Im November 2025 besuche ich Oldenburg, um dort ein angedachtes Projekt mit meiner Mitstreiterin zu besprechen.
Auf der Rückfahrt ist der Zug von Osnabrück nach Duisburg so voll, dass die Leute im gesamten Gangbereich stehen und ich beim Versuch, die Toilette zu besuchen, an diesen Reisenden vorbei und über Taschen und Koffer hinwegklettern muss. Mit Halbseitenlähmung fällt mir das nicht so leicht.
Als ich dann erfolgreich wieder an meinem Platz angekommen bin, und Wanne-Eickel bald erreicht wird, rufe ich: „Leute – hier gibt es Freibier“ – und schiebe hinterher: „Freifritten auch!“.
Doch als wir den Bahnhof Wanne-Eickel wieder verlassen haben, muss ich mir eingestehen, dass auch Freibier in Deutschland nicht mehr zieht 🙁 Was ist nur mit den Deutschen los? Ja, ich erinnere mich an die Nachricht vor einiger Zeit, der Bierkonsum in Deutschland sei zurückgegangen. Aber so krass? Armes Deutschland! Was soll nur aus unserer „Wirtschaft“ werden? Ist Wirtschaft ohne Bierseeligkeit wirklich vorstellbar? Hat nicht Loriot recht: „Eine Wirtschaft ohne Bier ist möglich, aber sinnlos!“?
Ich fordere Zutatenoffenheit beim Bierbrauen und das AUS des Reinheitsgebotes – das schadet doch unserer Wirtschaft nur! Und wenn das „technologieoffene“ Aus des Verbrenners ausgesetzt werden kann, sollte doch auch meine Forderung in Deutschland UND der EU umgesetzt werden können?
Herr Merz: Also bitte! – Sie versprachen doch einen „Herbst der Reformen!“ Da wird man Sie doch wohl noch auffordern dürfen, sich endlich für unsere „Wirtschaft“ ins Zeug zu legen! Schon Ihre Vorvorgängerin meinte: „Gut ist alles, was der Wirtschaft nutzt!“ Und dieser von Ihnen bekanntermaßen höchstgeschätzten Vorgängerin wollen Sie nun „nachstehen“? Echt jetzt?
Hinweis: Weitere mehr oder weniger lustige Begegnungen bei meinem Reiden habe ich in einem anderen Beitrag gesammelt.
die derzeitige EU-Kommission sieht sie als klimafreundliche Lösung
die AFD fordert sie ebenso wie Katharina und Jens – und natürlich Markus!
Kleine (modulare) Atomkraftwerke
Und Loriot hatte bereits 1987 eine bahnbrechende Vision, die er in seinem Sketch „Weihnachten bei den Hoppenstedts“ darstellte – eben kleine Atomkraftwerke – modular: Loriot dachte sogar an einen Modellbausatz.
Wie es bei den Hoppenstedts endete, lässt sich vermutlich Weihnachten 2026 wieder im Fernsehen verfolgen.
In Frankreich mussten im Sommer 2022 fünf der 56 Reaktoren (Tricastin, Golfech, Saint-Alban, Blayais und Bugey) aufgrund zu warmer Flüsse und niedriger Wasserstände ihre Leistung reduzieren – zur Versorgung bezog man in Frankreich dann u.a. regenerativen Strom aus Deutschland.
Der Super-GAU in Tschernobyl passierte kommenden Sonntag vor 40 Jahren, doch war das ja in einem östlichen Land und könnte in westlichen und fortschrittlichen Ländern NIEMALS passieren! So dachte man bis zum 11.3.2011, bis zum GAU in Fukushima. Danach beschloss das Kabinett der Physikerin Angela Merkel, damals sicher nicht „technikfeindliche“ Kanzlerin den Atomausstieg,
Der Ausstieg des Jahres 2010 aus dem 2000 beschlossenen Atomausstieg kostete die Steuerzahlenden offenbar über 2,4 Milliarden EURO an Abfindungen für die Energiekonzerne! Hinzu kommen für den Rückbau der Atomkraftwerke und die Endlagerung des Atommülls von rund 170 Milliarden EURO, wobei die Energiekonzerne hierfür lediglich 39 bis 46 Milliarden EURO beisteuern. Die verbliebenen 124 bis 131 Milliarden EURO sowie weitere Sanierungskosten wie für das Atommülllager Asse trägt allein der Staat und somit die Steuerzahlenden.
Derart subventioniert und lediglich die Betriebskosten berücksichtigend, erscheint Atomstrom tatsächlich als konkurrenzlos billige Energiequelle, doch sollten nicht ehrlicherweise die tatsächlichen volkswirtschaftlichen Kosten berücksichtigt werden, wenn man sie z.B. mit jenen der erneuerbaren Energien vergleicht? Sonst handelt sich beim Vergleich wohl eher um eine „Milchmädchenrechnung“! Wobei hiermit weder etwas gegen Milch noch gegen Mädchen gesagt sein soll, sondern lediglich die Art der Rechnung und der ihr folgenden Argumentation hinterfragt werden soll!
Die Energiekonzerne wollten angesichts der Forderungen einiger Politiker, wie etwa dem Markus aus jenem südlichen Bundesland, in dem der Ausbau der Stromnetze in den letzten Jahren so zielstrebig und gegen alle Widerstände , sowie unter Nutzung der Flächen der Nachbarbundesländer vorangetrieben wurde, wie in keiner anderen bundesdeutschen Region (:-)). Jedenfalls wollten die Energiekonzerne weder neue Meiler bauen noch alte wieder hochfahren – vermutlich bedachten sie die tatsächlichen Kosten(?)
Und die ideenreiche Bundeskatharina plant nun, die erneuerbaren Energien nicht schneller auszubauen als die Stromnetze! Ein Schelm, der hier „Ideologiegetriebenheit“ unterstellt.
Beim Bau früherer Atomkraftwerke wurde nicht nur der Bau der Meiler, sondern auch die Atommülllagerung, und schließlich der Rückbau durch die Gemeinschaft, also alle Steuerzahlenden subventioniert (s.o.), während die Gewinne (wie üblich) individualisiert wurden, also in Form von Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet wurden.
Doch bei tatsächlicher Berücksichtigung aller, auch der langfristigen Gestellungskosten, also der Einbeziehung all jener Kosten vom Bau bis zum Ende von Strahlungsgefahren (die potenziellen Kosten einer Havarie mal komplett außer Acht lassend in den Atomstrompreis ist der Preis volkswirtschaftlich bei Weitem offensichtlich nicht mehr konkurrenzfähig, und somit auch nicht bei betriebswirtschaftlicher Kostenrechnung, wie diese vermutlich durch die Energiekonzerne vorgenommen war. Möglicherweise führten diese realistischen Kalkulationen bei den Energiekonzernen zum Nicht-Interesse eines Wiederhochfahrens oder Bau neuer AKWs (?)
Durch die Ampelregierung wurde der erneute Atomausstieg beschlossen und bis April 2023 umgesetzt gegen den Widerstand von zumindest zwei deutschen Parteien, aber der prophezeite Zusammenbruch der Energieversorgung in Deutschland blieb aus!
Dass deren Entwicklung noch bei keinem Modell zur Betriebsgenehmigung geführt hat, und Bau 1-2 Jahrzehnte dauern könnte, die Kosten extrem hoch wären und auch bei ihnen das Müllproblem noch ungelöst ist: sei’s drum! Aber was die Grünen beschlossen und umgesetzt haben, erscheint nicht nur in diesem Fall absolut unsinnig gewesen zu sein und ist unbedingt rückgängig zu machen (!?!)
Vergleicht man das Krisen-Management des Ministers Habeck nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 und das jetzige von Ministerin Reiche, mag sich jede/r selbst beantworten, welches „professioneller“ erscheinen mag.
Das Endlagerung des Jahrtausende gefährlich strahlenden Atommülls ist nicht nur in Deutschland. ungelöst, doch verspricht man meinen noch ungeborenen Enkeln, bis 2070 eine Lösung gefunden zu haben 🙂
Also lasst uns u.a. mit kleinen, modularen Atomkraftwerken frohen Mutes und voller Vertrauen zurück in die Zukunft gehen! Und vielleicht kann man den Atommüll ja mit Elon Musks Space-X zu Mars schicken – und dort „entsorgen“!?! Aus den Augen aus dem Sinn?
Und könnte nicht Loriots AKW-Modellbausatz eine tolle Geschäftsidee für Lego oder das finanziell angeschlagene Playmobil sein? Oder aus Stoff für den „Kindertraum“ zumindest der „Boomer“ ebenfalls angeschlagene Unternehmen „Steif“: Ein kuschliges Mini-AKW bereits für unsere Jüngsten? Das lässt Kinderaugen mit Sicherheit strahlen! Vielleicht in Kooperation mit dem US-Unternehmen Mattel, die eine Katharina-Puppe und ihren Jens- oder Markus-Partner beisteuern. Dann könnte Disney, Paramount oder ein anderer Medienkonzern sicher auch einen neuen Blockbuster produzieren!? 🙂 Und durch das Joint Venture wären möglicherweise auch US-Zölle zu vermeiden?
In jedem Fall war Loriot mit seinen Visionen wirklich zukunftsweisend – und wir sollten seinen Visionen unbedingt folgen, um einer wahrlich strahlenden Zukunft entgegen blicken zu können.
den Verbrennungsmotor auszuschalten, oder ausgeschaltet zu lassen, weil das Gehirn angeschaltet ist!
Dass Autofahren mit Verbrennungsmotoren CO2 ausstößt und somit das Klima schädigt, ist hinreichend bekannt. Dass Klimaschädigungen zu Extremwetterereignissen und teuren Schäden für Leib und Vermögen führt, ist mannigfaltig, u.a. an Ahr und Erft, in 2o24 zuletzt bei Valencia, schmerzhaft erfahren.
Es geht nicht darum, überhaupt nicht mehr Auto zu fahren. Sicher gibt es bisweilen gute Gründe dafür, das Auto statt anderer Verkehrmittel zu wählen. Dann bitte!
Doch ist es oft einfach, schont Geldbeutel und Umwelt, und tut fast gar nicht weh, den Motor ausgeschaltet zu lassen, dafür aber das eigene Hirn einzuschalten:
Muss jede kleine Fahrt mit dem Auto wirklich sein, oder gibt es manchmal bessere Alternativen mit anderen Verkehrsmtteln?
Ist es möglich, mit anderen zusammen notwendige Fahrten etwa zum Arbeitsplatz zu unternehmen (Fahrtgemeinschaften zumindest ab einem Sammelpunkt) , oder muss jede/r ins eigene Auto steigen?
Kann ich mein Kind auf dem Schulweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad begleiten, bis es den Weg sicher bewältigen kann, oder braucht es wirklich das tägliche „Elterntaxi“?
Wie viele Minuten komme ich mit 200 statt 120 km/h eher an und wieviel „unentspannter“?
Warum gebe ich mein tolles Auto nicht zurück, wenn ich an der Bahnschranke, die zuverlässig für mindestens 10 Minuten meine Weiterfahrt verhindert, meinen Motor nicht auszuschalte, weil mein teures Gefährt scheinbar keinen Anlasser hat?
Das Hirn angeschaltet im Alltag benutzen:
mag liebgewonnenen Gewohnheiten widersprechen,
mag bisweilen erfordern, den inneren Schweinehund zu überwinden,
doch schont es Umwelt, Klima und Artenvielfalt,
hilft dabei, uns ALLE vor den Folgen von Extremwettern zu schützen,
schont (oft) den eigenen Geldbeutel
ermöglich vielleicht auch in 50 Jahren noch ein Kinderlächeln angesichts eines schönen Schmetterlings oder Vogelgesangs, weicher Schneeflocken oder schöner Wälder
gibt den Generationen unserer Kinder und Enkel hoffentlich noch die Chance einer lebenswerten Umwelt.
Warum hat man (Gott, die Natur, die Evolution oder was auch immer) uns ein Hirn gegeben, wenn wir uns so oft weigern , es zu benutzen???
ES TUT DOCH FAST GAR NICHT WEH!
wenn wir den Motor ausschalten, weil unser Hirn eingeschaltet ist!
Schon mal darüber nachgedacht? Deine Kinder und deren Kinder werden es Dir danken!
Es braucht keine Verbote, wenn wir alle ein wenig mehr nachdenken. Aber es erhält zumindest unser aller Lebensqualität vielleicht ein klein wenig mehr!
Da tauschen die Thüringer und die dortigen (vielleicht künftigen) Regierungsparteien einen eher gemäßigten und über Jahre populären Ramelow gegen eine wohl zumindest scheinbar populistischere Wagenknecht. Bei der vorletzten Landtagswahl befanden sich beide noch in derselben Partei …
Das klingt nach einer gelungenen Aktion für die Demokratie.
Die Folgen werden wir vermutlich in den kommenden Jahren auf mehreren Ebenen bewundern dürfen. Wir sind gespannt!
Verstehen müssen wir einige Akteure und die Logik ihrer „Unvereinbarkeitsbeschlüsse“ vermutlich nicht (?)
Hoffentlich sind wir in einigen Jahren überzeugt, dass die Demokratie tatsächlich gewonnen hat.
Die schrecklichen Attentate in Mannheim, Solingen, Magdeburg, München und zuletzt Villach sind durch absolut nichts zu rechtfertigen! Sie sind und bleiben schrecklich und unmenschlich, sind nicht zu entschuldigen und müssen angemessen bestraft werden.
Dabei ist zunächst auch unerheblich, ob solche Taten aus privaten Gründen/Streitigkeiten motiviert sind, auf psychische Erkrankung oder religiösen oder politischen Fanatismus zurückzuführen sind. Zumindest für die Opfer ändert das rein nichts!
Aber was sind die Folgen all dieser schrecklichen Taten?
Sie werden offensichtlich von verschiedenen „interessierten Seiten“ benutzt. Der politische Diskurs etwa in Deutschland und Österreich verhärtet sich in Urteilen über ganze Gruppen wie „Migrierende“ oder Menschen aus Afghanistan und oder Syrien. Differenzierung erscheint nicht mehr erwünscht und letztlich nur störend. Ist es nicht das Einfachste – oder gar, wie manche meinen, die Lösung ALL unserer Probleme, wenn wir einfach die Grenzen schließen und alle „Gefährder“, und „am Besten“ ALLE Menschen aus Afghanistan und Syrien, demnächst vielleicht anderen Herkunftsregionen einfach abschieben?
Wäre das tatsächlich die Lösung all unserer Probleme, ob in den Sozialversicherungen, auf dem Wohnungsmarkt,oder bei der inneren Sicherheit?
Ein paar „ketzerische Fragen:
Wieviel Migrierende (früherer Jahre), wie viele Menschen auch aus Afghanistan und Syrien, sind in unserer Gesellschaft gut integriert, sprechen unsere Sprache, arbeiten und zahlen ebenso wie Du und ich „Sozialabgaben in der festgelegten Höhe“? Wie viele dieser Menschen tragen also nicht nur zu unserem Wohlstand bei, sondern erhalten und fördern diesen?
Was würde mit unserer Gesellschaft und Wirtschaft geschehen, wenn alle „Menschen mit Migrationshintergrund“ Deutschland morgen verlassen würden? Was geschähe dann mit vielen Firmen? Was mit den Sozialsystemen oder den Steuereinnahmen? Ja – vermutlich gäbe es dann genügend Wohnraum für die verbliebenen Menschen in Deutschland, doch brächen vermutlich viele andere Strukturen zusammen!
Erinnern wir uns noch, wofür „Solingen“ am 29.5.1993 traurige Berühmtheit erlangte? Ja, auch damals waren Menschen mit Migrationshintergrund beteiligt, allerdings wie zuvor in Rostock-Lichtenhagen und später zum Beispiel in Mölln und Hanau als Opfer von Hass und Hetze!
Negieren wir, dass nicht nur der Täter in Villach aus Syrien stammte, sondern auch der Essenslieferant, der aller Wahrscheinlichkeit nach durch sein beherztes Eingreifen weitere Opfer vermeiden half?
Werden auch jene Menschen, meist mit rechtsradikaler Einstellung „abgeschoben“, da auch sie unsere „innere Sicherheit“ gefährden? Auch einige von ihnen aus politischen oder religiösen Gründen oder mit „psychischen Problemen“?
Und wovon spricht das Grundgesetz? Sagt es etwa: „Die Würde von alten, weißen Männern“ ist unantastbar? Ich bin übrigens auch ein solcher, doch haben für mich ALLE Menschen „eine unantastbare Würde“ (Art 1 des Grundgesetzes und „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“ (Art 3 des Grundgesetzes)
Was können wir daraus lernen?
Das Verhalten eines Menschen ist nicht rein aus seiner Herkunft vorauszusagen, sondern von vielen Faktoren bedingt, von denen einige individueller und andere gesellschaftlicher Natur sind.
Unzweifelhaft ist Deutschland seit vielen Jahrzehnten ein „Einwanderungsland“ und die „Einwanderung“ hat stets unser aller Wohlstand ermöglicht, gefördert und erhalten
Sorry, aber Idioten gibt es mit jeder denkbaren Herkunft oder Religion ebenso wie Menschen, die sich um andere sorgen und ein/unser Gemeinwesen stützen und voranbringen
Mit welchem Recht meinen einige Menschen offensichtlich, sir hätten mehr Würde als Andere? Wieso sollten sie „wertvoller“ sein als Andere? Oder „richtiger“?
Und deshalb ist es einfach falsch, Menschen mit einem Herkunfts- oder Religionsmerkmal über einen Kamm zu scheren, und sich bei der Beurteilung eines Menschen diesen auf dieses Merkmal zu reduzieren.
Und warum würden nun Islamisten rechtspopulistisch wählen?
Weil diese die Gesellschaft ebenso spalten wollen wie jene!
Weil sie gewonnen haben, wenn der Ausspruch eines ehemaligen amerikanischen Präsidenten in den 00er Jahren in unserer und anderen Gesellschaften anerkannt würde: „Either you are with or against us!“ – und der konstruktive Dialog endgültig beerdigt wäre.
In einem viel diskutierten Buch hieß Mitte der 1990er Jahre auch der „Clash of Civilizations“.
Und was hätten wir dabei gewonnen?Außer der Zerstörung all jener Werte, die uns in den letzten 80 Jahren Frieden und Wohlstands gebracht haben? Dann erodierten nicht nur unsere humanitären Werte!
Also: Augen auf bei der Wahl – und das Hirn einschalten gegen Wut und Hetze
in Magdeburg wie überall – egal von welcher Seite er kommt!
Und wo er sein böses Werk verbricht – ob in den 1920er-1940er Jahren, in den späten 1980er und 990ern in u.a. in Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Solingen oder Mölln, an 9/11 in den USA oder seit der Jahrtausendwende in Hanau, Solingen, am Breitscheidplatz in Berlin oder nun in Magdeburg
Diskussionspause – Blick von der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte auf den Kellersee (Foto: StH, Juli 2025
Das Bildungsseminar „Deutschland, Europa und die Zukunft unserer Demokratie“ fand vom 7.-11.7.25 in der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte in Malente unter sehr kompetenter Leitung von Joachim Bussiek in einer Gruppe von 19 Teilnehmenden statt. Die Inhalte und Diskussionen hier weitergeben zu wollen, würde zu weit führen. Inhalte waren unter anderem die Krisen der letzten Dekaden als Polykrisen, die Demokratieentwicklung in Deutschland, ein Überblick über bundesdeutsche Institutionen sowie die Schutzmechanismen unserer Verfassung, der Einfluss sozialer Medien, sowie die EU und ihre Chancen und Herausforderungen. Ich und die anderen Teilnehmenden empfanden die Inhalte und Diskussionen in einer wirklich interessanten Seminargruppe als hilfreich und anregend. Ich kann die Teilnahme an diesem Seminar nur empfehlen.
Vielleicht kann man das Seminar zusammenfassen durch zwei (nicht völlig überraschenden) Grundaussagen:
Gemeinsam (in Europa!) sind wir und unsere Demokratie stark – es wäre gut, wenn wir alle uns dessen wieder bewusster würden und die Ergebnisse und Erkenntnisse der letzten 80 Jahre nicht aufs Spiel setzen würden. Andernfalls merken wir, was wir verloren haben, wenn wir es verloren haben. Aber das wäre dann ein echter und großer Verlust. Einige Angehörige der jüngeren Generationen mögen es nicht mehr kennen. Ich lebte einige Jahre in Aachen, also sehr nah an den Niederlanden und Belgien, und „durfte“ z.B. die Mühen eines innereuropäischen Grenzübertrittes vor Schengen oder des Bezahlens in einem anderen europäischen Land vor der €-Einführung, und sei es für Grenzgänger auch nur wenige km entfernt, noch kennenlernen 🙁 Dies und Weiteres halte zumindest ich neben Frieden zwischen sogenannten „Erbfeinden“ für echte europäische Errungenschaften. Wer guten Willens und ernsthaft nachdenkt, mag noch weitere Erfolge der EU identifizieren! Probleme bei der EU abzuladen und „Erfolge“ national zu reklamieren, ist allerdings kein neues Phänomen, sondern wurde schon vor 40 Jahren in den Mitgliedsstaaten gerne praktiziert.
Die Demokratie benötigt jeden von uns. Und der Einsatz Jeder und Jedes für unsere Demokratie und gegen alle Interessen geleiteten Missgünstigen im Innern und von Außen lohnt sich! Gleiches gilt m.E. für Europa!
Natürlich wurden diese beiden Erkenntnisse vorbereitet und in diversen Schritten durch mehrere Themen hergeleitet und intensiv in der Teilnehmendengruppe diskutiert.
Schauen wir uns das von ihr Gesagte an zwei Beispielen etwas genauer an:
Beispiel 1: Der („Nicht“)-Beitrag) zu unseren Sozialsystemen:
A. Weidel: „Wir hätten gar keine Schulden aufgenommen“ (ab etwa Min. 3.30). „Mit dem Haushalt, der ein Rekordhaushalt ist, können Sie alle Ausgaben decken und auch die Menschen (es ist extrem laut hier, und ich kann kaum Ihre Fragen verstehen – also lassen Sie mich das ausführen). Es geht hier, glaube ich, um die Frage der Gegenfinanzierung. – Es ist ganz einfach und zwar indem Sie die Ausgaben massiv senken. Sie haben einen Rekordhaushalt und das Problem ist, Sie entlasten die Steuerzahler, die Arbeitnehmer und die Arbeiter nicht. Wenn wir in der Regierung wären, dann würde ich genau das einhalten, was ich versprochen hätte, und zwar enorme Freibeträge für Erwachsene von 15.000 €, Familiensplitting und die gesamte Entlastung der Arbeitnehmer“
M. Preis: „In Höhe von 149 Milliarden?“-
A. Weidel: „Die können Sie auf der anderen Seite einsparen! Schauen Sie sich den Rekordhaushalt für Arbeit und Soziales an.
M. Preis: „Jetzt haben Sie im Wahlkampf“-
A. Weidel: „Ich würde gerne über Zahlen sprechen. Sie haben mich gerade nach der Zahl gefragt! „Wir haben einen Rekordhaushalt für Arbeit und Soziales. Lassen Sie uns einfach bei diesem Beispiel bleiben! 190 Milliarden, fast 200 Milliarden. So – und darin ist das Bürgergeld enthalten! Und das Bürgergeld kostet uns im Jahr rund 50 Milliarden. Es ist jetzt schon unterbudgetiert, 45 Milliarden. – Die Hälfte der Bürgergeldempfänger sind Ausländer! Die haben nie in dieses Sozialsystem eingezahlt. Und die andere Hälfte hat zu ¾ einen Doppelpass, die haben einen Migrationshintergrund. Das heißt, wir alimentieren, der Steuerzahler alimentiert Menschen. die nie in unsere Sozialsysteme, und nie in unser Gesundheitssystem und auch nie in unsere Rentenkasse eingezahlt haben. Das ist nicht mehr tragfähig!“ – „Wir kommen … (Chaos, da Preis versucht eine Frage zu stellen, sie „vordergründig: Bitte?“ fragt und dann weiterredet: „In dem Moment, wo Sie das nämlich einsparen, –
M. Preis: „Sie haben grade gesagt, die Hälfte der Menschen, die Bürgergeld beziehen, sind nicht deutsche Staatsbürger. Das ist richtig. Ob die andere Hälfte einen Doppelpass hat, kann ich jetzt nicht genau nachvollziehen.“
Einschub: (Hier gibt Herr Preis ihr halb recht, allerdings könnte man fragen: Wer sind diese Menschen? Wie viele Ukrainer, Kranke/Versehrte, Verrentete als „Aufstocker“, Kinder, Frauen mit kleinen Kindern ohne Betreuung? – Und immerhin 1/4 der Bürgergeldempfangenden sind laut Frau Weidel „ohne Doppelpass“)
M. Preis. Sie sagen, 149 Milliarden ließen sich einsparen. Sie haben gerade das Bürgergeld mit 50 Milliarden genannt, dann bleiben noch 100 Milliarden. Sie haben im Wahlkampf auch versprochen, dass das Rentenniveau auf 70 % steigen soll von heute 48 %, da sagen alle Experten, das kostet nochmals 100 bis 200 Milliarden – Werden Ihre Versprechen nur deshalb eingehalten, weil Sie sie nicht umsetzen müssen?“ –
A. Weidel: „Nein! Der Punkt ist einfach, die Zahlen sind falsch! Schauen Sie sich das Versprechen mit der Stromsteuer an. Ganz einfaches Gegenrechnungsbeispiel – ganz einfach! Die Stromsteuererleichterung bzw. die ersatzlose Abschaffung für uns alle, würde uns rund 5,4 Milliarden kosten. Das wird jetzt einfach nicht gemacht. Das heißt.“-
M. Preis: „Sie haben von 100 Milliarden …“
A. Weidel: „Herr Preis, Herr Preis. Nur ein Beispiel. Und das ist ja kumulativ. Ich wollte vorher auch mit dem Bürgergeld weitermachen. Da wollten Sie ja gleich die nächste Frage stellen. Dann bleiben wir jetzt einfach mal dabei: Stromsteuer – würde kosten – ich meine, das ist ja eine Steuer, das kostet ja gar nichts, sondern das ist etwas, was den Bürgern vorher weggenommen wird, was denen jetzt eigentlich wiedergegeben wird. 5,4 Milliarden, so – und dann geht unser Staat dahin, die Friedrich Merz-Regierung und schenkt der Ukraine 9 Milliarden an deutschem Steuergeld, und will jetzt für 5 Milliarden Patriot-Raketen für die Ukraine einkaufen?“
Einschub: (laut Faktencheck je 1 Milliarden für zwei Systeme, also 2 Milliarden, die auch für die Verteidigung der Meinungsfreiheit eingesetzt werden, die Frau Weidel im Interview nutzen darf – In Putins Russland dürfte sie es zumindest nicht, wenn sie nicht die offizielle Meinung des Regines verträte)
A. Weidel: „Das versteht niemand mehr! Für alles ist Geld da, nur für die eigenen Menschen nicht! Und das ist auch der Grund, warum Wir – als Alternative für Deutschland – immer mehr Zulauf bekommen, weil wir Politik für die Menschen in diesem Land machen, für die Arbeitnehmer, die diesen Staat nämlich finanzieren müssen.“
M. Preis: „Genau dazu möchte ich noch kommen, ich halte nur nochmals fest: das sind Beträge, die beträchtlich sind. Man kann darüber diskutieren. Ich sehe nur arithmetisch überhaupt nicht, wie Sie auf mehrere hundert Milliarde kommen (…)
An anderer Stelle betont Frau Weidel, sie sei Volkswirtin! Nun:
Was muss man als „Volkswirtin“ können oder verstehen?
abgesehen davon, dass in keiner Weise auch nur ansatzweise die Gegenfinanzierung von 100 Milliarden (für von der AFD versprochene Steuersenkungen, geschweige denn 200-300 Milliarden inkl. Rentenerhöhung) dargelegt wird. – „aber die Zahlen sind ja falsch!“, meintFrau Weidel.
Gut, muss man als Volkswirtin auch rechnen können?
Davon abgesehen, ist es sicher NICHT richtig, dass keiner der Ausländer im Bürgergeld (oder deren Familienangehörige) jemals Steuern und Sozialabgaben gezahlt haben. Ausländische Arbeitnehmer haben seit den 1950er Jahren in Deutschland sozialversicherungspflichtig gearbeitet. Und auch einige der Syrer und Ukrainer arbeiten auch heute sozialversicherungspflichtig – z.B. als syrische Ärzte, Gesundheitspersonal, indische und osteuropäische IT-Spezialisten, etc. Ins Bürgergeld kann man auch durch Krankheit, Arbeitsplatzverlust, , Schwangerschaft/Elternschaft, oder vielfältige andere Gründe geraten, auch Kinder und verrentete Menschen sind Bürgergeldempfangende! Die Bundesanstalt für Arbeit könnte vermutlich diese Behauptung von Frau Weidel mit konkreten Zahlen belegen! Und tut das im August 2025: 64 % der seit 2015 zugezogenen Schutzsuchenden üben laut Statistischen Bundesamt eine abhängig Beschäftigte, also lediglich ein wenig geringerer Anteil als die 70 % der Gesamtbevölkerung. Auch waren demnach nur 34 % der seit 2014 Schutzsuchenden von staatlicher Unterstützung wie Bürgergeld oder Grundsicherung abhängig. 2024 hatten 52 % der seit 2014 eingereisten Schutzsuchenden einen anerkannten Schutzstatus, waren also mitnichten „illegale“ Migrierende, wie auch viele in den diesbezüglich von der AFD „getriebenen“ Unionspolitikern (wie Jens Spahn oder Thorsten Frei) sie erneut hartnäckig zu nennen pflegen. 17,7 % dieser Menschen sind eingebürgert, besitzen also einen deutschen Pass, was sie jedoch für Frau Weidel offensichtlich nicht zu „Deutschen“ macht. Lediglich 2,9 % der zwischen 2014 und 2016 eingewanderten etwa 1.000.00o Menschen (aus Syrien, Afghanistan und dem Irak) waren im Asylverfahren abgelehnt worden. 2023 erhielten laut Statistischem Bundesamt lediglich 34 % der seit 2014 Schutzsuchenden staatliche Unterstützungsleistungen wie Bürgergeld oder Grundsicherung.
Diese am 31.8.25 in der ARD-Tagesschau ab 17.45 Uhr mit Verweis auf Statistiken des Statistischen Bundesamts und Nürnberger Instituts für der Bundesanstalt für Arbeits- und Berufsforschung (IAB) dargelegten Zahlen widerlegen eindrucksvoll Frau Weidels Behauptungen, was diese aber vermutlich nicht hindert wird, ihre falschen Behauptungen immer und immer wieder zu wiederholen.
Muss man als Volkswirtin wirklich derartige Zusammenhänge verstehen?
Und dann spricht sie gleich auch noch den (angeblich) ¾ mit Doppelstaatlichkeit pauschal ab, dass irgendjemand von diesen sozialversicherungspflichtig arbeitet oder auch als Arbeitgebender eben Arbeit gibt und durch seine Beschäftigten und Steuern zum Gemeinwesen beiträgt? Was ist mit all den Geschäften und Unternehmen z.B. von türkischstämmigen Menschen? Man muss vermutlich nur einmal durch Köln-Mühlheim oder Dortmund gehen, um die Unwahrheit dieser dreist zu nennenden Behauptung einzuschätzen. Oder bei der IHK oder Kommunal- und Finanzbehörden mal nachfragen! Ich persönlich kenne mindestens 2 Doppelstaatler, die „sozialabgebend“ arbeiten, einer als Unternehmer, der auch „rein Deutsche“ beschäftigt und einer seit fast 10 Jahren als Arbeitnehmer. Und wenn ich noch etwas nachdenke, oder mich umschaue, fallen mir noch viele mehr auf und ein! Das ist sicher nicht repräsentativ, aber die Behauptung von Frau Weidel mit absoluter Sicherheit FALSCH! Unter anderem zahlen ALLE der 64 % der oben genannten und nach 2014 als Schutzsuchende nach Deutschland gekommenen Menschen, die 2023 eine abhängige Beschäftigung ausübten wie jede/r Arbeitnehmende in die Sozialkassen ein! Einige der o.e. 17,7 % der Menschen, die eingebürgert wurden, besitzen vermutlich neben der deutschen auch noch z.B. die syrische Staatsangehörigkeit, sind also Teil der von Frau Weidel gemeinten Menschen mit Doppelstaatlichkeit. Dies widerlegt ihre oben zitierten Aussagen erneut, und beweist, dass sie lügt – vermutlich nicht einmal unwissentlich, doch könnte sie sich andernfalls ja eines besseren belehren lassen und derartige Aussagen künftig unterlassen. Leider ist zu bezweifeln, dass sie das tun wird.
Muss man als „Volksvertreterin“ solche unser aller Sozialsystem und Steuersystem betreffenden Aspekte wirklich berücksichtigen?
Fragen sollte/könnte man z.B.:
Wie viele Doppelpasshaltende (und oder) „reine“ Ausländer sozialversicherungspflichtig arbeiten in Deutschland?
wie viele Arbeitsplätze sie „geben“ sie anderen („sozialversichrerungspflichtigen Arbeitnehmenden?
wie viele Steuern zahlen sie? und:
was würde passieren, wenn all diese Menschen plötzlich nicht mehr in Deutschland wären, was würde das also konkret für unser aller Leben, unseren Wohlstand und z.B. unsere Gesundheit bedeuten würd? Diese Fragen mögen kompetentere Stellen als ich eruieren und mit Zahlen und Fakten belegen!
Doch vielleicht lebt die „Volksvertreterin“ in einer alternativen Wirklichkeit?
Aber kommen wir zu einem anderen Beispiel:
2. Beispiel: Die „transparente Ehrlichkeit“ und die Bezüge als Fraktionsvorsitzende
M. Preis: „(…) Aber ich möchte bleiben beim Thema Ehrlichkeit. Sie haben vorher auch gesagt: „Authentizität ist wichtig. – Ihre Partei kritisiert häufig, dass sich Andere, auf Kosten der Bürger, ich sag mal „die Taschen voll machen“. Ihr Fraktionskollege, Stefan Brandner, hat am 5. Juni gesagt: es kann nicht sein, dass die normalen Menschen in normalen Beschäftigungsverhältnissen um ihre Lohnerhöhung kämpfen müssen, während Abgeordnete ihr Erhöhungen einfach durchwinken können.“ –
a. Weidel: „Ich kann Sie kaum verstehen. Nochmal: „welcher Abgeordnete?“ –
M. Preis wiederholt die Frage und fährt fort: „ kurz darauf haben Sie, auch für sich, die Zulagen deutlich erhöht. Sie haben die Zulagen verdoppelt. Sie bekommen jetzt 24.000 € im Monat. Ist das „ehrlich“, wenn man da die andere Aussage dagegen sieht?„
A. Weidel: „Absolut! Und ich werde Ihnen auch sagen, warum. Wir sind die einzige Fraktion, die damit transparent ist, ganz transparent und offen damit umgeht. Das, was wir getan haben, ist, dass wir nach fast 8 Jahren das Gehalt der Vorstände, und auch der Vorsitzenden, auf das übliche Niveau der anderen Fraktionen und Parteien angehoben haben. Und da der Sprung so groß war, wir haben uns z.B. in den ersten Jahren gar nichts ausgezahlt, ich arbeite auch ehrenamtlich als Parteivorsitzende.“ –
M. Preis: „Wie kommen 24.000 beim Durchschnittsverdiener an?“ –
A. Weidel: „Genau! Kommt dieser Schritt natürlich auch sehr groß vor, aber das ist das, was üblicherweise gezahlt wird. Und wir als AFD, wir waren jahrelang darunter. Wir haben jetzt, mit der Verdoppelung der Wahlergebnisse und damit auch deutlich mehr Verantwortung, uns gedacht, dass wir das anheben müssen.
Markus Preis: „Also kann man sagen: Leistung muss sich auch wieder lohnen. Danke, Frau Weidel, bis hierher. Wir sprechen gleich weiter. Die größte Oppositionspartei hat jetzt natürlich auch ein klares Ziel: das Kanzleramt. (…)
(Welche Fraktionszulagen gewähren die Parteien im aktuellen Bundestag (2025))…zahlen sich AFD und FDP als Fraktionsvorsitzende aktuell die höchsten Fraktionszulagen aus, deutlich mehr als andere Fraktionsvorsitzende, Grüne (Stand Juli 25) und Linke gewähren 50 % der Fraktionszulage an ihre Fraktionsvorsitzenden, was deutlich unter AfD und FDP liegt, Zu exakten Zulagen für Fraktionsvorsitzende macht weder die SPD – noch die Union öffentlich detaillierte Angaben“
Apropos „Ehrlichkeit“
Sofern man diesen Angaben trauen kann, liegt die AFD zusammen mit der FDP (?) an der Spitze, und zumindest kann hinterfragt werden, ob das „üblicherweise ausgezahlt wird“, wie Frau Weidel behauptet. Und offensichtlich scheinen zumindest auch Grüne und Linke „transparent“, so dass die AFD mitnichten „die einzige Partei ist, die das transparent macht“, wie Frau Weidel behauptet.
Eine Alternative zum Verbotsverfahren: transparente Offenlegung durch alle Parteien?
Vermutlich ließen sich die Zahlen auch recherchieren! Und wäre es nicht ein Schritt zur „inhaltlichen Auseinandersetzung mit dieser Partei, dass alle Parteien (inkl. der Union und der SPD) die Bezüge Ihrer Fraktionsvorsitzenden nachvollziehbar offenlegen? Wäre das eine Alternative zum Verbotsverfahren?
Inhaltlich: Frau Weidel benutzt ziemlich skrupellos und dreist Halbwahrheiten und Falschaussagen, denen in einem derartigen Gespräch auch von einem erfahrenen Journalisten trotz bestem Bemühens und vermutlich professioneller Vorbereitung kaum beizukommen ist. Aber das Phrasendreschen von scheinbar einleuchtenden und einfachen „Lösungsaussagen“ verfängt leicht bei (besonders ohnehin zweifelnden Zuhörenden. Und das ist ganz sicher auch ihre Absicht. Und dann versucht sie noch, ein „Wir“ (gegen die) aufzustellen. Das ist populistisch und verführerisch, aber leider offensichtlich erfolgreich. Wer will sich schon langwierig und intensiv mit „steilen Thesen“ auseinandersetzen? Und wie soll ein Journalist oder eine Journalistin das in einem Setting wie dem Gestrigen tun? Und da hat sie die Chance des lärmenden Protestes, so verständlich dieser auch erscheinen mag, recht geschickt für sich („Ich verstehe Sie kaum!“ und als „Opfer“, die ja „Wahrheiten nicht aussprechen kann, ohne als rechtsextrem bezeichnet zu werden“ nicht aussprechen darf! Die Form des Protestes kann man durchaus als phatansievoll und innovativ betrachten und der Canon hat ja etwas „ohreurmiges“, nur war die Aktion wohl letztlich und leider kontraproduktiv. Am 21.7. (einen Tag später) tadelt die AfD die ARD und „verlangt“ eine Wiederholung des Interviews – um noch mehr Aufmerksamkeit für ihre dumben Thesen zu gewinnen (!?!) Zumindest wurden bislang eher die Form denn die kruden Inhalte diskutiert. Letztere haben dennoch vermutlich die Empfangenden erreicht, die Alice Weidel adressieren wollte. Und die sagen vermutlich nur noch mehr: Seht Ihr? Die AFD ist Opfer und darf noch nicht einmal die „Wahrheit“ aussprechen …
Ja, man muss die AfD stellen, aber in derartigen Formaten hat man dazu wohl kaum eine Chance, die ja spontan sein muss! Und Markus Preis sagte an einer Stelle so etwas wie „Frau Weidel verstehe ja gerne mal etwas nicht“, was sie nachfragend sofort aufgriff.
Und die anderen Parteien begegnen de kruden Thesen nicht dadurch effektiv, dass sie die Thesen (und Themen) aufgreifen, sondern sie stärken sie dadurch nur noch mehr. Wie weit hat sich der Diskurs und das „Sagbare“ in den letzten 10, nein letztlich bereits 30-40 Jahren bereits verschoben! Und die Forderungen „interessierter Kreise“ werden dadurch nur immer extremer. Es ist so einfach, Gruppen von Menschen zu Sündenböcken zu stempeln, die (quasi“ allmächtig) für ALLE Probleme (sei es Wohnungsmangel, Arbeitslosigkeit, Inflation, Kriminalität oder vermutlich auch „eigene Eheprobleme“ (?) verantwortlich zu machen. Dann braucht man sich mit den tatsächlichen Ursachen ja nicht ernsthaft zu kümmern, sondern:
Mit „we first“ – wer auch immer das gerade und konkret sein mag – wird ALLES Gut!!!“ Dann ist die Welt wieder so schön und heil wie früher! Wann war das nochmal? – Vor der Globalisierung? – Oder vielleicht nach dem Krieg von 1870/71, – oder vielleicht vor der Industrialisierung? – Oder „damals im Paradies“?
Schöne neue/alte Welt! Und prima, wenn Andere alle Probleme für mich lösen, oder zumindest dieses behaupten – und ich nicht weiter nachdenken oder mich selbst kümmern muss! In Abwandlung von Ina Deter könnte man eventuell feststellen: „Neue Ideen braucht das Land!“ – Und die sind (auch sicher) nicht ein Nieder–Brüllen oder mit Lärm stören und dadurch die „Opferrolle“ von Frau Weidel und den ihren nur noch zu stärken!
Aber vielleicht wäre eine Möglichkeit ein Beantwortung der oben (exemplarisch) dargestellten „kruden Thesen“ mit Daten und Fakten. Klar: das Darstellen von (oft vielschichtigen und komplexen) Zusammenhängen ist aufwändiger für den „Sendenden“ und anstrengender für den „Enpfängenden“ als simplifizierrende Darstellungen von (scheinbar) einfachen Lösungen.
Die „Empfangenden“ müssen selbst denken statt Ihr Gehirn im Alltag und eventuell an der Wahlurne abzugeben!
Einfache Lösungen sind „bequemer“ .- aber recht zuverlässig NICHT „besser“!
Ist uns unsere Demokratie nicht einmal ein Nachdenken und die Übernahme von Verantwortung für unser Denken und Handeln wert?
Falls nicht: Sind wir uns bewusst, was wir zu verlieren haben? An Lebensqualität? an Wohlstand? an Freiheit und Frieden?
Foto: StH(1982) – manches scheint alter Kaffee, in dessen Satz es zu lesen gilt?
Europa heute mit seinen Herausforderungen
Europa ist gerade wieder in vieler Munde, sei es im Zusammenhang mit Trumps versuchtem Zolldiktat oder Putins versuchtem Diktat zu einer ihm genehmen Ordnung in der sich wehrenden Ukraine. Oder auch als „Festung“ gegen Menschen, die in Europa Schutz, oder auch Arbeits- und Entwicklungsmöglichkeiten suchen, um zu ihrem eigenen wie auch unsere aller Wohlstand beizutragen.
Wo steht Europa? Wie verhält es sich gegen solch äußeren oder auch manchen inneren Druck? Agiert es geeint oder basierend auf Individualinteressen? Wo kommt das derzeitige Europa her? Auf welchen Erfahrungen und Erkenntnissen fußt es? Was ist es uns wert?
Die einen meinen, es müsse mehr Europa geben, die Anderen wollen Europa beschneiden und wieder mehr „national“ oder „einzelstaatlich“ denken und handeln. Aber ist nicht gerade in der Auseinandersetzung mit Trump oder Putin ein geeintes Europa, das mit einer Stimme spricht, „schlag-„fertiger, stärker, einflussreicher und resilienter?
Und doch scheint dies im Europa der 27, dessen Entscheidungen in vielen zentralen Politikfeldern und Fragen auf dem Einstimmigkeitsprinzip basiert, die Entscheidungsfindung fürchterlich langwierig und anstrengend Es ist keineswegs immer Orban, der querschießt. Auch das „German Vote“ erschwert europäisches Handeln dort, wo z.B. Interessen der deutschen Autoindustrie „zu verteidigen“ sind. Oder Irland, wenn es um niedrige Unternehmenssteuern oder die Interessen der (meist nicht europäischen) „Techgiganten“ geht. Also jeder Mitgliedstaat betrachte auch seine eigene Nase und vergesse das Kehren im eigenen Eingangsbereich nicht!
Timothy Garton Ash zu Europa
Vor ein paar Wochen stieß ich durch einen Freund auf das Buch „Europa“ des britischen Historikers und Publizisten Timothy Garton Ash, aus dem ich einige mir bemerkens- und bedenkenswerte Gedanken hier zitieren möchte:
Timothy Garton Ash entwickelt seine Gedanken um die Frage von Einheit und Vielfalt vom geschichtlich wiederholt genutzten Konstrukt von Rom aus, ob das alte römische Reich, das Papsttum, das „heilige römische Reich deutscher Nation“ oder auch die „römischen Verträge“, die in der heutigen Europäischen Union eine wichtige Rolle spielen
Er schreibt: “ (…) Konrad Adenauer, der Gründungskanzler der Bundesrepublik Deutschland, bemerkte ein wenig vorsichtiger: „So ist uns das große, gemeinsame Erbe, für das Rom immerwährendes Zeugnis ablegt, zugleich Mahnung und Hoffnung.“ – Als ich in den späten 1960er Jahren zum ersten Mal den Kontinent bereiste, war die Europäische Gemeinschaft noch weitgehend mit dem Reich Karl des Großen um 800 identisch. Erst 1973, mit dem Beitritt Großbritanniens, Irlands und Dänemarks zu diesem 6. oder 7. Rom begannen die nicht-karolingischen Barbaren Karls Garten beizutreten. Aber auch wir Barbaren haben auf unsere ganz eigene Art und Weise auf Rom zurückgeblickt und es nachgeahmt. Die römische Frage ist bis heute das große politische Rätsel Europas. Es ist das Rätsel von Einheit und Vielfalt. Jede Generation fragt sich, wie Europa am besten funktioniert. Einige sagen: mehr Einheit, mehr Rom – das ist der Tenor von tausend Brüsseler Reden. Nein!, erwidern Andere: Mehr Vielfalt, weniger Rom! Nicht die Nachahmung Roms, so argumentieren sie, sondern das, was der Historiker, Walter Scheidel, die Flucht aus Rom nennt, habe unserem Kontinent seine Dynamik verliehen. In Erweiterung einer alten These, wonach Europas Vielfalt der historische Schlüssel zur Erklärung seines beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwungs ist, argumentiert Scheidel, dass es der poströmische Polyzentrismus war, der Europa im Gegensatz zu zentralisierten Einheit der asiatischen Reiche zum Geburtsort der Moderne machte. Ohne Polyzentrismus keine Moderne. Er wirft jedoch die Frage auf, ob das auch der Fall gewesen wäre, wenn es Rom gar nicht erst gegeben hätte. Ein Rom, von dem man fliehen, von dem man aber auch träumen konnte.
Einheit und Vielfalt sind Europas Yin und Yang, seine These und Antithese, die stetig auf der Suche nach ihrer schwer fassbaren Synthese sind.
Drängt man zu sehr auf Einheit, beginnt die erzwungene Union zu zerfallen. Drängt man zu sehr auf Vielfalt, bekämpfen sich die Europäer am Ende gegenseitig. Irgendwann marschiert dann jemand ein, um das innere Chaos zu beseitigen, wie Fortinbras am Ende von Hamlet – der Fortinbras von morgen könnte ein Chinese sein. Das „heilige, römische Reich“ hielt sich gerade deshalb so lange, weil es eine tiefe, einigende Mystik mit dem kombinierte, was der Historiker, Peter Wilson, einen Rahmen nennt, der lokale und besondere Freiheiten bewahrt und Vielfalt, Autonomie und Unterschiede respektiert. Bei der Aushandlung dieser Unterschiede, so Wilson weiter, hing der Erfolg in der Regel von Kompromissen und Schummeleien ab. Obwohl das Imperium nach Außen Einheit und Harmonie betont, funktionierte es in Wirklichkeit, indem es Meinungsverschiedenheiten und Verstimmungen als ständige Elemente seiner Innenpolitik akzeptierte. Wenn das vertraut klingt, sehe ich das als ein Zeichen der Hoffnung, nicht der Verzweiflung für die Zukunft der heutigen europäischen Union.“
Wie kam es eigentlich zur Europäischen Union?
Timothy Garton Ash ist bekanntlich Brite und somit heute kein EU-Bürger mehr. Aber er bereiste Europa viel und intensiv und das auch in Zeiten des Umbruchs und danach in dessen Osten. Und so führt er aus:
„Bronis?aw Geremek glaubte mit jeder Faser seines Seins an das Projekt, ein besseres Europa aufzubauen. Geremeks Geschichte ist einzigartig, aber die Grundform seines Europäertums ist typisch für mehrere Generationen von Baumeistern Europas, die unseren Kontingent zu dem gemacht haben, was er zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist.
Wenn man sich anschaut, welche Argumente für die europäische Integration in den verschiedenen Ländern von den 1940ern bis zu den 1990er Jahren vorgebracht wurden, scheint jede nationale Geschichte auf den ersten Blick sehr unterschiedlich zu sein. Aber wenn man ein wenig tiefer gräbt, findet man immer denselben Grundgedanken: „Wir waren an einem schlimmen Ort, wir wollen an einem besseren Ort sein. Und dieser bessere Ort heißt Europa.
Die Alpträume, aus denen die europäischen Nationen zu erwachen versuchten, waren vielfältig und unterschiedlich.Für Deutschland war es die Scham und Schande des verbrecherischen Regimes, das Bronings Vater ermordet hatte. Für Frankreich war die Demütigung von N iederlage und Besatzung. Für Großbritannien der wirtschaftliche und politische Niedergang. Für Spanien eine faschistische Diktatur und für Polen eine kommunistische Diktatur. Europa mangelt es nicht an Alpträumen, aber für die Menschen in all diesen Ländern war die Grundform des pro-europäischen Arguments die gleiche. Diese Form war ein langgezogenes, überschwängliches Häkchen: ein steiler Abstieg, eine Kehrtwende und dann eine aufsteigende Linie, die in eine bessere Zukunft führte. – eine Zukunft namens Europa.
Zu den Gründungsvätern der Europäischen Union gehörten Menschen, die man die „14er“ nennen könnten, die sich noch lebhaft an die Schrecken des 1. Weltkriegs erinnerten. Einer dieser 14er war der britische Premierminister Harold Mc Millan, der mit brechender Stimme von der verlorenen Generation seiner Zeitgenossen sprach.
Nach ihnen kamen 39er wie Geremek, unauslöschlich geprägt von den Traumata von Krieg, Gulak, Besatzung und Holocaust. Das gilt genauso auch für die französische Politikerin Simone Veil, die Ausschwitz und Bergen-Belsen überlebte.
Und dann waren da noch die 68er, die sich gegen die kriegsgeschädigte Generation ihrer Eltern auflehnte, von denen einige aber auch die Diktaturen in Süd- und Osteuropa aus erster Hand kannten. Jede Generation hatte ihren langen Schweif.
Die Nach-39er, wie Helmut Kohl z.B., der zu jung war, um im 2. Weltkrieg zu kämpfen, aber dennoch von ihm geprägt war. Und die Nach-68er wie mich.
Nach den 68ern kamen die 89er, die in ihren späten Jugendjahren oder Anfang 20 waren, als sie die samtenen Revolutionen von 1989, die den Kommunismus in Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei beendeten, den Fall der Berliner Mauer und die anschließende Auflösung der Sowjetunion erlebten,
Wir müssen uns natürlich davor hüten, die Nachkriegsgeschichte Europas in ein Märchen zu verwandeln, in dem weise, tugendhafte Helden aus ihren Erfahrungen in der Hölle lernen, und daraus dann den Himmel schaffen. Die wahre Geschichte ist voll von Staaten, die ihre nationalen Interessen verfolgen, von verfallenden Imperien, hinterhältigen Machtspielen mit harten Bandagen kämpfendem Wirtschaftslobbyismus, diplomatischen Kompromissen, persönlichen Ambitionen und nicht zuletzt dem historischen Glück, Fortuna, das laut Machiavelli die halbe Erklärung für die meisten politischen Ereignisse ausmacht. Doch irgendwo dazwischen war, über vier Generationen hinweg, der Erinnerungsmotor am arbeiten, in den Köpfen und Herzen der führenden Politikern, aber auch in jenen von Millionen Europäern. Und so waren wir hoffnungsvoll unterwegs in Richtung dieser besseren Zukunft, die sich Europa nennt.
Die Probleme beginnen, sobald man im gelobten Land angekommen ist. Im zweiten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts hatten wir zum ersten Mal eine Generation von Europäern, die nichts anderes kannte als ein friedliches, freies Europa, das hauptsächlich aus liberalen Demokratien bestand. Kein Wunder, dass ihnen das selbstverständlich erschien. Diejenigen, die im ehemaligen Jugoslawien, oder in Ländern wie der Ukraine, Weißrussland und Russland aufgewachsen sind, bildeten wichtige Ausnahmen.
Diese neue Generation könnte man die Nach-89er nennen, oder, um einen anschaulichen Begriff aus der Zeit nach der Apartheit in Südafrika zu verwenden, die Born frees, die in Freiheit Geborenen.
Erinnerungen an Dinge, die man persönlich gesehen und gehört, genossen oder ertragen hat, sind eine unvergleichlich starke Motivationskraft. Aber die unmittelbare, persönliche Erinnerung ist nicht die einzige Art und Weise, wie das wissen über vergangene Dinge weitergegeben werden kann.
So war beispielsweise der D-Day ein wichtiger Moment für mich, obwohl er elf Jahre vor meiner Geburt stattfand. Eine einzige, persönliche Begegnung mit einem Veteranen oder Überlebenden, kann das ganze Leben verändern. Und dann ist da noch die Arbeit von Historikern, Romanautoren, Journalisten und Filmemachern, die versuchen, die Toten um der Lebenden willen lebendig zu machen.
Der Ausschwitz-Überlebende, Elie Wiesel, nannte diesen Prozess „Erinnerungstransfusion“. Die größte Chance der Zivilisation besteht darin, dass wir aus der Vergangenheit lernen können, ohne sie selbst noch einmal durchleben zu müssen.“
noch verfügbare Erinnerung
Ja: ich weiß noch, wie es im Europa vor Schengen war, meine Eltern haben noch Krieg und Zerstörung am eigenen Leib erlebt – mit unseren „Erbfeinden“. Wer im Geschichtsunterricht nur ein wenig aufgepasst hat, kann ein vereinigtes und in friedlicher Nachbarschaft lebendes Europa wirklich schätzen, in den letzten Jahrhunderten war dies eher die Ausnahme als die Regel! Meinen Kindern, Kindeskindern – und letztlich uns allen wünsche ich, dass wir lernen, ohne die früheren Schrecken selbst nochmals durchleben zu müssen – Sie und wir alle werden genug mit den jetzigen und vermutlich künftigen, uns teilweise – und zum Glück – noch unbekannten Schrecken zu tun haben.
Wissen wir eigentlich auch heute noch, was wir leichtfertig aufs Spiel stellen, oder gar wegwerfen, wenn wir (rechts-)populistisch wählen?
Einfache Lösungen und ihre Konsequenzen
Die einfachen „Lösungen“ scheinen auf dem Vormarsch. Politiker und Parteien, die solche versprechen eilen von Wahlsieg zu Wahlsieg. Sie scheinen immer mächtiger und einflussreicher zu werden – ob in Amerika oder Europa.
Und tatsächlich erscheint die Welt unerträglich kompliziert. Pluralismus des Denkens und Lebens erscheint anstrengend. Einfache Lösungen hingegen erscheinen attraktiv. Wie schön wäre es, in einer übersichtlichen Welt zu leben, wo alle so sind und denken wie ich?
Meinem Geschlecht, meiner Religion, meiner politischen Einstellung angehören?
Meine Einstellungen und Ansichten teilen. Keine anstrengenden Meinungsverschiedenheiten oder gar Streitigkeiten?
100 % für die von mir favorisierte Partei?
Derartige „Führersysteme“, in denen mir eine starke Persönlichkeit die Qual des eigenständigen Denkens, die Verantwortung und somit die Last der Entscheidung abnimmt, gab es in vielen Zeitaltern und Weltregionen.
In einigen Ländern gibt es diese noch immer.
Und in offensichtlich immer mehr Ländern sehnen sich scheinbar immer mehr Menschen danach.
Wäre das Leben in einem derartigen Staat tatsächlich einfach? Vielleicht! Aber auch schön oder interessant?
Mit wem sollte ich diskutieren? An wessen Meinung mich reiben? An wessen Argumenten wachsen? Über wessen Kultur staunen?
Meinungsfreiheit? Presse- und Versammlungsfreiheit: Wollen Orban, Milley, Trump oder Putin eher nicht – zumindest nicht für die anderen!
Pluralismus? Besser nicht!
Offenheit für das Fremde? Gott bewahre! Viel zu anstrengend! Zu kompliziert!
Deutsche Leitkultur will ich! Was auch immer das genau sein soll! Da ich nicht genau weiß, was es sein könnte, sollen andere (starke Personen) das lieber für mich entscheiden!
Denken wir das mal zu Ende:
Alle sehen aus wie ich.
Alle denken und glauben dasselbe wie ich.
Alle wollen und wählen das Identische wie ich
In jener Welt habe ich stets den Eindruck, in einer Welt von Millionen Spiegeln rumzulaufen – überall begegne ich nur mir selbst!
Alles bleibt, wie es ist, das Leben ist leicht, geordnet und alle Probleme lösen Andere für mich. Eigentlich gibt es ja überhaupt keine Probleme.
ALLES ist klar, eindeutig und von Anderen für mich entschieden und gelöst. Die „perfekte Gleichheit“, die „grenzenlose Freiheit“ von Belastungen und Kompliziertheit/Komplexität.
Das Paradies völlig ohne Problem oder Herausforderung? Oder eher die Hölle der gleichförmigen Langeweile?
Will ich in einer derartigen Welt leben? Möchtest Du es?
Und Europa? Oh mein Gott! Die Brexitiers meinten, ohne Europa ginge es uns (Briten) besser – ging offensichtlich nicht ganz auf. Vielleicht nicht radikal genug umgesetzt? Schon stürmt einer, der sich zunächst nach dem Brexit zunächst einen schlanken Fuß machte, die Hitlisten der Wahlprognosen: Nigel Farage.
Auch in anderen europäischen Ländern, ob in den Niederlanden, Italien, oder möglicherweise demnächst Spanien, Portugal, Frankreich und selbst Deutschland, wird von einigem Parteien vom „Europa der Nationen“, von „weniger Europa und mehr nationaler Souveränität geschwafelt, und zunehmend vielen Wählenden scheint dies zu gefallen.
Wissen die, was sie wegwerfen? Warum wählen so viele junge Menschen national bzw. nationalistisch rechts? Geben Timothy G. Ashs oben zitierte Gedanken auch einen Teil der Antwort?
Nun ist bekannt, dass jede Generation wie jeder Mensch seine/ihre eigenen Erfahrungen machen muss, selbst wenn sie schmerzhaft werden.
Aber ist es nicht auch legitim, zur möglichen Schmerzvermeidung auf Gedanken wie die von Timothy G. Ash hinzuweisen?
Ist das „altklug“ oder gar „altersstarrsinnig“? Oder beinhaltet es auch ein wenig „Altersweisheit“ und eine Portion „gesunden Menschenverstandes“?
Es heißt: Geschichte wiederholt sich nicht! Das bleibt sicherlich zu hoffen!
Wie bei Vielem wissen wir, WAS wir verloren haben, wenn es nicht mehr existiert – doch dann ist es oft zu spät! Deshalb sollten wir vor dem „Zerstören“ überlegen und fühlen, was wir an unserer Demokratie haben und (hoffentlich) schätzen, und ob (hoffentlich „dass“) uns diese Aspekte wertvoll und wichtig sind.
„Interessierte Kreise“ behaupten oft, sie dürften diese (oder jene) Meinung nicht äußern. Doch dürfen sie in der derzeitigen bundesrepublikanischen (wie auch europäischen) Realität zumindest diese Meinung (dass sie etwas nicht äußern dürfen) behaupten , während dies in der Zeit von 1933 -1945 i n ganz Deutschland, nach 1945 wohl tendenziell in der DDR und in Trumps wie Putins Machtbereich auch heute höchsten mit größeren Einschränkungen und eventuell unter erheblichen, persönlichen Opfern von Repression über Verhaftung bis hin zur Versehrtheit von Leib und Leben möglich ist – etwa bezüglich des offiziell vertretenen Geschichtsbildes, der Benennung von „Krieg“ und „Diskriminierung“ oder anderen Aspekten der Meinungsäußerung.
Mir zumindest sind solche Errungenschaften westlich, offener Gesellschaften und ihrer Gesellschaftsordnung vom Grundgesetzt bis hin zur Rechtsstaatlichkeit wichtig und erhaltens- sowie verteidigungswert!
Deshalb:
Vielfalt statt Einfalt
Feinbild statt Feindbild
Menschenrecht statt rechte Menschen verteidigen
Mitbürger statt Wutbürger
Demokratie fördern statt Autokratie fordern
Überlegung statt Überlegenheitsgefühl
Nachdenken statt Nachtreten
Toleranz statt Ignoranz
Arsch huh und Zäng ussenander!
Beteiligen statt beleidigen
Menschenwürde statt Menschen herabwürdigen und abwerten
Augenhöhe statt „Supremacy“
We together statt „Me first“
Auch wenn menschlich verständlich, zur Lebensbewältigung einfacher und zum Erhalt des eigenen Selbstwertes hilfreich, so verstehe ich nicht, wie ein Mensch sich aufgrund von Rasse, Religion, Herkunft oder Geschlecht als „wertvoller“ empfinden kann als ein anderer Mensch.
Die Herkunft eines Menschen ist wohl weit mehr Zufall (und ggf. „Glück“ als „eigener Verdienst“!!
Vielfalt kann bereichern, weil sie aus dem „Gefängnis“ eigener Ansichten und Horizonte befreien kann, sofern sie auf der Basis von Menschenwürde und Wertschätzung basiert statt auf „meine interssen zuerst!
Ein Blick in die Geschichte zeigt die zerstörerische Wirkung von Egozentrik und rassistischen Überlegenheitsgefühlen.