er die Hoteltreppe hinabwandeln wollte. Diese wies beim Runtergehen rechts zwar eine Rollstuhlrampe auf – sehr lobenswert, wenn für den ernsthaften und unfallfreien Rollstuhlbetrieb auch wohl krass zu steil:-( Aber man spart ja Sozialkosten, wenn der Rollstuhl dummerweise über den Bürgersteig hinausschießen sollte …
Wie auch immer, für den längst laufenden Sancho hatte dies den Nachteil, dass der Abstand zur haltgebenden rechten Wand zu weit war, ein freihändiges Treppenruntersteigen ist noch nicht sicher drin, aber die Morgenländler haben echte Servicekultur (zwar Wüste nebenan, aber keine „Service-solche“, also „Servicewüste“) – und so hatte ich immer eine helfende und stützende Hand.
Auch ist es nicht so einfach, einhändig den Frühstücksteller zu halten und mit eben dieser (einen verfügbaren) Hand sich das Frühstück vom reichhaltigen, damit aber auch raumgreifend vollgepacktem, und keinem abzustellendem Teller mehr Platz bietenden Buffet aufzutun. Aber all diese kleinen Widrigkeiten ließen sich lösen, ich lebe noch und habe nicht einmal noch mehr abgenommen und mein AG schickt mich in der zweiten Januarwoche nun dank erfolgreich bestandenem Proberitt auf das nächste Rodeo – diesmal ins Land unseres lieben „Either you are with or against us!“ – genauer nach Monrovia (nicht in Liberia, sondern nahe des allseits beliebten Filmparadieses) – wir hoffen einmal, dass wir Guantanamo weiträumig umreiten können …
Ansonsten tat sich kaum noch etwas, aber es mag ja auch reichen, ach doch: es gibt noch von Sozialstaatlichen Mathekünsten zu berichten! Wie wohl jeder weiß, hat mensch bei Bedarf in unserem schönen Land Anspruch auf 6 Wochen Lohnfortzahlung und maximal 78 Wochen Krankengeldbezug. Die 6 Wochen reichten vom 17.7.-31.8.04, ab 1.9.04 kam das Krankengeld. Ohne Euch zumuten zu wollen, die Wochen jetzt auch noch jahreskalenderübergreifend nachzuzählen, sei erklärt, dass 78 Wochen (bei 52 Jahreswochen) ja ziemlich genau 1,5 Jahre sein könnten – wenn also der Krankengeldbezug am 1.9.04 begonnen hat, könnte man ja mit mir meinen, dass er spätestens am 28.2.2006 (also 18 Monate später) ausläuft. Wenn dann die „stufenweise Wiedereinglie-derung“ am 5.2.06 mit vollem Wiedereinstieg und Gehaltsbezug voll-endet sein soll, kann ja kaum noch was passieren – denkt man!
Woher soll man auch wissen, was eine Person in meinem Umfeld allerdings irgendwie zumindest schon ahnte oder ihr schwante (reimt sich so schön und musste deshalb jetzt noch sein!). Vielleicht hatte sie es auch irgendwo gehört, dass die Lohnfortzahlung zur Zeit des Krankengeldbezugs (die 78 Wochen) zählt – ist doch logisch, oder? Nun will ich mich mitnichten über die Unsozialität in unserem schönen schwarz-rot -(güldenem) Land beschweren, da es wohl wenige Länder gibt, wo man in meiner ungewollten Situation trotz aller Windmühlen so lange und letztlich so gut versorgt ist, und es wird vom 13.1. – 6.2 wohl die BfA mit Übergangsgeld (etwas weniger, aber immerhin) einspringen.
Lobend sei auch erwähnt, dass mein AG sich überaus christlich, nächstenliebend gebärdet und sich nicht davon abbringen lässt, mir im Dezember 2005 noch den Resturlaub aus 2004 („der verfällt ja nicht“) sowie die in den ersten 6 Monaten 2004 gemachten und nicht abgefeierten Überstunden zu bezahlen. Hatte ich zwar überhaupt nicht mit gerechnet und bei den meisten Firmen ist der Resturlaub ja wohl spätestens Ende April des Folgejahres verfallen, wenn er nicht genommen ist, aber man wird Sancho sicherlich nachsehen können, dass er sich gegen dieses Zwangsangebot nicht allzu sehr erwehrt hat.
Natürlich konnte ich bei meiner vorletzten Dubaireise (bis 5 Tage vor dem Schlaganfall) noch viel mehr, hatte mehr Kraft und eine ganz andere Beweglichkeit, und dachte an nichts böses.
Rückschau auf Erfolge hilft Frustbekämpfung
Aber sollte der Frust über Einhändigkeit, Schwierigkeiten beim Rossbestieg oder beim Halten von Lanze und Schild mal zu stark werden, was er selten tut, so ist es manchmal hilfreich, zurück zu schauen, z.B. genau ein Jahr zum 19.12.2004:
Sancho knappte in Nauheim in der „Anschlussheilbehandlung“, glücklicherweise im Einzelzimmer, usw., aber das Tagebuch erzählt: „… Nachmittags mache ich auch Rollator-Gehversuche mit den Boots – die Klettverschlüsse schließen nicht mehr vernünftig – mit den Sandalen klappt es nicht gut. Da ich die neueren schwarzen Schuhe mit der Orthese nicht alleine anziehen kann, bleiben quasi nur die „Straßentreter“! Ist im Winter für draußen natürlich nicht so toll.“ – Rollator? Längst abgehakt, ich bin alleine nach Dubai gereist und Rollator, Rollstuhl (in dem ich noch letztes Jahr Weihnachten saß) und Krücke sind längst weit weg geschmissen!
Oder 19.11.2004 (also vor genau 13 Monaten – damals noch in Bad Wildungen): „Physiotherapie hatte ich heute wieder bei Frank – er ließ mich mit Orthese laufen, auch Trepp auf und Trepp ab. Irgendwann fragte er Andrea (andere Krankengymnastin), die mit einem anderer Patienten auf dem Flur war, ob sie bei mir das Laufen freigeben würde. Ich durfte noch keinen Schritt alleine machen und fuhr im Rollstuhl zum WC, auf das ich mich (offiziell) auch noch nicht alleine setzen durfte. Ich sollte immer nach Schwester oder Pfleger, also Aufsicht klingeln, wenn ich mich aufs Klo oder davon wegsetzen wollte – was ich nicht immer tat! Frank meinte, ich würde schon seit 20 Minuten gehen (am Stück). Er wolle es sich noch überlegen, sagte er mir zum Abschied. Mittags kam er noch mal kurz zu mir rein, um mir zu sagen, dass er eine Orthese für mich jetzt verordnet habe. Dummerweise gibt es auf unserem Flur kein Geländer, im 3. Stock wohl, aber dort gibt es keine Schwestern, wenn mir etwas passieren sollte. Zumindest denkt er ernsthaft über eine teilweise Freigabe des Laufens nach, also habe ich erneut offensichtlich Fortschritte gemacht. Der Bewegungsablauf ist zwar noch keineswegs optimal – insbesondere die Hüftstabilität und die Belastung des linken Beines, aber es geht eben weiter voran – wenn auch langsam.“
Hüftstabilität, Kniebeuge und Fußheber links sind noch immer „mangelhaft“, aber wer von Euch (außer Bettina, sei gegrüßt) kann sich denn vorstellen, welches Stück Lebensqualität es bedeutet, alleine und wann und wo man will und muss aufs Klo gehen zu können? Das ist das, wo ich herkomme, und jetzt fahre ich wieder mit dem Auto jeden Tag zur Arbeit und fliege im Januar nach Guantanamo (ähm, lieber nicht, Monrovia tut es auch)!
In diesem Sinne: achtet auf Euch, spürt die Kräfte Eures Körpers und früh genug auch, wenn sie nachlassen, hört auf den einzigen Körper, den Ihr habt, eine Kunst, die ich wohl nicht verstanden hatte! Genießt die bevorstehenden Fest- und Ruhetage, rutscht gut und beidbeinig fest stehend und beidarmig gut ausbalanciert ins neue Jahr hinüber, das Ihr hoffentlich nicht nur übersteht, sondern auch genießt, aber zu allermindest gesund!
Ganz lieben Gruß Euch allen und einigen einen allerherzlichsten Dank für die mehr als wichtige und für Weitermachen und Kopf-hoch und noch-mehr-Kampf so hilfreiche Begleitung während 2004/05! Ich habe soviel Unterstützung und Besuch auch von Leuten erhalten, von denen ich es nicht unbedingt erwartet hatte – ich hoffe, Ihr müsst niemals erleben, wie wichtig das ist! Danke!!!
Sancho IV oder Sancho und die Entfesselungskunst
12. Apr 2006 21:34
Schon wieder ist es eine ziemliche Weile her, dass Ihr von den Erlebnissen von Sancho gehört habt. Erinnert Ihr Euch noch? Im Dschungel befand er sich noch ziemlich gegen Ende 2005 – in welchem Dschungel? Na – so vergesslich? Im Paragraphendschungel natürlich, wo viele wilde und gefährliche Tiere ihr Unwesen trieben und Autofahren ebenso wenig wie Arbeiten dulden wollten – bzw. nur nach Überwindung erheblicher Hürden, und so übte Sancho mit seinem Muli für CHIO Aachen! Dies aber mit schließlich so überwältigendem Erfolg, dass er eine „Sondergratifikation“ noch vor Weihnachten und lange vor Turin erhielt – Nein: keine Goldmedaille, sondern in Form einer stufenweisen Wiedereingliederung …
Und so befreite sich Sancho nach fast 1,5 Jahren von der Fessel der beruflichen Untätigkeit, und fing zunächst ab 28.11. bis Ende 2005 mit 4 Std/Tag an. Der Arbeitgeber freute sich sehr ob der Entfesselung des „verlorenen Sohnes“ (schließlich befinden wir uns in einem christlichen Haus) und bestand darauf, noch vor Weihnachten seine „Schuld“ des von Sancho in 2004 nicht genommenen Urlaubs mit ca. 3.000,- € „Sonderjubelprämie“ (freudig) zu büßen, worauf ich ihm gnädig Absolution erteilte – vor einigen hundert Jahren hätte man das „Ablasshandel“ genannt, gewöhnlich wird es heutzutage bei „normalsterblichen“ Arbeitgebern aber eher durch Übergehen, „Verjährung“ oder „(blatt-)goldenen Handschlag = Rauswurf“ gebüßt (gebüßt also somit eher vom Arbeitnehmer!). Wie geschrieben, es ging um 2004, also mindestens einmal 1 Jahr zurück! Damit rechnete Sancho dann wirklich nicht mehr, wann hätte er auch Urlaub nehmen sollen, er hatte schließlich „Besseres“ zu tun und erhielt gar unabschlagbare Einladungen zur Intensivstation, OP-Raum und Rehaklinik! Ihm wurde aber beschieden: „Der verjährt ja nicht! „Gott-sei-Dank“ hatte sich Sancho ja von der Kirche schanghaien lassen.
Andererseits war der AG ob des entfesselten Sancho so begeistert, dass er ihn fragte, ob er nicht bereits im Dezember ein Christibantraining auf der sonnigen arabischen Halbinsel absolvieren könne – gefragt, getan: 11.-14.12.05, während der edle Sancho-Fan ordentlich bibberte, aalte Sancho sich ungebührlich unter dubaischer Sonne. Reise war völlig okay, nur die Ankunft um 7.00 Uhr früh nach durchflogener Nacht führte dazu, dass er während der Vormittagstagung doch gelegentlich den Kopf auf die Brust sinken ließ (Lähmungserschei-nung? – Wenn überhaupt, so höchstens der Augenlider). Auch das einhändige Selbstbedienen am übervollen Frühstücksbuffet mit dem Teller in der rechten Hand, um sich mit der rechten Hand aufzutun (wie geht denn das? Eben! Gar nicht!)
Somit nahm Sancho eben weiter ab, bzw. verhalf seinen Erdenmitbewohnern zu (beidseitig) gerne angenommenen Pfadfindererlebnissen („jeden Tag eine gute Tat“). Ansonsten war das Christibantraining recht erfolgreich – arabische Hände strecken sich dem Gelähmten übrigens zumindest mal so eifrig hilfegebend entgegen (übrigens ohne Sprengstoffgürtel! – Dies nur für die Kulturclashpropheten, denen von dieser Stelle die ewige Höllenverdammnis gewünscht sei) wie hiesige Gut-Christibane. Jedenfalls hatte sich Sancho jetzt auch der Reiseverhinderungsfessel entledigt.
Über Sylvester wurde dann mit Köln-/Bonn-/Freiburger Saufkumpanen am sich-der-Nüchternheits-Fesseln-Entledigen heftigst gefeilt, so dass die Ketten von 2005 schließlich gesprengt wurden – und dies gegen und nach 0.00 Uhr tatsächlich mit viel Blitz und Donner.
Ab 2.1. war dann auch die Halbtagsfessel gelockert und durch hartnäckige Dehnungsübungen einer 6 Std/Tag-Beklemmung gewichen.
Knapp an Guantanamo vorbei – aber ziemlich weit!
Im Januar folgte dann zunächst eine Einladung nach Monrovia (nein, nicht die Hauptstadt von Liberia, sondern ein kleiner Außenbezirk einer „L.A.“ genannten Hausanhäufung in dem Land mit den Streifen und vielen Sternen im Banner, deren lediglich einen die freigelassenen Exsklaven in Westafrika kopiert und mitgenommen hatten).
Nach der dezemberlichen Reise ins Morgenland folgte nun also die januarliche Bewegung in die Gegenrichtung, und – wen wundert es nach dem erfolgreich absolvierten Christibantraining – knapp an Guantanamo vorbei, wo die Menschen bekanntlich als Trendsetter im modischen Orange campieren und …
Sancho vermied zu nahes Kommen jedoch, obwohl er bei der Einreise seine „fingerprints“ abgeben durfte. Apropos – jemand werfe den US-amerikanischen Einreisebeamten noch einmal Unflexibilität vor – völlig ungerechtfertigt (zumindest in Vor-Trump-Zeiten!), weiß Sancho zu berichten!
Statt gekrampftem Zeigefinger der linken und dem entspanntem der rechten Hand durfte er Daumen und Zeigefinger der rechten Hand nehmen! Auch Folter und Verstümmelung ist böswillige Unterstel-lung, wahrscheinlich von verstreuten Kommunisten und anderen Antichristen. Der/m werten Leser/in) sei versichert, dass sich Sancho noch aller Finger (wenn auch nur hälftig funktionsfähig) erfreut. Niemand, NIEMAND! wollte ihm den linken Zeigefinger abschneiden, um den begehrten Fingerabdruck zu bekommen!
Nach diesen beiden höchst prekären und gegengerichteten Reisen in Morgen und (zumindest damals noch nicht)-ganz-so-dunkles Abendland musste der zurückgekehrte (und reiseverhinderungsbefreite) Sancho noch im Januar der Chefanklägerin Carla von der Brücke (del Ponte – damals Chefanklägerin am internationalen Gerichtshof) einen Bericht persönlich in Den Haag überbringen, was dann doch eher eine leichtere Reiseübung war. Anfang April folgte dann (nur der Vollständigkeit halber) noch ein kurzer Ausflug bis jenseits des ehemals so trennenden und kettenbewährten eisernen Vorhangs ins Herz bundesrepublikanischer Macht (oder knapp daneben!)
Weitere Änderungen im Privatumfeld
Was sich bereits länger (eher Jahre) angekündigt hatte, wurde ab September 2005 immer konkreter. Sanchos Angetraute, die meist treue und gutmütige Besucherin auch auf der Intensivstation mit stark abnehmender Häufigkeit in weiteren Rehaetappen, bockte und verweigerte weitere Hindernisse, was dem Paar mindestens 3 Strafpunkte und quasi die unausweichliche Disqualifikation einbrachte. Nach dem zwischenzeitlichem Aufenthalt in säuerländischer Mutter-Kind-Kur teilte sie ihm schließlich auch die vollzogene emotionale Entfesselung mit. Noch zerrte Sancho an den Ehebändern und Beziehungszügeln, doch die nun völlig entfesselte Beinahe-Ex war bar des Partners außer Rand und Band. Sie meinte zwar, dass Sancho den bis dahin gemeinsam besiedelten Marburger Stall durchaus an den Wochenenden noch bewohnen könne, aber während der Woche solle er sich doch (Zu seinem eigenen Wohl! – und als Sonderzückerchen für die ihn ehemals Begleitende obendrein) lieber eine Wohnung nahe der Arbeit suchen.
Nun fing auch Sancho mit dem Bocken und Verweigern an und teilte ihr schließlich mit, dass er sich unter diesen Voraussetzungen doch lieber ganz entfessele, und folglich zwar einen arbeitsnäheren Stall, jedoch keineswegs nur für während der Woche, suchen werde. Auch beabsichtige er, dann lieber nach angemessener Trennung von Bett und Börse die längst nicht mehr siamesische Zweierbeziehung vor aller Welt offiziell als beendet zu benennen. Das war in der Tat eine weitere wichtige, einschneidende und gelungene, wenn auch von Sancho keineswegs beabsichtigte, gewollte und erhoffte Entfesselung! Aber so ist das Leben nun einmal – wir scheiden, was keine kirchliche Trauung verbunden hat …
Auch die Kinder scheinen sich langsam an den Gedanken zu gewöhnen, auch wenn beim Älteren zunächst tränenreicher Protest geäußert wurde, und der Kleine beim Ausflug mit Sancho und dem Großen im Auto zwecks Wohnungsbesichtigung den „Entfesselungs-Sancho“ überraschte, als er gut vernehmlich, wohl akzentuiert, allerdings einigermaßen unvermittelt sagte: „Papa, wir wollen Dich nicht verlieren!“ Das saß!
Allerdings sind sich Ex-Begleiterin und Entfesseler einig, dass die Kinder nicht leiden sollten und auch Sancho nicht verlieren sollten. Auch die Aufteilung von Mietwohnung und Inventar ist auf einen hoffnungsvollen Weg, wobei davon auszugehen ist, dass der eine oder Andere noch manches Mal bocken und verweigern wird …
Im arbeitsnahen Stall
Seit Mitte März hat Sancho nach kurzer, aber intensiver Suche auch einen neuen, Altbau-Stall gefunden, der mit 3 Boxen (eine für Kinder und Gäste auf Besuch, zwei für den täglichen Gebrauch) im bäderlichen Nauheim Mitte Mai bezugsfähig ist. Das nauheimige Bad kennt Sancho übrigens bereits von einem gemeinsamen Tagesausflug mit der nun Verflossenen aus weniger entfesselten und noch mehr verbundenen (glücklicheren?) Tagen sowie aus der sechswöchigen Rehakur im Winter 2004/2005.
Die Fessellänge zum christlichen Tageswerkstall wird 16 Entfernungs-km sein, wobei es in Hausnähe wenige Parkplätze, aber durchaus eine öffentlich-nahverkehrliche Verbindung zur Werkbank gibt.
Und so plant Sancho nach Kurzturnier im mailichen Granada den Stallbezug am 13.5.2006 – und, was soll er sagen, trotz aller wohl noch auftauchenden Schwermut und Sehnsucht nach alter „Wirkungsstelle“ freut er sich nun wirklich auf neue strohbodengedeckte Boxen und den Aufbau neuer Eselsfreundschaften mit neuen Sparringspartnern.
Wie Ihr den werten Autor dieses Fortsetzungsromans ja bereits kennen gelernt habt, wird diesem Teil IV sicherlich früher oder eher später Teil V folgen. Vielleicht hat der eine oder die andere Leser(in) bis dahin sich ja bereits einen ersten und persönlichen Eindruck vom neuen Stall verschafft.
Alle Sitzpinkler sind ab Mitte Mai gerne gesehen (nicht nur zum Pinkeln!) in der Burgstraße (welch geeigneter Name für unseren edlen Knappen) in Bad Nauheim. eMail und Handynummer bleiben natürlich die gleichen, die Festverbindung muss noch erschaffen werden!
bis demnächst völlig entfesselte Grüße
SANCHO IV,5 – Pressemitteilung – Sancho und die werktätigen Helden der Arbeit
19. Mai 2006 11:14
Berlin-Pankow, Sancho-Burg Nauheim:
dank des heldenhaften und selbstlosen Einsatzes der Werktätigen-brigade „Nauheim V“ konnte der 4-Wochen-Plan bereits nach einem Wochenende quasi zur Hälfte erfüllt werden. Sancho konnte seinen geweißten Stall beziehen, wenn er bislang dort auch nur 4 Möbelstücke hat (Matratze auf Boden, Herd, Spüle und 1 Schemel – zählt man Küche, Bad und Flur als Zimmer – insgesamt dann 6 – so hat er fast doppelt so viele Möbelstücke wie Zimmer, aber heute kommen hoffentlich gleich noch Waschmaschine und Kühlschrank hinzu, dann besteht Gleichstand!). Morgen erfolgt dann der große Umzug
Folgende Helden der sozialistischen Kommune Nauheim erhalten den großen Sancho-Verdienstorden an der gebrochenen Lanze:
1. DP
2. MS
3. MB
4. K ??? – der Familienname dieser hochverdienten Genossin ist dem Ordensstifter leider nicht bekannt!