eingestellt im Juni/Juli 2026 – alle Fotos von Ingrid Ficht-Masel (IFM)und Stefan Hagelüken (StH)
Eine Vorbemerkung zur Farbgebung bei der Abschnitts-Hinterlegung zur leichteren Orientierung z.B. beim Scrolen:
- Blau hinterlegt: Kapitelüberschrift
- (Dunkel-)Gelb hinterlegt: Angaben zum Datum, zur Etappe und zu den an dem Tag gefahrenen km
- (blass-) gelb hinterlegt: Hintergrund Informationen zu Orten und Gegenden
- rosa hinterlegt: Tipps
Mitte der 1990er Jahre besuchte ich ARTEFACT bei Glücksburg zum ersten Mal und war sehr beeindruckt über die installierte Solaranlage, das Windrad (beides damals noch relativ ungewöhnlich) und die eigene Abwasserklärung in einem mit Schilf bewachsenen Teich auf dem Gelände. Auch waren die Gebäude des Tagungs- und Schulungszentrums in Lehmbauweise hergestellt, was ein sehr angenehmes Raumklima bedingte. Damals fanden bei ARTEFACT auch noch Ausbildungsgänge für Studierende aus dem globalen Süden statt – diese sehr erfolgreichen Studiengänge wurden mittlerweile an die Universität in Flensburg ausgelagert.
Gerade im Sommer 2026 ist das Raumklima von besonderer Bedeutung für viele Menschen, da wir bereits Mitte/Ende Juni, also so früh im Sommer wie noch nie, eine lange (18-tägige) Hitzeperiode mit Rekordtemperaturen für Deutschland von über 41 Grad Celsius erleben. Viele Menschen, besonders kranke und alte Menschen, aber auch Bewohnende von Dachwohnungen stöhnen über diese langanhaltende Hitze, die z.B. in Königswinter mehrere Nächte hintereinander auch nachts nicht unter 20 Grad fiel. Ventilatoren sind ausverkauft, Menschen und Tiere leiden, Experten betonen, dass die Wärmeperiode eindeutig durch den menschengemachten und längst unleugbaren Klimawandel zumindest stark verstärkt wird. Ausgelöst wird auch sie, wie die Fluten an Ahr und Erft im Juli 2021, durch längere stationäre Wetterlagen, 2021 mit Regenfällen, 2026 nun mit extremen Sonnenschein und Hitze.

Wenn es doch nur so einfach wäre, wie in einem bekannten Kinderlied: Einfach (kollektiv) das „Köpfchen in das Wasser“ (z.B. der „Pader“), und damit das „Schwänzchen (zur Kühlung?) in die Höh“.
Einig sind sich Experten auch, dass derartige Perioden in kommenden Jahren in Zahl und Ausmaß eher zunehmen werden. Städte und Kommunen sollten sich auch in der Stadtplanung und Bauweise anpassen, um ein Leben für die Bewohnenden noch erträglich zu machen: von mehr Grünflächen, Entsiegelung von Flächen, Wasserspendern und Kälteräumen ist die Rede – das deckt sich nicht unbedingt mit der Forderung von Autofahrenden nach mehr Parkplätzen und breiteten Straßen für immer größere Autos und dem unsäglichen Trend zu versiegelten, also pflegeleichten Vorgärten.
ARTEFACT hat übrigens schon lange nicht nur Lehmbauten sondern auch Dachbegrünung auf seinem Gelände angelegt

Dachbegrünung und Solarenergie auf einem Gebäude des ARTEFACT-Geländes –
In 2026 wurde in den Medien bereits am 10. Mai vermeldet, dass Deutschland bereits seine statistischen natürlichen Reserven für 2026 verbraucht habe. Solche Überlegungen, also das Bemühen, dass „kein Teil der Welt dauerhaft auf Kosten der anderen leben solle“, manifestiert sich im Leitbild von ARTEFACT.
ARTEFACT stellt auf seinem Gelände und im dazugehörigen „Klimapark“ mit vielerlei Beispielen und Installationen dar, wie dem immer früheren Erreichen des statistischen Reserveverbrauches begegnet werden kann.

Solargebäude und Lehmbau mit Kuppeldach bei ARTEFACT in Glücksburg
Auch informieren sie über verschiedene Bau- und Dämmstoffe und Bauweisen sowie unterschiedliche regenerative Energiegewinnungsoptionen. Der Klimapark ist mit seinen reichhaltigen und vielfältigen Informationen gerade vor dem Hintergrund unserer „Wetter-„Erfahrungen im Juni 2026 nur zu empfehlen. Keiner sollte sagen: „Wir haben es ja nicht gewusst“ oder „Ich kann ja ohnehin nichts tun!“ – Das Team von ARTEFACT zeigt seit nunmehr 40 Jahren, was geht und zeigt Besuchenden und u.a. Schulklassen, WIE es geht.

Schulkinder und ihre Betreuenden stärken sich beim Frühstück anlässlich des Besuchs des ARTEFACT-Klimaparks
Die Idee
Bei der Mitgliederversammlung des AT-Verbandes (Verband zur Förderung angepasster, sozial- und umweltverträglicher Technologien e.V.) im Dezember 25 wies der ARTEFACT-Geschäftsführer, Werner Kiwitt, darauf hin, dass ARTEFACT 40 Jahre in in 2026werde, und lud dazu ein, vorbeizukommen.
Ich antwortete ihm, das könne passieren, und plante mit meiner Partnerin einen Besuch im späten Frühling 26.
Die Planung
Unsere Räder wollten wir mitnehmen und erwogen zunächst diese in Nahverkehrszügen mitzunehmen, Doch dann recherchierten wir auf Komoot und suchten uns eine Tour entlang des Rheines bis Wesel, dann am Wesel-Dattel-Kanal bis Coesfeld und von dort an Bremen und Hamburg vorbei nach Schleswig-Holstein und bis zur dänischen Grenze heraus.
In 14 Tageetappen von je etwa 50 km sollten wir dorthin gelangen. Besser als Zug – und natürlich sieht und erlebt man viel mehr beim lamgsameren Reisen per Rad als im Auto oder Zug!
Vorbereitung
Das E-Bike meiner Partnerin unterzogen wir noch einer Inspektion, mein Dreirad hatte eine fehlende Speiche, so dass ich diese noch einziehen ließ. Als ich das Rad mit vollständigem Speichensatz (bei E-Motion https://emotion-ebikes.de/standorte/nrw/bonn ) abholen wollte, wurde ich mit einer „schlechten Nachricht“ empfangen: „Ihr Rahnen weist einen beginnenden Rahmenbruch auf!“ – „Aber wir wollten doch eine etwa 650 km lange Fahrradtour unternehmen!“ – “ Das würde ich tun – es sollte zuvor geschweißt werden. Aber wir dürfen das nicht.“ – „In einer Autowerkstatt“? – „Ja.“ – „Und wenn es geschweißt ist?“ – Dann können Sie wieder fahren!“
Also radelte ich die Firma Löffelholz in Königswinter an, wo ich bei Bedarf mein Auto reparieren lasse. Zunächst hieß es, sie könnten Termine erst wieder ab Mitte Mai vergeben. Wir wollten jedoch um den 16.5. losradeln. Schließlich wurde mir nach stöbern im Computer am 7.5. noch ein Slot eingeräumt. Also brachte ich meinen „Drahtesel“ – eher ein „Vollblut-Pferd , wenn auch nur mit 3 Beinen (Rädern); am 6.5. abends dort vorbei und konnte es tatsächlich am 7.5. geschweißt und die Naht wieder gestrichen, abholen.
Diese überaus sinnvolle Vorbereitung war also glücklich geschafft. Nicht auszudenken, der Rahmen wäre während der Fahrt knapp hinter dem Sattel gebrochen – das hätte erhebliche Verletzungen bedingen können.
Auch investierten wir in jeweils einen neuen Akku für das 7 Jahre alte Bike meiner Partnerin und mein gut 6-jähriges Gefährt – man gönnt sich ja sonst nichts, bzw. ein interkontinentales Flugticket wäre sicherlich teurer gewesen.
Und dann stellte ich am 11.5. fest, dass sich die Sohle meines Orthesenschuhes an der Innenseite des linken Schuhs ablöste. Also auch noch meinen Orthopädiemechaniker bei Sanitätshaus Hohn in Bonn angerufen, und einen Termin für den nächsten Tag ausgemacht, an dem er die Sohle des Schuhs fachmännisch klebte.

Die Sohle löst sich ab
Am „Vatertag“ verzichteten wir auf den Ausflug mit Bollerwagen und Bierkiste, sondern nutzten ihn zu Probepacken. Dass wir uns beim Gepäck beschränken müssten, war uns zuvor bereits klar.
Im Prinzip konnte es nun losgehen, doch war für Samstag einiges an Regen angesagt, Dass wir Regen kaum komplett vermeiden könnten, war uns bewusst, aber vielleicht doch erst am Sonntag losfahren?
Und da in diesem Mai und in den kommenden Tagen einiges an Regen oder zumindest „Regenneigung“ angesagt ist, kaufte ich mir am 15.5. noch eine Regenhose. Allerdings ist es trotz Reißverschluss an den Unterschenkeln nicht banal, die Hose über die Orthesenschuhe zu bekommen, wenn der Regen plötzlich einsetzen sollte, da sie nur schwer über die steifen und etwas klobigen Schuhe geht. Vermutlich ist es eher sinnvoll, entweder die Regenhose bereits morgens (und vor den Schuhen) anzuziehen, sollte die Wetter-App für die Tagesetappe eine höhere Regenwahrscheinlichkeit ansagen. Oder ggf. ein trockenes Plätzchen zu suchen, wo ich die Schuhe aus, dann die Regenhose an- und die Schuhe auch wieder anzuziehen. Auch wird das An- und Auskleiden sicher leichter fallen, wenn ich mich dabei hinsetzen kann. Wie ein gesunder Mensch, die Hose bei Bedarf mal kurz im Stehen überzustreifen, wird mir sicher kaum gelingen. Nun gut, auch hiermit werden wir Erfahrungen machen – und ich über diese später in diesem Beitrag berichten.
Jedenfalls ist einiges für mich als mit Halbseitenlähmung Reisenden zumindest „etwas anspruchsvoller“ als für einen Durchschnittsbürger. Aber das macht das Abenteuer letztlich umso spannender 🙂 –
Bleiben Se also dran, begleiten Sie uns, und erleben Sie derart Sanchos Abenteuer mit: jene, die mit Impressionen über Land und Leute, Tipps und ggf. Anregung und Ermutigung für andere Reisende mit Behinderung garniert sein werden …
Die Reise (17.5.26 ab Königswinter)
2026-05-17 (Tag 1)- 1. Etappe (Königswinter-Opladen) – 71 gefahrene km
Bereits die von Komoot vorgeschlagene Etappe änderten wir, da sie uns ziemlich mitten ins Industriegebiet in Köln-Porz geführt hätte. Wir entschieden uns, unsere erste Nacht in Leverkusen-Opladen zu buchen, und fanden dort im Hotel Villa am Fürstenfeldplatz 1 eine uns geeignet erscheinende Unterkunft. Wichtig war uns neben einem einigermaßen annehmbaren Preis insbesondere, die Räder sicher und trocken abstellen zu können.

Die Route der 1. Etappe – Screenshot

Foto: StH, 2026: gepackte Räder in der Hofeinfahrt unserer Wohnung)
Wir packen die Räder gegen 9.00 Uhr. Es ist morgens noch recht frisch und es ist auch Regen angesagt. Also starten wir mit Regenjacken- und Hosen, und meine Partnerin zieht noch in Königswinter ihre Mütze unter dem Helm an. Dies soll ihre Ohren und Stirn schützen, die bei Kälte empfindlich sind. Auch prüft sie die Verzurrung des Gepäcks.

Kurzer Halt, um die Mütze anzuziehen
Den ersten Teil der Etappe bis zum „Daisys“ in Köln-Zündorf kannten wir bereits von früheren Ausflügen entlang des Rheins. Die Strecke führt über knapp 35 km von Königswinter an Bonn- Beuel, Schwarzrheindorf, Bergheim, Mondorf, Niederkassel durch Lützel durch bis Zündorf. Man fährt überwiegend am Rhein entlang, kommt an Fachwerkhäusern und Feldern vorbei und über Dämme und entlang von Wäldern. Sie fährt sich recht gut und teilweise sieht man schöne Feld- und sonstige Blumen an den Hängen des Dammes, auf dem der Radweg meist recht gut ausgebaut, entlangführt.
Ein Radeln mit derart schwerem Gepäck ist gewöhnungsbedürftig, so dass meine Partnerin entsprechend vorsichtig fährt, um sich zunächst an das Fahrverhalten zu gewöhnen, aber es klappt recht gut.
In Zündorf ist heute ein Fest mit Buden und viel Publikumsverkehr, so dass wir über einige hundert Meter sehr vorsichtig fahren müssen (ich) bzw. das Rad schieben (meine Partnerin) müssen. Bei zweien der Kabelkanäle komme ich ins Stocken, doch ein freundlicher Besucher des Straßenfestes schiebt mich jeweils kurz an.
Seit wenigen Jahren habe ich eine Hake-Pedale, die neben dem Fußkorb für meinen linken Fuß auch über einen Fersengummi verfügt, so dass ich nicht, wie früher, bei Unebenheiten aus dem Korb abrutsche und mir den Unterschenkel an der Pedale stoße, was dann doch bei Wiederholung recht weh tat. Diese Hake-Pedale, die mir bei E-Motion von einem Mitarbeiter empfohlen worden war, ist eine wirkliche Verbesserung und bewährt sich immer wieder für meinen gelähmten Fuß. Der Fersengummi reißt irgendwann, doch habe ich als Meterware gekauft und wir wissen mittlerweile, wir wir diese an der Pedale mit Doppelknoten festbinden und die Knoten mit Gaffaband sichern. Ist zwar „gefrickelt“, aber hält recht gut.
Im Daisys machten wir eine erste Rast und stärken uns mit heißer Schokolade und ich einem Quarkbrot. Das Daisys ist ein wirklich nettes, kleines Café/Restaurant, das auch eine Terrasse hat, auf der wir heute einen Tisch finden, Bei gutem Ausflugswetter sollte man besser einen Tisch reservieren. Neben Kaffee, gutem und unterschiedlichem Tee gibt es auch leckeren Kuchen und kleinere Häppchen.

Das bepackte Rad meiner Partnerin am Daisys in Zündorf
Nach der Rast (und Stärkung) fahren wir weiter am Rhein entlang
Der Radweg hinter Zündorf ist recht gut und schön und hat auf seiner linken Seite teilweise eine Baumallee mit Fußgängerweg.

und sehen Dom und Deutzer Brücke von der scheel Sick aus

Kölner Dom und Deutzer Brücke vom Radweg in Köln-Deutz aus
Irgendwann hinter Porz stehen wir plötzlich an einer Treppe, jedoch können wir etwas zurückgefahren ohne Treppe auf die darüberliegende Straße gelangen.
Bei Köln-Mühlheim müssen wir erstmals einen Akku wechseln und machen dort eine kleine Rast.

Kurze Rast mit Akkutausch und ein paar Keksen zur Stärkung
Dann geht es weiter, weg vom Rhein und durch den Leverkusen-Chemiepark. Hinter Leverkusen verfahren wir uns ein wenig an einer Baustelle – bei Änderungen ist Komoot halt nicht aktuell, aber dann finden wir doch den Weg Richtung Opladen, der durch einen kleinen Wald führt und weiterhin recht schön ist.

Der Radweg durch den Wald bei Opladen Richtung „Wildgehege“
Nachdem uns Komoot auch am Markt in Opladen noch etwas verwirrt hat, kommen wir gut am Hotel Villa am Fürstenbergplatz 1 in Obladen an.

Hotel Villa (Fürstenbergplatz 1, Leverkusen-Opladen)
Opladen ist nach wechselnden Zugehörigkeiten seit dem 1. Januar 1975 ein Stadtteil von Leverkusen und hatte Ende 2023 knapp 26.000 Bewohnende. Sie liegt an den unteren Ausläufern des Bergischen Landes an der Wupper, die in der Nähe in den Rhein mündet. Die ältesten archäologischen Funde stammen aus der mittleren Steinzeit (8.000 – 3.000 v. Chr.). Erst um 600 n. Chr. wird eine erneute Besiedlung im Rahmen der fränkischen Landnahme vermutet. Nach der Reformation wechselte Opladen zunächst um 1600 n.Chr. ins Lutherische Lager, bevor es mit einem neuen Pfarrer wieder zur katholischen Kirche zurück wechselte.
Ende des 18. Jahrhunderts fiel Opladen nach der Rheinüberquerung der französischen Truppen unter französische Herrschaft, bevor der bayrische König Max Joseph im Jahre 1806 das Herzogtum Berg (mit Opladen) gegen die Marktgrafschaft Ansbach mit Napoleon tauschte, so dass 1810 auch der Code Napoleon als Rechtssystem eingeführt wurde.
Nach Napoleons Niederlage kam die Region nach dem Wiener Kongreß an Preußen und wurde 1822 Teil der Rheinprovinz.
Wir stehen etwas ratlos vor dem Eingang, wo wir offenbar einen Zugangscode benötigen, als jemand herauskommt, der wohl im Hotel arbeitet und uns die Telefonnummer seines Chefs geben kann, selbst aber schnell zum Bus muss.
Ich rufe den Chef an, und finde dann auch die Zugangsodes zu Haus und Zimmer. Der Chef erklärt uns, wo wir die Räder abstellen können – sie stehen in einem Raum mit einigem Krempel sicher und trocken – offensichtlich finden in der Villa, die ein recht schönes Gebäude ist, noch Renovierungsarbeiten statt.
Das Zimmer ist ok, wenn auch nur über Treppen erreichbar. Wir bringen unser Gepäck hoch und beenden die 1. Etappe nach etwa 70 km, teilweise durch Regen, aber auch über teilweise schöne Wege.
Für meinen Geschmack sind die Matratzen zu weich, aber das ist natürlich Geschmackssache, und wir schlafen trotzdem gut.
Wir schauen und noch an, wie wir morgen weiterfahren möchten und ich buche in Duisburg die nächste Unterkunft im „Hotel Restaurant zum Löwen“ in der Kremer Str. 21
2026-05-18 (Tag 2) – 2. Etappe: Opladen-Duisburg): 54 gefahrene km

Die Route des 2. Tages – Sceenshot
Wir erwachen recht früh, packen und fahren kurz nach 9.00 Uhr los.
Da erneut Regen angesagt ist und es zunächst auch tatsächlich regnet, ziehen wir die Regensachen wieder an.
Zunächst geht es im Nieselregen auf Radwegen entlang der Landstraße entlang aus Leverkusen-Opladen raus in Richtung Norden. Die Komoot-Ansagen sind bisweilen etwas gewöhnungsbedürftig, da sie jegliche Kurve z.B. an Kreuzungen mit „links“ bzw. „rechts“ ansagt – und dabei KEIN „tatsächliches Abbiegen“ meint.
Aus irgendeinem, mir nicht ersichtlichen Grund funktioniert die Google-Maps-APP-Ansage derzeit nicht über meine Bluetooth-Kopfhörer.

Die Ausfallstraße aus Leverkusen-Opladen gen Norden. Das Wetter ist „erfrischend“
Hin und wieder halten wir an und orientieren uns anhand der Weganzeigen der Apps. Bis auf eine Stelle finden wir den Weg allerdings recht gut. In der Google-Maps-Ansicht führte der Radweg durchs Grüne. Das tut er auch tatsächlich, allerdings nur in Form von Bäumen am Fahrbahnrand der Landstraße – von oben sieht das dann wie „durchs Grüne“ aus. Auch der Regen ist etwas nervig, aber auch eine Radtour ist schließlich kein (oder „nicht immer“) ein „Wunschkonzert“

die Karte des Waldgebietes hinter Benrath
Ab Benrath führt der Radweg dann aber nach einmal rechts und dann links in den Wald hinein abbiegen, durch eben diesen Wald.
Der Weg ist wirklich schön und recht gut zu fahren. Wir hören die Vögel singen und können teilweise nebeneinanderher radeln. Autos hört man wenig und irgendwann kommen wir etwas an einer Bahnstrecke entlang.

der Radweg durch den Wald
An einem Kletterpark verwirren uns unsere Apps mal wieder ein wenig, aber wir finden dann doch den Weg und sehen an einem Bächlein auch einen Reiher im Bach waten.

Ein Reiher watet im Bach
Schließlich kommen wir in Rath über eine Bahnlinie

Blick auf Kirche in Rath
Von dort führt uns nach dem Überqueren der Gleise der Radweg entlang Bahn und Straße nach Ratingen.
In Ratingen kehren wir am Markt in ein Café ein und stärken uns mit Kuchen und heißer Schokolade. Auch nutzen wir die Gelegenheit zum Toilettengang.
Wir können draußen sitzen und haben so unsere Räder im Blick. Mittlerweile hat der Regen auch aufgehört.

Der Markplatz in Ratingen vom Café aus gesehen
Hinter Ratingen geht es weiter gen Duisburg und nach einer gewissen Strecke an der Landstraße wieder in ein Waldgebiet und über die „gelbe Brücke“ der „Sechs-Seen-Platte“.

auf der „gelben Brücke, über der Sechs-Seen-Platte

der Yachthafen rechts der gelben Brücke
Duisburg ,jenseits des Waldes gelegen ,ist mit gut 500.000 Bewohnenden eine kreisfreie Stadt an der Mündung der Ruhr in den Rhein. Im Ruhrgebiet ist sie nach Dortmund und Essen die drittgrößte Stadt sowie nach Köln, Düsseldorf, Dortmund und Essen die fünftgrößte Stadt in NRW.
Duisburg wurde erstmals 883 urkundlich erwähnt und entwickelte sich bereits im Mittelalter zu einem urbanen Handelszentrum, verlor allerdings im 13. Jahrhundert aufgrund der Verlagerung des Rheins, die Duisburg vom Rhein abschloss, erheblich an wirtschaftlicher und politischer Bedeutung. 1407 wurde Duisburg auf Anregung Kölns Hanse-Mitglied.
Bekannt ist Duisburg natürlich auch für seinen Rheinhafen , der der größte Binnenhafen Europas ist. Im 20. Jahrhundert war Duisburg, wie das gesamte Ruhrgebiet stark von der Kohle- und Stahlindustrie geprägt.

im Naturschutzgebiet zwischen Ratingen und Duisburg, durch das der Radweg führt
Duisburg ist natürlich bekannt und hat häufig eher keinen guten Ruf bezüglich Lebensqualität. Doch gehört auch die Sechs-Seen-Platte (s.o.) zum Naherholungsgebiet von Duisburg

Im Wald vor Duisburg
Man tendiert ja dazu, das Ruhrgebiet als industriell und staubig sowie wenig attraktiv anzusehen, doch bietet es auch sehr viel Grün, Wälder und Naherholungsgebiete. Wir genießen das Zwitschern der Vögel um uns herum und radeln beseelt weiter gen Duisburg – laut einer Statistik des Regionalverbandes Ruhr (RVR) und Statistiken des Landesamtes IT.NRW von 2016/2017 umfasst der Waldanteil etwa 16.000 bis 17.600 Hektar, was rund 17 bis 17 Prozent der Metropole Ruhr entspricht.
In Duisburg selbst liegt der recht schmale Radweg überwiegend direkt an der Fahrbahn, und ist an manchen Stellen durch Wurzelwerk angehoben. Das ist kein wirklich gemütliches und entspanntes fahren, vor allen nicht mit meinem Dreirad, da ich an einigen Stellen Angst habe, auf die Straße und vor die Autos zu kippen. Ich fahre entsprechend vorsichtig, und schließlich erreichen wir gegen 15.00 Uhr auch wohlbehalten unser Hotel.
Dort sagt der Rezeptionist, wir sollten zunächst unser Gepäck abladen und ins Hotel stellen. bevor er uns hilft, die Räder in einen Raum in einem anderen zum Hotel gehörigen Gebäude zu verstauen. Dort stehen sie erneut sicher und trocken, auch wenn es ein Heben meines Dreirades ein wenig auf die der Tür gegenüberliegende Treppe benötigt, im es um die Ecke und durch die Tür in den Raum zu bekommen.
Dann bringen wir unser Gepäck mit dem recht kleinen Aufzug in unser Zimmer im 3. Stock und ruhen uns ein wenig aus, bevor wir im hoteleigenen Restaurant mit einem Gutschein von 5 € zum Abendessen gehen. Es gibt selbstgemachte Döner (auch vegetarisch), von denen ich einen nehme, während meine Partnerin einen Salat und Fritten aus Süßkartoffeln bestellt. Dazu trinken wir alkoholfreie Radler, die auch unseren Flüssigkeits- und Mineralienvorrat etwas auffrischen sollen.
Das Essen ist schmackhaft und der Kellner sehr nett. Wir sind froh, rechtzeitig runtergegangen zu sein, dass sich die Tische dann recht gut füllen.
Das Zimmer ist etwas eng, und besonders der Durchgang zwischen der Ecke des Doppelbettes und der schrägen Wand für mich mit Halbseitenlähmung nicht ganz problemlos, doch setze ich mich dann auf die Ecke des Bettes und schwinge die Beine an der Wand vorbei über die Ecke.
Wir planen die morgige Tour bis Schermbeck-Gahlen und schlafen prinzipiell recht gut und erholsam.
2026-05-19(Tag 3) – 3. Etappe: Duisburg-Schermbeck-Gahlen): 43 gefahrene km

Die Route der 3. Etappe) – Screenshot
In der Nacht gibt es auf dem Flur unseres Zimmers einiges an Krach. Zunächst scheint ein Kind ziemlich zu toben, später die Eltern recht lautstark zu streiten. Nun gut, wir schlafen dennoch und einigermaßen erholsam.
Nachdem wir erneut früh erwacht sind, machen wir uns fertig und gehen zum mitgebuchten Frühstück. Es ist recht gut, und irgendwann kommt auch die (etwas geräuschvollere) Familie von unserem Flur. Die etwas „kräftigere“ Frau setzt sich auf den Stuhl in meinem Rücken, und lässt mir teilweise nicht allzu viel Bewegungsraum, aber wir müssen ja keine Freunde mehr werden!
Das Hotelpersonal hilft uns, unsere Räder aus dem Raum im anderen Gebäude zu holen, und vor dem Hotel packen wir unser Gepäck auf. So langsam entsteht so etwas wie Packroutine.
Mithilfe der Apps finden wir unseren Weg aus Duisburg und durch Oberhausen. Allerdings stößt Komoot aufgrund einer in Duisburg gesperrten Brücke an ihre Grenzen, da Komoot halt keine Aktualisierungen kennt. Mit Unterstützung von Google Maps finden wir allerdings unseren Weg über die übernächste Brücke.

Die Ruhr bei Duisburg von der Brückeaus, über die wir die Umleitung raus aus Duisburg finden
Hinter Oberhausen wird der Radweg dann wieder schön und führt uns erneut durch waldige Gebiete mit Vogelzwitschern und gut zu radeln.

Von der Brücke zu Beginn des Radweges hinter Oberhausen

Weiter geht es nach Oberhausen auf einem schönen Radweg

der Radweg zwischen Oberhausen und Sterkrade
Der Weg führt uns an Sterkrade und dem Heidesee vorbei über gen Schermbeck.

Am Heidesee Foto
Der Heidesee liegt in der Kirchheller Heide im Nordwesten der Stadt Bottrop und ist Teil des Ruhrgebietes. Es handelt sich um ein 54 Hektar großes Naturschutzgebiet und ehemaliges Kiesabgrabungsgelände, das aus drei Gewässern besteht. Als Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes „Natura 2000“ ist es bedeutsam für seine nährstoffarme Unterwasservegetation und dient als Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarte, darunter Haubentaucher und Reiherenten.
Wir fahren weiter durch das Gebiet der Gemeinde Kirchhellen und passieren Höfe und Felder.

Pferde auf einem Hof zwischen Kirchhellen und Scherbeck
Hinter Kirchhellen geht es durch Felder weiter Richtung Schmermbeck.

Wegweiser hinter Kirchhellen
Bei recht angenehmer Temperatur und Witterung geht es durch Felder, an einzelnen Häusern und Gehöften sowie Bäumen und Baumgruppen vorbei weiter gen Schermbeck .

Landschaft hinter Kirchhellen
Von Schermbeck oder gar Schermbeck-Gahlen hatten wir zuvor auch noch nichts gehört, aber wir planen unsere Tagestouren stets in Kombination von Etappen um die 50 km in die ungefähre Richtung (gen Schleswig-Holstein) und der Verfügbarkeit von erschwinglichen Unterkünften über Booking.com. Dabei kam heute „El Capitan“ in Schermbeck-Gahlen heraus. Stets versuchen wir auch (über die Bewertungen, Fragen/Antworten oder ggf. und falls möglich ein kurzes Telefonat, in Erfahrung zu bringen, ob unsere Räder sicher untergestellt werden können. Heute ist dies in einer abschließbaren Garage gewährleistet.
Gegen Ende verwirrt uns Komoot mal wieder ordentlich und wir verstehen nicht wirklich, warum wir so fahren müssen, wie sie uns leitet, doch schließlich sind wir in Gahlen am El Capitan, auch wenn Komoot uns irgendwie noch weiterschicken will. Ich hatte ein Probeabo von Komoot, aber das kündige ich vor Ablauf der Probewoche, da mich die APP nicht wirklich überzeugt. Wir nutzen zunächst parallel und dann ausschließlich „Google Maps“. Vorteile sind, dass diese APP meist Streckenänderungen berücksichtigt (eine Ausnahme erleben wir später in Schleswig) und sich anpasst, wenn man einen anderen Weg wählt. Nachteile sind, das wir bisweilen ins Nirvana geleitet wurden (auch dies wird in späteren Etappen geschildert) und die APP offenbar recht viel „High-Speed-Kontingent“ frisst- Auch passiert es mir wiederholt und aus mit unverständlichen Gründen, dass die APP kein Sprachsignal mehr auf mein Bluetooth-Kopfhörer schickt – einige Tage später funktionierte das Sprachsignal dann wieder. vorläufiges Fazit: die vollumfänglich befriedigende APP habe zumindest ich noch nicht gefunden.
In der Rezeption des El Capitan treffen wir eine Dame an, die uns mit dem Gepäck die gut 20 Stufen hinauf zum Zimmer hilft und uns die Garage zum Unterstellen der Räder zeigt.
Anschließend wollen wir im Ort etwas essen, doch hat ein Restaurant nur Mittwoch-Sonntag auf, also am heutigen Dienstag nicht. Wir essen schließlich eine Pizza und einen Salat in einer Pizzeria mit Lieferservice. Erst auf dem Rückweg nehmen wir wahr, dass auch das Hotel über ein Restaurant verfügt – nun ja, beim Losgehen lag dieses halt in unserem Rücken.
Auch sehen wir eine Mitfahrerbank, an der ein Schild darauf hinweist, dass dies erst ab 16 Jahre erlaubt sei. Ja, der Nahverkehr ist in ländlichen Gegenden ja bekanntlich kaum ausreichend.
die Kirche von Schermbeck-Gahlen scheint recht geräumig und liegt gegenüber unserem Zimmer.

Kirche in Schermbeck-Gahlen von unserem Zimmerfenster aus
Es ist eine evangelische Kirche mit einem romanischen Turm aus dem 12. Jahrhundert und einem spätgotischen Schiff aus dem 17. Jahrhundert. Bereits am Ende des 8. Jahrhunderts gehörte Gahlen durch eine Schenkung zum Kloster Echternach im Herzogtum Luxemburg.
Die Gemeinde Schermbeck, zu der auch Gahlen als einer von neun Ortsteilengehört, liegt im Kreis Wesel im Regierungsbezirk Düsseldorf. Sie liegt mit seinen gut 13.500 Bewohnenden an der Lippe.
Erstmals erwähnt wurde Schermbeck als „Scirenbeke“ im Jahr 799, der Ortsteil Gahlen als „Galnon“um 900.
Im 13. Jahrhundert profitierte Schermbeck durch seine Lage an einer Handelsroute. Im 15. Jahrhundert wurde Schermbeck kurz hintereinander zweimal zerstört.
2026-06-20 (Tag 4) – 4. Etappe: Schermbeck-Gahlen-Dülmen): 48 gefahrene km
Unsere heutige Etappe soll uns nach Dülmen führen, wo wir ein Zimmer im Hotel Wildpferd gebucht haben, nachdem ich erneut das sichere Abstellen unserer „Pferde“ geklärt habe.

Route des 4. Tages – Screenshot
Zunächst fahren wir allerdings nach Schermbeck rein und besorgen uns im örtlichen REWE sowie der angeschlossenen Bäckerei unser Frühstück.

beim Frühstück in Schermbeck
Dort ziehen wir auch unsere Regenhosen wieder an, da es leicht zu tröpfeln beginnt. Mit einem anderen Gast, der auch gerne radfährt, wechsele ich ein paar Worte und darf im REWE-Markt die Personaltoilette besuchen.
Auf dem Weg über sanfte Hügel, also immer moderat hoch und runter entlang der Landstraße sehen wir an einer Stelle auch die Montage eines Windrades, bei dem das Triebwerk mit einem hohen Kran wohl noch oben angebracht werden muss.

In der Ferne wird offensichtlich ein Windrad mithilfe eines daneben stehenden Krans noch montiert

Radweg Richtung Dorsten
Weiter geht es an Dorsten vorbei gen Haltern am See
Hinter Dorsten wird es wieder sehr reizvoll.
Der Weg führt uns auf einem sehr guten Radweg durch das Moor- und Seengebiet vor Haltern.

Ein Moorsee zwiswchen Dorsten umd Haltern
Am Harvester Bruch machen wir eine Rast. Wir sehen unterwegs Störche, Reiher, Enten und Greifvögel und hören Frösche und natürlich sonstige Vogelstimmen. Da es nicht mehr regnet, entledigen wir uns der Regehosen.

Erklärtafel zum Harvester Moor
Bei der Rast kommt ein Mann, der uns auf die Störche ein Stück zurück hinweist, die auch wir gesehen hatten. Er erzählt, er wohne im 5. Stock und sehe die Störche auf sein Fenster zu segeln. Deshalb wolle er das mal erkunden. Als wir weiterfahren, bleibt er auf einer Bank sitzen und scheint die Atmosphäre, wie wir, zu genießen.
Auch sehen wir an einer moorigen Stelle sehr viele Narzissen, was sehr gut aussieht:
.

Moorsee mit Narzissen
Wir fahren weiter an Seen und anderen Wassern und durch waldiges Gebiet auf guten und breiten Radwegen

der Radweg zwischen dem Hervester Bruch
In Haltern fahren wir in die Fußgängerzone und machen an einer Konditorei Pause (Foto: StH, 2026):

Haltern-Fußgängerzone

Haltern-Fußgängerzone
Nach der Stärkung fahren wir weiter in Richtung Dülmen. Hier führt der Weg erneut durch Felder und gelegentliche waldige Stellen.

Radweg zwischen Haltern am See gen Dülmen
Im Nachmittag reiten wir in Dülmen, einer mittleren kreisangehörigen Stadt im Kreis Coesfeld, mit seinen etwa 48.000 Bewohnenden ein.
Die Stadt Dülmen ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte und Gemeinden in NRW und erlangte Bekanntheit durch die „Dülmener Wildpferde“. Kein Wunder, dass auch wir im im Hotel „Wildpferd“ einen geeigneten Stall für unsere insgesamt fünfrädrigen Rösser finden. Wir schieben sie an der Rezeption vorbei durch einen Flur in einen gesonderten Raum.
Dann verfrachten wir unser Gepäck im recht geräumigen Zimmer und wollen dann noch etwas einkaufen. Im Eingangsbereich sitzt eine Deutschlehrerin, die in Spanien (bei Malaga) lebt und auf „Familienurlaub“ sei. Sie hatte mich mit „hola!“ begrüßt, so dass ich in Spanisch antwortete und sie aber darauf hinweist, dass sie Deutsch spricht, Von ihr erfahre ich auch, dass wir im benachbarten „K&K“ Lebensmittel einkaufen können. Den Laden hatte ich durch das Fenster vom Gang zur Rezeption aus gesehen, kannte diese (hiesige) Kette jedoch nicht.
Das WLAN tut es leider nicht, obwohl sie es längst bemängelt haben, aber ich kann meinen Handy-Hotspot nutzen.
Wir planen noch die morgige Etappe, die auf Horstmar und das Hotel Holstenbänd hinausläuft. Dieses Mal erfuhr ich beim Anruf wegen dem Unterstellen der Räder, dass ich auch direkt für einen etwas besseren Preis buchen könne, was ich dann mit Frühstück auch tat
Wir gehen also einkaufen, essen etwas und begeben und bald zur Ruhe
2026-05-21 (Tag 5) – 5. Etappe: Dülmen-Horstmar) – 40 gefahrene km
Von Horstmar hatten wir auch noch nie gehört, aber erfahren im Internet, dass diese im 11, Jahrhundert erstmals erwähnte Stadt ursprünglich aus 13 Burgmannshöfen bestand, von denen heute noch 4 existieren.

Route der 5. Etappe – Screenshot
Horstmar ist allerdings das sinnvolle Ergebnis unserer Abendrecherche für den kommenden Tag, da die Entfernung in etwa in unserer Spanne (bis etwa 50 km) liegt, und wir dort eine geeignete Unterkunft buchen können. Ja,derartig flexible Planung bringt uns auch an zuvor völlig ungeahnte Orte, was ja durchaus den Reiz der Tour ausmacht. Also radeln wir neugierig auf unser heutiges Ziel wiederum gegen 09.30 Uhr auf unser heutiges Etappenziel zu.
Zunächst geht es erneut über sanfte Hügel aus Dülmen heraus gen Norden – zunächst nach Rorup

Radweg gen Rorup mit einer Baumallee

Wir sehen Felder und Gehöfte

und Windräder
Eine seltsame Antenne fällt uns auf. Vermutlich ist ein Funkmast – oder wird er doch von Aliens benutzt, um uns auszukundschaften, oder doch Peter Thiels Palantir-Software? –

Hinter Rorup geht es in Richtung Billerbeck, von wo aus der Weg dann wieder weg von der Landstraße führt.

Der Weg führt durch Felder bei Billerbeck

Wir kommen durch Felder und an Baumgruppen vorbei

Bisweilen sehen wir ein Gehöft
An einer Kreuzung ist mal wieder Zeit für einen Akkutausch. Wir rasten und „unterhalten“ uns mit den dortigen Landhorn- und Zottelrindern – Fotos; StH, 2026:

Ein Hof mir Rindern, in dessen Nähe wir eine Pause machen
Es ist friedlich und ruhig, die Vögel singen und bisweilen sehen wir einen Raubvogel – und natürlich Rinder und Pferde
An einer Wegkreuzung mit einer von Hecken umrahmten Bank machen wir erneut Rast

Anschließend fahren wir am Gedenkstätte Trapistenkloster vorbei durch die Felder, der Weg mal nach links, mal nach rechts abbiegend.
Es ist eine ruhige Gegend mit Getreidefeldern und Bäumen oder Waldstücken, die wir genießen, bis wir plötzlich in Horstmar einfahren.

Der Ortseingang nach Horstmar
Horstmar besteht aus zwei Ortsteilen, Horstmar selbst als südlicher Stadtteil und das bis 1969 selbständige Leer nördlich davon. Im Dez. 2024 hatte Horstmar gut 7.500 Bewohnende.
Durch den Ort fahrend passieren wir auch das Stadtwappen –

Dann erreichen wir unser Hotel „Holstenbänk“. Wir werden nett begrüßt, das Zimmer ist ordentlich, bequem und sauber im 1. Stock gelegen, den wir allerdings per Aufzug erreichen können. Für die Räder gibt es um das Haus herum eine ordentlichen Stellplatz.
2026-05-22 (Tag 6) – 6. Etappe (Horstmar-Recke-Steinbeck) – 57 gefahrene km
Nach einer erholsamen Nacht nehmen wir morgens ein gutes und reichhaltiges Frühstück ein, bepacken unsere Räder und starten zu unserer nächsten Etappe.
Diese Etappe führt uns zunächst nach Steinfurt, der Kreisstadt unseres ehemaligen Wohnsitzes Ibbenbüren. Insgesamt führt uns die Strecke also durch durchaus bekanntes Terrain, wenn auch nicht im Detail, aber wir sehen immer wieder Wegweiser zu uns bekannten Orten in der Region.

Route der 6. Etappe – Screenshot
Zunächst an der Landstraße entlang, ein kleines Stück vor Steinfurt müssen wir auch auf der Straße fahren, aber das Stück ist zum Glück nicht zu lang, sondern wir können dann rechts abbiegen um auf einem an der Kreisstrasse entlangführenden Radweg nach Steinfurt hineinzurollen.

Radweg an der Landstraße gen Steinfurth
In Steinfurt verfahren wir uns etwas, aber fahren auch durch den Wochenmarkt. Hinter Steinfurt geht es dann ab auf einen wirklich hervorragenden Radweg, glatt geteert und durch Wald- und Buschgebiete:

Der hervorragend ausgebaute Radweg von Steinfurth nach Rheine
Kilometerlang geht der Wegin Begleitung von Vogelstimmen , meist etwas beschattet und somit sehr angenehm, immer geradeaus.

Auf dem Radweg in Richtung Rheine
Dann fahren wir in Rheine ein, das wir von unserer Zeit in Ibbenbüren recht gut kennen, und wo wir vor einigen Jahren das erste e-Bike für meine Partnerin gekauft hatten – an den Fahrradgeschäft kommen wir sogar vorbei, und fahren dann weiter in Richtung Recke.

In der Ferne sehen wir den Teutoburger Wald, jene Hügelkette, über die man z.B. von Ibbenbüren gen Greven überwinden muss, aber dieses Mal müssen wir sie nicht überqueren

Im Münsterland gibt es bekanntlich auch recht viele Schweinemastbetriebe

Dann ist wieder ein Akku leer, und wir rasten zum Akkuwechsel und einer Erfrischung mit Wassern und Keksen
Mittlerweile ist die Boxencrew extrem eingespielt, und stellt vermutlich jeden Tag einen neuen Rekord auf – wobei es uns natürlich nicht um Geschwindigkeit und Überholen durch eine gute Boxenstrategie und den Gewinn von Sekunden gegen die Konkurrenz, die wir einander eh nicht sind, geht!
Vor Recke geht es wieder über Felder und Waldgebiete sowie bisweilen kleinere Ortschaften

Der Rasweg hinter Rheine

Dass der Rhododendron in dieser Gegend hervorragend gedeiht, haben wir bereits in den letzten Tagen bewundern können
Schließlich überqueren wir auf einer Brücke den Mittellandkanal

Auf der anderen Seite dieser Brücke liegt Recke-Steinburg, in dem unsere Unterkunft, dem örtlichen EDEKA angegliederte „Zimmer8“ liegt – in dem wir das Zimmer Nr. 5 reserviert haben.
Als wir vor der Eingangstür mit unseren bepackten Rädern halten, kommt ein Mann auf uns zu, der zum EDEKA/Unterkunft gehört, uns freundlich begrüßt und uns hilft, unser Gepäck die Treppe hoch in den 1. Stock zu unserem Zimmer zu tragen. Das Zimmer ist gut, und es gibt einen abschließbaren Raum für die Räder.
Im Bad sehe ich ein kleines, aber einfaches Detail, das zumindest „Einhändern“ wie mir, das Duschen erleichtert: Der Seifenspender ist nicht, wie üblich, auf dem Kopf angebracht, so dass ich stets versuchen muss, die Seite nach dem Drücken des Behälters mit der einen vorhandenen Hand mit dem Bein oder sonstwie aufzufangen versuchen muss. Hier ist der Seifenspender mit zu drückender Spenderdüse einfach mit der Düse nach oben angebracht, so dass ich die Spenderdüse drücken und gleichzeitig die „funktionsfähige Hand“ darunterhaltend die Seife auffangen kann. So einfach und doch so praktisch für Menschen wie mich, aber „normale Menschen“ mit zwei funktionsfähigen Händen könne sich solche Hindernisse wohl überhaupt nicht vorstellen. Also nutze ich meist mein eigenes und mitgebrachtes Duschgel.
Nachdem wir unser Gepäck im Zimmer abgelegt haben, radeln wir noch etwas am Mittellandkanal in Richtung Yachthafen entlang und sehen in dessen Nähe auch eine Schautafel über den Handelsweg von den Niederlanden bis nach Polen und die Marskramer und Kiepenkerle.

Im Ortskern von Steinbeck gibt es mit dem Schwefelbad Steinbeck die einzige im Münsterland anerkannte Heilquelle – gegen rheumatische Erkrankungen, Arthrose und Hautkrankheiten.
Zurück in der Unterkunft kaufen wir im EDEKA noch etwas ein und beschließen den Tag, nur etwa 10 km von Ibbenbüren entfernt
2026-05-23(Tag 7)- 7. Etappe: Recke-Steinbeck – Quakenbrück – 57 gefahrene km

Route der 7. Etappe – Screenshot
Heute ist warmes Wetter, so dass wir erstmals auch ohne Jacken fahren können.
Zunächst geht es hinter Recke auf wenig befahrenen Straßen und waldige Gegenden in Richtung Ankum. Die Strecke ist überwiegend flach und durch die beschatteten Wege recht angenehm

Der meist beschattete Radweg hinter Recke

Natürlich gibt es auch Gehöfte, die wie passieren
sowie Windräder, die hier im Norden bekanntlich reichlich produzieren.

Windräder produzieren und Überlandleitungen transportieren den reichhaltigen Strom auch aus dem Norden in den deutschen Süden
Zumindest gelangt der im Norden produzierte und im Süden dringend benötigte Strom dorthin, sofern er von Wirtschaftsministerin Katharina Reiche nicht „abgeregelt“ werden, da der Leitungsbau in den deutschen Süd-Osten, wo in und um die Metropole München viel Strom gebraucht wird, dank CSU und Freien Wählern in den letzten Jahren nicht wirklich gut voranschritt. Ist ja auch überaus verständlich, dass man zwar gerne den Strom hätte, jedoch die Leitungen eher „hässlich“ findet – ebenso wie Windräder. Und so möchte man die Leitungen lieber entweder recht teuer unterirdisch verlegen, oder am Besten über Nachbarbundesländer (Hessen, Thüringen und gegebenenfalls Baden-Württemberg führen. Und im Übrigen ist Atomstrom eine total tolle Sache, wenn man auch „leider“ keinen geeigneten Ort für die Atommülllagerung in Bayern finden kann. Aber auch hier können nördliche Bundesländer (Niedersachsen mit Gorleben und der (abgesoffenen) „Asse“ doch super aushelfen!
Ankum liegt etwa in der Mitte der heutigen Etappe, und wir machen dort eine Rast, bei der wir etwas essen und trinken.

Nach der Stärkung fahren wir über den Ankumer Markt weiter gen Loxter nördlich von Ankum weiter.
Wetter und Radweg sind weiterhin recht angenehm, leider nehmen wir bei Merzen eine falsche Route, so dass wir ab dort relativ viele Hügel bewältigen müssen.

bei Merzen
In Merzen selbst fragt mein Begleiterin, ob hier überhaupt Menschen leben, da wir auf den Straßen tatsächlich Niemanden sehen, der nicht in einem Auto sitzt.
Im frühen Nachmittag bereits in Quakenbrück ein.

Quakenbrück-Stadttor
Wir beziehen unser wirklich uriges Hotel Hagsphil, das, wie wir erfahren, bereits lange in Familienbesitz ist (Foto: StH, 2026).

Die Treppe im Rezeptionsbereich ist gut bewacht, wobei mir die Rezeptionistin am kommenden Morgen beim Auschecken erzählt, dass ihre Schwester als Kind mit der Rüstung einmal die Treppe hinuntergefallen ist, und selbst genäht werden musste – Aua!

Im Hotel finden sich mehrere Gemälde sowie einige Schwarz-Weiß (bzw. bräunliche) Fotos, in unserem Zimmer von Audrey Hepburn.

Nachdem wir die Räder gut in einem Unterstand im Hof und das Gepäck im Zimmer verstaut haben, machen wir noch eine Rundfahrt durch Quakenbrück.
Quakenbrück hat etwa 14.000 Bewohnende und liegt als Verwaltungssitz sowie geschichtlicher, wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt der „Samtgemeinde Artland“ im Landkreis Osnabrück am Fluß „Hase“. Erstmals wurde die Stadt 1235 urkundlich erwähnt und war bis etwa 1500 Burgmanns- und bis 1544 Hansestadt. Das Zentrum ist sehenswert, wenn auch sehr übersichtlich.
Auffällig ist, dass in Quakenbrück viele russischsprechende Menschen leben, und wir kaufen auch in einem russischen Supermarkt einige Lebensmittel ein. Der Grund ist, dass die Stadt ab 1993 ein Zielort für Spätaussiedler (besonders aus Russland mit 1.540 Personen und Kasachstan (mit 710 Personen) war.
Offenbar ist einer der größten Arbeitgeber das RUF-Lebensmittelwerk und im nahegelegenen Badbergen wurde durch die Investition der Firma Tönjes die Entstehung weiterer Arbeitsplätze in der Fleischverarbeitung geschaffen, was weitere Arbeitskräfte aus Osteuropa anlockte. Tönjes? War da nicht was? Ja, Tönjes ist ein großer Fleischverarbeitungskonzern (Schlachtbetrieb), der vor einigen Jahren mit Vorwürfen zu als unmenschlich angeprangerte Arbeitsbedingungen sowie einen massenhaften Corona-Ausbruch in der Belegschaft konfrontiert war


Ein Haus in Quakenbrück
In der Nähe des Marktplatzes gehen wir abends noch etwas essen. Einige Autos „cruizen“ scheinbar durch die Gemeinde, sprich, wie kommen häufiger an unserem im Außenbereich einer Restauration gelegenen Tisch vorbei – aber zum Glück gibt es ja seit dem 1. Mai den Tankrabatt, so dass das „Cruizen“ zumindest zum Teil von der Gemeinschaft der Steuerzahlenden mitfinanziert wird.

Marktplatz im Quakenbrück
Tja – so geht es zwar dank Tankrabatt nicht den „Cruizern“, aber bei reichlichem „Cruizen“ einigen anderen Steuerpflichtigen während die Mineralölkonzerne ihre Taschen sehr gut gefüllt zu haben scheinen?
Und so steht vor dem Finanzamt in Quakenbrück auch eine vielsagende Skulptur

Statue vor dem Finanzamt in Quakenbrück
Und so bleibt wohl auch nicht mehr viel für manchen Hund, der sich total geknickt vor Herrchen niederlassen muss .
Tja – so geht es zwar dank Tankrabatt nicht den „Cruizern“, aber bei reichlichem „Cruizen“ einigen anderen Steuerpflichtigen während die Mineralölkonzerne ihre Taschen sehr gut gefüllt zu haben scheinen?
Die überwiegende Meinung von Wissenschaftlern ist, dass der Tankrabatt weder zielgerichtet noch effizient ist. Im Gegenteil werden jene besonders „belohnt“ (subventioniert), die mit großen und spritfressenden Autos mit hoher Geschwindigkeit möglichst weite Strecken fahren, und derart die meisten Liter „Treibstoff“ umwelt- und finanzkassenschädlich in die Umwelt blasen.
Es müsse eine schnelle Lösung z.B. für Pendler her, und eine solche gäbe es außer dem Tankrabatt nicht.
Doch! Die gäbe es: Bereits zu Zeiten der „Ampel“ wurde ein „Klimageld“ gefordert. Dieses könnte als Pro-Kopf-Pauschale ausgezahlt werden, und dann bliebe jede/m die von der FDP stets geforderte „Entscheidungsfreiheit“, diese Pauschale einzusetzen, wie es der jeweiligem Familie vor dem Hintergrund der Familiensituation am Sinnvollsten erscheint. Wer möchte, kann das Geld in „freier Entscheidung“ verrasen (oder auch – wie ich häufig beobachtete – den Motor bei stehendem Fahrzeug (am Straßenrand, vor geschlossenen Bahnschranken oder auch beim Ausladen des Nachwuchses an Kindergarten oder Schule und laufen lassen – vermutlich, weil die technisch herausstechenden deutschen KfZ-Entwickler den Anlasser vergaßen???
Wem weniger Geld für den täglichen Lebenswandel zur Verfügung stehen, kann die Pauschale natürlich auch für Lebensmittel oder Lernmaterialien für den Nachwuchs einsetzen.
Verbindet man dies noch damit, dass diese Pauschale (ähnlich wie z.B. Lohnersatzleistungen oder Pflegegeld) im Folgejahr mit dem individuellen Steuersatz als Einkommen zu berücksichtigen ist (ggf. nur „progressionssteigernd“), dann erhält man zusätzlich noch eine Sozialkomponente, da Gut- und Besserverdienende im Folgenjahr über die Besteuerung mehr als Geringverdienende oder gar Menschen unterhalb der Armutsschwelle versteuern und eventuell im Rahmen der Besteuerung an den Steuertopf zurückzahlen. Insofern wäre die Pauschale, ob für Klima, Energie oder Mobilität im Auszahlungsjahr eine Investition, die im Folgejahr teilweise refinanziert wird, wobei bei den Bedürftigsten von der Pauschale am meisten verbleibt und stärkere Schultern entsprechend mehr der „Finanzierungslast“ tragen.
Solche Modelle gibt es und sie wurden im Rahmen von Sozialtransfers z.B. in Namibia auch erfolgreich praktiziert.
Allerdings scheint in Deutschland automatisch das Gegenargument, es schade dem Mittelstand und das „Kapital“ würde dann aus Deutschland abwandern und somit würden Arbeitsplätze vernichtet. NEIN! Nicht das Unternehmensvermögen. sondern das Individuum erhält den Zuschuss als Pauschale und muss diese dann im Folgejahr INDIVIDUELL versteuern.
Wie gesagt: die „freie Entscheidung freier Bürger“, statt besonders umweltschädliches Verhalten von „Besserverdienenden“ zu belohnen! Aber ist das in einem Land überhaupt denkbar, in dem selbst das (fast weltweite) bundesdeutsche „Alleinstellungsmerkmal“ des fehlenden „Tempolimits“ völlig undenkbar zu sein scheint. Und nicht nur die FDP während der Ampel. sondern nun auch die Union trägt die „Technologieoffenheit“ wie eine Monstranz vor sich her und stellt damit Dinge wie Klimaschutz und CO2-Vermeidung in den Hintergrund.
Natürlich hängen an der deutschen Autoindustrie und ihre Zulieferverträgen sehr viele Arbeitsplätze – und somit auch Familienexistenzen. Doch scheint es mir sinnlos, einen nötigen Strukturwandel hinauszuschieben. Auch an der bayrischen Landwirtschaft in den 1950er Jahren und in der Kohle- und Stahlindustrie im Ruhrgebiet bis in die 1990erJahren hingen viele Arbeitsplätze, und besonders im Ruhrgebiet sind ganz sicher noch nicht alle Folgen des durchgeführten Strukturwandels bewältigt, aber hätte es ernsthaft eine sinnvolle Alternative zu jenen Strukturwandeln gegeben. Aufschieben löst die Probleme nicht, sondern verschiebt sie eben nur, und verschärft sie im Laufe der Zeit, wie wir derzeit u.a. an jährlich steigendem Durchschnittstemperaturen gerade und besonders in Europa sehen können. Bereits Mitte Juni 2026 erleiden wir Lufttemperaturen von bis mehr als 41 Grad Celsius. wie es diese hin und wieder auch früher gab, allerdings höchstens im sogenannten „Hochsommer“, also Juli und August.
Natürlich ist es einfacher, all das zu leugnen und die „gute alte Zeit“ wieder herbei zu sehnen, sowie jene zu wählen, die uns diese „goldenen Zeiten“ komplett ohne eigenes Anstrengung versprechen. Aber ist dieses kindliche Gehabe eines: „Ich mache die Augen zu und sehe Dich nicht – also kannst Du mich auch nicht sehen!“ irgendwie zielführend oder sinnvoll?

Und so bleibt wohl auch nicht mehr viel für manchen Hund, der sich total geknickt vor Herrchen niederlassen muss. Und in der sommerlichen Hitze hockt er durstig und verstört zu Füßen seines Herrn. Und ohne ausreichendes Wasser hechelt er sich zur Temperaturegulierung die Zunge aus dem Leib und verbleibt kraft- und saftlos zunehmend erschöpft – hoffentlich zumindest im Schatten, wo es den in den Betonwüsten vieler Städte noch gibt.
Und auch die immer größeren Autos (SUV, die tatsächlich auch ordentlich (Spritt bzw. Energie) „saufen“, benötigen immmer mehr Platz, so dass letztlich die Parkplätze in debn Städten größer (breiter) werden müssen, was der weiteren Versiegelung der Städte eher dient, als ihrer entgegenwirkt. Das wiederum verbessert nicht wirklich die Lufttemperatur in den Städten und somit das menschliche (und tierliche) Wohlbefinden bei weiter steigenden Temperaturen.
Aber wie wurde mir kürzlich geantwortet, als ich versuchte, diesen Zusammenhang im Gespräch zu erwähnen: „Dann kommt halt die nächste Eiszeit! Das ist doch erwiesen!“
Achso! Ist halt alles eine Frage des Sichtwinkels? Oder der eigeen Prioritäten! Und wie immer: Die (Vorteile?) einer Enscheidung sind „indiduell zu genießen“, ihre Folgen „kollektiv zu ertragen“. Aber: „noch so ein üblicher Spruch: „Wir können doch eh nichts tun! Da sollen doch zunächst einmal die USA, China und Indien handelt …“ So einfach? Übrigens tut China recht viel – vor allem auch, der innovative und umweltfreundlichen Technlogie bei Solarpanels, Windrädern und E-Mobilität der m.E. seit Jahrzehnten im bequemen „es-gibt-keinen-Klimawandel“-Schlaf befindlichen deutschen Industrie das Wasser, also duie Wirtschaftlichkeit abzugraben. Auch das hat bereits zehntausende Arbeitsplätze in Deutschland zerstört oder den Aufbau neuer verhindert“ Und die deutsche Politik? Vor (Kohl-Regierungen), während (FDP) und nach (Merz-Regierung) der Ampel? Sie helfen der penneden Insustrie auf nationaler wie europäischer Ebene „bequem weiter das Erforderliche wie Sinnvolle zu VERPENNEN“, damit sie in zehn oder zanzig Jahren auch wirklich gar keine Chance mehr auf dem Weltmarkt haben.. Und wenn dann noch mehr Familien ihres Einkommens und Lebensperspektiven verlustig gegangen sind, wird (vermutlich?) mit jener Partei, die schon die bloße Existenz eines Problemes leugnet, alles gut!!! Und was gedenken wir „nachts zu träumen“?
Und so erdreiste ich mich noch, eine weitere(völlig ketzerische) Idee in die Diskussion zu werfen: Wie wäre des mit der Einführung einer KfZ-Steuer nach Gewicht des PKWs? Das könnte vielleicht einen Anreiz zu kleineren und leichteren, also auch weniger Ressourcen und Energien verbrauchenden Autos geben. Klar, müssten die deutschen Hersteller sich dann umstellen, doch war nicht die deutsche „Ingenieurskunst“ mal legendär? Ja, liebe „Verbrauchende“ – auch die Nachfrage steuert das Angebot – und den „3-Liter-VW“ wollten wir alle ja nicht haben! In großen und schweren Autos sind die Mütter (und Kinder), die in den Autos sitzen, ja auch zum Glück sicher! Blöd nur, wenn sie nicht im Auto sitzen, sondern von diesem angefahren werden 🙁 Aber: das betrifft ja eh nur die Anderen 😉
Manches Mal könnte in all diesen Themen eine „ehrliche KONSEQUENZENANALYSE“ die Diskussion sinnvoll und zum Wohle aller (oder zumindest: vieler!) voranbringend – aber das könnte doch „anstrengend“ werden!?! – Also lassen wir es besser, wie es ist (oder dann eben wird), und glauben und wählen jene, die mir sagen, es gebe doch überhaupt KEIN PROBLEM!!!
Aber zurück zu unserer Tour: Das wirklich schöne und gut geführte Hotel ist nicht ganz billig, aber lohnt unserer Meinung nach mit guten Zimmern und reichhaltigem Frühstück den Preis. Für Gehbehinderte ist lediglich zu bedenken, dass es keinen Aufzug gibt und die Zimmern nur über Treppen zu erreichen sind.
2026-05-24 (Tag 8) – 8. Etappe: Quakenbrück- Cloppenburg – 31 gefahrene km

Route der 8 Etappe – Screenshot
Heute fällt die bislang kürzeste Etappe mit lediglich 22 Entfernungs-km an,
Nach Ankunft in Cloppenburg fahren wir dort allerdings noch etwas rum. Unsere heutige Tagesetappe ist mit ihren knapp 50.000 Bewohnenden eine Stadt im Oldenburger Münsterland und besteht aus der Kernstadt sowie acht Ortsteilen, in denen Ackerbau und Viehzucht überwiegen. Hydrologisch gehört die Stadt zum Flussgebiet der Ems, in dem heute Moore und andere Feuchtgebiete, die ursprünglich die Landschaft geprägt haben, nur noch in eingeschränktem Umfang erhalten sind, da die Landschaft seit dem 18. und 19. Jahrhundert durch Entwässerung und Kultivierung verändert wurde.
Tja, heutzutage wird als Klimaschutzmaßnahme die Wiederbefeuchtung von Mooren diskutiert, doch widerspräche das häufig den Interessen von Landwirten. Es scheint, dass wir EINEN „Hitze-„Tod wohl sterben müssen, und dabei stets unterschiedliche Interessen einander gegenüberstehen. Gerade wurde im ARD-Brennpunkt über „zu viel Versiegelung von Böden“ berichtet (s. auch oben), doch widerspricht die Entsiegelung eben auch den Interessen von vielen Eigenheimbesitzenden und insbesondere von Autofahrenden, die über zu wenig Straßen und Parkplätze klagen 🙁 Die einfachen Lösungen gibt es halt nicht, auch wenn gewisse Menschen und Parteien diese mit schierem Leugnen eines Klimawandels oder anderen scheinbar „guten Lösungen ohne Verhaltenslösung) zu bieten versprechen. Und pure Ignoranz ist für viele auch Realität und geübte Praxis. Heute sah ich erneut einen Porsche-SUV-Fahrer, der bei laufendem Verbrennermotor genüsslich seine Fritten verspeiste. Wie bereits erwähnt, kann man von einem Auto, das wohl um die 50.000 € kostet, kaum erwarten, dass die Konstrukteure auch an den Einbau eines Anlassers gedacht haben, oder?
Dieser liebenswerte Herr ignorierte meine Zeichen und Kommunikationsangebote vollständig bei geschlossenem Fenster und ohne Zeichen irgendeiner Wahrnehmung meiner Person, sondern mümmelte friedlich weiter seine Fritten gut, dass wir alle (Steuerzahlenden) ihn mit 17 Cent/Liter Sprit subventionieren, sonst könnte „der Arme“ am Ende sich sein soziales Verhalten gar nicht leisten?
Klischee? Feinbild? Nein: leider massenhaft beobachtetes Verhalten im Autoland Deutschland. Einer meiner Sprüche in solchen Situationen ist, dass das Einschalten des Hirns und gleichzeitige Abschalten des Motors „fast überhaut nicht wehttut!“ – vgl. auch: https://sanchotrotztgegenwind.de/2026/06/autofahren-ok-aber-bitte-mit-hirn
Aber zur heutigen Etappe: Bei angenehmem Wetter radeln wir aus Quakenbrück raus und kommen zunächst an Hasenkamp vorbei

Der Radweg kurz hinter Quakenbrück
Zunächst kommen wir an Hasenkamp vorbei

Haus in Hasenkamp
Der Radweg bleibt recht gut und lässt sich im Halbschatten gut befahren.

Radweg bei Hasenkamp
Hinter Hasenkamp überqueren wir die Lager

Der Radweg über die „Lager Hase“

Die „Lager Hase“ – ein 12,2 km langer Fluss, der an der Grenze der Stadt Dinklage und der Gemeinde Essen (Oldenburg) aus dem Zusammenfluss des Dinklager Mühlenbachs und der Aue entsteht und sich 2 km westlich vom Ortskern Essens mit dem Essener Kanal zur Großen Hase vereinigt.
Weiter geht es durch Felder gen Bevern –

Landschaft zwischen Lager Hase und Bevern
Auch hier ist der Radweg ruhig und angenehm zu befahren

in Bevern
Auch hinter Bevern bleibt der Radweg weiterhin gut zu befahren und führt durch schattenspendende Baumgruppen

Radweg hinter Bevern
Bereits mittags am Zielort (Schäfers Hotel) ankommen, und zunächst in der Eisdiele am Beginn der Fußgängerzone, die gegenüber der gebuchten Unterkunft liegt, zunächst einen Drink nehmen. Unser Zimmer ist ohnehin noch nicht bezugsbereit, doch können wir nach einem Anruf bei der die Unterkunft Verwalterenden uns in den Hof von Schäfers Hotel, zu dem auch ein Bistro gehört setzen. In diesem Hof können wir auch unsere Räder sicher abstellen, da das Bistro mit den Außensitzplätzen in diesem Hof über Pfingsten geschlossen ist.
In diesen Hof setzen wir also uns warten noch etwa 30 Minuten, bis wir unser Zimmer beziehen können. Das Zimmer ist gut, nur erneut nur über Treppen, also ohne Aufzug zu erreichen.
Auch die Räder können wir in diesem Hof abstellen

mein Dreirad in Schäfers Hof
Nach dem Abstellen des Gepäcks nehmen wir die Räder und erkunden ein wenig die Stadt. Wir fahren zunächst durch die Fußgängerzone
In Cloppenburg gibt es auch ein Freilichtmuseum, das wir uns jedoch sparen. Stattdessen fahren wir in den dahinterliegenden Park, in dem sich auch ein Teich befindet

Brücke zum Teich in Cloppenburg
Später möchten wir noch etwas Kuchen in eine, Café zu uns nehmen, finden jedoch an Pfingsten kein geöffnetes, sondern lediglich zwei geöffnete Eiscafés. Also kaufen wir in jenem gegenüber unserer Unterkunft zwei Becher Eis und nehmen diese im Schäfers Hof zu uns.
Auch in Cloppenburg gibt es einen hohen Anteil russisch-stämmiger Aussiedler – laut Internet stammen von den etwa 37.000 Bewohnenden Cloppenburgs jeder Fünfte aus Russland, in einem Dorf in der Nähe sogar jeder Zweite.
2026-05-25 (Tag 9) – 9. Etappe: Cloppenburg-Oldenburg – 44 Entfernungs-km
Auch heute sind uns schönes Wetter und eine gute Strecke vergönnt.

unser einfaches, jedoch gesundes, nahrhaftes und leckeres Frühstück
Nach dem selbst bereiteten Frühstück im Hof von Schäfers Hotel/Bistro bepacken wir unsere Drahtesel und machen uns auf den Weg, zunächst vorbei am Freilichtmuseum und aus der Stadt hinaus.

Radweg nach Bethen (aus Quakenbrück heraus)
Wie üblich sind wir früh unterwegs und machen am Wendepunkt eine Rast

Haltestelle „Wendeplatz“

Der Fahrplan am „Wendepunkt
Der Beweis, dass es auch hier Busse gibt, allerdings, wie der Fahrplan verrät, ist die Zahl der angebotenen Fahrten relativ „übersichtlich:. Immerhin morgens, mittags und nachmittags, offenbar zum Kindergarten und zur Grundschule –
Es fragt sich, wie man wirklich den klimafreundlichen, um nicht zu sagen „erforderlichen Umstieg auch im ländlichen Raum vom Individualverkehr zum (nachhaltigeren) öffentlichen Nahverkehr“ hinbekommt. Natürlich setzt das voraus, dass ein solcher Umstieg sowohl von Regierungs- und staatlicher (Angebot) als auch von Verbraucher-/Bürger Seite (Nachfrage) wirklich gewollt ist.
- Ja, der Individualverkehr ist (zumindest vordergründig) „bequemer“ – das Auto steht stets zum Losfahren bereit vor der Tür und bringt mich bis zu der Tür, die mein Ziel ist
- Die Bahn mit ihrer jahrzehntelang vernachlässigten Infrastruktur tut derzeit offenbar alles, um von ihrer Nutzung abzuschrecken. Jüngstes Beispiel ist der etwa zweistündige und (Software?)-pannenbedingte Ausfall aller Züge in Deutschland in der Nacht 23./24.6.2026, bei dem eine erhebliche Zahl von Reisenden irgendwo gestrandet war. Aber wer von den Autofahrenden stand noch nicht in sengender Sommerhitze im kilometer- und stundenlangen Stau – oder als Berufspendler auch zweimal täglich bei der Hin- und Rückreise zur bzw. von der Arbeitsstelle? Und ist (bzw. war) nicht auch die Straßen-Infrastruktur nach ebenfalls jahrzehntelanger Vernachlässigung ebenso marode – als Beispiele mögen nur die Rheinbrücke bei Leverkusen, die Carolabrücke in Dresden, die Brücken der A45 im Sauerland oder zuletzt die Nord-Brücke (Friedrich-Ebert-Brücke ) in Bonn.
- Wenn man „milchmädchenartig rechnet und argumentiert, ist das Autonutzung doch viel billiger als die Bahnnutzung: „Die Ticketpreise kann sich doch Niemand leisten!“. Allerdings erschöpfen sich auch die individuellen Autokosten nicht im Preis des Treibstoffs, sondern sollten KfZ-Steuer und Versicherung, TÜV- und Reparaturkosten, Ersatzteile und auch Parkkosten einbeziehen. Die gesellschaftlichen Folgekosten durch etwa Luftverschmutzung, Lärmbelästigung, Gebäudeschäden und Klimaschäden wie auch im Juni 2026 erneut zu fühlende Hitzebeschwerden wären bei den Individualkosten noch gar nicht berücksichtigt, aber die sind auch bei dieser individuellen Entscheidung ja „zum Glück“ kollektiv zu tragen!
Fazit: Man kann all das leugnen und wie Vogel Strauß auch die kommenden 50 Jahre noch den Klimawandel negieren und den nächste Schritt in den („bequemen“???) Abgrund machen – und ohnehin: nach der derzeit lebenden Generation die „Sintflut“ -> es lebt sich schließlich recht gut und bequem als „tatsächlich letzten Generation“ mit halbwegs erträglichen und lebenswerten Lebensumständen! Aber wollen oder können wir uns derartige Ignoranz tatsächlich weiter erlauben? Oder nehmen wir unsere Verantwortung (auch individuell!) endlich wahr. „Wir haben es doch nicht gewusst“?: – die Ausrede ist wohl längst nicht mehr glaubwürdig. Wohl eher: „Wir sind bequem und agieren hirnlos“ – AMEN! 😉
Also: Wäre es nicht Zeit, an innovativen Verkehrssystemen zu arbeiten? Die gibt es doch bereits an einigen Orten. Das Deutschlandticket ist sicher ein Anfang, allerdings laufen Angebot vor allem im ländlichen Bereich und Infrastruktur meistenorts hinterher. Aber gibt es nicht auch örtlich bemerkenswerte- und sinnvolle lokale Ansätze? Wäre es nicht möglich und sinnvoll, etwa (kleine) E-Autos, die mit Solarenergie von z.B. den Dächern von Schulen und Verwaltungsgebäuden geladen werden, mit z.B. Studierenden oder Bürgergeldemfangenden als „lokale Taxis auf Abruf“ anzubieten, damit z.B. alten Menschen oder solche ohne eigenes Auto für vielleicht eine sozialverträgliche Nutzungsgebühr gesellschaftliche Teilhabe (zum Einkauf, gesundheitsbedingten oder auch kulturellen und sozialen Reisen) ermöglicht wird, ohne, dass sie – ich weiß, diese Aussage erzeugt ebenfalls einen Aufschrei! – teilweise ihre Mitmenschen gefährdend ihr eigenes Auto nutzen müssen? –
Aber all das passt wohl nicht zum Autoland Deutschland , wo weder eine Fahrprobe für ältere Mitmenschen noch ein Tempolimit überhaupt denkbar ist!

Immerhin gibt es einen überdachten Fahrradständer
Der Gedanke von Gemeinschaft scheint in dieser Gegend jedoch sehr wohl in Form des „Bürgermoors“ traditionell erprobt und breit geübt:

Erklärtafel zum „Bürgermoor“ an der Haltestelle „Wendeplatz“
Das Bürgermoor war (laut Erläuterungstafel) ein „von der Landwirtschaft geprägter Landstrich, der mit starkem Willen, großer Geduld und noch mehr körperlichem Einsatz der Siedler sind aus einer Einöde Flächen geschaffen worden, der seine Besitzer ernährte. (…) >Das übrige Bürgermoor war in ca. 140 kleine Parzellen aufgeteilt, die zum größten Teil im Besitz von Cloppenburger Bürgrerfamilien waren. Sie nutzten das Gebiet zur Torfgewinnung, um mit diesem Brennmaterial ihre Häuser und Wohnungen zu heizen. „Um 1910 kaufte der Landeskulturfond sogenannte“Placken“ zu 2 h Größe“ (…) „So entstanden hier 11 landwirtschaftliche Betriebe.
Auch „Freilandeier“ werden hier angeboten:

freilebende Hühner am „Wendeplatz“
Nach einer Pause fahren wir weiter gen Bevenbruch

Klatschmondfeld vor Bevenbruch
Wir fahren weiter und durch „Littel“, einem Ortsteil der Gemeinde Wardenburg, südlich von Oldenburg. Der ältesten Hinweise auf die Existenz dieser Bauernschaft stammen aus dem 14. Jahrhundert: in einer Urkunde von 1350 wird der Verkauf eines Zehnt-Anteils an einem Hof „Littlo“ an die Wardenburger Kirche festgehalten.

Ortseinfahrt von Littel
Wir finden den Namen etwas lustig – beim Einfahren in den Ort sehen wir zunächst nur ein Gehöft links und eines rechts, so dass der Name durchaus zutreffend erscheint, doch sehen wir anschließend noch weitere Häuser – der Ortsteil hat gut 450 Einwohner.
Eigentlich würden wir gerne eine zweite Frühstückspause (mit Kaffee) machen, doch finden wir vor Wardenburg am heutigen Pfingstmontag keine geöffnete Bäckerei.

in Wardenburg endlich eine geöffnete Bäckerei – wir sind keineswegs die Einzigen, die diese Möglichkeit nutzen
Wir kommen bereits gegen 14.00 Uhr in Oldenburg an, so dass wir in der Unterkunft noch nicht einchecken können – das geht im Hotel Antares erst ab 15.00 Uhr. Also fahren wir mit den Rädern zunächst in Oldenburgs Fußgängerzone und dann auch in den Schloßpark.
Zunächst reist der Fersengurt meiner Hake-Pedale am linken Fuß, was wir mithilfe von Gaffaband „flicken“.
Im OIdenburger Schlosspark fiel dann plötzlich das Rad meiner Partnerin, und wir stellen fest, dass der Seitenständer abgebrochen ist. Das ist ziemlich unpraktisch und wir müssen den Ständer am kommenden Tag möglichst vor der Weiterfahrt ersetzen lassen.

im Schlosspark befindet sich ein Teich – von diesem Rhododendrengeschmückten Ufer sieht man auch die Oldenburger Kirche
Im Hotel frage ich also beim Einchecken nach einer Fahrradwerkstatt in der Nähe, und der hilfsbereite Rezeptionist sucht uns zwei in der nahegelegenen Fußgängerzone. Wie wir abends bei eigener Recherche feststellen, öffnen diese aber eh erst relativ spät, und ohnehin erscheint zweifelhaft, ob wir dort zeitnahe Hilfe finden können. Meine Partnerin findet im Netz eine kleine Fahrradwerkstatt in etwa 3,5 km vom Hotel, von dem es allerdings in dem Bewertungen heißt, dort werde fachkundig und schnell geholfen. Also entscheiden wir, am folgenden Tag nach einem frühen Frühstück möglich bei Öffnung der Werkstatt bereits dort zu sein.
Die Schaltung meines Dreirades knarrt auch, und so möchte ich zumindest fragen, ob diese sowie die Feststellbremse ebenfalls eingestellt werden könnte.
Oldenburgs Geschichte begann nach den Ergebnissen ärchäologischer Ausgrabungen im 7. oder 8. Jahrhundert. Heute ist die Stadt mit ihren gut 175.000 Bewohnenden eine kreisfreie Großstadt in Niedersachsen. Die heutige Universitätsstadt ist nach Hannover und Braunschweig die drittgrößte Stadt Niedersachsens, und war ehemals Residenzstadt und Hauptstadt der Grafschaft, des Herzogtums, des Großherzogtums, des Freistaates und des Landes Oldenburg.
Dann verstauen wir unser Gepäck im Zimmer und fahren nochmals in die nahegelegene Stadt, deren Zentrum recht schön ist.

In der Oldenburger Fußgängerzone
Auch das Schloss und den Marktplatz mit Rathaus betrachten wir noch:
Anschließend essen wir noch beim Asiaten und ruhen uns dann im Hotel aus. Das Zimmer ist gut, jedoch an einer recht lauten Straße gelegen – dennoch schlafen wir gut und erholsam.
2026-05-26 (Tag 10) – 10. Etappe: Oldenburg-Brake-Bremerhaven): 80 gefahrene km

Screenshot der 10. Etappe: Oldenburg-Bremerhaven
Nach dem frühen Erwachen nehmen wir auch recht früh unser Frühstück im Hotel Antes ein, packen dann und sind bereits gegen 8.45 Uhr die knapp 3,5 km zu Fahrrad Hinrichs gefahren. Wir wussten ja, dass er erst um 9.00 Uhr öffnet, wollten jedoch die ersten dort sein, da wir heute noch eine lange Etappe bis Bremerhaven vor uns hatten.

Die Eingangstür der Fahrradwerkstatt Hinrichs in Oldenburg
Wir stehen also mit dem „Corpus Delicti“ in der Einfahrt vor der Tür und warten

Am Hinterrad unter dem Ritzel erkennt man den Stumpf des Seitenständers
Es ist ein warmer Tag und einige Minuten nach uns kommt ein weiterer Kunde, der aber dann auch nach uns dran wäre. Herr Hinrichs kommt dann an sein Hoftor und fragt mich, was wir bräuchten, damit wir nicht vergebens auf ihn warteten. Ich erzähle ihm vom Seitenständer – kein Problem! Meinen Wunsch, an meinem Dreirad die mechanische Schaltung und die Feststellbremse eingestellt zu bekommen, quitiert er uunächst angesichts meines Combo-E-Trikes von Pfautec mit „Dafür bin ich nicht ausgebildet!“ Da es jedoch um eine traditionell-mechanische Wartung geht, lässt er uns beide rein, und montiert zunächst einen neuen Seitenständer am Rad meiner Partnerin und stellt dann Schaltung und Feststellbremse meines Gefährts ein. Dabei unterhalten wir und nett über seine Katze und Radfahren. Er scheint einer dieser Überzeugungstäter zu sein, und bestätigt unsere Vermutung, dass wir bei größeren und zentraler gelegenen Fahrradwerkstätten wohl ohne Termin kaum bedient worden seien. Seine Reparatur hingegen beginnt er sofort mit Sachverstand und Geschick und berechnet uns wirklich einen Preis, den uns sein Service wirklich wert ist. Die positiven Bewertungen über ihn im Netz können wir nur voll und ganz bestätigen.
Tipp: Im Bedarfsfall lieber vorab im Netz nach gut bewerteten und kleineren Werkstätten suchen und ggf. eine etwas längere Strecke in Kauf nehmen, als zur erst-besten Werkstatt zu fahren.
Wir sind Herrn Hinrichs wirklich dankbar und können bereits vor 10 Uhr unsere heutige Etappe in Angriff nehmen. Meine Schaltung hat er auch gut eingestellt, wie ich daran merke, dass sie beim Fahren viel weniger hakt.
Zunächst fahren wir aus Oldenburg hinaus

Landschaft hinter Oldenburg
und durch Bethel, einem Ortsteil von Oldenburg

Radweg hinter Bethel
Irgendwann verwirrt uns die APP wieder und wir bleiben stehen, um es uns visuell genau anzuschauen. Schließlich fahren wir auf einem recht guten und an einer Landstraße entlangführenden Radweg – die APP wollte uns wenige Meter vor dieser Straßenkreuzung auf einen Feldweg führen, der uns allerdings bezüglich seiner Fortführung nach einigen hundert Metern nicht sehr vertrauenswürdig erschien. An einer weiteren Kreuzung nahe einer Tankstelle hie uns die APP links abbiegen und dann nach einigen hundert Metern auf einer in der Mitte erhöhten und somit mit Rädern an den abfallenden Straßenrändern nicht sehr komfortabel zu beradelten, aber zum Glück nur mäßig von Autos frequentierte Straße, rechts abbiegen. Ein Bauer mit Trekker sah uns verwundert an, doch konnten wir ihn und seinen Treker passieren und fahren weiter, bis wir an eine gesperrte Stelle (Umleitung) gelangten. Dort bogen wir links in einen recht schönen Weg ein, der aber immer weniger ein Radweg zu sein schien. Shließlich sprang ein junger Hund (Wind- oder Jagdhund?) auf und zu, wedelte mit dem Schwanz und beschnüffelte und abwechselnde mit großem Interesse, bis er von einem Mann mit zwei weiteren Hunden zurückgerufen wurde. Dieser auskunftsfreudige Mann teilte uns mit, dass es weiter geradeaus einen malerischen Weg gebe (er betonte die 2. Silbe), der aber auch herausfordernd sei.
Also entschlossen wir und zur Umkehr und folgten weiter dem Radweg an der Landstraße. Der Radweg endete, als wir eine Brücke überqueren mussten und auch auf unserem weiteren Weg zur Weserfähre in Brake mussten wir hin und wieder unsere APP visuell befragen.
Schließlich gelangten wir zum Weserdeich, auf dem viele Schafe weidetem

Schafe auf dem Weserdeich
Am Deich entlang radelnd erreichten wir schließlich die Fähre bei Brake

auf der Weserfähre bei Brake

Die Weser bei Brake
Auf der anderen Weserseite radelten wir entlang des Deiches. Eigentlich hätten wir gerne eine Pause mit Stärkung gemacht, und unser mitgeführtes Wasser war auch bereits getrunken, doch gab es nur einzelne Häuser oder Gehöfte und keine Restauration. Erst in Dedendorf sahen wir einen Hinweis auf eine Bude mit Getränken und etwas zu Essen, die wir allerdings zunächst nicht fanden, bis wir einen vorbeiradelnden Jungen (scheinbar einheimisch) fragten. Er wies uns den Weg über den Deich zum Ufer der Weser, und tatsächlich gab es dort zwei Anhänger (einer mit Fischbrötchen, Bier und Ähnlichem, der andere mit Quiche, Softdrinks und etwas Kuchen. Wir entschieden uns für die Quiche-Bude und kauften uns etwas zu Essen und zu Trinken. Auch eine Toilette gab es in der Nähe, in der wir auch unsere Wasserflaschen auffüllten. Da am Becken kein gegenteiliger Hinweis war, gingen wir davon aus, dass es sich um Trinkwasser handelte – und tatsächlich hatten wir anschließend auch keine Beschwerden.
Danach fuhren wir weiter, zunächst durch die paar Häuser von Dedendorf durch noch auf etwas wie einem Radweg, der aber schnell immer schlechter wurde und sich dann ganz verlor. also mussten wir ein Stück auf einer Landstraße fahren, deren Straßenrand leider ziemlich schlecht befahrbar war. Nach vielleicht 3-4 km sahen wir links von der Straße einen guten Radweg, zu dem wir hinüberwechselten vermutlich kam der auf der anderen Seite des Deiches von den Büdchen (?) –
Wir folgten diesem sehr guten Radweg weiter gen Bremerhaven und überquerten kurz vor 16.00 Uhr einen Kanal

Die Weser kurz vor Bremerhaven
Nun fuhren wir nach Bremerhaven durch die Hafengegend hinein auf dem Weg zu unserer gebuchten Unterkunft („Brunnen“ – dazu gleich mehr …)
Auf dem Weg mussten wir noch einen Boxenstopp einlegen – gut, dass wir beide zwei Akkus dabei haben!
Schließlich kamen wir am „Brunnen“ an – die Gegend erschien nicht gerade vertrauenssteigernd, und in der Unterkunft standen im Treppenaufgang ein paar Fahrräder. Das Rad meiner Begleiterin stellten wir eine Halbtreppe hoch vor eine Tür auf einen kleinen Absatz, auf dem bereits ein anderes Rad stand. Mit und für mein gut 55 kg schweres Dreirad gab es absolut keinen Platz!
Wir luden ab, und während meine Partnerin mit Rädern und Gepäck am Eingang wartete, stiefelte ich die zwei Etagen hoch zu unserer Zimmernummer. Als ich wieder die Treppe hinabging, sprach mich eine Frau an, dass unser Gepäck so aber nicht liegenbleiben könne. Ich versicherte ihr, wir würden es ins Zimmer bringen, doch betonte sie auch, dass das Rad meiner Partnerin dort unmöglich stehen bleiben könne.
Beide Räder über Nacht auf der Straße zu lassen, hielten wir beide für überhaupt keine gute Idee, wenn wir sie am folgenden Tag überhaupt noch und in unversehrtem Zustand vorfinden wollten, um unsere Reise fortsetzen zu können.
Auch traf ich zwei Handwerker, die seit einer Woche dort Zimmer hatten und alles andere als abgetan waren.
Also besprach ich mich kurz mit meiner Partnerin und suchte dann online eine Alternativ-Unterkunft. Nachdem ich mich telefonisch versichert hatte, dass es dort sichere Unterstellmöglichkeiten für unsere Räder gäbe führte ich die Buchung durch und ließ unsere zuerst gebuchte Bleibe, die (natürlich!) nicht stornierbar war, verfallen. Die Handwerker halfen uns noch mit dem Rad meiner Partnerin und dann radelten wir die nächste Straße links vielleicht 600 Meter runter bis zu unserer anderen Unterkunft Von dort rief ich die die Wohnung betreuende Frau an , die etwas unwillig, aber dann doch kam, um uns eine (etwas verranzte, aber für eine Nacht akzeptable Wohnung (im Erdgeschoss) und Stellplätze für unsere Räder in einem abschließbaren Schuppen zuzuweisen.
Wir verstauten unser Gepäck in der Wohnung und fuhren mit dem Bus noch zu einem Netto, um Essen und (nach diesem sehr ereignisreichen) Tag eine Flasche Wein zu kaufen.
Die Gegend ist wirklich nicht toll, wie man auch an diesem Foto sieht:

Die Tür war offenbar mal aufgebrochen worden, und auch die Wohnung war wirklich nicht toll! Aber wenigstens standen die Räder sicher und für eine Nacht ging es – Foto: StH, 2026
Derart hatten wir 59 € für den Brunnen verschenkt, doch waren uns unsere unversehrten Räder eindeutig mehr wert, und wir konnten unsere Akkus und Handys aufladen und eine Mütze Schlaf nach unserer bislang längsten und recht ereignisreichen Etappe nehmen.
2026-05.27(Tag 11) – 11. Etappe: Bremerhaven-Hemmoor): 58 gefahrene km

Screenshot 11. Etappe: Bremerhaven-Hemmoor
Wie üblich werden wir früh wach, frühstücken in der zum Appartment (Rickmersstr. 61), gehörigen Küche und packen unsere Sachen.
Gut an der Unterkunft war, dass wir die Räder sicher abstellen konnten. Auch erhielten wir für die eine Nacht ein 2-Zimmer-Appartement mit Bad und Küche im Erdgeschoss für 53,10 €. Ok, die Bettwäsche empfand ich als klamm, die Wohnung nicht supersauber und im Schlafzimmer war eine Ameisenstr, aber im Preis-Leistungs-Verhältnis war es für eine Nacht ok. Wir hatten schon besser übernachtet und auch bereits schlechter, doch hatten wir die Nacht gut überstanden und fanden die Räder sicher und unversehrt wieder vor, was am „Brunnen“ sicher nicht garantiert gewesen wäre.
Bremerhaven ist mit knapp 120.000 Bewohnenden eine Großstadt am Westrand des Elbe-Weser-Dreiecks und gehört als Exklave zur Land „Freie Hansestadt Bremen“. Sie möchte mit verschiedenen Projekten „Smart City“ werden.
Der Hafen steckt ja bereits im Namen und deren Geschichte beginnt 1830 mit dem alten Hafen. Laut Wikipedia ist sie mittlerweile nicht nur Hafen-, Handels- und Industriestadt, sondern durch den regionalen Strukturwandel auch Dienstleistungs- und mit der Hochschule auch Wissensstadt mit Tourismus
Die Tourismusseite der Stadt nennt als Highlights mehrere Museen, das Klimahaus Bremerhaven, dem Zoo am Meer mit Eisbären und Pinguinen und das Deutsche Auswandererhaus, das ein preisgekröntes Erlebnismuseum ist, und das auch im DLF -Podcast „Amerika verstehen“ in einer Folge erwähnt wurde – dort wird die Geschichte der Auswanderung von 7,2 Millionen Auswandernden zwischen 1830 und 1974 nach Übersee auf knapp 3.500 m² ebenso wie seit 2012 rund 330 Jahre Einwanderungsgeschichte nach Deutschland präsentiert.
Das Auswanderhaus wäre vermutlich einen Besuch wert gewesen, doch ist das Bestreben von uns „Banausen“ lediglich die Durchreise, und nach Kennenlernen „eines besonderes Charmes“ in der Umgebung unserer beiden Unterkünfte die Weiterreise unserem nächsten Etappenziel in Hemmoor entgegen (zu dieser Stadt später, auch sie fanden wir durch unsere Teamsuche, bei der meine Partnerin zunächst eine für uns machbare Tagesetappe von etwa 50 km in Richtung unseres Zieles Glücksburg suchte, und ich dann eine Unterkunft in einem vernünftigen Preissegment und mit sicherer Unterstellmöglichkeit für unsere uns teuren Fahrzeuge, die gleichzeitig Gepäckwagen und Sportgeräte darstellen. Ohne eine derartige Suche hätten wir vermutlich ebenso wenig jemals von Hemmoor wie z.B. von Schermbeck-Gahlen oder Horstmar erfahren, so dass diese Art der Reiseplanung einen besonderen Reiz darstellt und immer wieder für Überraschungen gut ist.
Nun aber zunächst zur heutigen Tagesetappe:
Von den Möglichkeiten, die uns von Google Maps für die Radreise zwischen den beidem Orten der heutigen Etappe entscheiden wir uns für die mittlere, die einiges kürzer ist als die nördliche Route. Von unserer Unterkunft finden wir zunächst gut aus Bremerhaven heraus.

Die „Langener Landstr.“ bei Lehe, das noch ein Stadtteil von Bremerhaven ist
Vor Spaden wechseln wir vom Bundesland Bremen wieder nach Niedersachsen. Die Radwege sind recht gut, selbst wenn sie teilweise durch Wohngebiete wie in Spadenüber Bürgersteige oder an der Landstr. entlangführen.

Haus in Spaden, das bereits in Niedersachsen liegt
Hinter Spaden führt uns ein recht gut ausgebauter Radweg an einer Landstraße entlang, bis er auf unserer Straßenseite endet und auf der anderen Straßenseite fortgeführt wird. Also heißt es, die Landstraße zu überqueren, was etwas vom Radweg zur recht viel und schnell befahrenen Straße ansteigend gar nicht so einfach ist

diesen Übergang könnte man vermutlich geschickter und ungefährlicher gestalten (?)
Mit etwas Umsicht kommen wir gut auf die andere Seite und folgen weiter unserer Route.
Als nächstes kommt eine Ortschaft:

Welche sinniger Ortsname 🙂
Zur „Ortschaft“ gehört auch eine beeindruckende Villa. Irgendwann wollen wir im Netz mehr Informationen zum Ort „Ortschaft “ finden, was uns tatsächlich nicht gelingt. Erst als meine Partnerin das Foto abfotografiert und derart mit ihrem Smartphone sucht, erhalten wir einen Link , der uns aufklärt, dass es wohl mehrere derartige „Ersatz-Ortsschilder“ (Platzhalter) gibt, und zwar, wenn das Original-Ortsschild abhanden gekommen ist – in diesem Fall in „Stuhr“. Echt Kurios 🙂

oder ist diese Villa die „Ortschaft“?
Wie das Ortsschild verrät, gehört „Ortschaft“ bereits zur Stadt „Geestland“, die wir durch Wälder und Felder weiter durchradeln und so auch an den Flögelner See gelangen.

Der Wald bei Ortschaft, durch den der Radweg uns führt.
Die Straße dorthin ist ohne gesonderten Radweg und einige Autos fahren (rasen!) sie mit erheblicher Geschwindigkeit entlang.

Da der Straßenrand nicht gut zu befahren ist, versuchen wir stets Autos, die von vorne oder hinten kommen, frühzeitig zu hören, um auf das Passieren vorbereitet zu sein

Dass Rhododendron in dieser Gegend hervorragend gedeiht, wissen wir ja bereits
Schließlich kommen wir am Flögelner See an, wo sich auch ein Hochstand als Aussichtsplattform befindet. Wir klettern hinauf, sehen uns die Erläuterungstafel und den See von dort an.
Der See ist mit ein 155 Hektar großer Moorsee mit Wasserverbindung zum Halemer und zum Dahlemer See, die jedoch beide unter Naturschutz stehen. Er grenzt im Nordosten an weitläufige Moorgebiete. Im See gibt es eine kleine Insel mit Überresten einer mittelalterlichen Wasserburg. Am See nisten zahlreiche Vogelarten und im Winter kommen aus Nordeuropa und Russland Singschwäne hinzu.
Der südliche Seeabfluss führt über die Aue zum Hadelner Kanal, der Teil des Elbe-Weser-Schifffahrtsweges ist. Er ist nicht schiffbar, aber für Paddler geeignet
Wir machen dort eine Pause inklusive „Boxenstopp“ und radeln dann weiter weiter durch Wälder, in denen Vögel erzählen – möglicherweise tauschen sie sich über diese seltsamen und schwer bepackten Radler aus? Auch sehen wir bei unserer Fahrt mal einen Storch, dem die um die Wette quakenden Frösche zum Festmahl den Weg leiten, mal einen Reiher und auch mal einen Fasan, der erschreckt vor uns auffliegt und einen Raubvogel, der über einer Wiese oder einem Feld nach Beute ausspäht.

Hinter „Ortschshaft fahren wir auch durch Wiesen
Es ist eine schöne und friedliche Fahrt, die uns als nächstes nach Steinau führt

eine Kirche gibt es in Steinau, doch eine Raststätte für eine kleine Stärkung suchen wir vergebens
Irgendwann treffen wir an einer Straßenkreuzung 3 radelnde Damen aus Cuxhaven. Auch sie haben keine geöffnete Gaststätte gefunden – schade, aber dann halt weiter.

ein Haus am Radweg hinter Steinau
Wir kommen weiterhin an Wiesen und Feldern vorbei

die Landschaft hinter Steinau

und überqueren kurz hinter Steinau einen Kanal mit Booten

wir folgen weiter dem Radweg, der an der Landstraße recht gut ausgebaut ist
weiter geht es durch Ödisheim

die Landschaft bei Ödisheim
Hier ist die Landschaft schon fast heidemäßig. Man sieht weiterhin Felder und Wiese, bisweilen durchzogen durch Baumgruppen.

Uns fallen auch Klatschmond und Gräser mit wollartigen Blüten auf
Auch an Pferdeweiden kommen wir vorbei

Pferdewiese mit Schimmel und einem Fohlen bei Ödisheim
Etwas weiter bei Süderbusch stoßen wir an einer Straßenkreuzung auf einden von der Gemeinde eingerichteten Rastplatz

wir sind dankbar für diesen von der Gemeinde eingerichteten Rastplatz, am dem wir mit unseren Reiseprovisant eine Mahlzeit einnehmen

Zeit für eine Kräftigung
Nach der Stärkung geht es weiter auf die letzte Wegstrecke
Natürlich sehen wir auch wieder Rhododendren – hier auch mit orangen Blüten

auch orangenen Rhododendron gibt es in der Nähe von Hemmoor
Schließlich kommen wir an unserer Pension „Kolibri“ an.

Die Pension „Kolibri“ gehört zu einem Fliesenmarkt, dessen Werksgelände direkt benachbart ist
Wie erbeten hatte ich etwa 1/2 Stunde vor Ankunft an, und die Wirtin sitzt bei unserer Ankunft in der Küche. Wir beziehen unser wirklich tolles Zimmer im Obergeschoss (über eine Treppe erreichbar), bringen unser Gepäck hin, und fahren dann gemäß den Angaben der Wirtin zum nahegelegenem Supermarkt mit Bäckerei im Vorraum – wir kaufen für unser Frühstück ein und nehmen auch Teilchen für einen Snack am nahegelegenem Kreidesee, wo wir nach dem Einkauf hinfahren mit

der „Kreidesee“ nahe Hemmoor
Wir setzen uns dort auf eine Bank und verzehren den erworbenen Kaffee mit den Teilchen.
Der Kreidesee ist ein bis zu 60 m tiefes Tauchparadies, das aus einer ehemaligen Kreidegrube entstanden ist.
Anschließend fahren wir noch etwas um den See herum und kommen an ein paar Häusern aus

Häuser und ein beeindruckender Baum an einem anderen Ende des Weges um den See
2026-05-28 (Tag 12) – 12. Etappe: Hemmoor-Glücksstadt) – 30 gefahrene km
Am nächsten Morgen frühstücken wir in der auch uns zur Verfügung gestellten Küche im Erdgeschoss und begeben uns auf die heute recht übersichtliche Etappe, die uns allerdings über die Elbe führen soll – der Elbtunnel ist per Rad natürlich keine Option 🙂
Noch in Hemmoor kommen wir am „kaiserlichen Postamt“ vorbei

eigentlich dachten wir, der hätte vor längerer Zeit abgedankt? Doch nicht? – Nun, es soll ja noch Zeitgenossen geben, die als „Reichsbürger“ die jetzige Staatsordnung nicht anerkennen
Weiter geht es über die über die Ostebrücke an Osten vorbei, wo es über den Fluss Oste offenbar eine Schwebefähre gibt

Blicke von der Ostebrücke auf die Schwebefähre bei Osten
Wir kommen auch durch das „alte Land“

der Radweg entlang der wohlorganisierten Apfelplantage
Die Gegend hatte meine damals kindliche Partnerin noch als quasi wilde „Apfel-Streuwiesengegend“ in Erinnerung. Davon ist allerdings im Sinne von effizientem Anbau und Ernte rein überhaupt nichts mehr übrig!

Heutzutage sind die Apfelbäume effektiv für die Ernte gestutzt und in Reih und Glied gepflanzt
Und dann radeln wir auch bereits an einer laangen Autoschlange entlang, die offensichtlich warten sie an der Elbfähre

Wartende Autoschlange vor der Elbfähre bei Wischhafen – manchmal ist es doch sehr angenehm, mit dem Rad unterwegs zu sein und fröhlich und „nicht zu huldvoll winkend“ beim Vorbeifahren zu grüßen
Natürlich können wir, wie andere Radelnden auch sofort bis zur Fähre vorfahren, und nehmen ohnehin keinem der wartenden Autos den Stellplatz weg.

auf der Elbfähre nach Glückstadt
Natürlich kommen wir mit den anderen mit uns übersetzenden Radelnden ins Gespräch, wobei mein Dreirad durchaus Aufmerksamkeit anzieht. Unter anderen tauschen wir uns mit einem dänischen Paar aus, das von Dänemark ins Allgäu geradelt war und sich nun auf dem Rückweg befindet. Sie haben an ihren Rädern (ohne E-Motor) unter anderem GPS-Trecker, die im Falle von Diebstahl ein Signal schicken und die „entführten“ Räder aufzuspüren vermögen.

Meine Partnerin im Gespräch auf der Elbfähre
Wir dachten ja, dass unsere Leistung einer Fahrt von Königswinter nach Glücksburg schon beeindruckend sei, aber gegen dieses Radlerpaar sind wir wirklich „Waisenkinder“! Der Mann hatte durch einen Sturz vom Hausdach das Rückgrat gebrochen, ist Rentner und nutzt mit seiner Frau nun die Zeit für sehr ausgedehnte Touren. Prinzipiell hat er sich vom Unfall wohl recht gut erholt, nur in einem Bein kribbelt es wohl zunehmend mit etwas Taubheit.
Die beiden reisen mit ziemlich kleinem Gepäck – und auch wir haben gemerkt, dass wir einige Dinge mitführen, die eher unnötig sind.- So sind Radhosen zur Schonung des Gesäßes ziemlich wichtig, aber dann täten es eben auch weniger Slips, die ohnehin gewaschen werden können. Ok – für uns E-Bikenden ist der jeweilige Ersatz-Akku mit eine, Gewicht von jeweils etwa 3-5 kg vielleicht nicht absolut erforderlich, aber zweifelsohne hilfreich, und auch ein Paar Socken und das ein oder andere T-Shirt könnte ggf. eingespart werden? Waschzeug und anderes Verbrauchsmaterial haben wir ohnehin nur für eine Weile dabei, da es jederzeit nachgekauft werden kann – lediglich Trinkwasser und kleine Snacks haben stets dabei – Vor Reiseantritt hatte ich mir noch ein kleineres und leichteres Notebook (gebraucht) gekauft, da ich keine hohe Bildschirmdiagonale auf Reisen benötige, aber ein Notebook für meine Blog und das Herunterladen der gemachten Fotos von Vorteil ist.
Regenklamotten sind, wie wir zu Beginn feststellten, auch mehr als hilfreich, und eine Ersatz-Hose und ein Pulli für kühlere Tage, die wir uns Ende Juni 26 kaum noch vorstellen können, aber auf der Tour durchaus erlebt haben.
Und etwas Pflege- und Erste-Hilfe-Material könnte auch mal gebracht werden (Sonnenmilch, Insektenspray, Pflaster und Zinksalbe). Außerdem benötigen wir beide eine gewisse Menge an Medikamenten, die in Zeiten von E-Rezept allerdings telefonisch beim Hausarzt nachbestellt werden können, sofern kein neues Quartal begonnen hat, was ich selbst auch zweimal während der Reise in Anspruch nahm. Die Digitalisierung ist in einigem Dingen also durchaus ein Fortschritt!
Von der Fähre aus sehen wir in der Ferne den Atomkraftwerk Brokdorf sowie Windräder

am Ziel-Elbufer (Glückstadt) sieht man Windräder sowie den Atommeiler Brokdorf, das nun ebenfalls abgeschaltet ist und als „Zwischenlager“ dient. Die Suche eines Endlagers für Atommüll in Deutschland ist ja eine weiterhin unvollendete Aufgabe und wird voraussichtlich noch Jahrzehnte dauern – ein Umstand, den die Befürworter von Small Modular Reaktoren gerne unterschlagen
Auf dieser privat betriebenen Elbfähre erhalten wir übrigens keinerlei Behinderten-Rabatt, sondern zahlen, wie alle anderen auch, für unsere beiden Räder und uns beide einen Preis von 13,20 € für die Überfahrt.
Und so erreichen wir das Ende unserer Überfahrt

kurz vor dem Anlegen bringt ein Fährenbediensteter das Deck der Fähre auf dieselbe Höhe wie den Anleger
Und so warten die Räder ab, bis die Autos die Fähre verlassen haben und wechseln dann ebenfalls wieder an Land – dieses Mal auf dem Ufer bei Glückstadt. Nun sind wir in Schleswig-Holstein. An diesem Ufer befindet sich etwas landeinwärts ein Teich, an dessen Ufer wir auf einer Bank ein wenig rasten

ein Teich am Ende der Abfahrt von der Elbfähre, auf der linken Straßenseite, wo es auch nach Glücksburg geht
Dann laden wir unsere Unterkunft in die APP bzw., da wir noch zu früh zum Einchecken sind, den Marktplatz von Glückstadt, wo wir zunächst hinfahren, um Kaffee und Kuchen einzunehmen.

Pause zum zweiten Frühstück am Markt von Glücksburg
Anschließend suchen wir das Apartuum („Am Fleth“)
und ich rufe den Vermieter an. Natürlich sind wir noch zu früh zum Einchecken, und möchten und gegen 14.30 Uhr erneut melden.

Fleth in Glückstadt
Also erkunden wir per Rad etwas die Stadt und setzen und dann an Ufer des Hafens.
Glücksburg ist eine an der Unterelbe gelegene Kleinstadt in Schleswig- Holstein, die mit ihren gut 11.000 Bewohnenden nach Itzehoe die zweitgrößte Stadt des zur Metropolregion Hamburg gehrenden Kreis Steinburg. Die Stadt wurde 1617 vom König von Dänemark und Norwegen, Christian IV. gegründet und nach den Plänen des in holländischen Diensten stehenden französischen Festungsbaumeisters Pieter de Perceval errichtet und sollte eine uneinnehmbare Festungs- und Hafenstadt an der Unterelbe werden. Leitspruch von Christian IV. sei gewesen: „Dat schall glücken und dat mutt glücken – und dann schall se ok Glückstadt heten!“
Der historische Stadtkern ist bis heute ein Musterbeispiel für eine auf dem Reißbrett entworfene Fürstenstadt der Neuzeit

Erklärtafel der „Radialstadt Glücksburg“ am Ufer des Hafens
Der König versprach Religionsfreiheit und so siedelten bald erste Exiliantengruppen niederländischer Reformierter in die Stadt, denen kostenlose Baugrundstücke zur Verfügung gestellt und Steuerfreiheit gewährt wurden. Ebenfalls „Remonstranten“ und Minoriten kamen aus den Niederlanden und Christian IV. garantierte in 1624 in einem Toleranzedikt Religionsfreiheit. Auch aus Portugal stammende sephardische Juden kamen mit des Königs Toleranzedikt von 1619 ab 1620 aus den Niederlanden und 1630 wurde ihnen der Bau einer Synagoge gestattet, die 1767 in der Königstraße 6 neu aufgebaut wurde. Die Zahl der jüdischen Bürger nahm jedoch in den folgenden Generationen ab, was schließlich zum Verkauf und Abbruch der Synagoge im Jahr 1895 führte.
Katholiken durften im zunächst lutherischen Holstein ihre Religion zunächst nicht offen ausüben, und ihnen wurde im Haus des spanischen Konsuls Gabriel de Roy 1630 erstmals private Gottesdienste gestattet. in den 1660er Jahren gab es durch aus Polen-Litauen vertriebene Brüder Bemühungen einer Gegenreformation, besonders von Stanislaw Lubieniecki initiiert, doch misslang eine Ansiedlung in der Stadt.
Die im Ausbau kräftig vorangetriebene Festung bewährte sich tatsächlich im Dreißigjährigen Krieg. und so konnte Glücksburg als einzige Festung in Schleswig-Holstein nicht durch Belagerung bezwungen werden konnte.
Zucker, Salz, Seifensiedereien, eine Ölmühle und der Walfang um Grönland waren wirtschaftlich bedeutend, und Glücksstadt wurde kurzzeitig Sitz der 1671 zu Grunde gegangenen „Glückstädter Aficanischen Kompanie“ sowie der isländischen und norwegischen Handelskompanie.
1649 wurde Glückstadt Regierungskanzlei für die königlichen Landesteile Schleswig und Holstein., 1713 auf die königlichen Teile Holsteins beschränkt. Seit 1867 gehört Glückstadt zum Kreis „Steinburg“ und als „Hauptstadt Holsteins“ 1845 an die neu errichtete Stammstrecke der Schleswig-Holsteinischen Marschbahn-Gesellschaft angeschlossen.
Bezüglich des Hafens wurde die Konkurrenz Hamburgs und Altonas im 18 Jahrhundert zu stark, und die Bedeutung von Glücksstadt war mehr von Militär und Regierung als von Gewerbe und Handel geprägt.
Wir verbringen also noch Zeit am Hafen und beobachten die Boote und die Hafeneinfahrt

der Hafen in Glücksstadt in Richtung der Hafeneinfahrt
Wir sehen auch das Boot „Moby Dick“, das ein Restaurant ist

Die „Moby Dick“ im Glücksstädter Hafen
Auch haben wir von unserer Bank aus einen Blick auf die Altstadt

Blick vom Hafen auf die Stadt
Gegen 14.30 Uhr gehen wir zum Apartuum. von wo ich den Vermieter anrufe. Er sagt, er käme und so warten wir vor der Tür der Unterkunft

meine Partnerin vor dem Apartuum „Am Fleth“
Tatsächlich kommt er dann auch und führt uns in der Parallelstraße in den Innenhof des Gebäudes, wo wir unsere Räder abstellen und von wo wir unser Zimmer im Erdgeschoss erreichen können, das er uns bei meinem Anblick überlässt. Er ist zurecht stolz auf dieses barrierefrei eingerichtete und wirklich schöne Zimmer, das wir beziehen.
Nach dem Auspacken, erkunden wir nochmals zu Fuß andere Teile der Stadt und stoßen unter anderem nach der „Ortschaft“ hier die „Namenlose Straße“

Auch nicht schlecht, hier zu wohnen gut: Diese Postadresse liegt nicht in „Ortschaft“ 🙂
Abends gehen wir noch im dem Apartuuum „Am Fleth“ gegenüberliegenden „Casa Mia“, wo wir nett im Freien im Hof sitzen können und italienische Speisen zu uns nehmen.
2026-05-29 (Tag 13) –13. Etappe: Glücksstadt- Itzehoe-Lütjenweststedt) – 48 gefahrene km

Screenshot: Glückstadt – Lütjenweststedt
Der heutige Zielort kam anders zustande als z.B. Horstmar. In diesem weltbekannten Ort lebt eine Schulfreundin meiner Partnerin mit ihrem Mann, die wir dort besuchen möchten. Die Adresse ist auch noch „Am Kloster“, aber wir sammeln auf dieser Reise ja scheinbar etwas skurile Orts- und Straßennamen.
Bekanntlich können wir besser nach unserer Tour ausschlafen, da ja auch die Sonne dieser Tage gehen 5.00 Uhr aufgeht – je weiter wir in den Norden kommen, dämmert es morgens sogar noch etwas früher – am heutigen 29.5. war der Sonnenaufgang laut Internet um 05.01 Uhr.
Also werden wir auch heute früh wach, frühstücken im Hof des Apartuum und packen dann unsere (etwas mehr) als „sieben Sachen“.
Bereits gegen 8.30 Uhr sind wir unterwegs und sehen etwas außerhalb von Glückdstadt den Abzweig nach Brokdorf und Brunsbüttel

Abzweig nach Brokdorf (10 km) und Brunsbüttel (23 km)
Kurz darauf erreichen wir ein weiteres Bespiel für unsere Sammlung „skuriler Namen“ und fahren durch „Blomsche Wildnis“

Ortsausgangsschild von „Blomsche Wildnis“
Als nächstes durchfahren wir Kempe

Ortsdurchfahrt von Krempe mit riedgedecktem Haus
Der Raddweg führt zwar an der Landstraße vorbei, ist aber zunächst weiter ordentlich

der Radweg hinter Krempe
Nachdem wir eine Bahnstrecke überquert haben

durchfahren wir Breitenbach

Die Radwege sind ordentlich und überwiegend gut befahrbar. Nur hinter Kremperheide hört der Radweg dann auf, so dass wir ein Stück auf der Straße fahren müssen, bevor wir auf eine kleinere Straße Richtung Breitenburg abbiegen können.
Danach geht es auf Itzehoe zu, das wir fast komplett durchqueren müssen.

Ein Haus am Beginn von Itzehoe
Wir überqueren einen Kanal bei Itzehoe

In Itzehoe verfahren wir uns etwas, bzw. die APP versorgt uns an einer Stelle mit zweifelhaften Ansagen, so dass wir dort zunächst falsch abbiegen, bevor wir dies realisieren und umdrehen
Und dann ist auch mal wieder „Boxenstop“

Zeit für den Akkuwechsel beim Rad meiner Partnerin
Hinter Itzehoe fahren wir dann auf eine Regenfront zu und fürchten uns ein wenig vor einem Gewitter. Das wäre irgendwo im Nirgendwo keine gute Aussicht, aber wir kommen schließlich doch ohne Regen durch

zum Glück kommen wir ohne Gewitter durch – der Radweg hinter Itzehoe
Und dann sind wir bereits am Abzweig nach Lütjenwestedt, das mit 530 Bewohnenden zum Kreis Eckernförde-Rensburg gehört und etwa 25 km südlich von Heide liegt. Nördlich von Lütjenwestedt verläuft der Nord-Ostsee-Kanal. In der landwirtschaftlich geprägten Gemeinde gibt es einige Handels- und Gewerbebetriebe.
Früh bei Ute, setzen uns zunächst in Garten

Der Abzweig nach Lütjenweststedt – noch 3 km
Kurz darauf fahren wir in Gokels ein

Anfahrt auf Gokels
Und kommen bereits gegen 13.00 Uhr bei Ute, der Freundin meiner Partnerin aus Schulzeiten an. Ute ist noch nicht da, sondern arbeitet noch – wir sollen uns in den Garten setzen. Da meine Partnerin die Örtlichkeit kennt, finden wir uns zurecht, und dann kommt auch Ute. Wir essen Früchte am auf den Rasen gestellten Tisch. Ute zeigt uns unser Zimmer im 1. Stock, wohin wir unser Gepäck bringen. Die Räder stellen wir im Garten ab

20-05-30 (Tag 14) – 1. Ruhetag: in Lütjenwestedt
Den folgenden Tag (30.6.26) bleiben wir bei Ute und Rainer. Es ist nach 13 Etappen unser erster Ruhetag, der auch recht gut tut. Meine Partnerin macht mit Ute einen Ausflug, während ich einen ruhigen Tag einlege und Rainer etwas arbeitet.
Abends wird im Garten gegrillt (Würstchen und Gemüse) und es gibt Salat

abendliches Grillen im Garten von Ute und Rainer
2026-05-31 (Tag 15): 14. Etappe – Lütjenwestedt – Schleswig – 59 gefahrene km

Screenshot der 14. Etappe am 15. Tag: Lütjenwestedt-Schleswig
Langsam sind wir unserem Ziel (ARTEFACT in Glücksburg) relativ nahe. Wir planen noch zwei Nächte in Schleswig und wollen am 2.Juni in Glücksburg ankommen.
Erneut sind wir früh unterwegs und radeln bei angenehmer Witterung durch die Felder hinter Lütjenwestedt

In einem der Felder zur Rechten der Straße steht ein Reh, das allerdings zunächst wegläuft und dann vor uns die Straße in ein Waldstück flieht, als es unserer gewahr wird.
Und dann sind wir bereits am Nord-Ostsee-Kanal, die wir per Fähre überqueren

auf der Fähre über den Nord-Ostseekanal
Der 1895 mit den beiden kleineren Doppelschleusen bei Brunsbüttel und Hotenau eröffnete Nord-Ostsee-Kanal, der bis 1948 „Kaiser-Wilhelm-Kanal“ hieß, verbindet die Nordsee (Elbmündung) mit der Ostsee (Kieler Förde) und ist mit knapp 30.000 Schiffen pro Jahr eine der meistbefahrenen Seeschifffahrtsstraße der Welt. Über den Kanal ist die Wegstrecke rund 460 km kürzer als der Weg um die Kimbrinische Halbinsel (Jüttland) durch die Nordsee. Skagerrak und Kattegat

Ein Schiff fährt über den Nord-Ostseekanal, bevor die Fähre übersetzen kann
Bald hinter dem Kanal und bei Bokelhoop führt uns eine Brücke auch über die Eider.

Der Radweg nach Überquerung der Eider
Hinter der Brücke geht der Radweg rechts ab

Der Radweg nach Überquerung der Eider
Zur linken liegt die Eider

Die Eider hinter Bokelhoop
Zur Linken liegen fette Wiesen mit Blumen und in der Ferne sieht man Windräder. Und auch Enten lassen sich blicken – an der Eider könnten es „Eider-Enten“ sein? Teilweise sehen sie zumindest so aus 😉

Wiesen und Windräder jenseits der Eider
Weiter geht es an Prinzenmoor vorbei, wo erneut Windräder stehen. Die Wiesen sind durch Wasserläufe durchzogen

Gut 50 Minuten später sind wir in Fockbek

Der Radweg hinter Fockbek führt durch ein Waldgebiet, das ein Hunde-Gassi-Paradies zu sein scheint
Am Ende der Strecke durch dieses Waldstück geht es ein wenig links der Landstraße entlang, bevor der Radweg jenseits der Landstraße wieder in den Wald führt

und jenseits der Landstraße geht es erneut in den Wald
Und plötzlich sind wir auf Wallensteins Spuren:

Auf Wallensteins Spuren

Erklärtafel zur Lohheide (Detail des Erläuterungstextes)
Dieses Gebiet wurde unter anderem im 30 jährigen Krieg vom böhmischen Generalissimus Albrecht von Wallenstein als Aufmarschgebiet genutzt. Wallenstein war ein wichtiger Akteur im 30 jährigen Krieg (1618-1648), der im Bündnis mit der katholischen Liga für den Kaiser gegen protestantische Fürsten sowie die dänische und schwedischen Kronen kämpfte und ab 1625 zweimal Oberbefehlshaber war, bevor er 1634 in Ungnade fiel und von kaisertreuen Offizieren ermordet wurde.
Und nun also müssen wir unseren erforderlichen „Boxenstopp“ im zumindest imaginierten Angesicht dieses Wallensteins und seiner Truppen durchführen. Die mich begleitende Marketenderin entnimmt dem Verpflegungswagen (in Form der Packtaschen an den Seiten ihres Drahtesels) einige Stärkungen in Form getrockneter Tomaten und Knäckebrot mit Kürbiskernen, die dem berittene Volk (bestehend aus zwei Personen) auf einem Baumstamm sitzend als willkommene Stärkung gereicht. Nervös lauschen wir in den uns umgebenen Wald, doch erlauschen wir zum Glück lediglich das uns umgebende Vogelkonzert und erspähen keine dunklen und blutrünstigen Gestalten. Glück gehabt!

Erläuterungstafel zu OchsenWeg
Zwischen 1350 und 1860 werden jährlich in wenigen Wochen bis zu 52.000 Ochsen zu den Märkten im Süden des Landes getrieben. Der Weg der Handelsroute besteht gewiss schon ab der Bronzezeit (1.700 – 500 v. Chr.). In Kriegszeiten ziehen große Heerzüge über den Weg („Heerweg“) in Richtung Norden und Süden.
Wenn also auch nicht völlig gesichert ist, dass auch Wallensteins Truppen hier entlang gezogen sind, so ist deren Lagern in der Region laut Erläuterungstafel wohl belegt.
Man kann sich also vorstellen, dass die Bauern, die in den Jahren des Dreißigjährigen Krieges hier ihre Ochsen zu Markte trieben, nicht von der Soldadeska etwa von Wallenstein überfallen wurden und der Marktbesuch sehr spontan beendet wurde. Dass Vieh gerade von militärischen Truppen geraubt (nett gesagt: konfisziert) wurden, ist wohl unbestritten . Was auf diesem „Ochsenweg“ konkret geschah, bleibt und verborgen, doch lässt es sich erahnen. Vermutlich konnte so mancher ochsentreibende Bauer froh sein, wenn er nur sein Vieh und nicht gleich auch sein Leben verlor(?)
Fockbek diente zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert als wichtiger Etappenort für den Viehtrieb nach Dänemark sowie Hamburg und in die Niederlande. Die Ursprünge der Gemeinde geht bis ins Jahr 1186 zurück.

Mein Gefährt beim Boxenstopp auf dem Ochsenweg
Wir stellen uns vor, wie Bauern der Umgebung, sich der Gefahr bewusst, sich bei ihrer Rast in Fockbek zu einer Gruppe zusammenschlossen und ihren Besitz von mehreren hundert Rindern, die meisten von diesen Ochsen , zu den Viehmärkten im Norden trieben. Sie waren bereits Tage unterwegs und trieben ihr Vieh langsam, damit dieses unterwegs Nahrung aufnehmen konnte und bis zum Verkauf auf dem Markt nicht zu viel Gewicht verlor. Somit schaffte der Treck täglich etwa 15-20 km. Augen und Ohren der Viehtreiber waren weit geöffnet, um eventuelle Gefahren rechtzeitig entdecken zu können. Dennoch brach plötzlich eine Horde hungriger Soldaten aus dem Nadelwald hervor. Trotz erbitterter Gegenwehr hatten die nur leicht bewaffneten Viehtreiber keine Chance und wurden von der Soldadeska schließlich niedergerungen. Letztere raubten das Vieh, das sie teilweise für die eigene Ernährung nutzten und teilweise durch Verkauf oder Tausch zum Erwerb anderer benötigter Dinge einsetzten. Wenn sie mit dem Leben davon gekommen waren. war für die viehtreibende Landbevölkerung die Arbeit eines längeren Zeitraums verloren und Ernährung und Überleben der Familie gefährdet. Doch leider war die Landbevölkerung derartige Überfälle allzu gewohnt – immer wieder kamen die „Kaiserlichen“ oder die „Reformierten“ in die Dörfer, forderten Tribut oder verwüsteten Speicher und Heimstätten. Trost spendete eventuell der Glaube und der von die Kirche vertretene jenseitige Leben, in dem der Mühsal ein Ende sei uns Milch und Honig im Überfluss fließe. Beschwerlich war das diesseitige Leben ohnehin mit langen Arbeitstagen und steter Sorge um Ernährung, Frieden, günstiges Wetter und gute Ernten sowie überhaupt Gesundheit, und höchstens bisweilen ein wenig und Zerstreuung bei Dorffesten oder anderen festlichen Anlässen.
Uns blieb ein derartiger Überfall erspart, so dass wir nach Erneuerung unserer Energieversorgung unserer Drahtesel und der Stärkung der Berittenen, weiterfahren. können. Wir setzen unseren Weg über den Ochsenweg weiter unbehelligt fort, und kommen als nächstes an der „Köhlerei“ vorbei.

Erläuterungstafel zur „Kohlerei“
Wir schauen und die Erläuterung an und fahren dann weiter bis auch wir einer Herausforderung, wenn auch völlig andere Art und nicht lebensbedrohend, gewahr werden.

die „Binnendüne“ hinter der Köhlerei auf dem Ochsenweg verhindert ein entspanntes Fahren mit unseren schwer bepackten „Lastwagen“, so dass meine Partnerin sich nur schiebend und unter erheblichem Kraftaufwand vorwärts bewegen kann
Dann haben wir diese vergleichsweise harmlose Herausforderung gemeistert, fahren über den diesen Weg abschließenden Parkplatz und setzen unsere Tour gen Schleswig auf geteerten Pfaden und an Jagel vorbei durch Busdorf fort.

Durchfahrt durch Busdorf, das kurz vor Schleswig liegt
Etwas später radeln wir dann tatsächlich am Hinweis auf das Wikingermuseum vorbei zur Schleibucht, über die hinweg wir den Schleswiger Dom sehen

Blick auf Schleswig über die Schleibucht hinweg
Und dann erreichen wir unser heutiges Quartier, das Domhotel, in dem wir uns für zwei Nächte eingebucht haben. Die Wirtin empfängt uns, hilft uns beim Tragen des Gepäcks über die Treppe in den ersten Stock zu unserem wirklich tollen Zimmer mit Balkon, und zeigt uns, wo wir unsere Drahtesel nächtigen lassen können.
Mein Gefährt ist für die schmale Eingangstür des Radschuppens zu breit, so dass ich es unter einem Sonnenschirm im Hof abstelle, dessen Zugangstor aber nachts geschlossen sei. Das Gefährt meiner Partnerin erhält den wohlverdienten Ruheplatz in einem abschließbaren Schuppen am Ende des Hofs

Blick von unserem Hotelzimmer auf den Hof, der Fahrradschuppen befindet sich am hinteren Ende links von den Mülltonnen
Nach Bezug unseres Zimmers entscheiden wir, uns ein Abendessen beim nahegelegenen Inder zu gönnen.

nach einer schönen, aber bisweilen anstrengenden Fahrt kräftigen wir uns in einem indischen Restaurant nahe des Domhotels
Nach einem leckeren Essen beschließen wir den Tag in unserem Zimmer, um am folgenden Tag genügend für die Besichtigung Schleswigs erholt zu sein.
2026-06-01 (Tag 16): 2. Ruhetag in Schleswig
Wir hatten das Frühstück im Hotel für etwa 8.30 Uhr bestellt und gehen zum Frühstücksraum, nachdem wir den Tag langsam und gemütlich begonnen haben.
Das Frühstück ist liebevoll mit Brötchen/Brot, Wurst- und Käse, etwas Obst, Kaffee und Saft, Joghurt und Eiern bereitet und lecker.
Vor dem Fenster ist auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Fahrradständer. Als wir uns an unseren Tisch setzen, sehe ich eine mobiltelefonierende Frau und kurz danach sehen wir, wie sie mit einer Polizistin und einem Polizisten diskutiert und gestituliert. Natürlich wissen wir bei geschlossenem Fenster nicht genau, worum es geht, doch ahnen wir als „Zaun-“ bzw. besser gesagt „Fenster-„Gäste, dass es etwas mit dem Fahrrad der Frau zu tun haben könnte. Wir sind froh, dass wir unsere Gefährte gut und sicher abstellen konnten, und sie nach dem Frühstück wohlbehalten vorfinden, um mit ihnen die Stadt Schleswig zu erkunden.
Zunächst fahren wir in den nahegelegenen Fischereiort „Holm“, cdem ältesten Stadtteil Schleswigs, die um das Jahr 1.000 entstanden sei, auf einer Inxel in der Schlei liegt und bis 1933 durch das Holmer Noor vom Festland getrennt gewesen sei.
Per Zufall beklommen wir am zentralen Platz einen Teil einer Führung mit

der zentrale Platz mit Friedhof und Kapelle im Fischereidorf „Holm“
Von hier au sieht man auch den Schleswiger Dom, der quasi von fast überall in der Stadt als Orientierungs-Fixpunkt dienen kann.

Blick aus Holm zum Schleswiger Dom
Der Stadtführende erzählt seinen Geführten auch von der Bedeutung der geteilte Haustüren. Hinter den unteres Teil im Haus stehend konnten die Bewohnerinnen durch den geöffneten oberen Türteil einen Snack (bzw. Klön) mit Nachbarn oder Passanten halten – Deshalb heißen diese Türen auch „Klöntüren“.

Eine (in der Mitte geteilte) „Klöntür“ in einem aus 1738 stammenden Hauses im Fischereiort Holm
Vom zentralen Platz aus weiter durch eine rosengeschmückte Straße.

An den Häusern der vom zentralen Platz weiterführenden Straße wachsen Rosenstöcke
Uns noch weiter vom Zentrums Schleswigs in den Fischereiort hineinbewegend gelangen wir zum St. Johannis-Kloster, in dem sich auch ein Blumen- und Kräutergarten sowie ein Skulpturenpark befindet, und offensichtlich auch Schulungen und kulturelle Events stattfinden.
In einer Kuhle in einem größeren Stein badet ein Vogel

ein Vogel erfreut sich eines Bades des Klostergartens, auch wenn er sich mit seinem wilden Bad vermutlich der gesamten Badeflüssigkeit beraubt. Doch scheint sein Vergnügen groß
Schleswig ist mit gut 25.000 Bewohnenden eine Mittelstadt an der langgezogenen Ostseeförde Schlei und die ehemalige Hauptstadt des Herzogtums Schleswig. Laut Wikipedia wurde Schleswit erstmals im Jahr 804 als Sliasthorp erwähnt (dänische Form: Sliestorp) erwähnt. Die Endung thorp (übersetzt Dorf) verweist darauf, dass es sich um eine Nebensiedlung handelt.[6] Der zugehörige Hauptort, die Haithabu genannte Wikingersiedlung am Haddebyer Noor, wurde von König Gudfred (Göttrik) 808 zum Handelsplatz ausgebaut und im Jahr 1066 endgültig zerstört. Die Frage, ob die Keimzellen der gegenüberliegenden heutigen Stadt Schleswig erst nach der Zerstörung von Haithabu gegründet wurden oder schon einige Jahrzehnte Bestand hatten, wird in der Forschung kontrovers diskutiert. Adam von Bremen nennt als Ortsbezeichnungen Sliaswich und Heidiba.[7] Der maurische Reisende Ibrahim ibn Yaqub al-Tartusi nennt die Wikingersiedlung, die er als sehr große Stadt bezeichnet, um 965 Schleswîq. Sollte es sich also nicht um zwei Namen für dieselbe Siedlung handeln, so wurden die beiden Orte verwechselt.
Jedenfalls übernahm das mittelalterliche Schleswig auf dem Nordufer der Schlei das Erbe Haithabus als ein Zentrum des nordeuropäischen Handels – gemeinsam mit dem schon seit der Wikingerzeit bestehenden Westhafen bei Hollingstedt: hier war der Landweg zwischen Ost- und Nordsee besonders kurz.
Die schwedischen Wikinger eroberten um 900 unter ihrem König Olaf das Gebiet, jedoch wurde dessen Sohn Knut I. v 934 vom ostfränkischen König Heinrich I. geschlagen und in der Folge wurde Haithabu tributpflichtig. 947 gründete der spätere Kaiser Otto I. das Bistum Schleswig. 983 eroberte der dänische Wikingerkönig Harald Blauzahn das Gebiet zeitweilig zurück und einige Jahrzehnte später fiel das Gebiet nach Aufgabe der Maik Schleswig durch die Kaiser an die dänische Krone und der Siedlungsschwerpunkt verlagerte sich von Haithabu endgültig zum heutigen Schleswig. Im 13. Jahrhundert musste Schleswig seine Rolle als übernationale Metropole des Nordens an Lübeck abtreten und war weiterhin als regionaler Handelsplatz von Bedeutung bis auch diese Vorrangstellung im Spätmittelalter an Flensburg überging, da die Schlei für die damaligen Handelsschiffe nicht mehr tief genug war.
Vom Fischereiort fahren wir weiter zum Dom von Schleswig

Blick über das Rathaus auf den Dom
Wir radeln mal wieder knapp am Regen vorbei, ohne dass er uns erwischt 😉 Der Wettergott ist halt häufig mit uns!
Die Räder schließen wir an den vorgesehenen Ständern am Dom ein und betreten ihn. Auffällig ist die nicht vorhanden Bestuhlung im Teil hinter dem Eingang

Blick im Schleswiger Dom zum Altar
Meine Partnerin bemerkt zu recht, dass derart in früheren Zeiten viel mehr Menschen die Messe verfolgen konnten, und höchstens die gesellschaftlich Höherstehenden Sitzplätze hatten. Das „gemeine Volk“ der Landbevölkerung stand halt, und vermutlich wurden der Nase alle möglichen „Düfte“ geboten …

Die Seitenfenster sind bunt, Und ja – die Seefahrt war in Schleswig natürlich von Bedeutung!
Nach einem Rundgang im Inneren verlassen wir den Dom wieder und schauen an der Außenfassade hoch, die aus mehreren Materialien und Epochen zu stammen scheint.

Blick an der Fassade hinauf zum Turm
Der evangelisch-lutheranische Dom (St. Petri) wird laut Wikipedia erstmals 1134 erwähnt. Er verbindet laut Wikipedia romanische, gotische und neugotische Architekturelemente. In einer umfangreichen, vierjährigen Sanierung wurden Feuchtigkeitsschäden am Turm der Westfassade behoben – vermutlich stammen aus der Sanierung die Metallverkleidungen (?)
Wir fahren ins Zentrum und bestellen für mich Medikamente, was durch das e-Rezept nun überall ohne Arztbesuch, sondern dank eines Telefonats mit meinem Hausarzt möglich ist und kaufen ein paar Lebensmittel sowie Hygieneartikel im Zentrum ein.
Mit Teilchen und Getränken fahren wir an der Svhleibucht entlang und suchen und eine Bank mit Blick auf Schilf und Dom

Wie bereits erwähnt, ist der Dom als Orientierungsmarke von vielen Orten zu sehen
Einige Menschen kommen mit ihren Hunden hier vorbei. Nach dem Snack radeln wir weiter die Bucht entlang und gelangen an den Abzweig nach Haithabu

Erläuterungstafel zu Haithabu
Das Museum sparen wir uns heute, sondern radeln in Richtung der Wikingersiedlung, die wir allerdings uns auch nur aus der Ferne betrachten, da der Akku meiner Partnerin zur Neige geht und das Gelände doch etwas hügelig ist, was ohne E-Unterstützung selbst ohne Gepäck doch einige Kraftanstrengung erfordern würde.
Wir radeln zurück zur Stadt, holen mein bestelltes Medikament ab und setzen uns noch auf eine Bank an einem Kanal und betrachten die Menschen und die Enten (hier wohl keine „Eider-Enten“ (?)

Offenbar erwarten die Enten Futter von uns – aber entgegen der Sitte, als ich mit meiner Großmutter Enten füttern gegangen war, soll man das ja gar nicht. Ok: die Enten meiner Kindheit leben so oder so nicht mehr
Dann fahren wir in unser Hotel und lassen den Tag in Ruhe ausklingen

Auf dem Balkon unseres Zimmers
2026-06-02 (Tag 17) – 15. Etappe: Schleswig-Glücksburg – 53 gefahrene km

Screenshot der 15. Etappe
Nach einem erneut guten Frühstück und einem Schwatz mit der Wirtin packen wir unsere Sachen.
Die Wirtin erzählt, dass sie in diesem Haus, das bereits von ihrer Großmutter als Gaststätte geführt worden war, geboren wurde. Nach dem Krieg kamen Fremdenzimmern hinzu bevor es später als Hotel verpachtet und ziemlich runtergewirtschaftet wurde. Seit etwa einem Jahr wird es wieder von Wirtin und ihrem Mann geführt.
Wir hatten gesehen, dass wir in Schleswig viel „Leerstand“ besteht. Im Internet hatten wir gestern recherchiert, dass einige Betriebe in Schleswig geschlossen hätten. Auch seien etliche Geschäfte durch Arbeitskraftmangel und wegen hoher Mieten und Unwirtschaftlichkeit geschlossen worden. Derzeit läuft jedoch wohl ein Sanierungsprogramm der Innenstadt, u.a. in Bezug auf Barrierefreiheit, das in 4-5 Jahren abgeschlossen sein soll.
Wir fahren über Lollfuss, da diese Strecke als weniger hügelig angegeben ist. Doch zunächst geht es ordentlich bergan, doch sind die Radwege entlang der Landstraße recht gut – nur anfangs geht es nur über Bürgersteige

Radweg aus Schleswig raus
Auf der Höhe geht es an Ruhekrug und Idstedt vorbei. Der Radweg ist überwiegend gut, doch ist das Gelände recht hügelig und es geht ständig hoch und runter, wo man doch gewöhnlich denkt, Schleswig-Holstein sei flach. Die mich begleitende Gipfelstürmerin fährt teilweise beherzt vorneweg, teilweise folgt sie mir

das Land (vor Idstedt) sieht flach aus, doch ist es recht hügelig und geht immer auf und ab
Mehrfach treffen wir zwei Radlerinnen, die offensichtlich auch immer wieder den richtigen Weg suchen. Vor Bocklund halten wir ein Schwätzchen mit ihnen: sie kommen aus Cuxhaven und wollen nach Flensburg.

Schwätzchen mit zwei Radlerinnen bei Bocklund
Und dann entdecken wir wieder ein Beispiel für unsere Sammlung etwas skuriler Namen

Wegweiser nach „Freienwill“
Der Radweg ist gut und führt durch Felder und Baumgruppen

Der Radweg vor Boklund
Hinter Bocklund biegen wir in Richtung Klappholz ab, fahren eine schöne, wenn auch hügelige Strecke, und müssen uns hin und wieder versichern, dass wir auf der richtigen Strecke sind. Wir hätten wohl auch einfach geradeaus weiterfahren können, da wir später wieder auf die Schleswiger Straße gelangen, aber der Weg ist das Ziel!
Jedenfalls kommen wir dann auch tatsächlich durch Freienwill. Freienwill ist eine Gemeinde in Schleswig-Holstein im Kreis Schleswig-Flensburg mit gut 1.600 Bewohnenden.Während das Dorf „Freienwil“l ein Straßendorf ist, ist das benachbarte Kleinwolstrup ein Haufendorf, aus dem das Dorf „Freienwill“ durch eine freiwillige Aussiedlung entstand.
Im Geneindegebiet sind Hünengräber aus der Bronzezeit erhalten.
Laut Wikipedia wurde Freienwill 1974 im Rahmen der Gemeindereform als Zusammenschluß der Gemeinden Kleinsolt, das wir auch durchfahren und Kleinwolstrup gebildet.

Einige Zeit später stoßen wir wieder auf die Schleswiger Straße und gelangen schließlich nach Uelsby, wo wir wieder eine „Mitfahrbank“ sehen

der hiesige „ÖPNV“ mangels öffentlichem: Die „Mitfahrbank“
Und dann fahren wir etwas einen Hang hoch durch ein Wohngebiet

Durchfahrt durch Ulesby
Hier geht es dann einen Hang hoch und durch Hürup. Dort sehen wir ein kleines Kunstwerk in einem Baum vor einem Haus, an dem ich bereits vorbeigefahren war, auf das mich dann aber meine Partnerin hinwies.

Eine Installation aus Draht
Weiter geht es sanft auf und ab. Irgendwo sehen wir dann ein freseendes Pony in einem abgezäunten Gehege

Ein Pony frist friedlich ein recht karges Mal
Wie radeln weiter und sehen etwa zur Mittagszeit irgendwo auf der linken Straßenseite einen EDEKA – das Zeichen für eine Rast mit heißer Schokolade und einem Stück Kuchen. Anschließend radeln wir die letzten km weiter, sanft auf und ab, bis wir nach der Überquerung einer Landstraße und etwa eine halbe Stunde nach unserer Kuchenrast in Glücksburg einrollen

der Radweg nach Glücksburg hinein, der uns zunächst an einem Teich vorbeiführt
Als nächstes gelangen wir zu Schloss Glücksburg

Das Schloss gehört laut Wikipedia zu den bedeutensten Renaissanceschlössern Nordeuropas und liegt als Wasserschloss an der Flensburger Förde. Es beherbergt ein Museum und diente den herzöglichen Linien des gleichnamigen Hauses („Glücksburg“) als Stammsitz. Die Familienmitglieder sind mir nahezu allen europäischen Dynastien verwandt, zeitweilig war das Schloss die Residenz des dänischen Königshauses.
Die Vorgeschichte des Schlossgeländes begann 1192 zunächst als Kloster, bevor es im Zuge der Reformation säkularisiert wurde und 1544 in den Besitz des dänischen Königs Christian III. gelangte. Ab 1622 bis 1879 residierte hier die Familie der Herzöge von Schleswig-Holstein. Sonderburg-Glücksburg. Nach dem Aussterben dieses älteren Familienzweiges ging das Lehen Glücksburg an das dänische Königshaus zurück, bevor der dänische König Friedrich IV. das Lehen und damit das Schloss 1825 an seinen Schwager Friedrich-Wilhelm aus dem Hause Holstein-Beck übergab. Das dänische Königshaus nutzte das Schloss der Verwandten oft als Sommerresidenz.
Nachdem Friedrich VII. 1854 kinderlos verstorben war, wurde Christisn IX. aus der Glücksburger Linie sein Nachfolger. Aus der Ehe mit Louise von Hessen wurden drei Töchter in die Königshäuser von England und Russland verheiratet, und einer ihrer Nachfahren wurde als Georg I. König von Griechenland und dessn Enkel König von Norwegen. Derart ist das Haus Glücksburg seitdem und bis heute mit fast allen europäischen Dynastien verwandt ist, und Christian IX. oft als der Schwiegervater Europas bezeichnet wurde.

An Schlossteich sehen wir auch eine Schwanenfamilie
Etwas später suchen wir zu Weg den Weg zu ARTEFACT, der zwar ausgeschildert ist, jedoch aufgrund einer Sperrung an einer Baustelle uns doch zwischenzeitlich in die Irre und an eine Treppe führt. Nach etwas Orientierung finden wir unseren Weg aber doch, und er führt uns einen recht steilen Hang hinauf, in dem ich aus dem Tritt gerate und somit auch meine Partnerin leider ausbremse.
Schließlich erreichen wir aber doch den Klimapark vom ARTEFACT und zufälligerweise kommt auch der Geschäftsführer, Werner Kiwitt, zufällig: „Ich dachte, ich müsse mal gucken.“ und begrüßt uns, führt uns zu unserem Zimmer und gibt uns eine erste, kleine Hausführung . Derzeit findet eine Lehmbauausbildung statt, in die er eingebunden ist, und morgen kommen einige Kindergruppen in den Klimapark.
Er erklärt uns noch, wo es Einkaufmöglichkeiten gibt und wir verabreden für den kommenden Tag, dass wir morgens die Gegend erkunden und Werner uns nachmittags, wenn er Zeit hat, eine Führung durch das Gelände gibt.
Nachdem wir unsere Sachen im Zimmer verstaut haben, fahren wir mit den Rädern wieder einen anderend Hang runter und kaufen etwas beim Netto ein.
Nach unserer Rückkehr zu ARTEFACT machen wir noch einen ersten Gang über das Gelände und den Klimapark
Erneut sind wir beeindruckt von dem was der Verein hier zuwege gebracht hat

Solarhaus bei ARTEFACT – im Haus sind Schautafeln über die Eigenschaften diverser Dämmstoffe zu finden, auch können hier zwei Elektromobile ausgeliehen werden
Auch die bereits Mitte der 1990er Jahre gesehene Abwasserklärung finde wir wieder

Informationstafel zum Schönungsteich als Teil der eigenen Abwasserklärung des Zentrums
„(…) Nachdem das Abwasser in einem mit Schilf bewachsenen Pflanzenklärbecken gereinigt wurde, wird es in den sogenannten Schönungsteich geleitet. Hier entfalten sich die Selbstreinigungskraft des Wassers und bewirkt die letzte Reinigungsstufe. Das saubere Wasser wird durch einen Überlauf und eine längere Verrohrung zu weiteren Teichen im Naturerlebnisraum geführt. Im Frühling 2006 wurden einige Rotfedern(lat. Name), ein Karpfenfisch, im Teich ausgesetzt. Sie haben sich reich vermehrt, wurden durch heiße Sommer mit starker Austrocknung des Teiches aber immer wieder dezimiert.
Apropos „heiße Sommer“: Auch 2026 war bereits in der zweiten Junihälfte sehr heiß. Am 10. Juli 2026, an dem Tag, wo das „Gebäudesanierungsgesetz“ verabschiedet wurde, das im Sinne der „Wahlfreiheit“ u.a. weiterhin den Einbau von Öl- und Gasheizungen ermöglicht, läuft zu den Folgen des Hitzestresses auf die Wälder ein Beitrag in der Sendung „Forschung aktuell“. Was tun wir uns eigentlich an? Am 9. Juli gab es in derselben Sendung einen Beitrag zu „deutlich mehr Hitzetoten in Deutschland„, aber all das ist ja eine rein zufällige Koinzidenz und keinerlei wissenschaftlich erwiesener Zusammenhang! Oder?
ARTEFACT kennt und baut bereits seit nunmehr 40 Jahren klimafreundliche Gebäude

Energieeffizienzhaus von ARTEFACT
Eigentlich wissen wir also längst, wie es ginge, doch halten wir bei Gebäudebau, in der Energie- und Heiztechnik sowie im Straßenverkehr lieber am „Bewährten“ fest, und „erfreuen“ uns immer höherer Temperaturen im Durchschnitt sowie auch immer früher im Jahr ;). Für die, die es noch nicht wissen: Europa erwärmt sich mehr und schneller, als jeder andere Kontinent. Aber egal.
Auch zum Verkehr gibt es im Klimapark Informationstafeln

Infotafel zum Gütertransport in Deutschland. U.a. werden hier Informationen zu den Vorteilen und Problematiken des Schiffsverkehrs im Vergleich zum LKW-Transport gegeben. Eine der „Problematiken des Schiffsverkehrs“ ist die Nutzung von Schweröl als Antriebsmittel und die damit verbundenen Umweltbelastungen. Nu gäbe es eventuell eine (zumindest langfristige und teilweise) Alternative zum Schiffstreibstoff Schweröl, nämlich die berühmten e-fuels (grünes Methanol, Ammoniak und (grüner) Wasserstoff), doch meinen wir diese noch raren und teuren Treibstoffe ja unbedingt für (PKW-Verbrennungsmotoren nutzen zu müssen, so dass für den Schiffstransport dann (zumindest) weniger Alternativen für das klimaschädliche Schweröl übrig bleiben. Und auch die Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen wird auch eher ausgebremst, um die Wirtschaftskraft Deutschlands nicht zu schwächen – dann doch lieber dafür sorgen, dass wir „mit weniger Heizen uns noch mehr die Wärme genießen können. Und im übrigen kann man ja Klimaanlagen nutzen – dann werden auch noch wärmere Sommer erträglich. Ja, Klimaanlagen können, ja KÖNNEN klimaneutral sein, wenn sie statt mit fossilen Brennstoffen mit rein regenerativer Energie betrieben würden. Leider wird deren Ausbau durch Ministerin Reiche (vorsichtig ausgedrückt) „eher nicht erleichtert“. Und noch ein Aspekt: Klimaanlagen befördern warme Raumluft ins Äußere, wodurch es tatsächlich im so behandelten Raum kühler wird , im Außenbereich dieser gekühlten Räume allerdings dadurch noch wärmer – das Stadtklima wird also infolge massenhafter Nutzung von Klimaanlagen mit „noch weniger Heizen noch eine angenehmere Wärme bieten!“ 🙁
Hört sich doch super an – Zumindest ich freue mich bereits auf diese, unser aller Zukunft!
Aber zurück zum Klimapark:
Auch ein Reh findet den Klimapark wohl einen guten Ort

unterhalb des Windradflügels steht ein Reh
Laut Werner kommt das Reh (oder Rehe) häufiger in den Klimapark und fühlen sich dort offenbar wohl. Nur einige Spekulierende würden aus den Gelände lieber gewinnbringendes Bauland machen und somit lieber dem nu 40-jährige Projekt die Erbpacht in ein paar Jahren nicht verlängern, sondern satte Profitete erzielen . Bei einem Kauf des Geländes, auf dem sie mit Ideenreichtum, Sachkenntnis und viel Engagement über Jahrzehnte tolle Installationen und Informationen aufgebaut haben, wäre die Finanzierung recht schwierig. Noch genießen sie eine gewisse Unterstützung im Stadtrat, aber es scheint unklar, ob diese auch nach der nächsten Kommunalwahl noch bestehen bleibt.
Erneut scheint der ökomische Mammon wichtiger als Klimaschutz. Schließlich ist „eine gute Umwelt ohne Wirtschaftskraft nicht finanzierbar“. Ich erwähnte bereits, dass dieses Argument irgendwie valide ist – doch vermutlich auch, dass „bei einer nicht mehr lebenswerten Umwelt kein Geld der Welt die verlorene Lebensqualität ersetzen kann“. Zumindest erscheint mir auch dieser Gedanke sinnvoll. In den 1980ern gab es den Aufkleber jenes „Indianerhäuptlings“ (Chefs einer Gruppe American Natives“, dass wir nicht vergessen sollten, „dass man unser Geld nicht essen kann!“ – Ja letztlich wussten wir auch damals (die Publikation des Club of Rome über die „Grenzen des Wachstums war bereits etwa 10-15 Jahre alt), dass es ein „Weiter so …“ eigentlich nicht geben sollte (kann!) Aber egal! Lieber nicht nachdenken und schon gar nichts an den Lebensweisen ändern. „Et hätt doch noch immer joot jejangen“ 🙂
Schließlich beschließen wir den Tag und schlafen einen erholsamen Schlaf

Für mich ist die Schlafempore in unserem Zimmer mit Halbseitenlähmung nicht sicher zugänglich, so dass mir unten mit einem Sofa ein Bett bereitet wird, während meine Partnerin wohl gut auf der Empore nächtigt
2026-06-03 (Tag 18): 3. Ruhetag (in Glücksburg)
Wie üblich früh wachwerdend gehen wir zu einem leckeren Frühstück mit teilweise selbst hergestellten Produkten (Marmelade), Müsli, Obst und allem, was das Herz morgens begehrt. Auch unterhalten wir uns mit Gyde, der Frau von Werner und gute Seele des Managements der internen Angelegenheiten wie Hauswirtschaft und Verwaltung des Zentrums.
Heute (und Morgen) sind die offiziellen Abschlussprüfungen der Lehmbauausbildung, und die Ausgebildeten sind entsprechend nervös. Heute haben sie nochmals die Möglichkeit, einige Dinge praktisch auszuprobieren bzw. nochmals Theorie zu lernen. Dafür haben sie sich in Gruppen eingeteilt, da die praktischen Übungsplätze in ihrer Zahl begrenzt sind. Sie haben bereits gefrühstückt.
„Gyde“ ist ein friesischer Name, und bedeutet die Göttliche. Sie sucht eigentlich altersbedingt eine Nachfolge, doch seien Interessierte oft abgeschreckt, wenn sie erfahren, dass sie auch kochen und putzen müssten. Wie Werner ist sie mit Leib und Seele im Zentrum.
Als Ausflug am Vormittag empfiehlt sie uns die Halbinsel Holnis, ein Naturschutzgebiet an der nördlichsten Spitze der Flensburger Förde in Schleswig-Holstein, direkt angrenzend an die Stadt Glücksburg. Sie ist bekannt für weitläufige Sandstrände, Dünenlandschaften und den Blick auf die dänische Nachbarküste.
Gyde macht uns allerdings darauf aufmerksam, dass ein Teil der Steilküste beim großen Sturm vor einigen Jahren abgebrochen und nun gesperrt ist.
Als wir losradeln, sehen wir die Kinder mit ihren Betreuenden, die heute den Klimapark besichtigen.

Kinder mit Ihren Betreuenden vor der Besichtigung des Klimaparks
Und so radeln wir den Hügel hinunter, wobei uns Google Maps einen sehr herausfordernden Fußweg entlangführt, auf dem besonders meinem Dreirad seine Grenzen aufgezeigt werden. Es wäre auch einfacher gegangen, würde man nicht unbedingt der APP vertrauen, sondern – wie früher mal – sich auf das eigene Gefühl und am Vortag erworbene, wenn auch rudimentäre Ortskenntnis verlassen.

der von Google Maps empfohlene Radweg vom Hügel hinab, unter den Bäumen am oberen Rand befindet sich eine 90 Grad-Kurve, dann geht es relativ stark bergab
schließlich sind wir aber glücklich unten und radeln nach Holnis Strand.

Blick über die Flensburger Förde in Richtung Dänemark
Heute soll es hier regnen und es sieht tatsächlich über der Bucht auch so aus

Ein wenig Regen erwischt uns auch unterwegs, doch ist es eher sommerlicher Nieselregen, der kaum stört und höchstens auf meiner Brille Spuren hinterlässt.
Der Radweg ist zunächst durchaus gut zu befahren.

Radweg bei Holnis Strand
Zum Strand hin grenzt den Weg eine Hecke mit Blüten ab

Dann kommen wir an die Promenade von Holnis Strand

Die Promenade von Holnis Strand
Für den Zugang zum Strand selbst muss man sich offenbar ein Ticket ziehen. Natürlich kann man auch Strandkörbe mieten und es gibt sogar einen Hundestrand, so dass Hunde am anderen Strand verboten sind.
Wir fahre weiter entlanf der Küste in Richtung der Nordspitze

Der Radweg hinter Holnis Strand
Wie von Gyde erwähnt, ist die Nordspitze nicht mehr zugänglich, zunächst stoßen wir an einen Privatweg und als wir einen anderen Weg wählen, kommen wir schließlich auch nicht weiter.
In einem Bogen fahren wir auf Schausende zu, das ein Ortsteil der Stadt Glücksburg ist, südwestlich des Ortsteils Holnis an der Förde liegt und erstmals 1668 erwähnt wurde. Der Name leitet sich vom dänischen Wort „skov“ (Wald) ab unf bezeichnete ursprünglich eine Siedlung am nördlichen Ende des Friedwaldes. Schausende beherrbergt den nördlichsten Yachthafen Deutschlands und offensichtlich auch einige Ferienwohnungen.

Der Radweg vor Schausende steigt etwas an und dann führt die APP uns in einen Wald

Der Wald hinter Schausende
Es ist ein recht schöner Weg, in dem allerdings irgendwann das GPS-Signal versagt und somit uns die APP nicht mehr weiterhelfen kann.

der Radweg in Wald hinter Schausende
Wir fahren weiter nach Gefühl, und kommen schließlich auch an den Waldrand mit einem Feld

Ein Feld am Waldrand
Und dann stoßen wir auf ein Wildgehege, in dem (nur) ein Wildschwein im Schlamm wühlt.

Ein (einsames) Wildschwein wühlt im Wildgehege – laut Gyde gab es dort wohl einmal mehr Wildschweine, aber vielleicht haben sich diese auch versteckt?
Es beobachtet mich ebenso wie ich es

Das Wildschwein und ich beobachten uns gegenseitig
Schließlich lasse ich es in Ruhe und erblicke noch eine Infotafel

Die Infotafel zum „Naturwald“
Dann radele ich meiner Partnerin hinterher und gelange aus dem Wald heraus an eine Siedlung, von der aus wir nach Glücksburg hineinfahren

eine Straße in Glücksburg
Auf dem Weg zurück zum auf dem Hügel liegenden ARTEFACT-Gelände kaufen wir in EDEKA noch ein.
Später gibt uns Werner eine Führung durch die Gebäude und den Klimapark:

werner Kiwitt (Geschäftsführer von ARTEFACT) und meine Partnerin im „ARTEFACT-Klimapark“
An mehreren Stellen stehen auf dem Gelände Räder, mit denen durch Strampeln Energie erzeugt werden kann, sicher oft als Einladung zu Engagement ud Mitmachen gedacht

Strampeln für Energie
Unsere mittlerweile etwa 2,5 Wochen dauernde Tour ist weniger „Strampeln zur Energiegewinnung“, sondern „Strampeln zur Vermeidung fossiler Energieverwendung“, zumindest sofern der in Unterkünften zum Laden unserer Akkus gebrauchte Strom „echter Ökostrom“ ist und nicht mit fossilen Brennstoffen gewonnen ist. Das können wir natürlich nur in den eigenen vier Wänden beeinflussen, aber jeden Tag zu Hause laden wollen, wäre bei einer derartigen Tour eher unsinnnig. Letztlich dürfte unsere Energiebilanz aber dennoch – und trotz Energiezufuhr zu unseren Körpern durch Lebensmitteln – dennoch günstiger sein als bei Nutzung eines Autos 🙂
Am 28.5.26, also einige Tage vor unserer Ankunft bei ARTEFACT kam in Deutschlandfunk ein Beitrag zu Seegraswiesen („Der grüne Schatz am Meeresboden“).
Auch ARTEFACT informiert bereits seit längerer Zeit über diverse Baust- und Dämmstoffe und ihre Spezifika, u.a. auch Seegras

Infotafel zu Seegras- ähnliche gibt es zu Kork, Zellulosefaser, Hanffaser-Vlies und Holzfaser
Eingangs hatte ich schon darauf hingewiesen, dass ARTEFACT auch Lehmbau anwendet und in Lehmbau ausbildet. Stolz weist Werner auf den Rücktransfer des Wissens hin, indem das bei ARTEFACT vermittelte Wissen auch in Chile Anwendung fand

Infotafel zum Wissenstransfer über Lehmbau von Afrika über ARTEFACT nach Chile
Eine andere interessante und sehr aufschlussreiche Installation ist ein Landschaftsmodell der Umgebung in der jetzigen Form, bei dem Besuchende durch Drücken von Knöpfen den Anstieg des Meeresspiegels bei unterschiedlichen Erderwärmungen simulieren können, indem nach dem Drücken des entsprechenden Knopfes eine entsprechend des zugehörigen Meerensspiegelanstiegs Menge an Wasser in das Modell gepumpt wird, und somit plastisch dargestellt werden, welche derzeitigen Landflächen dann unter Wasser stünden.

Durch Drücken der am linken Bildrand zu sehenden Knöpfe können mehrere Szenarien des Anstiegs des Meeresspiegels in seiner Folge für die Landschaft der Umgebung simuliert werden
Die ist eine eindrucksvolle und interaktiv-spielerische Veranschaulichung unseres Handelns auf unsere unmittelbare Lebensumgebung.
Im Klimapark ist in anderer Form an einer Wand die Auswirkung des Klimawandels auf z.B. Temperatur, Fauna und Flora im Laufer der Erdgeschichte dargestellt.

Unter diesem dachbegrünten Verschlag befinden sich Informationswände zum Klima und anderen Parametern in unterschiedlichen Zeiten der Erdgeschichte

Die Erde vor etwa 66 Millionen Jahren, im Übergang von der Kreidezeit zum Paläogen, als ein Meteorit auf der Halbinsel Yucatán einschlug und u.a. das Aussterben der Dinosaurier bedingte
Ja, es gab schon immer Schwankungen der Temperaturen und Ereignisse des Klimawandels. Vermutlich wäre das Leben zur selben Zeit wie Dinosaurier etwas herausfordernd für die Menschen, doch erscheinen die heutigen Folgen des (nach allgemein übereinstimmender Meinung der Wissenschaft „menschlich gemachten Klimawandels) nicht nur unvergleichlich in seiner Gefahr von unumkehrbaren Kipppunkten (etwa des Jetstromes, des Eisschildes in Artis und Antarktis und natürlich des Artensterbens), sondern auch fatal in ihrer Auswirkung auch für Menschen.

Szenarium des Klimawandels und seiner Auswirkung heute sowie im Ausblick
Dabei wissen wir sehr genau, dass wir durch größere Nutzung regenerativer Energiequellen den Ausstieg von Klimagasen und somit dem Temperaturanstieg auf unserem (einzigen) Planeten entgegenwirken können. Auch hierzu informiert ARTEFACT

Wüfel, die die Energiekapazität mehrerer regenerativer Energieformen darstellt – Auf dem obersten Informationswürfel fühlt sich eine Schwalbe offenbar „pudelwohl“, und den Standpunkt durchaus geeignet, um neue Energie zu sammeln
Hier wird auch die Kapazität von Erdwärme dargestellt und erläutert

Informationstafel zu Erdwärme
Zur Sonnenenergie gibt es noch eine weitere Informationsinstallation

Der Pavillon zum „Kraftwerk Sonne“ im ARTEFACT -Klimapark
Die Führung durch Werner ist überaus interessant und aufschlussreich, und wir möchten ihm ganz herzlich danken, dass er sich die Zeit für uns genommen hat. Umso trauriger erscheint es bei all dem Engagement und der Qualität des Klimaparks, wenn die Zukunft durch die Gewinnsucht einiger Nachbarn oder „Investoren“ gefährdet ist. Wir beide wünschen Werner und dem ARTEFACT-Team alles erdenklich Gute
2026-06-04 (Tag 19) – 16. Etappe: Glücksburg- Schleswig-Owschlag – 68 gefahrene km

Screenshot unserer 16. Etappe (der Rückweg beginnt)
Heute beginnt der Rückweg. Ja, wir hatten überlegt, den Zug zu nehmen, doch nach den überwiegend positiven Erlebnissen des Hinwegs hatten „wir Blut geleckt“, und entschieden uns zur Fortsetzung auch per Rad.
Ob wir uns anders entschieden hätten, hätten wir bereits heute einige der kommenden Herausforderungen gewusst (kleiner Spoiler) sei dahin gestellt, doch im Nachhinein wollten wir wohl auch diese Erfahrungen nicht missen! (kleiner Cliffhanger – also bleiben Sie dran oder schauen Sie später nochmals vorbei ;))
Erneut nehmen wir ein leckeres Frühstück ein, packen unsere Sachen und verabschieden uns von Werner und Gyde.
Die (zu) herausfordernde Strecke vom Hügel runter vom Vortag vermeiden wir und fahren einen für uns verträglicheren „Abweg“

am Fuß des Hügels, auf dem ARTEFACT gelegen ist
Es sind Gewitter angesagt, und es sieht tatsächlich nach Regen aus

Blick vom Fuße des Hügels auf die drohende Regenfront
Folglich hatten wir morgens direkt die Regenhosen angezogen, und stellen uns „mutig“ Wind und Wetter 😉 Wir sind ja schließlich nach knapp drei Wochen erprobt und „erfahren im Umgang mit Herausforderungen – dachten wir zumindest.
Also verlassen wir Glücksburg

ein Gebäude und die Straße bei Glücksburg
Zunächst geht es über eine Landstraße über sanfte Hügel, die wir ja auch bereits auf dem Hinweg befahren haben.
Bei Husby sehen wir eine (alte) Windmühle

Windmühle in Husby
Der Radweg ist gut, allerdings haben wir ordentlich Wind und es ist hügelig, so dass es untere Rösser und unsere unterstützende Muskelkraft ordentlich beansprucht. Für meine Partnerin sind insbesondere seitliche Böen herausfordernd und sie muss dann sehr konzentriert fahren. Hinter Husby wird mal wieder ein Boxenstopp fällig.

Eine Straßenkreuzung hinter Husby
Und weiter geht es über Uelsby, wo wir ein Schild an einem Haus sehen, es gebe hausgemachten Kuchen. Das halten wir für eine gute Möglichkeit, eine Pause einzulegen, doch erfahre ich drinnen, dass es jetzt (etwa mittags) keinen Kuchen gebe. Aber wir dürfen die Toilette dort benutzen, bevor wir Wind und Hügeln trotzend weiterradeln. Der Weg führt uns auch durch Schwerin, wobei uns die APP an einer Kreuzung vor Schwerin mal wieder verwirrt, so dass wir einen kleinem Umweg fahren. Den Turm des Doms sehen wir als Wegmarke aber erneut von weitem und so finden wir den Weg in die Stadt weitgehend gut. In der Stadt selbst kennen wir uns ja ein wenig aus, und finden unseren Weg am Domhotel vorbei und entlang der Schleibucht nach Busdorf. Dort allerdings will die APP uns eine gesperrte Straße entlangschicken, und sieht diese Sperrung auch erst ein, als ich mein Smartphone neu gestartet habe. Auf einem Umweg um das Haddebyer Noor herum finden wir unseren Weg in Richtung Jagel. Etwa 3 km vor Lottorf hört der Radweg auf, und wir müssen wir wieder ein Stück auf einer Landstraße entlang fahren. Bei Kroppenbusch werden wir von der APP erneut rechts ab einen Irrweg ins Nirwana geschickt. Dieser Weg kommt uns bereits etwas seltsam vor, doch müssen wir offensichtlich irgendwie auf die andere Seite der A7 gelangen, und es könnte ja sein, dass hier der Weg zu einer Unterführung oder Brücke führt. Also versuchen wir den immer schmaler werdenden Weg, bis er ganz offenbar zumindest für uns mit Rädern nicht mehr weitergeht.
Also doch zurück und weiter auf der Landstraße, wobei es auch leicht zu regnen beginnt, bis wir schließlich doch in die Felder abbiegen können.
Es geht über den „Moorweg“ durch die Felder, wobei wir auch teilweise über zwei sehr unebene und teilweise seitlich abfallende Betonspuren mit Grasnarbe in der Mitte fahren müssen. Meine Partnerin fällt mit Fahrrad dann auch an einer Stelle, wobei zum Glück nichts Schlimmeres geschieht, und wir nach einem kurzen Schreckmoment weiterfahren können.
Unser Zielort Owschlag mit seinen knapp 4.000 Bewohnenden liegt als Teil des NATURA 2000-Schutzgebietes am Owschlager See im Kreis Eckernförde und wurde erstmals um 1500 erwähnt.
Schließlich gelangen wir dann tatsächlich über Ramsdorf nach Owschlag und finden unseren Weg durch den Ort bis zur Beekstraße, an der unser Hotel Seeblick Försterhaus (Nr. 41) liegen soll. Wir sehen dann auch auf der linken Straßenseite die ungeraden Hausnummern, und schließlich 35, 37 und 39, bevor wir ans Ortsausgangsschild gelangen. Und wo ist jetzt 41? Ein Blick auf die APP zeigt, dass wir noch etwa 400 m weiterradeln müssen. Dort finden wir auch unser Hotel, und auf den letzten vielleicht 50 m fängt es heftig an zu regnen. Vor dem Haus gibt es einen überdachten Platz, zu dem wir fahren und die Räder abstellen. Ich gehe zur Rezeption, und der Wirt zeigt mir den Weg nahe des Unterstands durch einen Eingang zu einem Raum, in dem wir die Räder abstellen können sowie zu unserem Zimmer im ersten Stock. Also stellen wir die Räder im vorgesehenen Raum ab und bringen unser Gepäck aufs Zimmer. Es gäbe sowohl in Owschlag selbst einen Imbiss als auch im nächsten Ort ein griechisches Restaurant, doch da es weiter stark regnen, essen wir von unseren Vorräten auf dem Zimmer.

Blick von unsere Zimmer im Hotel „Seeblick Försterhaus“ auf den Owschlager See (im Regen)
Nun wissen wir auch, warum unser Hotel „Seeblick“ heißt, da wir uns über den Namen zunächst bereits gewundert hatten, bevor wir auf unserem Zimmer waren.
Bei schönen Wetter ist es hier vermutlich schön und man kann vermutlich an und um diesen 44 ha großen und in Nordwestrichtung bis zu 1,32 km langen See sicherlich schöne Spaziergänge machen. Das „FFH-Gebiet zu dem auch der Owschlager See gehört, liegt am Fuße einer Grundmoräne der Weichsel-Kreidezeit und besteht zur Hälfte aus Binnengewässern.
Das Äußere lädt uns heute nicht ein, doch ist das Hotel und das Zimmer gut und die Räder sind gut und trocken abgestellt.
Zum Glück checke ich nochmals die Buchung, die ich dachte, über Check 24 für den kommenden Tag in Bönebüttel getätigt zu haben. Als ich nichts finden kann, suche ich die Telefonnummer der dortigen „Schlafhütte“ im Internet und rufe an. Tatsächlich liegt keine Buchung vor, so dass ich diese nun fernmündlich vornehme, und zwar sogar ein paar Euro preiswerter als über ein Buchungsportal.
2025-06-05 (Tag 20) – 17. Etappe: Owschlag-Bönebüttel) – 59 gefahrene km

Screenshot: Owschlag-Bönebüttel
Morgens Sonne über See am Hotel Seeblick, aber ab 9.00 Uhr Regen angesagt, was man sich kaum vorstellen kann

morgens scheint tatsächlich die Sonne über dem Owschlager See
Wir gehen früh zum mitgrbuchten und reichhaltigen Frühstück, und bepacken dann unsere Räder. Ab etwa 8.00 Uhr zieht es sich tatsächlich zu, und so ist es gut, dass wir früh unterwegs sind

tatsächlich kommen ab etwa 8.00 Uhr Wolken über dem Hotel auf

unsere Räder werden vor dem Hotel wieder bepackt
Noch ist es trocken und der Radweg ist gut

Wir sehen ein Reh in den Feldern, das natürlich scheu das Weite sucht

Felder hinter Owschlag
Zum Schutz gegen die häufig heftigen Winde hier, werden „Knicks“ (Heckenwände) angelegt, in denen der Wind sich bricht und der Boden somit zumindest etwas vor Erosion geschützt ist

Ein für diese Gegend üblicher „Knick“
Auch überqueren wir den Fluß „Sorge“

Die „Sorge“, ein Nebenfluss der Eider, der gut 29 km lang ist. Auf Althochdeutsch bedeutet der Name „die Dunkle“ oder „die Schlammige“ und bezieht sich auf die dunkle Wasserfarbe
Wir schauen uns auch die Erklärtafel an

Die Erklärtafel zur Flußlandschaft an der Sorge
Das Wetter wird nicht wirklich besser

ein Feld jenseits der Sorge
Da wir derart früh unterwegs waren, erreichen wir bereits gegen 9.00 Uhr auf dem Radweg entlang der Landstraße Rendsburg, wo wir auch den Hafen passieren

am Rensburger Hafen
In Rensburg müssen wir über den Nord-Ostsee-Kanal, der teilweise ausgexschildert ist, dann aber wieder nicht.
Auf dem Weg sehen wir unter anderem eine sehr hohe Eisenbahnbrücke, die über den Kanal führt.

eine Eisenbahnbrücke nahe des Nord-Ostseekanals in Rendsburg
Wir befürchten ein wenig, dass wir auf eine Schwebefähre treffen könnten, was mit meinem Dreirad schwierig bis unmöglich werden könnte, doch schließlich treffen wir auf eine ganz normale Fähre, die für uns sehr gut zugänglich ist.

auf der Fähre über den Nord-Ostsee-Kanal in Rendsburg
Bei der Überfahrt kommt uns auch die Gegenfähre entgegen

Die Gegenfähre über den Nord-Ostsee-Kanal
Auf der anderen Kanalseite radeln wir weiter gen Neumünster. Etwa eine halbe Stunde später müssen wir bei „Rechten“ einen Boxenstopp einlegen. Der Name des Ortes scheint angesichts des Geländes, an dem wir halten, tatsächlich sprichwörtlich.

vermutlich möchten wir – auch dank anderer Sprüche („fight for your colour“ , die hier zu entdecken sind – tatsächlich den Bewohneden nicht zu nahe kommen
Eigentlich ist diese ländliche Gegend recht reizvoll.

das Feld gegenüber dem Gelände, wo kein „öffentlicher Zugang versprochen wird“
Wieder etwa 20 Minuten holt uns dann doch etwas Regen ein, so dass wir eine überdachte Bushaltestelle mit einer Sitzbank nutzen, um unsere Regenhosen überzustreifen.
An Bushaltestelle ziehen wir Regenhosen an – tröpfelt etwas

Ich ziehe meine Regenhose an, wozu ich die Schuhe ausziehen muss und was für mich eigentlich nur im Sitzen geht
Bisweilen zickt die APP wieder etwas uns verwirrend rum und stets droht uns Regen, der uns bei einer Rast bei Warden dann auch tätsächlich erwischt.

Feld bei Warden
Der Radweg ist hier jedoch recht gut zu befahren
Kurzes Stück vor Neumünster über Landstr. (Hauptstr.), dann Zeit Schild „Fahrradweg Neumünster“ nach links an -> wir folgen und kommen einige Zeit später wieder auf „Hauptstr.“

Radweg hinter Warder
Gegen 12.30 Uhr fahren wir dann in Neumünster, wo uns ein ordentlicher Regenguss erwischt. Wir sehen auf der linken Seite einen EDEKA und nutzen die Gelegenheit dort eine Pause mit Brötchen und trinken Kaffee einzulegen. Auch kaufen wir dort für heute Abend und das morgige Frühstück. ein. Als wir fertig zur Weiterfahrt wären, fängt es wieder kräftiger zu Regnen an, so dass wir auch diesen Guss noch unter dem Dach vor dem EDEKA abwarten.
Gegen 15.00 Uhr fahren wir weiter, und kommen fast trocken im Schwalehof Gästewohnungen (Bönebütteler Damm 161, Bönebüttel) in an, unserer heutigen Unterkunft, deren Buchung ich zum Glück gestern gecheckt und dann telefonisch vorgenommen hatte. Wir haben dort ein Appartement mit eigenem Bad, mit guter ebenerdiger Dusche, einem echt guten Bett und einer Küchenzeile für einen echt fairen Preis (75 €) angemietet.
Bönebüttel mit seinen gut 24.600 Bewohnenden erstreckt sich östlich der kreisfreien Stadt Neumünster, und wurde erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt, wobei „Büttel“ aus dem Niederdeutschen bzw. älteren Germanischen stammt und in etwa „Haus“ oder „Hof“ bedeutett. Die Schwale“ fließt vom Ost nach West durch das Gemeindegebiet
Unser Appartement ist eine von mehreren Gästewohnungen eines Erdbeerhofes, wo wir auch erneut unsere Räder sehr gut abstellen können. Wir haben eine echt gute Wahl getroffen und machen es uns gemütlich. Später schlafen wir gut und erholsam.

Das Schlafzimmer mit Küchenzeile in unserem Appatement im Schwalehof
2026-06-06 (21. Tag) – 18. Etappe: Bönebüttel-Neumünster-Wiemersdorf-Bad Bramstedt-Kaltenkirchen): 39 Entfernungs-km

Screenshot: Bönebüttel-Kaltenkirchen
Nach dem Frühstück in unserem Appartement begeben wir uns bei Schönem Wetter auf unsere heutige Tagesetappe.

Die Eingsngstür zu unserem Appartement im Schwalehof
Aber zunächst kommen wir an Erdbeerfeldern vorbei und sehen Erdbeerentekräfte

Erdbeerernte an unserem Weg kurz hinter Bönebüttel
Recht schnell gelangen wir nach Neumünster, das wir durchqueren. Das Wetter droht ein wenig, aber bleibt recht freundlich

Die Landschaft hinter Neumünster
Der Radweg ist überwiegend glatt und geradeaus und sehr gut

der sehr gute Radweg hinter Neumünster
Meine Partnerin, die aus dieser Gegend stammt, kennt die Gegend und möchte vor allem die Großstadt Hamburg mit ihrem Verkehr umgehen. Wegweiser nach Kiel und Hamburg sehen wir unterwegs mehrfach und kommen auch mehrfach dreimal an den entsprechenden Autobahnauffahrten vorbei, die wir allerdings nicht nutzen , was sicher besser und gesunder ist 😉
Über Brokenlande und Wiemersdorf gelangen wir nach Bad Bramstedt, wo es unserer APP unerklärlicherweise mal wieder beliebt, uns ein wenig irrezuführen.
Hinter Bad Bramstedt fahren wir weiterhin auf dem gut ausgebauten Radweg am Feldern vorbei.

ein Feld hinter Bad Bramstedt
Auch sehen wir einen Hof, in dem offenbar Holzscheiben produziert werden.

An einem Hof hinter Bad Bramatedt sinde bearbeitete Holzscheiben ausgestellt
Weiter geht es über Lentföhrden und Nützen vorbei,

Unterwegs zwischen Bad Bramstedt und Kaltenkirchen
- Bereits etwa mittags kommen wir nach Kaltenkirchen rein, wo wir einen REWE-Markt (zum späteren Einkauf) und ein italienisches Restaurant passieren, bevor wir nach Überquerung einer Bahnstrecke unsere heutige Unterkunft, die „Schlafhütte“ erreichen. Eigentlich waren wir etwas zu früh, aber die nette Rezeptionist gab uns ein Zimmer, das bereits bezugsfertig war. Auch hilft sie uns beim Taschentragen Ich muss nur einige Stufen hochgehen, wobei beidseitig Möglichkeiten zum Festhalten vorhanden Unsere Fährräder können wir sicher und trocken in der Waschküche abstellen. Eigentlich ist die „Schlafhütte“ eher eine Monteurunterkunft, doch genügt sie unseren Ansprüchen trotz getrennter Betten problemlos für eine Nacht, und die Rezeptionistin ist wirklich hilfsbereit und nett.
Wir hören bei einem Gespräch von einem griechischen Restaurant in der Nähe und recherchiere dieses auch im Internet, bevor wir uns entschließen, uns dort ein Abendessen zu gönnen.
Im späten Nachmittag radeln wir zunächst zum REWE, um Lebensmittel vor allem für das morgige Frühstück einzukaufen nd von dort weiter zu Griechen. Dieser beherbergt heute allerdings eine geschlossene Gesellschaft, so dass wir doch weiter – wieder an der Schlafhütte vorbei zum Italiener radeln, wo wir auch recht lecker essen. Ala wir kommen, ist es noch recht leer, und füllt sich dann zunehmend mit weiteren Gästen.
2036-06-07 (Tag 22) – 19. Etappe: Bönebüttel-Henstedt-Ulzburg-Wakendorf II-Nahe-Itzstedt-Bad Oldeskoh-Groß-Noden-Mölln (Pension Bambi) – 79 gefahrene km

Screenshot Kaltenkirchen-Mölln
Nach dem Frühstück in der Unterkunft und dem Bepacken unserer Gefährte sind wir erneut früh unterwegs und befahren hinter Kaltenkirchen schnell auf einen netten Radweg durch ein Waldgebiet

ein schöner und guter Radweg hinter Kaltenkirchen durch ein Waldgebiet – und die Vögel besingen uns bei unserer Fahrt
In dieser Gegend war meine Partnerin als Kind zu Hause und streunte als Ronja-Räubertochter neugierig auf Fauna und Flora erkundend durch Felder und Wiesen gestreunt. Natürlich kommt bei ihr die ein oder andere Erinnerung auf.
Nach gut einer halben Stunden passieren wir das „formidable Café

Das „formidable Café“ kurz vor Wakendorf II
Und dann kommen wir nach „Wakendorf II“

Wegweiser bei Wakendorf II
Hier finden wir auch eine Erklärtafel

Erklärtafel bei Wakendorf II
Kurz darauf gelangen wir nach Wakendorf II

Blick auf ein leicht verregnetes Wakendorf II
In Wakendorf II müssen wir unseren Weg ein wenig suchen und fahren zunächst etwas falsch, bevor wir den richtigen Weg raus aus dem Ort finden

Der Radweg hinter Wakendorf II ist grundsätzlich gut zu befahren, wenn es sich auch um einen Feldweg handelt
Dann kommen wir zum Rodelberg, wo wir uns erneut ein wenig orientieren müssen

Vom Rodelberg geht es weiter nach Idstedt, wo erneut ein Boxenstopp fällig wird

beim Boxenstopp kurz vor Idstedt – meine Partnerin zieht dort auch ihren Regenschutz über
Und kurz nach dem Boxenstopp haben wir genau 1.000 km seit Königswinter zurückgelegt. Bei Kilometer 1.001 denke ich „jeder km eine neue, und oft spannende Geschichte“ ;). Wir haben tatsächlich bereits viel, überwiegend Gutes, erlebt.
Hinter Idstedt geht es dann in Richtung Sülfeld weiter.

nach links liegt in 1 km Entfernung Borstel, nach rechts in 2 km Sülfeld
Wir fahren nach Sülfeld weiter, das wir wenige Minuten später erreichen.

Durchfahrt durch Sülfeld
Der Radweg hinter Sülfeld ist zwar nicht nur durch Radelnde benutzt, aber dennoch recht schön. Er führt uns durch Wald und Felder.

Auf dem Radweg hinter Sülfeld
Die Wegweiser etwas später weisen die Wege nach Bad Segeberg (bekannt durch die Karl-May-Festspiele), Bargteheide, das meine Partnerin aus ihrer Kindheit kennt, Fischbeck und andere Orte.
Wir radeln weiter durch die Gegend und genießen das Sonnenspiel im Blattwerk.

Wir genießen das Konzert der Vögel und das sehr laute Froschkonzert in Teichen, die wir passieren.

Vor Oldeslohe passieren wir auf dem BahnRadweg einen Teich, aus dem ein wahrlich ohrenbetäubendes Froschkonzert schallt 😉
An einem Feld kreist ein Raubvogel über einem Mähdrescher und lauert offensichtlich darauf, dass eine Beute durch das Dreschen aufgescheut wird, die ihm zur willkommenen Mahlzeit dienen kann.
Eigentlich wollten wir überhaupt nicht über Bad Oldesloe, doch geraten wir doch irgendwie in Richtung Bad Oldesloe.

Der Radweg vor Bad Oldesloe führt durch ein Waldgebiet und über den BahnRADweg. Wir gelangen wir über den BahnRADweg an eine Erklärtafel.

Erklärtafel zum BahnRADweg vor Bad Oldeslohe
An einigen Stellen sieht man noch alte Schienen.

im Gras liegen noch die alten Bahnschienen am BahnRADweg
Wir fahren am Rande von Bad Oldesloe entlang in Richtung Klein-Boden weiter.

Die Kreuzung, wo es u.a. nach Klein-Boden rechts ab geht
Vor Klein-Boden führt uns die APP hoch, wo wir eine Rast einlegen.

Mit Blick über Felder und zur Regenfront legen wir an einer Bank am Rande eines Feldes Rast ein
Theoretisch führt uns die APP dort weiter in die Richtung, aus der wir den Hügel hochgefahren sind, doch merken wir nach recht kurzer Zeit, dass das nicht richtig sein kann. Also fahren wir in eine Richtung, aus der auch Autos auf dem Hügel kamen, auf der Straße den Hügel runter und erreichen tatsächlich Klein-Boden, wo wir auch einen Wegweiser nach Mölln entdecken. Es regnet, und wir haben den Hügel hinunter und auch auf der weiteren FahrtGegenwind. Herausfordernder für meine Partnerin bleibt jedoch böiger Seitenwind.
Wir versuchen den Wegweisern zum angeblich gut 20 km entfernten Mölln zu folgen, doch verlieren sich diese wieder, und auch Google Maps scheint zwischenzeitlich verwirrt, aber mit Intuition finden wir unseren Weg doch.
Auf einem etwas schwierigen Feldweg landet Stefan fast im Graben, kann dies aber zum Glück doch noch vermeiden.

eigentlich ist die Gegend bei Groß-Boden mit Feldern und Vegetation reizvoll, aber recht lange dem Wetter trotzend und die (verwirrte) APP mehrmals mit Intuition austricksend würden wir im Nachmittag doch gerne bald ankommen

ein Blick in den Wald am Rande unseres Weges
Schließlich kommen wir hinter Groß-Boden auch an einer Lama-Weide vorbei

eine Weide mit Lamas hinter Groß-Boden
Hier wird der Radweg wieder recht gut und ist angenehm zu fahren
Tolles Zimmer, aber blöde Treppe, Fahrräder gut untergestellt in Extraschuppen, dabei aber relativ schmales Tor und 2 Stufen zu überwinden

Ein Hohlweg bildet den Radweg hinter Groß-Boden
Nachdem wir Mölln schließlich erreicht und einen weiteren Hügel erklommen haben, erreichen wir nach etwa 16.00 Uhr tatsächlich unsere heutige Unterkunft, Pension Bambi. Dort liegt unser Zimmer im über eine recht steile Treppe erreichbare 1. Obergeschoß. Lustigerweise wird meine Partnerin von einem ältere Ehepaar, das gerade versucht, sein Gepäck die Treppe hochzuwuchten, gefragt, ob ich ihnen nicht das Gepäck hochbringen könnte. Nun: wenn ich könnte, täte ich das sicher gerne, aber aufgrund meiner Halbseitenlähmung bekäme ich wohl auch mein eigenes Gepäck nicht die Treppe hoch. Bei Anruf bei Vermietenden erfahre ich, dass ich im Erdgeschoss über einen QR-Code alle relevanten Informationen erhalten kann, und wo wir unsere Räder sicher abstellen können. Dieser Raum hinter de Hotel ist etwas versteckt und ein wenig schwierig über 3 Stufen und durch ein engeres Gartentor zu erreichen, aber mithilfe der QR-Info und gemeinsam bekommen wir all diese Aufgaben doch erledigt, und setzen und setzen uns auf den Balkon unseres schönen Zimmers.

der Blick vom Balkon unsers Zimmers
Auf den Balkon sitzend gönnen wir uns zur Feier der nun mehr als 1.000 gefahrenen km zusammen drei Picolos und genießen die zwar noch etwas verregnete, doch auch sehr angenehme Spätnachmittagsstimmung.

Die 1.000 gefahrenen km müssen gefeiert werden
Das Hightspeedvolumen bei meinem Mobilfunkbetreiber von ursprünglich 10 und nachgekauften 3 GB ist bereits wieder erschöpft – Google Maps scheint echt viel Volumen zu ziehen – und bei den gelegentlichen Irrwegen, die die APP uns immer wieder führen will, ist sie nicht einmal wirklich überzeugend. So ganz verstehe ich all das nicht, aber buche erneut Volumen zu, da wir sie für die Navigation schon benötigen.
2026-06-08 (Tag 23) – 20. Etappe: (Mölln – Alter Frachtweg-Besenthal-Langenlehsten-Leisterföhrde- an ICE-Schnellstrecke entlang (mit Eisenplatten)-Boitzenburg-Gothman-Bleckede (Fähre über Elbe-Nindorf-Köstorf (Köstorf 4, Dahlem-Köstorf = Hof Koopmann):

Screenshot: Mölln-Köstorf (Dahlem)
Nachdem wir das bei Ankunft noch hinzugebuchte Frühstück eingenommen und bezahlt haben, satteln wir unsere Drahtesel und machen uns zunächst auf dem die Landesstraße entlangführende und dann durch den Wald und an einem der Seen bei Mölln vorbei

Der Radweg aus Mölln heraus an der Landstraße entlang
Und dann geht es die Landstraße überquerend in den Wald auf den „alten Frachtweg“ der uns sehr schön durch Wald führt

Der Einstieg in den „alten Frachtweg“
Der alte oder „Boitzenburger“ Frachtweg ist ein ur- und frühgeschichtlicher Fernweg, der in nahezu gerader Linie von Boitzenburg an der Elbe nach Fredeburg führt, und ab dem 10. Jahrhundert ein Teilstück der ältesten Salzstraße von Lüneburg nach Lübeck führt und dessen nördliche Teil heute als Radwanderweg genutzt wird.

der „alte Frachtweg“ ein Stück weiter
Dann finden wir eine Erklärtafel zum Frachtweg

eine Erklärtafel zum „alten Frachtweg“ – leider durch das Glas verspiegelt
Wir folgen dem „alten Frachtweg weiter durch den Wald.

der Wald am „alten Frachtweg“
Dann gelangen wir an eine Gabelung im Wald, wo wir auch eine Erklärtafel zum Naturpark Lauenburger Seen, dem ältesten Naturpark Schleswig-Holsteins finden.

Erklärtafel zum Naturpark Lauenburger Seen
Wie wir der Karte auf der anderen Seite der Tafel entnehmen können, müssen wir weiter in Richtung Sarnekow fahren, wo es auch einen Hofladen geben soll, in dem wir etwas einzukaufen gedenken.

Sarnekow befindet sich nördlich von „Wasserkrug“ und südwestlich des Güdower Sees und gehört zur Gemeinde Besenthal
Wir sehen zwar ein Gehöft. Diesen Hofladen finden wir allerdings schließlich nicht, sondern kommen schließlich aus dem Wald heraus in eine Gegend mit Feldern

ein Gehöft in der Nähe von Sarnekow, das aber entgegen unserer Erwartung nicht der Hofladen ist

Felder am Rande des Waldes vor Sarnekow
Wir folgen dem Radweg weiter

Der Radweg kurz vor Sarnekow
Schließlich gelangen wir an einen Parkplatz, am dem wir auch einen Grenzstein finden.

Der Grenzstein – ehemals aus der DDR (Mecklenburg-Vorpommern)
Wir befinden uns also im ehemaligen Grenzgebiet. Auf dem Parkplatz befindet sich auch eine Landkarte.

Die Karte der Umgebung, die ehemalige „Zonen“-Grenze befindet sich unten rechts auf der Karte
Und dann sehen wir doch noch einen Hofladen, ein wenig ab von der Straße nach Besenthal. Eine ältere Frau sieht uns und schließt ihren Laden auf. Leider führt sie keinerlei Milchprodukte, sondern überwiegend Fleisch und Wurst sowie Eingemachtes. Wir erwerben ein kleines Glas Marmelade und verabschieden uns nach einem Schwätzchen. Sie weist uns auf einen sehr schönen Weg in der Nähe hin, der allerdings wohl zu sehr ab von unserer Route und in die ehemalige DDR führt. Schließlich meint auch sie, dass wir dann wohl lieber die Straße in Richtung Besenthal nehmen sollten.

Ein Ziegenbock wacht auf dem Hof über sein Reich und vermutlich auch „seine Ziege“
Vom Hofladen fahren wir also weiter Richtung Besenthal.
Google maps führt uns stets in Wald, da ist aber gesperrt, also an Holperstraße (vermutlich ehemals DDR-Gebiet/teilweise durch Meck.-Pommern).

Hinter Sarnekow ist der Radweg zunächst gut und führt durch ein schönes Gelände
Über Langenlehsten geht es weiter, ein Straßendorf im Kreis „Herzogtum Lauenburg“ mit laut Wikipedia 186 Bewohnenden, das 1194 erstmals urkundlich erwähnt wurde.
Unser weiterer Weg führt uns offensichtlich nach Mecklenburg-Vorpommern hinein.

eine alte Straße mit Kopfsteinpflaster zwischen Langenlehsten und Schwanheide
Die APP möchte uns immer wieder nach links in den Wald hineinführen, auch dort, wo wir überhaupt keinen Weg finden können. Also fahren wir weiter auf dem Kopfsteinpflaster. Als wir dann kurz vor Schwanheide tatsächlich auf einen Weg nach links abbiegen möchten, werden wir durch ein „Gesperrt“-Schild gebremst.

der von der APP geforderte Weg nach links ist gesperrt
Also weiter nach Schwanheide, vorbei an einem Kindergarten und immer wieder neu orientieren, wo wir langfahren müssten.
Dann gelangen wir in die Nähe von Boitzenburg, aber möchten möglichst nicht an der Landstraße ohne Radweg entlang fahren. Die APP verspricht tatsächlich noch einen andere weg entlang einer Bahnstrecke
große Verwirrung vor Boitzenburg (an Bahngleisen länger Feldweg gefahren, der ging über in Eisenplatten du endete dann. Aber links abbiegend kamen wir auf die Hauptstra0e und schließlich auch auf Kreisstraße (ohne Radweg) nach Boitzenburg. Wir treffen zwei offenbar Pause machende Arbeiter, die uns sagen, dass es etwas weiter ein altes Haus gebe, sie weiter in diese Richtung jedoch noch nicht vorgedrungen seien.

ist das ein nutzbarer Radweg in Richtung Boitzenburg
Wie entschließen uns dazu, es zu probieren, was anfangs und bis zu jenem Haus auch ok ist. Dann fahren wir links am Haus vorbei auf einem zunächst ebenfalls noch akzeptablen Feldweg, bis dieser in einen mit Eisenplatten ausgelegten Weg mündet.

ein solcher mit Stahlplatten ausgelegter Weg ist ordentlich ungewöhnlich, aber muss ja irgendwohin führen
Glücklicherweise sind die Platten in unserer Richtung so verlegt, dass wir stets „abwärts“ auf die nächste Platte fahren können. Der Weg muss aber, wenn sich schon jemand solche Mühe gegeben haben, doch irgendwohin führen, denken wir. Und so folgen wir diesem Weg weiter, kommen an einem Teich mit sehr lautem Froschkonzert vorbei.

meine Partnerin fährt auf dem Eisenplattenweg voraus – rechts liegt ein Teich, aus dem ein lautes Froschkonzert erklingt
Und dann ist der „Weg“ doch zu Ende und es geht nicht mehr geradeaus. Rechts liegt die Bahnstrecke, die allerdings hier nicht überquerbar ist.

und dann ist doch Ende des Eisenplattenweges – geradeaus geht nichts mehr weiter
Wir biegen dort also links ab – was bleibt uns auch anderes übrig, wenn wir nicht zurückfahren möchten?

da wir nicht geradeaus weiterkommen, biegen wir links ab
Zunächst ist dies ein Feldweg, der später zu einem Sand- und dann bei einigen Häusern sogar zu einem geteerten Weg wird. Dort kommen uns zwei Autos entgegen, in dem offenbar Arbeiter sitzen, die eine Pause gemacht hatten. Sie schauen uns recht erstaunt an. Hinter den Häusern kommen wir dann an die Landstraße, auf die wir nun doch nach rechts in Richtung des etwa drei km entfernten Boitzenburg/Elbe abbiegen.
Boitzenburg/Elbe ist laut Wikipedia mit seinen gut 11.100 Bewohnenden die westlichste Stadt Mecklenburgs und am Dreiländereck mit Niedersachsen und Schleswig-Holstein im Landkreis Ludwigslust-Parchim gelegen.
Auch dort verirren wir uns ein wenig und ich fahre zunächst probeweise, aer fälschlich über eine Brücke. Von dort aus sehe ich zur Linken einige Plattenbauten.

eine Plattenbausiedlung bei Boitzenburg/Elbe
Ich versuche mich mit der APP zu orientieren und drehe um. Auch meine Partnerin hat sich zwischenzeitlich orientiert und kommt zur selben Lösung wie ich. Wir kommen bald darauf an einen Lidl-Markt, in dem wie etwas einkaufen.
Dann folgen wir weiter dem Radweg.

Und dann gelangen wir tatsächlich nach Boitzenburg, das recht hübsch ist.

am Marktplatz von Boitzenburg/Elbe
Unser Weg führt laut APP entlang des hübschen „Wallweges“ am Rande der Stadt entlang

auf dem Wallweg von Boitzenburg/Elbe
zur rechten des Wallweges liegt der Ort mit schönen Häusern.

Blick vom Wallweg auf Boitzenburg/Elbe
zur linken liegt ein Teich.

ein Teich am Wallweg von Boitzenburg/Elbe
Eigentlich wollen wir in Boitzenburg auf denElbdamm, un auf ihm zur Fähre nach Bleckede zu gelangen, doch bremst uns eine Großbaustelle, bevor wir zum Elbdeich gelangen. Ein offenbar ortskundiger Vater, den wir dort mit seinen Kindern treffen, rät uns, über Gothman zu fahren und dort dann auf dem Elbdamm. Wir folgen seinem Rat und finden nach etwas Suchen und Fragen in Gothman tatsächlich die Elbauen.

Die Elbauen bei Gothman
Dort können wir auch auf den Damm fahren, der uns an den Auen entlang zur Elbe hinführt.

auf dem Damm durch die Elbauen
Wir sehen Störche auf Wiesen und Schafe auf Damm. Wir empfinden das kilometerlange Fahren entlang des Elbdammes eigentlich als langweilig. Es sieht genauso aus wie nach Glücksstadt – Dem Elbradweg über Stunden folgen? Das erscheint uns eher langweilig!

Schafe beweiden den Damm und festigen dadurch seine Flanken
Schließlich kommen wir dann doch noch zur Fähre in Bleckede, mit der wir die Elbe wieder überqueren. hier ist die Elbe nicht sehr breit und die Überfahrt für uns sogar kostenlos – auch für Nichtbehinderte sind die Preise mit 1,50 €/Person sehr verträglich.
Mit Fähre nach Bleckede, dann weiter, nur anfangs Radweg, dann durch Nindorf und bis Köstorf über Landesstraße, wo Autos recht schnell fahren.

auf der Elbfähre „Amt Neuhaus“ von Neu-Bleckede nach Bleckede über die Elbe
Auf der niedersächsischen Seite setzen wir uns auf eine Bank und trinken und essen etwas

zurück in Niedersachsen legen wir eine Rast ein
Nach der Pause nehmen wir den Radweg ins nahegelegene Bleckede.

der Radweg von der Elbfähre nach Bleckede hinein
Weiter fahren wir über Nindorf in Richtung Köstorf, das zur Gemeinde Dahlem gehört, und wo unsere Unterkunft, der „Hof Koopmann liegt. Leider endet der Radweg hinter Nindorf und wir müssen auf der Landstraße (ohne Radweg) fahren, was nicht sehr angenehm ist. Schließlich liegt Köstorf zur Rechten und nach etwas Suchen finden wir auch den Hof Koopmann.

im Garten des Hof Koopmann
Wir werde n vom älteren Gastgeber seh nett begrüßt, können unsere Räder in einer Scheune abstellen und unser schönes Appartement mit Küche und behindertengerechtem Bad beziehen.

unsere Ferienwohnung
Es ist wirklich ei schöner und ruhiger Ort. Leider erzählt uns der ältere Herr, dass sie Ende 2026 mit der Vermietung aufhören werden. Damit beendet ein Kleinod leider seine Nutzungsmöglichkeit für Reisende, aber den Vermietenden Gastwirten sei ihre Ruhe natürlich gegönnt.

im Garten von hof Koopmann
2026-06-09 (Tag 24) – 21. Etappe: Hof Koopmann (Kostorf 4)-Mücklingen- in Wald (Naturschutzgebiet bis geht nichts mehr) und zurück-Süchendorf-Neetzendorf-Himbergen-Bhf. Weste- Weste-Klein Thonen-Mühlbruch-Rosch-Rätzlingen Villa Kükenkamp (Kükenkamp 22, Rätzlingen)

Screebsho: Köstorf-Rätzlingen
Morgens nutze ich noch die barrierefreie Dusche im Hof Koopmann.

Das Appartement ist wirklich gut und auch für Behinderte geeignet eingerichtet – schade, dass die Vermietung eingestellt wird
Nach Frühstück und „Satteln“ sind wir erneut gegen 8.00 Uhr unterwegs, ohne dass wir bereits wissen, dass diese Etappe uns einiges abverlangen wird. Im Rückblick erscheint der Tag uns jener mit den vielleicht meisten „Challeges“. Aber davon ahnen wir zu diesem Zeitpunkt noch nichts und erfreuen uns der angenehmen Witterung und der Landschaft …
Zunächst radeln wir ein ganz kleines Stück auf der Landstraße, auf der uns auch Busse und LKWs überholen, bevor wir links ab in Felder abbiegen können, wo die Fahrt bedeutend ruhiger und angenehmer wird.

etwa 2 km hinter Kötzorf können wir links von der Landstr. abbiegen
Nach einem kurzes Stück biegt unsere Route rechts in Richtung Mücklingen ab. Der Weg ist zunächst geteert, wird dann zum Feldweg, doch fährt sich recht angenehm.

meine Partnerin nach dem Verlassen der Landstr. hinter Kötzorf
Dann kommen wir nach Mücklingen, wo wir über die Dorfstraße fahren, begleitet von knapp über der Straße jagenden Schwalben, die wir in Königswinter noch komplett vermisst hatten

Die Dorfstr. in Mücklingen
Hinter Mücklingen geht es durch Felder und der Radweg wird eher zum Feldweg, lässt sich aber noch immer recht gut befahren.

Nun wurde der Radweg zum richtigen Feldweg
Der Weg wird noch etwas „feldiger“.

noch etwas „feldigerer“ Radweg, doch weiterhin gut befahrbar
Es ist eine sehr angenehme Stimmung mit warmen, aber noch milden Temperaturen. Hasen hoppeln auch den frühen Tag genießend über den Weg und flüchten vor uns in die Felder.

unser Weg führt uns durch Baumgruppen und Felder
Dann wird der Weg wieder geteert.

der wieder geteerte Radweg


und wechselt dann wieder zum Feldweg
Irgendwann musste meine Partnerin dann doch ein kleines Stück schieben.

Und dann kommen wir am Ausgang von Mücklingen an einem Hütte mit schönem Blumenbeet vorbei.

Bevor wir das Ortsende erreichen.

Die APP verspricht uns auf der anderen Seite der Bundesstraße zwischen Dannenberg und Lüneburg, an der wir ein Stück entlangfahren, eine Fahrt durch ein Naturschutzgebiet.

Die Bundesstraße zwischen Dannenberg und Lüneburg
Auf das Naturschutzgebiet, das hinter einem Hof, auf dessen Weide Kälber grasen, freuen wir uns. Zunächst lässt sich der Feldweg auch gut fahren.

Der Feldweg ins Naturschutzgebiet, in das es am Hof vorbei geht, und das wohl im Wald weiter hinten richtig beginnt.
Dann ins Naturschutzgebiet (Waldwege): schöne Wege, aber endet im Nirgendwo, also zurück durch Sand, über Wurzeln und mit viel schieben);
Tipp: Versucht es nicht!
Zu Beginn ist der Wald recht licht und es blühen einige Pflanzen in ihm

der noch recht lichte Wald zu Beginn des Naturschutzgebietes
Doch bald wird das Fahren herausfordernder und der Weg wird sandig.

mit meinem Dreirad kann ich hier noch fahren, während meine Partnerin ihr bepacktes Zweirad schieben muss
Der Weg ist anschließend recht uneben, aber lässt sich noch (irgendwie) befahren.

auch wenn uneben und seitlich abfallend, lässt sich der Weg noch vorsichtig befahren
Die APP heisst uns mehrfach, nach links abzubiegen, doch sind an diesen Stellen eher keine wirklichen Möglichkeiten zum Abbiegen.
Dann wird der Weg noch unebener, offenbar sind hier Traktoren langgefahren und haben den Weg ordentlich umgepflügt.

das Befahren wird durch die Traktorenspuren zunehmend anspruchsvoll
Dann sollen wir erneut links abbiegen, während der Weg geradeaus nicht wirklich zum Weiterfahren einlädt. Da auch die APP-Karte uns hier links, und dann auf einem Parallelweg wieder rechts führen möchte, beschließen wir, den Weg zur linken zu nehmen. Hier ist ein Fahren überhaupt nicht mehr möglich, und wir müssen schieben, bzw. ich mein Dreirad mehr hinter mir herziehen, als dass ich es schieben könnte. Auch ist der Weg übersäht mit Stöcken und Ästen sowie Wurzeln und Pflanzenschlingen.

Zwar versuchen wir es, aber geben dann doch auf, da ein Durchkommen wirklich zu schwierig und anstrengend wäre
Nun sind wir eine knappe halbe Stunde ins Naturschutzgebiet eingedrungen, und müssen einsehen, dass dieser Weg nach links uns nicht weiterführen wird, also schieben (zerren) wir die Räder zurück zur Kreuzung und nehmen dort doch den Weg geradeaus. Der Weg macht noch eine Links- und dann eine Rechtskurve, führt über Wurzeln und Äste sehr anstrengend einen kleinen Hügel hoch, bis wir an einem kleinen Graben anlangen. Und hier sieht es wirklich noch schwieriger aus – vielleicht käme man mit einem Mountainbike noch weiter, aber für unsere Räder ist es wirklich nicht erfolgversprechend. Nun haben wir auch keinen GPS-Empfang mehr, aber meine Partnerin habe beim letzten (kleinreren) Umdrehen in der APP gesehen, dass der Weg vorwärts etwa doppelt so weit zu sein schien, wie der Weg zurück zum Hof am Eingang des Gebietes, Und so beschließen wir nun den „möglichst geordneten Rückzug“. Irgendwie ist das ärgerlich, aber scheint und nun doch ratsam.
Auch der Rückweg ist mit Hügeln, Traktorspuren, Wurzeln und Ästen sowie dem sandigen Stück, das wir nun bergab bewältigen müssen, ziemlich herausfordernd.

wir entscheiden uns dann dort auf den Rückweg
beim Rückweg muss meine Partnerin streckenweise erst ihr Rad ein Stück schieben, und mir dann mit meinem helfen.

alleine komme ich ohne die Hilfe meiner Partnerin hier nicht mehr durch
Und dann gibt mein Akku auf – keine Wunder beim etwa 1,5-stündigen Kampf durch diese „herausfordernde Wildnis“. Zum Glück kommen wir dann wieder am Hof an, und stellen uns dort an eine Wand im Regenschatten, um den Akku zu wechseln.
Dann neuen Weg über Süchtendorf gesucht (-> Neetzendorf, aber wieder im Nirwana geendet, Schlamm) > also erneut abgebrochen, aber dann Weg gefunden.

den ordentlichen Regenguss warten wir im Schatten der Hauswand ab. Das Bild ist nicht scharf, aber der Regen prasselt ordentlich

man sieht nicht wirklich, wie sehr es regnet. Doch sind wir froh, den Guss einigermaßen durch die Hauswand geschützt, abwarten zu können
Als der Regen nachlässt brechen wir auf, und fahren zunächst zur Bundesstraße zwischen Dannenberg und Lüneburg. Unsere APP will uns unverdrossen wieder ins Naturschutzgebiet schicken, doch widerstehen wir dieser sirenichen Versuchung tapfer. Dennoch ist halt eine Begrenzung von APPs und KI, dass sie mit neuen Situationen nicht gut umgehen können, und somit nur eine höchst zweifelhafte Hilfe in derartigen Situationen bieten.
Wir schauen uns die etwas größere Umgebung auf der APP-Karte an, und überlegen, das Süchendorf, dessen „in 1 km“-Hinweis wir bereits ausgangs von Mücklingen gesehen hatten, uns ohne Walddurchquerung) in die gewünschte Richtung bringen könnte. Gesagt – getan – zurück zu dieser Abbiegung und dann in Richtung Süschendorf nach links abbiegen.

Die Landschaft hinter der Bundesstraße und vor Süschendorf
Bald sehen wir eine schwere Waldmaschine mit großen Rädern, aber fahren in einer Rechtskurve an ihr vorbei. Wir gelangen an ein Haus und dann an eine andere Landstraße. Laut APP-Befragung bringt uns das jedoch nicht wirklich weiter, sondern der zu nehmende Weg wäre etwas zurück und dann in den Weg abbiegend, in den die Waldmaschine fuhr. Also auch das gesagt – getan.

auch wenn schlammig geht es hier noch, doch etwas weiter landen wir im unbefahrbaren Schlamm. Meine Schuhe, Hose und Hände schließen schnell „Freundschaft“ mit dem Bodenbelag
Nun: die Waldmaschine hat mit ihren großen Rädern offenbar „ganze Arbeit geleistet“ und der Weg wird immer schlammiger und durchgewühlter.
Ok – auch das war also nichts, umdrehen und durch den Schlamm zurückschieben (bzw. mein Dreirad ziehen). An der vorhin überquerten Bahnlinie fahren wir geradeaus und gelangen tatsächlich auf einen besseren und dann sogar geteerten Weg. auf dem wir schließlich nach Neetzendorf kommen. Von dort fahren wir weiter in der groben Richtung Himbergen, wo wir ursprünglich gedacht hatten, mittags, also gut 2-3 Stunden zuvor zu sein, doch die beiden Weg-Herausforderung haben wir schließlich gemeistert und befinden uns offensichtlich nun wirklich „jenseits des Waldes, der für uns so schwierig zu überwinden war.

Am Bildrand sieht man den Wald, der uns so herausgefordert hatte
Und schließlich nach einigen weiteren Orientierungsversuchen, sind wir bei Klein-Thonen,

ein Feld bei Klein-Thonen
Und dann gelangen wir auch nach Himbergen, wo wir im örtlichen EDEKA eine Pause machen, einkaufen und den erneuten Regenguss abwarten.
Hinter Himbergen wählen wir die laut Google Maps = „beste Strecke“, aber die wird schnell in den Feldern erneut ziemlicher Murks Es hat nun doch wieder zu Regnen begonnen, und der heftige Wind könnte ein aufziehendes Gewitter ankündigen. So drehen wir zum dritten Mal am heutigen Tag um, fahren zurück zur Kreisstraße und biegen dort links so dass wir zurück zur Kreisstraße und auf dieser links nach „Weste Bhf“ abbiegen. Mit mehrmaligem Orientierungsversuch und dem Befragen eines offenbar Ortskundigen finden wir unseren Weg über Westmühlen und Rosch bis schließlich kurz vor 17.00 Uhr in Rätzlingen eintreffeb, wo wir dann links abbiegen und einen kleinen Hügel erklimmend, zu unserer Unterkunft kommen, der „Villa Kükenkamp“
Dort empfängt uns am Haupthaus die ecuadorianische Flagge mit „Si-se puede!“ Wie sich herausstellt, stammt die Wirtin aus Ecuador, und der Wirt, ihr Mann hat in Lateinamerika gearbeitet, allerdings weniger „humanitär“ als ich, sondern es ging ihm um „Geld-Verdienen“, wie er mir im Gespräch erzählt. Er war für Nestle unterwegs. Nun gut: Bekanntlich ist jedes Tier anders, und als meine Partnerin ihm erzählt, dass wir mittlerweile über 1.000 km geradelt sind, antwortet er: „Warum tut man sich das an?“ Nun ja, seine Lebensweise scheint sich leicht von der Unsrigen zu unterscheiden …
Wir sind im geräumigen Nebengebäude untergebracht. Die Einrichtung ist okl, auch wenn es keine Heizung zu geben scheint. Im Moment fehlt uns diese nicht, doch im Winter könnte sie ernsthaft „hace falta“ , also fehlen! Der Heißwasser Boiler scheint auch defekt, doch hatten wir ja morgens noch geduscht,
Später schlafen wir gut beim melodischen Froschkonzert, das scheinbar ganz in in der Nähe liegenden Teich heranschallt.
Abends kommt der Hausherr noch zum kassieren und verspricht, uns gegen 8.00 Uhr am kommenden Tag eine Kanne Kaffee vor die Tür zu stellen, was uns natürlich recht ist.
2026-06-10 (Tag 25) – 22. Etappe: Rätzlingen-Bernsteinsee) – 57 gefahrene km
Die Kanne mit Kaffee finden wir tatsächlich vor unserer Tür, frühstücken und packen und sind dann „on the road again“.
Zunächst geht es bei schönem Wetter über recht gute Straßen durch Felder nach Henstedt II
Und dann begegnen wr erneut einigen Herausforderungen. Zunächst schickt uns Google-Maps ins Feld, bis der Weg tatsächlich im Feld endet und wir uns über einen Waldweg mit hohem Gras zurück zum ursprünglichen Weg durchschlagen, auf dem es dann aber einigermaßen gut weitergeht .
Und dann geraten wir an eine Baustelle, wo es für Autos nicht weitergeht. Für Fußgänger führt, wie ich dann sehe, doch ein Weg am der Baustelle rechts vorbei – und den können wir auch mit unseren Rädern nehmen, so dass wir zunächst und bis zu einer weiteren Baustelle weiterfahren können.
Auch diese kann meine Partnerin schiebend passieren, während es für mich mit meinem Dreirad nicht richtig klappt. Als ich ein paar Bauarbeiter (offenbar die Vorarbeiter) erreiche, rufe ich ihnen zu, dass sie mir offenbar „gerne Herausforderungen gönnen!“

meine Partnerin kann ihr Rad rechts an der Baustelle vorbeischieben
Einer der Männer kommt zu mir und schiebt mein Dreirad durch den Sand ein Stück, bis er es an einen anderen Arbeiter übergibt und diesen auffordert, das Rad bis zur Straße zu schieben.

Zum Glück findet sich jemand, der mir, bzw. meinem Rad über den Sand hilft
mein Muli in Lehmke jenseits der Baustelle
Und so kann auch ich die Baustelle überwinden und weiterradeln. An einer Kreuzung folge ich einem biologisch-natürlichem Drang an einer Baumschule.

mein Muli jenseits der Baustelle in Lehmke

Wir fahren weiter durch die Felder, bis wir auf einem am Rand eines Feldes entlangführenden und grasbewachsenen Feldwegs
Auf diesem Weg gelangen wir zum Elbe-Seitenkanals (ESG). Die APP weist uns an, dort geradeaus zu fahren, doch sieht man zunächst nicht, wie das gehen soll, da man vor Büschen steht, doch dann sehen wir eine Durchfahrt.

links von der Hütte gibt es durch die Büsche und etwas den Hang hoch auf den Damm am Elbe-Seitenkanal
Nun befinden wir uns also auf dem recht guten Radweg auf dem Damm des Elbe-Seiten-Kanals. Am ihm blühen im Mittelstreifen und am Rand Blumen, was recht nett aussieht,
Dieser ist laut Wikipedia 115 km lang und eine der niedersächsigen Bundeswasserstraßen zwischen dem Mittellandkanal und der Elbe. Der Kanal sei 1965 unter dem Namen „Nord-Süd-Kanal“ geplant und am 6. Mai 1968 sei der erste Spatenstich erfolgt, bevor er nach achtjähriger Bauzeit am 15. Juni 1976 u.a. durch die Ersten Bürgermeistern aus Hamburg, Hans-Ulrich-Kose, und des niedersächsischen Ministerpräsidenten, Ernst Albrecht, eröffnet wurde. Hauptzweck war eine Verbindung zwischen Elbe und Mittellandkanal in der damaligen Bundesrepublik zu schaffen, da die ursprüngliche Verbindung während der deutschen Teilung in der DDR lag.

Der Radweg, der uns bis zu unserem heutigen Etappenziel am Bernsteinsee in Sassenburg führen wird, ist wirklich gut zu befahren.

4. Challenge: Kurz vor Elbe-Seitenkanal kommt eine Stelle, wo man zunächst nicht sieht, wie es weitergeht, doch muss man durch eine Lücke im Busch einfach auf den Damm fahren. Unser heutiger Zielort ist noch etwa 33 km am ESK entlang entfernt, doch fahren eir in Bodenteich nach gut 15 km zunächst weg vom Kanal und in den Ort hinein, wo wir an einem EDEKA rasten und dort einkaufen, bevor wir weiterfahren, also wieder zum ESK und dann an diesem weiter in Richtung Süden entlang. Vor dem EDEKA sitzend stört mich der Zigarettenrauch einer Frau, die auch dort sitzt. Zunächst nehme ich es hin, aber bemerke ich , als sie sich trocken hustend die nächste Zigarette anzündet, dass sie viel rauche. Sie flippt förmlich aus: Was mich ihre Gesundheit angehe, und überhaupt. Kurz zuvor hatte ich sie telefonieren gehört, und es schien so, dass sie ihren Mann per Telefon zusammenstauchte. Sie scheint also schlecht gelaunt. Ich versuche sie zu beruhigen, doch keift sie mich an, es sei eine Unverschämtheit, dass ich sie angesprochen habe. Irgendwann bin ich nur noch still und lasse sie zetern. Sie raucht und hustet und hat offenbar Übergewicht und erregt sich gerne – Naja: Alles Gute! …
Zurück auf dem Damm begegnen wir der heute fünften Herausforderung in Form eines breiteren Traktors, der vor uns auf dem Damm fährt und den wir nicht überholen können. Er scheint am Rand das Gras zu schneiden und staubt reichlich.

Trecker voraus
Also fahren wir langsam, und irgendwann biegt er dann nach links einen Weg hinauf vom Damm ab und wir können ungestört weiterradeln …
Und dann ereilt uns noch eine echt heftige, für heute die sechste „challenge“: Beim erforderlichen Akkutausch findet meine Partnerin zunächst den Akkufachschlüssel nicht 🙁 Das wäre sehr fatal, da wir dann den Akku gar nicht wechseln könnten.
Der Schlüssel ist nicht dort, wo sie ihn gewöhnlich aufhebt, doch nach einigem Suchen auch im Rucksack findet sie den Schlüssel dann doch! Zum Glück!!!!

Was für ein Schreck! Wo ist denn der Schlüssel des Akkufaches?
Uns kommen heute nur Schiffe (kleine Privatboote und Frachtschiffe) entgegen, so dass wir uns fragen, ob der Kanal eine Einbahnstraße sei. Die Internetrecherche ergibt jedoch, dass dem nicht so ist, es aber sehr wohl klare Fahrregeln gebe.

auf dem ESK kommt uns ein Frachtschiff entgegen
Und dann sehen wir auf der linken Seite eine Karte der (deutschen) Binnengewässer.

meine Partnerin zeigt auf einen Punkt bei Hannover am Mittellandkanal (MLK)
Das ist durchaus mal interessant

Und dann sind wir in der Nähe unseres Tageszieles. Das Hotel finden wir, nachdem die APP uns ein wenig im Kreis geführt hat, aber dann doch, und können auch unser Zimmer am Bernsteinsee beziehen.

Der Bernsteinsee vom Bernsteinhotel aus
Unsere Räder können wir in einem Raum neben der Rezeption sicher abstellen bei wärmerem Wetter könnte man auf dem See offenbar Wakeboarden und es gibt eine Plattform im See. Auch gibt es vor unserem Hotelzimmer einen Minigolfplatz, aber wir beide sind uns einig, dass ein vier-wöchiger Urlaub hier wohl eher nicht unser Fall wäre. Auch schauen einige andere Gäste, die wir sehen, nicht so glücklich aus. Nun für unseren Bedarf für eine Nacht ist das Zimmer aber gut und vollkommen ausreichend. Wir können duschen und schlafen erholsam, auch wenn es den bei der Buchung erwähnten Wasserkocher nicht gibt, aber das überleben wir nach all den in den letzten Tagen überwundenen Challenges quasi auf einer zehntel Arschbacke.
Meine Partnerin fuhr heute m wie ein „Uhrwerk“ immer weiter …
2026-06-11 (Tag 26) – 23. Etappe: Bernsteinsee-Osloß-am ESK-an Mittellandkanal weiter-Panne vor Thune-Didis-Fahrradladen (Braunschweig-Woltorf-Peine): – 73 gefahrene km
Am kommenden Morgen fahren wir nach einem zunächst kaffeelosen Frühstück, Packen und Auschecken vom Bernsteinseehotel zurück zum Kanal und an diesem entlang bis Osloß, wo meine Partnerin eine Bäckerei verortet hatte.

weiter geht es entlang des ESK – zunächst auf der linken Seite
Tatsächlich finden wir die Bäckerei und stärken und mit Kaffee und Teilchen, bevor wir unseren Weg am Damm wieder aufnehmen.

Unsere Räder vor der Heide-Bäckerei in Osloß
Anschließend fahren wir zurück zum Damm, den wir ab dem „Sicherheitstor Osloß“ wieder befahren.

das „Sicherheitstor“ bei Osloß
Auch kommen uns weiterhin Schiffe entgegen, bzw. heute aus beiden Richtungen, so dass sie sich auch begegnen.

zwei Frachtschiffe begegnen sich auf dem ESK
Und natürlich geht es auch heute nicht ohne Herausforderungen. Auf einer Brücke steckt mitten im Weg ein Bagger, so dass ich mit meinem Dreirad nicht vorbeikommen kann.

zum Glück kam der Baggerfahrer und half uns, mein Dreirad doch auf der linken Seite des Baggers vorbeizuschieben bzw. zu heben.
Und einiges weiter müssen wir durch eine Unterführung auf die andere Seite des ESK wechseln.

meine Partnerin kommt durch die Unterführung auch auf die andere ESK-Seite
Laut einem Wegweiser sind es noch 29 km bis Braunschweig, kurz hinter der Unterführung befindet sich rechts vom Damm ein großer See.

ein See – offenbar mit Freizeitmöglichkeiten bei der Unterführung unter dem ESK, etwa 29 km vor Braunschweig
Wir beradeln also den Damm weiter.

weiter geht es nun auf dem Damm der rechten ESK-Seite gen Süden
Und dann gelangen wir an die Einmündung in den Mittellandkanal.
Der MLK ist laut Wikipedia mit 325,3 km die längste künstliche Wasserstraße Deutschlands und verbindet den Dortmund-Ems-Kanal mit Weser, Elbe und dem Elbe-Havel-Kanal. Im weiteren Sinne sei er eine Verbindung zwischen Rhein und Oder, wobei im Westen die Verbindung zum Rhein über Dortmund-Ems-Kanal und Rhein-Herne-Kanal oder den Wesel-Dattel-Kanal, an dem wir auf dem Hinweg auch waren. Im Osten verbinden Elbe-Havel-Kanal, Untere Havel-Wasserstraße und Havel-Oder-Wasserstraße den MLK mit der Oder. In europäischer Dimension ermögliche der MLK eine Verbindung zwischen den BeNeLUX-Staaten, Frankreich und der Schweiz mit Polen und Tschechien im Osten.

Blick auf den Mittelandkanal gen Osten an der Mündung des Elbe-Seitenkanals
Also biegen wir rechts ab und radeln nun am Mittellandkanal entlang nach Westen – wo irgendwann dann auch Recke käme, wo wir auf dem hinweg im „Zimmer8 bei Goecke“ genächtigt hatten.
Zunächst bleibt der Weg auf dem Damm recht gut.

Der Radweg am Mittellandkanal kurz hinter der Einmündung des ESK
Blickt man von Damm runter, bietet sich folgendes Bild.

die Landschaft neben dem Mittellandkanal
In der Folge nimmt die Güte des Radweges ab.

der Radweg wird schmaler, doch ist er zunächst noch recht gut befahrbar
Irgendwann rasten wir ein wenig, wobei uns voraus Regenwolken zu sehen sind.

eine kleine Rast am MLK

eine Hafenbucht auf der anderen Kanalseite (vor Braunschweig)
Der Radweg wird immer schmaler und wir fahren an Büschen und Dornenranken vorbei.

Der Radweg wird vor Braunschweig immer schmaler und schwieriger zu befahren
Und dann drehe ich mich wartend um, und sehe meine Partnerin nicht mehr hinter mir herkommen. Nach kurzer Zeit fahre ich etwas zurück, und sehe, wie sie das Gepäck ablädt und auf den Boden legt. Als ich bei ihr ankomme, sagt sie, dass sie am Hinterrad einen Platten hat.

und jetzt??? Plattfuß irgendwo im Norgendwo am Mittellandkanal!?!
Ohje – was sollen wir tun? Wir versuchen, den Reifen nochmals aufzupumpen, aber er hält keine Luft, ist also wohl wirklich platt.
Was können wir also tun? Auf der APP sehe ich, dass in etwa 2,5 km Entfernung eine Ortschaft in der Nähe des Kanals liegt. Dann kommen uns 2 Rennradfahrer entgegen, und fragen nach unserem Problem. Aber Flickzeug haben auch sie nicht dabei, bestätigen aber die nicht weit entfernte Ortschaft. Braunschweig sei etwa 20 Fahrminuten entfernt, wobei die beiden (mit unbeschädigten Rennrädern) vermutlich erheblich schneller sind als wir nun.
Schließlich gelangen wir bei einer Brücke an eine Stelle, an der ein Weg weg vom MLK-Dann und den Hang hinaufführt. Oben gibt es allerdings ein Tor, das man beim Durchschieben aufhalten muss. Nicht einfach, mal wieder eine Herausforderung, aber natürlich weniger schwerwiegender als der Plattfuss selbst.
Nach ein par Metern auf einer Teerstraße kommen wir an ein Ortschild („Thune – Stadt Braunschweig“). Ok, und wir sehen sogar ein Schild mit Straßennamen. Meine Freundin stellt zurecht fest, dass ihr E-Bike mit Gepäck und ihr selbst natürlich in kein „normales Taxi“ passen würde. Also bauchen wir eine Werkstatt in Braunschweig, die uns die Panne heute noch beheben würde UND ein Großraumtaxi .. Unser heutiges Etappenziel in Peine erscheint nun, gegen 14.00 Uhr kaum noch erreichbar, aber meine Partnerin findet im Internet eine gut (und als „hilfsbereit“ bewertete Fahradwerkstatt (Didi’s Fahrradshop). Ich rufe dort an und sie seien bis 17.00 Uhr in der gut 10 km entfernten Werkstatt.
Nun also ein Großraumtaxi: zwei im Internet gefundene Großtaxi-Unternehmen haben keinen Wagen verfügbar, aber wir sollten mal 6 x 6, also 666666, eine Taxizentrale anrufen. Das machen wir hoffnungsfroh, doch lediglich mit dem Erfolg, an eine andere Taxizentrale mit der Nummer 55555 anzurufen. Dort werden wir wieder an 666666 verwiesen. Na Klasse!
Ich überlege, im nahegenenen Ort einen Handwerker zu suchen, der vielleicht einen Kleintransporter hat. Meine Partnerin findet unter Kleinanzeigen Jemanden, der Möbeltransporte anbietet, und den wir auch tatsächlich telefonisch erreichen: „Das kostet aber 50 €!“ – Gut, eine Alternative haben wir ja nicht, es hat zu regnen angefangen, und die Zeit vergeht! -“ Ich brauche aber eine halbe Stunde, bis ich bei Ihnen sein kann.!“ – Ok, wir warten – Bzw. ich fahre mit meinem Dreirad zur Adresse von Didi’s Fahrradshop in der “ Celler Straße 120 inj Braunschweig, während Ingrid am angegebenen Ort wartet und mir etwas später auch signalisiert, dass sie abgeholt und unterwegs sei.
TIPP: Eine ADFC-Mitgliedschaft enthält eine Pannenhilfe. Ansonsten bei Pannen insbesondere in abgelegenen Gegenden etwas phantasievoll sein, also z.B., wie meine Partnerin über Alternativen zu Taxis, etwa über Kleinanzeigen-Anzeigen checken.
Als ich beim Fahrradshop ankomme, ist auch Ingrid gerade dort, und der Radmechaniker hat sich das Rad bereits geschnappt und es umgedreht, um den Mantel abzumontieren.

der Mechaniker fackelt nicht lange und beginnt sofort mit der Reparatur. Sie verwenden offensichtlich gebrauchte Ersatzteile, so dass der Preis wirklich tragbar ist
I
Nach knapp 30 Minuten ist alles erledigt, und der Mechaniker betrachtet noch interessiert mein vor dem Eingang stehendes Dreirad. Dabei sieht er, dass mein Freilauf seltsam steht, und stellt bei näherer Betrachtung fest, dass die Schraube fehlt. Auch das erledigt er noch schnell. Wir sind total dankbar – echte „Überzeugungstäter aus Berufung“ und wirklich nett und kompetent. Wir können wir nur in höchsten Tönen lobend empfehlen.
Zwischenzeitlich hatte ich noch in unserer Unterkunft im noch immer etwa 25-30 km entfernten Peine angerufen, dass wir es bis 18.00 Uhr durch die Panne vielleicht nicht schaffen könnten. Die Rezeptionistin beruhigt, dass sie bis 21.00 Uhr erreichbar sei. Auch das könnte also noch machbar sein.
Wir danken den beiden bei Didi’s sehr herzlich und radeln aus Braunschweig hinaus gen Peine.

Zunächst ist der Radweg hinter Braunschweig gut und führt durch schönes Gelände mir Feldern und Baumgruppen, wobei rechts ein Zaun das Gelände absperrt (Militärgelände?)
Dann kommen wir wieder zum Kanal, wo uns die APP mal wieder seltsam schicken will. Dieser „Trampelpfad“ ist vielleicht zu Fuß oder ein leichtes Rad tragend zielführend zum Weg am Kanal, aber sicher nicht für uns und mein Dreirad!
Wir fahren etwas zurück zur Brücke über den Kanal.

der Kanal hinter Braunschweig: Eigentlich müssten wir „nur“ auf den Weg am Ufer gelangen … Eigentlich 🙁
An der Brücke treffen wir erneut einen Ortkundigen und Hilfsbereiten, der uns den weiteren Weg beschreibt: Vor bis zu Hütte, dort rechts bis zum Wald. bei der Weggabelung links halten und so weiter. Wir radeln los, und finden die Hütte, den Weg zum Wald.

Der Radweg von der Hütte hin zum Wald
Und auch die Gabelung finden wir. An einer weiteren Brücke an einem (anderen) Kanal wird es dann erneut verwirrend. Auf beiden Kanalseiten gibt es Wegweiser nach Peine, doch ist der Weg am Ufer des Kanals, der der richtige zu sein scheint, wegen einer Baustelle gesperrt. Also fahren wir weiter zum nächsten Dorf, und hangeln uns dort, leider teilweise auf einer Landstraße in Richtung Peine weiter. Bei Woltorf können wir dann die Lanstraße verlassen und über Seitenstraßen und Radwege tatsächlich nach Peine einrollen, essen Stadtrand wir gegen 18.00 Uhr erreichen.

Kreuzung am Stadtrand von Peine
Von hier finden wir auch noch den Weg zu unserer Unterkunft („Hotel Stadt Peine“, Schwarzer Weg 70), wo wir einchecken und unser großes mit Aufzug im 1. Stock erreichbare Zimmer beziehen können. Die Räder stellen wir im videoüberwachten Innenhof ab und lassen einen weiteren Tag mit glücklich bewältigten Herausforderungen ab, indem wir im zum Hotel gehörenden Restaurant noch essen gehen. Und danach sind wir auch müde genug!
2026-06-12 (Tag 27) – 24. Etappe (Peine-Sarstedt)
Nach dem mit gebuchten Frühstück packen wir und bringen unser Gepäck in den Innenhof. Da es allerdings recht kräftig regnet, beschließen wir zu warten, und ziehen unsere Regenhosen über.
Als es etwas nachgelassen hat, radeln wir im Nieselregen durch das recht schöne Zentrum von Peine auf den Radweg durch einen Wald.

der offenbar recht feuchte Wald neben dem Radweg
Der Radweg ist hier ziemlich gut.

der durch ein Waldgebiet aus Peine hinausführende Radweg
Und dann kommen wir wieder an den (einen anderen?) Kanal.

auf dem Kanal fahren Frachtschiffe, dieses transportiert Holz
Hier kommen wir auch runter zum Kanal, wo der Radweg zunächst ok, wenn auch nicht toll ist.

der MLK hinter Peine, den Radweg kann man links von dem Metallstützen erahnen
Der Weg wird nicht unbedingt besser, und die APP zeigt, dass wir irgendwann auf der anderen Kanalseite weiterfahren müssen. Aber zunächst gibt es keinen Weg weg vom Ufer.

diese Treppe scheint bereits länger nicht mehr genutzt worden zu sein
Am gegenüberliegenden Ufer passieren wir eine Fabrik, die wohl auch nicht mehr arbeitet.

scheint nicht mehr im „vollen Produktionssaft“
Wir radeln also weiter am Kanal entlang. An einem Raiffeisen- Gelände ist meine Begleiterin bereits weitergefahren, als ein Arbeiter mir sagt, da vorne gehe es wohl nicht recht weiter. 90 % der hier in diese Richtung Radelnden kämem zurück. Wir sollten lieber die nahegelegene Brücke aufs andere Ufer nutzen und dort weiterfahren. Ich rufe meine Partnerin zurück und wir folgen diesem Rat.
Bei Sehnde geht der Radweg etwas vom Kanalufer weg.

Bei Sehnde führt der Radweg vorübergehend weg vom Ufer und durch Felder.
Wir sehen vor uns zwei Hasen miteinander toben. Sie schlagen Haken und dann verschwindet einer nach rechts ins Feld. Der andere stellt sich auf die Hinterläufe, macht sich ganz lang, und scheint nach seinem Kumpel Ausschau zu halten. Als der andere Hase wieder erscheint, laufen sie zusammen von uns weg den Weg entlang, bis wir sie nicht mehr sehen können.

man erahnt die beiden Hasen am linken Rand des Weges vor der Baumgruppe
Dann gelangen wir über Berkum nach Bolzum, wo wir erneut die Akkus wechseln müssen.

Im Hintergrund sieht man eine Abraumhalde (möglicherweise vom Salzbergbau?), auch gibt es hier ein sehr sauberes DIXIE-Klo, das wir beide nutzen.
Auch der Klatschmohn hier ist recht ansehlich.

Über eine Brücke überqueren wir erneut den Kanal und bei Bolzum eine Bahnstrecke.

Bei Bolzum kreuzt ein Güterzug unseren Weg
Und dann blicken wir auf Bledeln.

Blick auf Bledeln
Hinter Bledeln führt der Radweg durch eine Art Hohlweg und durch Felder.

Der Radweg hinter Bledeln
Und dann gelangen wir nach Sarstedt, wo in der Gutenbergstr. 10C unsere Unterkunft, das DUA-Hotel erreicht wird.
Da es keinen Aufzug gibt, überlässt die Rezeptionistin uns ein wirklich schönes Zimmer im Erdgeschoss statt dem im 1. Obergeschoss.

unser sehr sehr schönes Zimmer in Sarstedt (DUA-Hotel (Gutenbergstr. 10 c, Sarstedt)
Neben diesem und dem benachbarten Hotel, die vermutlich besonders in Messezeiten im nahen Hannover gut belegt sind, befindet sich ein Nettomarkt, in dem wir für abends und das morgige Frühstück einkaufen.
2026-06-13 (Tag 28) – 25. Etappe: Sarstedt- Ruthe-Schiekum-Springe-Hachmühle-Hameln) – 54 gefahrene km
Nach dem Frühstück im Zimmer und nachdem ich noch ein wenig im benachbarten Netto-Markt eingekauft habe, bepacken wir unsere Räder.

unsere Räder vor dem DUA-Hotel
Die APP würde uns gerne einen Umweg schicken, doch fahren wir nach Intuition los und tun recht daran.

an der Kreuzung nahe des DUA-Hotels. Der Radweg neben dieser Staße führt uns aus Sarstedt raus

der Radweg führt zunächst ein wenig bergan
Etwas weiter kommen wir an die Leine und fahren entlang des Flusses auf der Radweg. Die Leine ist ein knapp 280 km langer, südlicher und orographisch linker Nebenfluss der Aller in Thüringen und Niedersachsen, der Abschnitt in Niedersachsen ist knapp 240 km lang.

der Radweg führt noch in Sarstedt an der Leine entlang
Dann biegt der Radweg nach links und von der Leine weg ab und führt an einer (kleineren – „Ruther“) Straße entlang auf der wir den Fluss hinter Sarstedt überqueren.

Die Leine kurz hinter Sarstedt
Dann ruft uns ein Kind vom Straßenrand im Dorf Ruth“Ziieeehh!“ zu – zunächst können wir es nicht einordnen, doch dann kommen uns Radfahrer entgegen – offenbar findet gerade ein lokales (?) Radrennen in der Region statt. Wenn wir uns jetzt einordnen und den „Turbo“ einschalten, könnten wir die Ziellinie vielleicht als erste überqueren? Nun ja, wir fahren unser eigenes „Rennen“ weiter: gemeinsam und einigermaßen entspannt, wobei wir heute wirklich bereits in den Feldern hinter Ruth ziemlich krassen Gegenwind haben.
In Schiekum biegen wir dann in die Felder ab und fahren dort etwas im Zickzack auf das Weserbergland zu.

Blick zurück auf Schiekum

Der Radweg führt uns durch die Felder auf das im Hintergrund zu sehende Weserbergland zu
Das Weserbergland ist eine bis fast 530 m über dem Meeresspiegel hohe Mittelgebirgslandschaft beiderseits der Weser zwischen Hann. Münden und der Porta Westfalica innerhalb des Berglandes in Niedersachsen. Ein wenig werden wir heute in dieses Bergland eintauchen, doch wollen wir es nicht zu sehr erklimmen, sondern es für unsere Kräfte verträglich halten. Der Gegenwind tut eh ein Übriges.

Vor Thiedewiese sehe ich Blumen am Rand des Radweges vor Thiedenwiese
Irgendwann kommen wir an die Göttinger Landstraße, der wir ein wenig folgen, bevor wir hinter einem griechischen Restaurant wieder rechts in die Felder einbiegen und in hinter Gestorf erneut an einer Landstraße etwas den Hang aufwärts in Richtung Springe radeln.
Hinter Gestorf kommen wir an eine Stelle, an der ein Windrad montiert wird.

einige Windräder produzieren bereits, am rechten Bildrand liegt eines, das noch montiert werden soll.
Auch eine schöne Feldblumenwiese gibt es hier.

Feldblumen hinter Gestorf
Wir fahren weiter in Richtung Völksen und auf Regenwolken zu.

der Regen droht – ob er uns erwischt?
Der sehr krasse Gegenwind ist bisweilen sogar stärker als Rollkraft unserer Räder bergab. Insbesondere Seitenwindböen verlangen meiner Partnerin hohe Konzentration und einiges an Kraft ab. Dann kommen wir an die „Kaiserallee“ vor Springe.

der hier „Kaiserweg“ genannte Radweg führt uns auf Springe zu.
Die Kaiseralle führt ein kleines Stück an der B217 entlang.

Blick von der „Kaiserallee“ über die B217
Und dann fahren wir tatsächlich nach Springe rein, wo wir an einer Kreuzung ein Einkaufszentrum mit einem EDEKA-Markt finden, in dem wir einen Snack einkaufen und unsere biologischen Bedürfnisse befriedigen können. Dann kommt der Regenguss tatsächlich bei uns an, so dass wir ihn unter einem Dach am EDEKA-Eingang abwarten können.
Springe hat laut Wikipedia rund 30.000 Bewohnende und liegt an der „Deisterpforte“, einem flachen Talpass zwischen den südlichen Ausläufern des Deisters und dem „Kleinen Deister“. Dort entspringe auch der Fluss „Haller“, der der Stadt „Springe“ im Mittelalter den Namen „Hallerspring“ gegeben habe.
Dann fahren wir weiter, an einem Sportgelände müssen wir uns etwas orientieren, bevor wir durch die Felder.

die Landschaft bei Springe
Dann führt der Radweg bei Altenhagen auf der anderen Straßenseite der B217 weiter, und die Überquerung der Bundesstraße ist nicht gerade bequem und übersichtlich.

die Autos sind hier den Hang hinauf nicht gerade langsam und die Straßenquerung ist auch noch ansteigend – im Hintergrund sieht man Springe
Teilweise führt uns der Weg durch Regen, über Schotter und bergan auf Hachmühlen zu.

Blick auf Hachmühlen
Wir kommen Hameln immer näher, müssen nochmals einen Boxenstopp einlegen und teilweise auf einer Landstr. ohne Radweg fahren. Zum Glück ist das nicht sehr weit erforderlich, bis wir nach Hameln hineinkommen.

arme Leute wohnen hier wohl nicht
Durch die Siedlung geht es den Hang hinunter nach Hameln hinein.

durch diese Siedlung rollen wir hinab nach Hameln hinein
Und dann gelangen wir zu unserer „Altstadt-Ferienwohnung“. Von außen sieht das Haus aus, als schreie es nach etwas guter Behandlung, etwa durch etwas Farbe, aber innen ist unsere im Erdgeschoss gelegene Wohnung mit Bad, Küche und Schlafzimmer sehr ansprechend und gut.

in der Küche unserer Ferienewohnung
Die Räder können wir gut und sicher in einem vom Innenhof zugänglichen und abschließbaren Schuppen abstellen.

im Innenhof der „Altstadt-Ferienwohnung“
Bekannt ist Hameln natürlich besonders durch die „Rattenfänger“-Sage, nach der im späten 13. Jahrhundert ein „schöner Jüngling von 30 Jahren“ mit einer Silberflöte etwa 130 Kinder durch das Osttor zum Calvarienplatz oder Hinrichtungsplatz führte, und die trotz Suchen der Mütter nicht mehr gefunden werden konnten. Laut Wikipedia liegt diese Kreisstadt mit gut 58.000 Bewohnenden südwestlich von Hannover zwischen Herford und Hildesheim auf 68 m über dem Meeresspiegel im Zentrum des Naturparks „Weserbergland Schaumburg-Hameln.
Da es ein Samstag ist, kaufen wir im Lebensmittelmarkt um die Ecke noch einige Lebensmittel und eine Flasche Wein und verbringen einen gemütlichen Abend in der Ferienwohnung.
2026-06-14 (Tag 29) – 4. Ruhetag: in Hameln)
Ursprünglich wollten wir ja über Lemgo-Paderborn-Soest weiterradeln, doch aufgrund des in den vergangenen Tagen recht stürmisch und verregnete und da teilweise Gewitter angesagt sind, sowie Strecke teilweise recht hügelig, entscheiden wir uns, von Hameln mit ÖPNV zurückzufahren. Wir wählten Hameln also als Zielort unserer letzten tatsächlichen Radetappe unserer gut vierwöchigen und gut 1.500 km führenden Tour und gleichzeitig als vierten Ruhetag schlafen wir etwas aus, und radeln nach einem Frühstück in der Ferienwohnung in die nahegelegene Fußgängerzone.

die Hamelner Fußgängerzone
Wir finden auch einen Innenstadtplan, mit dessen Hilfe wir uns etwas orientieren

Die Innenstadt ist nicht sehr groß, aber recht ansehnlich.

eine Gasse in der Hamelner Innenstadt
Es gibt auch einige schöne Häuser.

schön verzierte Hausfassade.

Detailaufnahme der Fassade
Auch die Kirche residiert in Hameln.

Blick von der Fußgängerzone in eine Gasse auf ein großes Fachwerkhaus
Und natürlich die Ratenfängerskulptur,

die Rattenfänger-Skulptur in der Hamelner Fußgängerzone

Wir erkunden die Innenstadt mit den Rädern, was für mich einiges einfacher ist als zu Fuß
Dann fahren wir zum Bahnhof, um die Zugänglichkeit der Gleise für morgen zu erkunden.

Wir müssen morgen von Gleis 6 losfahren, wohin man durch die Halle per Rad kommt und wenn es einen Aufzug gibt, der funktioniert und auch geräumig genug für unsere Räder ist (wenn auch nicht zur gleichen Zeit)
Wir kaufen also 2 Fahrradtickets für den folgenden Tag zu je 7,50 €. Es ist eine deutschlandweite Tageskarte, wenn wir sie auch maximal bis Königswinter benötigen und die Regeln in den diversen Verkehrsverbünden und Bundesländern höchst unterschiedlich sind. Während man in Rheinland-Pfalz nach 9.00 Uhr Räder kostenlos mitnehmen kann, muss in den meisten Regionen von NRW ein Fahrradticket erworben werden. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass die Züge morgen nicht zu voll sind, und genügend Platz für unsere Räder bieten. Nach 9.00 Uhr an einem Wochentag außerhalb des Wochenendes könnten die Chancen aber nicht zu schlecht sein.
Wenn alles klappt verspricht der Fahrplan eine Reise in Regionalzügen mit Umstiegen lediglich in Löhne und Köln-HBF. Nun ist die Bahn bekanntlich – vor allem derzeit zu allen möglichen Überraschungen gut und fähig1 Wir werden also morgen sehen, wie es klappt , aber grundsätzlich könnten wir die letzte Etappe gut mit Regionalzügen bewältigen können. Ticha Ona (Schona für: „Wir werden sehen“ 😉
2026-06-15 (Tag 30) – Heimfahrt – überwiegend per Zug)
Wir frühstücken in unserem Appartement unser übliches und gesundes Mal aus Haferflocken, Joghurt, Saft und Obst, und können uns auch löslichen Kaffee bereiten. Dann packen wir unsere Räder. Wir sind eine Stunde früher als ursprünglich angedacht, und bereits gegen 10.00 Uhr an Gleis 6 im Bahnhof. Ja, es kommen noch ein weiteres Rad, und auch im Zug befinden sich schon einige, doch nach kurzer Klärung, wer wo, also in welcher Reihenfolge, aussteigen wird, platzieren wir unsere Räder entsprechend .

Im Zug nach Löhne

Im Zug nach Köln
Während der Fahrt fachsimpeln über unsere Touren und Räder. Beim Einstieg in Hameln sowie beim Ausstieg in Löhne bitte ich Mitreisende um Mithilfe bei unseren Rädern, was gerne gewährt wird. Ein Radler stammt aus Münster und wollte nun von Obersdorf nach Flensburg (mit einigen Zugetappen) gereist ist, und in Bielefeld aussteigt. Ein weiterer Radler lebt in Düsseldorf und war mit dem Rad in Göttingen, um dort mit einem Freund Radtouren zu machen. Er steigt mit uns in Löhne um und in den Zug nach Köln ein. Dieser Zug kommt auf dem gleichen Gleis am Bahnsteig gegenüber an, und der Mitreisende hilft uns beim Einsteigen. In Düsseldorf steigt er dann aus und wir verabschieden uns voneinander.
Und dann wartet die Bahn doch noch mit einer Überraschung auf: Zunächst sammeln wir einiges an Verspätung, da in Dortmund sich irgendwelche Personen auf den Gleisen befinden. Man wundert sich, wie diese Troddels auf derartige Ideen kommen, aber natürlich weiß man niemals wirklich, was hinter der „erläuternden Durchsage“ steckt. Wir gehen also davon aus, dass wir in Köln erst den nachfolgenden Zug, also 1/2 Stunde später erreichen werden, aber das ist nicht wirklich schlimm.
Und dann gönnt uns die DB noch eine Überraschung: In Düsseldorf heißt es plötzlich, dass der Zug heute NICHT in Düsseldorf-Bilk, Köln-HBF oder Köln-Deutz ,sondern als nächstes bur am Flughafen Bonn-Köln halte. Dann heißt es, man halte doch in Köln-Deutz, allerdings auf Gleis 11 (tief). Weiterfahren müssten wir von Gleis 4, und da die Internetrecherche ergibt, dass es zu Gleis 4 keinen Aufzug gibt, ach wenn der bereits seit 2024 fertiggestellt sein sollte. Tja: Bauprojekte in Deutschland ;): Wie war das mit „Stuttgart 21“? Oh, sorry: „Stuttgart 31“, oder vielleicht doch besser „Stuttgart 41“?
Folglich planen wir um, und fahren bis Flughafen durch. Dort können wir auf demselben Gleis 3 auf den RE27 nach KöWi nehmen können. Nur müssen wir jetzt den RE27 nehmen, und der hat eine trotz angeblicher „Barrierefreiheit“ (laut Internet) eine Stufe beim Einstieg. Also bitte ich erneut Mitreisende um Hilfe. Da in Königswinter aber beim Ausstieg noch ein ziemlicher Höhenunterschied zum Bahnsteig besteht, der das Aussteigen mit schweren Rädern noch schwieriger macht, entscheiden wir, bereits in Bonn-Beuel auszusteigen und von dort am Rhein entlang nach Hause zu radeln.
TIPP: Beim Bahnreisen stets die Verbindung vor Ankunft am erwarteten Ziel. oder Umsteigeort checken, und nicht unbedingt davon ausgehen, dass angebliche „Barrierefreiheit“ dann auch garantiert ist. Bei Rollstühlen wird es ohne Bahnbedienstete, die an kleineren Bahnhöfen bekanntlich meist nicht mehr gibt, schwierig bis unmöglich, bei Rädern (auch Dreirädern) sind Mitreisende meist hilfsbereit. Rechtzeitiges Fragen kostet meist nichts.

zurück am Rhein in Bonn-Beuel
Und dann radeln wir am Rhein entlang und über den schönen Bonner Bogen.

Vom Bonner Bogen saus hat man einen schönen Blick gen Süden und auf Königswinter und den Drachenfels
Und dann sind wir nach vielen Eindrücken, einigen Herausforderungen, unterschiedlichem Wetter, aber einer insgesamt schönen Zeit wieder zu Hause und der „schnöde Alltag“ hat uns wieder, wobei ich nun seit 2 Wochen tatsächlich Rentner bin.
Eine Konsequenz der erlebten Pannen unserer Tour, und besonders des „Platten“ am Mittellandkanal war, dass wir nach unserer Rückkehr in den ADFC eintraten – die Mitgliedschaft enthält unter anderem eine „Pannenhilfe„, in Deutschland, die sich gegen einen Aufpreis jedoch auf andere Länder erweitert lässt













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