Wenn Opfer auf Opfer treffen

eingestellt am 9.5.25, erweitert im Nov. 25 sowie zwischen Juni und August 26

Kathedrale von Etchmiadzin /Armenien – Foto: StH (1990)

Bisweilen wundert man sich, warum Spannungen immer weiter in die Spirale der Gewalt münden statt zur konstruktiven Lösung zu gelangen.

Besonders schwierig scheint es (im privaten wie im politischen Raum), wenn beide Konfliktseiten sich selbst als Opfer empfinden.

Dann scheint „Empathie“ für den „Gegner“ aufgrund der eigenen Verletztheit und dem Gefühl von erlittenem Unrecht extrem schwierig oder gar unmöglich. Der Perspektivwechsel, was „Empathie“ letztlich bedeutet, scheint dann von quasi unüberwindbaren „emotionalen Schutzmauern“ verstellt zu sein, und das starke Verlangen nach Rache ein Verständnis für die Bedürfnisse, wie auch Wünsche und Ängste der „anderen Seite“ zumindest stark zu erschweren.

Ein solches „Verständnis“ scheint allerdings eine notwendige Voraussetzung für die Bereitschaft zu konstruktiver Lösungssuche. Und insofern wäre z.B. im Nahen Osten, aber auch in der Ukraine, im Sudan oder ganz im Mai 25 in Kaschmir zu wünschen, dass die jeweiligen Konfliktparteien ein wenig von ihrer eigenen „Opferrolle“ absehen und die „Verletztheit“ auch der „Gegner“ empfinden können. Und natürlich die „selbst erklärten Vermittler“ den „ehrlichen Makler“ statt den „größten Dealmaker unter der Sonne und aller Zeiten“ zu geben bereit und fähig sind.

Und m.E. müssen im Nahen Osten beide „Hauptverantwortlichen“ (die Hamas und die „gesichert rechtsgerichtete“ Regierung Netanjahu abtreten oder zum Abtreten gezwungen werden  – am besten von der jeweiligen eigenen Bevölkerung. 

Und noch schwieriger wird ein Friede in Ausgleich und Verständnis, wenn die Verletztheit noch mit einer politischen Agenda von Kompromisslosigkeit und Machterhalt befeuert wird. Sowohl für Hamas und Hisbollah, aber auch für die extrem rechtsgerichtete Regierungskoalition in Israel bleibt zu fragen, ob die Fortführung des Krieges weniger als eine nationale Notwendigkeit denn eine egozentrische Strategie zum Machterhalt zu verstehen ist.

Von außen scheinen der Angriff vom 7. Oktober, jedoch ebenso die skrupellos erscheinende Vorgehensweise der Netanjahu-Regierung, stets brandbeschleunigt von den Ministern Smotrich (Finanzminister) und Ben-Gvir (Minister für „öffentliche Sicherheit“) auf israelischer Seite und der scheinbar ungebremsten Unterstützung sämtlicher, auch der menschenrechtsverletzenden Aktionen rechtsrextremer Siedlergruppen. Gleiches gilt allerdings auch für die Führer von Hamas und Hisbollah. Letztlich leiden die „normalen Menschen“ unter der zunehmenden Radikalisierung der Situation auf allen Seiten. Die Lebensgrundlagen, Gesundheit und selbst ihr fundamentales Lebensrecht dieser „normalen Menschen auf beiden Seiten“ scheinen von der rein destruktiven Koalition der ganz offenbar primär „am-Machterhalt-Interessierten“ (ebenfalls BEIDER Seiten!)negiert zu sein.

Bekannt ist auch das alttestamentarische Prinzip des „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, aber wo ist dann noch eine Chance für gegenseitige Empathie, Verständigungsbereitschaft und einen tatsächlichen Ansatz für eine konstruktive Lösung. Es scheint, dass die „Spirale der Gewalt“ sich unaufhaltsam in die Höhe schwingt, und die Netanjahu-Regierung die US-Administration zu einem Abenteuer im Nahen Osten gedrängt oder überredet hat, aus dem selbst der „große Dealmaker“ keinen Ausweg mehr weiß. Und so schleudert er wiederholt Drohungen bis hin zur totalen Vernichtung im Wechsel mit Ankündigungen baldigen Friedens und „help is on the way“ in die Welt. Heute (2.8.26) verkündeten die Medien erneut, dass Trump einen „massiven Angriff auf den Iran abgesagt habe, um guten im Gange seienden Gesprächen eine Chance zu eröffnen. Allerdings müssten Fortschritte schnell geschehen, was vermutlich erneut als Drohung „massiver Angriffe“ zu deuten ist.

Die von Trump angekündigte „Hilfe“, die „on the way“ sei, ist für das iranische Volk nirgendwo auch nur zu erahnen. Die Menschen in Nordisrael, aber auch im Westjordanland und im Libanon scheinen zu rechtelosen Spielfiguren und unwichtigen Opfern (bestenfalls „Kollateralschäden“) der Machtinteressierten degradiert. Die iranische wie auch die (süd-)libanesische und palestinensische Bevölkerung, aber auch gesamte Weltbevölkerung, die quasi durch Die Blockaden der „Straße von Hormus“ (und dem Golf von Aden) unter resultierenden Preissteigerungen leidet, wurden von Iran/Hisbollah/Huthi sowie US/Israel-Koalition zur Geisel von Machtinteressen gemacht. Es mag bezweifelt werden, und wurde von Smotrich und Ben Gvir auch bereits dementiert, dass Israel sich tatsächlich weiterer Aggression gegen Nachbarregionen enthalten würde, selbst wenn Trump dies auch dieses Mal ankündigte. Und gleichzeitig wurde gemeldet, dass Israel erneut Angriffe im bereits völlig zerstörten Gaza-Streifen ausgeführt habe.

Und die „Dealmaker“ sollten weniger von einer „Riviera“ schwafeln und egoistische Geschäftsinteressen vertreten, denn ein wahres Interesse an einer zielführenden und nachhaltigen Lösung entwickeln! Andernfalls leiden auf beiden Seiten Unschuldige unter den interessengeleiteten Skrupellosigkeit von machtbesessenen Politikern ohne wirklich Empathie und auch nur ein rudimentäres Verständnis von und für Humanität. All das dient dann nur noch dem Selbsterhalt und längst nicht mehr dem Wohl der ihnen anvertrauten Menschen …

Allerdings stehen davor wohl neben der „tief verinnerlichten Opferrolle“ auch zu viele und leider gegensätzliche Interessen politischer und ökonomischer Art.

Und natürlich müssen beide „Konfliktparteien“ auch ehrlich und wirklich zum Perspektivwechsel bereit sein. Im Privaten wie in der Politik!

Damit wäre uns allen, vor allem aber den unter Konflikten leidenden Menschen tatsächlich gedient!

Und dennoch scheint es Menschen zu geben, die auch in und zu dieser Region Visionen hatten – und (hoffentlich) noch haben:

https://www.deutschlandfunk.de/interview-olmert-ehud-ministerpraesident-a-d-des-staates-israel-100.html

Ein Hoffnungszeichen? Es gab übergreifende Initiativen wie „Peace Now“ und auch heute gibt es noch Menschen und Gruppierungen, die sich gegen alle Widerstände der Extremisten auf beiden Seiten, für Verständigung und ein friedliches Zusammenleben einsetzen.

Leider leben sie oft unter Anfeindungen und gefährlich. So wurde der israelische Ministerpräsident und Friedensnobelpreisträger Jitzchak Rabin am 4. November 1995 am Abend einer großen Friedenskundgebung von einem israelischer Jurastudent rechtsextremer, religiös-fanatischer Überzeugung, Jigal Amir, erschossen.

Interessierte beider Seiten verhindern immer wieder Verständigung und Aussöhnung, scheinbar auch Teile der derzeitigen israelischen Regierung und radikale Siedler im Westjordanland – und natürlich auch die Hamas und andere radikale, palästinensische Gruppierungen, von der der 7.Oktober 2023, und somit der Auslöser von Krieg und Leid der Bevölkerung in der Region ausging.

Insofern erscheinen diese Interessierten fast wie „natürliche Verbündete“ zur Aufrechterhaltung gegenseitiger Aggression und verhinderter Aussöhnung, die zu einem dauerhaften Frieden führen könnte.

Bleibt zum Wohl aller Menschen in der Region, Israelis wie Palästinensern zu hoffen, dass der offensichtliche Radikalismus auf beiden Seiten – durch Empathie und guten Willen, schließlich doch überwunden werden kann – und endlich ein friedliches und gegenseitig wertschätzendes Zusammenleben – in einem oder zwei Staaten – irgendwann überwunden werden kann.

Es kann eigentlich kaum zwei Meinungen geben, wenn völkerrechtsverletzender Übergriffe von Siedlern bis hin zu Mord und Vertreibung in Gaza, im Westjordanland und selbst im Südlibanon als „Völkermord“ angesehen werden!

Mussten nicht jüdische Menschen derartigen Mord und Vertreibung allzu oft in der Geschichte erleiden, und wird dies nicht zu recht als Völkermord angesehen? Und was gibt den Siedlern dann das Recht, das tatsächlich Gleiche, anderen Menschen, nämlich „Palästinensern“ anzutun? Auch diese Menschen möchten größtenteils „nur“ friedlich und sicher auf Ihrem angestammten Grund und Boden leben können. Mit welcher Begründung, außer purem Hass und der Lust an Raub und Erniedrigung, könnte solches Verhalten irgendwie gerechtfertigt werden?

Und die derzeitige israelische Regierung? Wenn diese die Siedler nicht offen ermutigt und unterstützt (Ben Gvir und Smotrich), unterstützt sie diese zumindest durch Nicht-Verfolgung ihrer menschenrechtverletzenden Taten (Morde!) und komplett fehlender Rechtsstaatlichkeit in diesen Fragen!

Jede halbwegs moralisch fühlende Person in Israel, aber auch in Deutschland mit all seiner fürchterlichen und verbrecherischen Vergangenheit jüdischen Menschen gegenüber kann es vermutlich nachvollziehen, wenn die derzeitige israelische Regierung und die Siedler als die „größten Förderer des Antisemitismus“ angesehen und bezeichnet werden.

Und eine derartige Ansicht ist weder „antisemitisch“, wie die israelische Regierung stets schnell verkündet, um einer ernsthaften Diskussion von vorn herein vorzubeugen, noch widerspräche sie der sogenannten „deutschen Staatsraison“! Unrecht, völkerrechtswidriges und letztlich verbrecherisches Verhalten bleibt genau das: Unrecht! Völkerrechtswidrig! und Verbrecherisch! Egal, wer es ausführt.

Die deutsche Regierung sollte besser die versöhnungsbereiten Kräfte aus jüdischer wie palestinensicher/arabischer Seite fördern und unterstützen, um endlich „peace a chance“ zu geben. Oder wäre ein „from the Jordan to the sea – Israel will be free“ bei gleichzeitiger (gewalttätigen Vertreibung der Palästinenser ins Mittelmeer, nach Ägypten oder Jordanien rechtens und zu begrüßen. Die Minister Smotrich und Ben Gvir verfolgen ziemlich offen dieses Ziel und präsentieren öffentlich entsprechende Landkarten 🙁

Natürlich wird die „Zwei-Staaten-Lösung“ durch die derzeitige Politik vermutlich höchst absichtlich immer mehr verunmöglicht – und die Welt schweigt dazu? Und „Versöhnung“ wird auch immer unmöglicher!

Neue Generationen mit tiefverankertem Hass und Unversöhnlichkeit werden auf beiden Seiten hervorgebracht. Ist damit irgendeine akzeptable Lösung des Konflikts überhaupt denkbar? Ist eine solche gewollt, von der faktischen Koalition der Unwilligen in Israel und bei Hamas und Hisbollah.

„Empathiefähige aller Länder vereinigt Euch!“, möchte man der Welt (nicht nur im Nahen Osten) zurufen.

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