Warum kommen eigentlich hauptsächlich junge, kräftige Männer als Flüchtlinge nach Deutschland (und Europa)?

Eine improvisierte Schule (im Freien) in Eritrea – Foto: StH, 1999

Das fragte auch ich mich 1992 – wenn auch nicht bezogen auf Deutschland:

Ich arbeitete damals für das Rote Kreuz im Süd-Sudan. Nach dem Sturz des äthiopischen Diktators Mengistu wurden die nach Äthiopien vor dem Bürgerkrieg im Süd-Sudan geflohenen Flüchtlinge erneut vertrieben. Zunächst kamen Zehntausende dieser Männer, Frauen und Kinder in das direkt hinter der äthiopisch-sudanesische Dorf Pochala, das ursprünglich wenige tausend Bewohner gehabt hatte.

Nachdem sich all diese Menschen zunächst von allem irgendwie Essbaren, wie Blättern, Rinde und Wurzeln ernährt hatten. begann die internationale Hilfsgemeinschaft eine großangelegte Nothilfe mit Nahrungsmitteln und Planen, Zelten und Decken sowie Haushaltsgüter wie Töpfe, Geschirr und Besteck.

Dennoch konnten diese gut 50.-70.000 Menschen nicht dauerhaft in diesem kleinen Ort versorgt werden, und so wurde die Rückführung der intern Vertriebenen in ihre jeweiligen Herkunftsgebiete, z.B, nach Leer am Nil, nach Kapoeta oder Nasir geplant. Wir richteten provisorische Durchgangsstationen ein, in denen wir den über hunderte von km wandernden Menschen versuchten, Wasser, Nahrung und rudimentäre Gesundheitshilfe zu bieten.

Einige Zeit später erwartete ich jene Menschen, die aus Leer stammten, dort. Sie kamen auch, und ich wunderte mich bei deren Registrierung, warum sie fast alle zwischen 15 und 50 Jahren alt waren, und Kinder und alte Menschen fast vollständig fehlten. Auf meine Frage hin wurde ich über den Grund aufgeklärt: Die zu jungen und zu alten Menschen hatten den strapaziösen, mehrwöchigen Fußmarsch schier NICHT ÜBERLEBT!!!

Dies sollte Phillipp Amthor bei der Diskussion „Kontrovers“ am 9.9.24 im Deutschlandfunk auch einmal erläutert werden, wenn er sich über das Alter der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge wundert, und im gleichen Atemzug meint, die „wirklich Bedürftigen“ wie Kinder, Alte und Frauen kämen doch überhaupt nicht. Hiermit wollte er vermutlich andeuten, dass die aktuelle Asylpraxis an den wirklich Bedürftigen doch vorbei gehe (?!?).

Nun für all Diejenigen, die sich ähnliche Fragen stellen und geneigt sind, ähnliche Schlussfolgerungen zu ziehen: Manchmal ist die Erklärung ebenso einfach wie brutal – und die Lösung eben mal wieder nicht „einfach“!

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