Als wir Ende Juli 2026 unsere Tour der Rheinromantik im unternahmen, sahen wir in Bingen ja auch die Mündung der Nahe in den Rhein, die wir im Juni 2024 bereits vom Niederwald aus gesehen hatten. Und so kam uns die Idee, auch die Nahe einmal zu erkunden, und so kauften wir in Bacharach in der Tourismusinfo eine Nahe-Radwanderkarte.
Ende August, Anfang September sollte es dann so weit sein, und Mitte August planten wir eine sechstägige Tour von Türkismühle aus die Nahe hinunter und dann am Rhein entlang nach Hause.
Türkismühle liegt mit etwa 730 Bewohnenden auf 372 m über dem Meeresspiegel im Norden des Saarlandes nahe der Grenze zu Rheinland-Pfalz. Der Ortsteil von Nohfelden verfügt über einen Bahnhof der Bahnstrecke zwischen Ingelheim (bzw. Mainz) nach Saarbrücken, die vom RE3 und RE33 befahren wird. Der Name „Türkismühle“ geht laut Wikipedia auf die volksmündliche Bezeichnung der 1747 vom Müller Johann Jacob Dürck errichtete Mahl- und Ölmühle zurück. Der Bahnhof an der Nahetalbahn wurde 1860 errichtet
Auch entsprechende Unterkünfte fanden wir bis auf die letzte angedachte Etappe bis etwa Andernach. Diese sollte am 5. September stattfinden, doch sollte an diesem Wochenende in Andernach die „Andernacher Kulturnacht“ stattfinden, so dass wir keine einigermaßen preiswerte Unterkunft finden konnten. Selbst auf der rechten Rheinseite, also z.B. in Neuwied, waren keine preiswerten Unterkünfte verfügbar und in Koblenz war uns mit etwa 15 km von Rhens nun wirklich zu nah von der für die Nacht 4./5.9.. gebuchte Unterkunft in Rhens. Also änderten wir die Planung derart, dass wir am 6. Tag, dem 5.9. von Koblenz aus mit dem Zug zurückfahren würden, weil die Strecke von Rhens bis Königswinter mit 66 km meiner Partnerin zu anstrengend erschien, und eine Übernachtung in Remagen uns dann doch unsinnig erschien. Allerdings machten wir es vom Wetter und der Tagesform abhängig, ob wir tatsächlich von Koblenz den Zug nehmen würden oder doch noch weiter in Richtung Bonn/Königswinter radeln würden.
Nun aber zur Tour: Die Nahe ist ein 125 km langer linker Nebenfluss des Rheins, der bei Selbach im Saarland entspringt und im rheinland-pfälzischen Bingen in den Rhein mündet. Der Fluss gilt als „natürliche Grenze“ zwischen den Hunsrück im Norden und dem Nordpfälzer Bergland im Süden. Bekannt ist die Gegend auch für den Nahewein, einen mineralischem Weißweins, der in einen kleines Weinbaugebiet mit gut 4.200 Hektar Rebfläche angebaut wird. Die Nahe zählt im Regenschatten des Hunsrücks gelegen mit 480 mm Niederschlag pro Jahr zu den regenärmsten Gebieten Deutschlands.
Laut dem Bikeline-Führer „Nahe-Radweg“ war die Region bereits in der Steinzeit besiedelt und erlebte eine wechselhafte Geschichte unter Kelten, Römern und Franken. Zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde es von Napoleon erobert, fiel aber schon 1815, nach dem Wiener Kongress, unter preußische Herrschaft und wurde somit ein Teil Deutschlands
An der Nahe liegen unter anderem die Edelsteinstadt Idar-Oberstein und das Mineralheilbad Bad Kreuznach mit dem Stadtteil Bad Münster am Stein, wo wir ebenfalls Etappenziele und je eine Übernachtung planten. Die Landschaft wird als sehr ansprechend für Erholungssuchende mit „romantischen Tälern“ und „malerischen Hügeln“ beschrieben, in der der Nahe-Radweg geschaffen wurde, um die kulturell vielfältige Landschaft zu entdecken.
Entlang der Nahe schlängele sich der Radweg, doch gebe es auch eine Reihe von Rundtouren , die insgesamt 674 Radkilometer ergäben, während der eigentliche Radweg entlang der Nahe von der Quelle bei Selbach bis zur Mündung in Bingen 127,5 km betrage. Entlang der Nahe verlaufe die Strecke auf weitgehend neu gebauten Radwegen, während die Ausflüge großteils auf kleinen Straßen, Wirtschafts- oder Waldwegen verlaufe.
Idar-Oberstein ist laut Wikipedia eine verbandsfreie und große kreisangehörige Stadt in Rheinland-Pfalz. An der oberen Nahe nicht weit von der Quelle der Nahe gelegen, ist sie mit ihren gut 30.000 Bewohnenden für ihre Edelsteine und als Garnisionstadt bekannt. Seit 2016 trägt dieses Mittelzentrum und bevölkerungsreichste Stadt im Landkreis Birkenfeld den Titel „Nationalparkstadt“.
Der Ort Idar gehörte mit mehreren Orten wie Erzweiler, Mackenroth und Obertiefenbach überwiegend den Herren von Oberstein. Von 1817 bis 1937 gehörte Idar zum Großherzogtum Oldenburg, 1865 erhielt Idar das Stadtrecht und wurde 1933 mit den Nachbargemeinden zur Stadt Idar-Oberstein zusammengefügt, und im Rahmen der Gemeindestrukturreform 1969/70 um weitere Stadtteile ergänzt. Die Besiedlung kann bis in früheste Zeit durch Bodenfunde nachgewiesen werden.
Die Edelsteinvorkommen in der Region entstanden vor rund 250 bis 300 Millionen Jahren, als heiße Lavaströme abkühlten und sich Hohlräume bildeten, die sich mit mineralhaltigen Lösungen füllten und sich derart zu Achaten, Amethysten, Jaspis und Quarzen formten, was zu frühem Bergbau führte bis die örtlichen Vorkommen um 1850 erschöpft und weitgehend ausgebeutet waren. Dies führte zur Auswanderung von Fachkräften zum brasilianischen Rio Grande, wo 1827 riesige Achatvorkommen entdeckt wurden. Diese etablierten Handelsrouten, über die Rohsteine als Schiffsballast ab 1834 günstig nach Deutschland gelangten. Hierdurch wandelte sich Idar-Oberstadt zum weltweiten Import- und Verarbeitungszentrum .
Die Hinfahrt planten wir per Nahverkehrszug mit unseren Rädern von Oberwinter über Ingelheim nach Türkismühle. Die rechtsrheinische Bahnstrecke nach Koblenz, und sogar weiter nach Wiesbaden ist seit Anfang Juli und derzeit geplant bis Ende 2026 wegen Bauarbeiten gesperrt. Folglich mussten wir von Königswinter zunächst auf die linke Rheinseite gelangen, um nach Süden den RB 26 zu nehmen. Das wäre von Bonn aus möglich, doch muss man in NRW ein Radticket lösen, während man in Rheinland-Pfalz ab 9.00 Uhr die Räder kostenlos mitnehmen kann. Auch sind die Sommerferien 2026 in Rheinland-Pfalz bereits im August beendet worden, während diese in NRW noch bis Anfang September andauern.
Also wählten wir die Option, von Königswinter nach Bad Honnef zu radeln, dort die Fähre nach Rolandseck zu nehmen und in Oberwinter den RB26 bis Ingelheim zu besteigen. Nun hatten wir ja im Juli auf dem Hinweg gen Bacharach die Erfahrung eines für die Radmitnahme überfüllten RB26 machen müssen, doch waren wir in Oberwinter leider in den falschen, nämlich hinteren Zugteil eingestiegen, der nur bis Remagen fährt, während der vordere Zugteil bis Mainz fährt. Als wir dann in Remagen in den vorderen Zugteil umsteigen wollten, waren die Radabteile bereits überfüllt und kein Platz mehr für uns und unsere Räder. Dieses Mal wollen wir in Oberwinter direkt in den vorderen Zugteil einsteigen, und hoffen auch darauf, dass vielleicht weniger Radelnde unterwegs sind, da die Sommerferien in Rheinland-Pfalz bereits beendet sind.
Ob es so kommt, wir also mit unseren Rädern bis Ingelheim mitreisen können, soll sich dann am Montag, den 31.8. um 9.42 Uhr zeigen. Die Option, früh morgens vor der Stoßzeit zum Schul- und Arbeitsbeginn, also bereits vor 7.00 Uhr zu fahren, erwogen wir zwar, doch verkehrt die Fähre von Bad Honnef nach Rolandseck erst an 6.30 Uhr, so dass der RB26 um 6.42 in Oberwinter für uns nicht erreichbar wäre. In Oberwinter gibt es nach Umbaumaßnahmen in 2020 oder 2021 für Fahrten gen Süden zu besteigende Gleis keinen barrierefreien Zugang. Auf Zugfahrten in den letzten Wochen zum „Jazz im Park“ in der Burg Namedy hatten Und dann hatten wir recherchiert, dass man entgegen unserer vorherigen Annahme auch barrierefrei zu Gleis 2 in Richtung Süden kommt, wir also bereits in Rolandseck, und eine Station vor Oberwinter und nahe der Fähre von Bad Honnef über den Rhein, mit den Rädern zusteigen könnten.
So also war unser Mitte August gefasster Plan und entsprechend buchten wir vier Unterkünfte auf der für die geplant Etappen die Nahe hinab zum Rhein und eine am Rhein flussabwärts . Um ggf. flexibel zu sein, sollte etwas nicht so klappen, wie wir es geplant hatten, achteten wir darauf, dass die Unterkünfte noch stornierbar waren.
Und dann ging es los:
Tag 1 (31.8.26): 1. Etappe: Königswinter-Rolandseck-Ingelheim-Türkismühle-Idar-Oberstein – 48 gefahrene km
Wir stehen früh ab, Gepackt hatten wir bereits gestern und auch das Frühstück bereits vorbereitet. Also vor dem Frühstück nur noch Duschen, und bereits gegen 8.00 Uhr sind wir unterwegs.

Abfahrt in Könikgswinter
Zwar hat es in den letzten Tagen vor allem im deutschen Süden etwas geregnet, und der Rheinpegel ist etwas gestiegen, so dass fie Rheinfähren wieder fahren können, doch besonders hoch ist der Wasserpegel weiterhin nicht.

der Blick auf Mehlem von der schäl Sick zwischen Königswinter und Bad Honnef
Mit der Fähre überqueren wir den Rhein von Bad Honnef nach Rolandseck, wo wir durch die Unterführung zu Gleis 2 gelangen, wo gegen 8.45 Uhr der RB26 kommt. Wichtig ist, wie wir von der letzten Tour („Rheinromantik„) wissen, in den vorderen Zugteil eizusteigen, da der hintere nur bis Remagen fährt und dort abgekoppelt wird, während der vordere Zugteil weiter nach Mainz fährt, Im vorderen Radabteil sind zwar bereits zwei Räder, und leider ist de Bahnsteig in Rolandseck nicht auf Höhe des Einstiegs, und es müssen zwei Stufen überwunden werden. Ich rufe in den Wagon, ob uns jemand helfen kann. Die beiden anderen Radfahrenden bewegen sich nicht, und die Zugführerin keift uns an, dass wir eben nicht mitfahren könnten, wenn wir den Einstieg nicht allein bewerkstelligen könnten, aber uns hilft dann doch ein Mann und wir bekommen die Räder im Wagon verstaut .

im RB26 von Rolandseck nach Ingelheim
Ich rufe der Zugführerin zu: „Wir bekommen es doch hin.“ – und sie antwortet: „Die Zeit nehmen wir uns halt.“ -Begeistert scheint sie nicht und „Dienstleistungskultur“ geht irgendwie anders, aber wir sind im Zug und können (wie geplant) bis Ingelheim mitfahren, wo wir in den RE3 nach Saarbrücken umsteigen und bis Türkismühle mitfahren wollen. Als wir in Remagen kontrolliert wird, ist es nach 9.00 Uhr und somit die Radmitnahme kostenlos. Nur mein Dreirad müssen wir umdrehen, damit Passagiere besser passieren können – da am vorderen Zugteil auch die Toilette ist.
Irgendwo steigt dann eine Schulklasse zu, so dass das Abteil richtig voll wird, doch mit gut zehn Minuten Verspätung kommen wir gut in Ingelheim an . Dort gibt es Aufzüge, mit deren Hilfe wir von Gleis 4 auf Gleis 2 wechseln können.

am Bahnsteig in Ingelheim
Dort kommt dann auch kurz nach 11.00 Uhr der RE3, und der verfügt über ein großes Fahrradabteil, in dem zwar bereits ein paar Räder sind, aber auch unsere beiden noch Platz finden.

im RE3 von Ingelheim nach Türkismühle
Als ich noch im Eingangsbereich rangiere, wird über die Sprechanlage das Dreirad aufgefordert, den Eingangsbereich frei zu machen, was ich natürlich baldmöglichst auch tue, aber eben etwas Zeit zum Rangieren benötige.
Irgendwie ist die Bahn, bzw. deren Personal, heute nicht wirklich nett und serviceorientiert mit uns. Allerdings neutralisiert der Schaffner diesen Eindruck positiv, da er uns unaufgefordert fragt, wie weit wir fahren, und verspricht, mir in Türkismühle beim Ausstieg zu helfen. Geht doch! Sowohl in Ingelheim ist der Einstieg als auch in Türkismühle der Ausstieg ebenerdig, und es gibt auch in Türkismühle einen Aufzug.

Der Radweg kurz hinter dem Bahnhof Türkismühle gen Süden
Von Türkismühle geht es zunächst über einen gut geteerten Radweg durch Waldgebiete, etwas auf und ab. Etwas später ist der Weg nicht mehr geteert, aber weiterhin recht gut befahrbar. Wie man sieht hat es in der regenärmsten Region Deutschlands doch etwas geregnet, und die Vegetation erscheint noch recht frisch und grün, wenn man sie mit jener bereits ziemlich herbstlichen um Königswinter vergleicht.

Radweg zwischen Türkismühle und Nohfelden
Relativ schnell erreichen wir Nohfelden, wo wir einen Kaffee trinken und uns die weitere Route anschauen.
Nohfelden im Landkreis St. Wendel mit seinen knapp 10.000 Bewohnenden wurde laut Wikipedia 1974 im Rahmen der saarländischen Gebiets- und Verwaltungsreform aus zuvor 13 eigenständigen Gemeinden gebildet. Sie ist eine Nationalparkgemeinde im Nationalpark Hochwald-Hünsrück. Es gibt Bodenfunde aus der Kelten- bzw. Römerzeit in mehreren Ortsteilen. Die Burg Nohfelden wurde erstmals 1286 und ein „Amt Nohfelden“ 1372 erwähnt. Die Entwicklung der nun 13 zur Gemeinde gehörenden Ortsteile verlief teilweise unterschiedlich. 1946/47 wechselte die Gemeinde von Rheinland-Pfalz zum Saarland.

Der Radweg hinter Nohfelden führt durch Wald und ist bis auf einige ziemlich giftige Anstiege recht gut befahrbar
Links neben dem Radweg fließt im Tal die Nahe

die Nahe am Radweg hinter Nohfelden
Unterwegs hat es ein wenig geregnet, aber wir waren ja noch im Zug. Auf dem gesamten Weg von Türkismühle nach Idar-Oberstein erleben wir einen Wechsel von Sonnenschein und Schauern – und das in der angeblich regenärmsten Region Deutschlands. Einen heftigeren Guss warten wir unter der Unterführung der L41 ab

Die Unterführung der B41 vor Neubrücke
ein anderer erwischt uns etwas und dann erleben wir noch einen an der Fußgängerzone von Idar-Oberstein, also kurz vor unserem Tagesziel, den wir im Schatten eines Gebäudes abwarten können.
Aber zunächst fahren wir gen Neubrücke, nachdem wir die B41 unterquert haben. Hier gelangen wir dann auch nach Rheinland-Pfalz, während Türkismühle und Nohfelden im Saarland liegen.

die Landschaft unmittelbar hinter der Unterführung – sie erscheint wirklich noch recht üppig und grün
Hier ist der Radweg wieder geteert.

der Radweg gen Neubrücke – wie erwähnt, warteten wir den etwas kräftigeren Regenguss, den man auf dem Boden sieht, unter der Unterführung ab. Man sieht bereits die Brücke über die Nahe, die wir noch vor Neubrücke überqueren.

die Nahe von der Brücke vor BNeubrücke aus
Letztlich ist der Regen für uns also nicht wirklich tragisch, auch wenn es und fast scheinen mag, dass die gesamte Regenmenge des Tales heute fällt.

Auch hinter Neubrücke führt der Radweg durch Wälder und ist teilweise geteert
Zu seinen Seiten sieht man bisweilen Wiesen

der Blick vom Radweg hinter Neubrücke nach links
Theoretisch müssen Radfahrende den Weg mit Fußgängern teilen, doch begegnen uns heute keine solchen.

Fußgänger begegnen uns heute nicht – ob es an der „hohen Luftfeuchtigkeit“ liegt?
Dann fahren wir den Naheuferweg entlang und dann der Wegbeschreibung des Radwegführers folgend weiter. Wenn im Radführer „starke Steigung“ steht, lernen wir, dass wir dieser Angabe durchaus glauben können – es gibt drei wirklich steile Anstiege und ich muss zweimal absteigen und schieben. Meine Partnerin schiebt an zwei Anstiegen zunächst ihr Rad hoch und hilft dann mir mit meinem Dreirad. Dennoch gelangen wir über Neubrücke nach Birkenfeld, das bereits weiter in Rheinland-Pfalz liegt.
Laut Wikipedia ist diese Gemeinde mit gut 7.000 Bewohnenden ein anerkannter Erholungsort und Mittelzentrum sowie Verwaltungssitz des Landkreises Birkenfeld. Der Name sei fränkischen Ursprungs, und es kann vermutet werden, dass der Ort um 500 von fränkisch-deutschen Bauern an einer mit dichtem Birkenbestand auffälligen Stelle gegründet wurde. Bis heute gibt es einem hohen Birkenbestand.
Auch hinter Birkenfeld geht es immer wieder aufwärts, jedoch meist nicht mehr ganz so steil wie hinter Nohfelden. Hin und wieder sieht man ein Gewässer, das bisweilen tatsächlich die Nahe ist, aber bisweilen auch ein anderer Bach wie der Schwollenbach.
Wir passieren Elchweiler, einer Ortsgemeinde mit knapp 100 Bewohnenden im Landkreis Birkenfeld

vor Elchweiler müssen wir uns ein wenig orientieren
Der Radweg, teilweise durch Felder und in Gewitterstimmung bleibt weitgehend gut fahrbar

zwar sieht es ordentlich nach Regen aus, doch bleiben wir weitgehend trocken
Dann kommen wir nach Niederbrombach, einer weiteren Ortsgemeinde im Landkreis Birkenfeld mit knapp 500 Bewohnenden, wo sich vier Täler von Nord nach Süd, Ost und West treffen, und sich Haimbach, Schwollenbach und Rothenbach zu einem Gewässer vereinigen, das als Schwollenbach bei Kronweiler in die Nahe mündet.

Ortseingang von Niederbrombach
Von Niederbrombach geht es südwärts nach Kronweiler. Hin und wieder sieht oder erahnt man einen Fluß oder Bach, es geht entlang des Tales, die Gegend bleibt weiterhin recht grün.

Häuser und Landschaft hinter Kronweiler
Hinter Kronweiler müssen wir links abbiegen und über eine Nahebrücke fahren, um direkt dahinter wieder links auf einen leicht abwärts auf einem gut geteerten Radweg gen Frauenberg abzubiegen.
Auch Kronweiler gehört mit gut 300 Bewohnenden laut Wikipedia zum Verbandsgemeinde Birkenfeld und liegt am Oberlauf der Nahe im südwestlichen Hunsrück.

Die Nahebrücke in Kronweiler und die Abzweigung nach Frauenburg und Idar-Oberstein. Zum Ziel sind es von hier noch etwa 11 km

Radweg zwischen Kronweiler und Frauenberg
Auch dieser Radweg ist sehr gut ausgebaut.
Auch Frauenberg mit seinen gut 350 Bewohnenden gehört noch zur Verbandsgemeinde Birkenfeld und wurde laut Wikipedia erstmals 1327 erwähnt, als „Loretta von Sponheim“ die nahe Frauenburg bezog.
Hin und wieder überqueren wir die Nahe.
Zwischen Frauenberg und Idar-Oberstein kommt eine Stelle, wo der Radweg scharf nach rechts abbiegt, und dann sehr steil bergan. Dies überfordert mich wieder und ich muss schieben, während meine Partnerin vorausfährt, und oben an der Straße auf mich wartet. Dort ist auch noch eine Bushaltestelle, an der ich vorbei muss. Es kommt auch gerade ein Bus, als ich mein Rad dort hochschiebe, doch biegt dieser zum Glück nicht in „meine Straße“ ein, sondern fährt geradeaus.
Von dieser Kreuzung radeln wir gemeinsam auf der Landstr. gen Idar-Oberstein, die ebenfalls bergan geht, wenn auch nicht so steil.

eine langgezogene Steigung der Landstraße führt uns gen Idar-Oberstein
Natürlich kommt es, wie es kommen muss, und unsere Akus geben in der Steigung auf. Wir halten möglichst rechts zum Boxenstopp, den wir routiniert vollziehen. Zum Glück kommen nicht viele Autos, und die können uns recht gut und bereits von weiter weg sehen. Das Wieder-Anfahren in der Steigung stellt eine weitere Herausforderung dar, die meine Partnerin recht gut bewältigt und schon mal vorausfährt, während ich etwas länger benötige, bis ich im Anstieg in der Hasepedale gut eingestiegen bin und den Fersengummi ebenfalls befestigt habe. Dann gelingt auch mir das Anfahren und ich radele eine erheblich Strecke weiter bergan. Meine Partnerin erwartet mich auf einer Bank unter einem Überstand – wobei sie echt ermattet scheint, und später auch meint, sie sei erheblich über ihre MS-Schmerzgrenze gegangen, was sich bei ihr nach der Ankunft in unserer Unterkunft, der Villa Horbach, in völliger Erschöpfung und offenbar erheblichen Schmerzen rächt.
Schließlich kommen wir gegen 17.00 Uhr am Hotel an. Ich gehe zur Rezeption und erhalte den Zimmerschlüssel wie auch jenen für die Fahrradgarage neben dem Aufgang zum Hotel. Die Räder können wir gut dort abstellen, und dort auch unsere Akkus laden. Da wir nur ein Ladegerät mitführen, schließe ich zunächst den Akku meiner Partnerin an, und gehe später nochmalshinunten, um meinen Akku auch aufzuladen.
Statt im zweiten Stock gibt uns die Wirtin dankenswertermaßen ein Doppelzimmer im Erdgeschoss, so dass uns weitere Treppen erspart bleiben. Das ist besonders für mein ziemlich erschöpfte Partnerin gut, die die Anstiege und das Hin und Wieder mir beim Schieben helfen, sehr erschöpft hat. Zwar tendieren wir bisweilen dazu, zu vergessen, dass sie eine PPMS hat, doch an Tagen wie diesem meldet sich ihre Krankheit dann gnadenlos zurück.

Die Villa horbach von der Hauptstr. aus
Also machen wir nur einen ruhigen Abend zum Erholen im Hotel. Ich gehe abends nochmals zum Radschuppen, um den anderen Akku an das eine mitgeführte Ladegerät anzuschließen, um auch dieses zumindest etwas zu laden.
Die Gegend ist wirklich sehr reizvoll und die Radwege sind überwiegend gut, doch für Menschen wie uns eben auch recht anstrengend. Ok, ab hier soll es leichter werden.
Tag 2 (1.9.26): Idar-Oberstein-Nahbollerbach-Weierbach-Kirnsulzbach-Kirn-Hochstetten-Dhaun-Merxheim-Monzingen – 33 gefahrene km
In der Nacht ging es meiner Partnerin ziemlich schlecht, und so bot ich an, die heutige Tour mit dem Zug zurückzulegen. Doch robust, wie sie auch mit ihrer Krankheit umzugehen pflegt, und nach einer doch für sie erholsamen Nacht und einem wirklich guten Frühstück in der Villa Horbach, wollte sie zumindest erst einmal wieder auf das Rad steigen. Wir hielten uns jedoch die Option offen, unterwegs den Zug zu besteigen.
Unter bahnhof.de -> Karte, ob wir ggf. in Kirn den Bahnsteig mit unseren Rädern barrierefrei erhalten könnten. Sowohl in Kirn als auch in Monzingen wäre uns das offenbar möglich.
Gestern hatte uns die Wirtin auf meine Frage bestätigt, dass sie Niederländerin sei und auf meine Frage, was sie denn hierhin verschlagen habe, meinte sie, sie haben eine Investitions-Möglichkeit gesucht. Eigentlich habe sie Ferienwohnungen vermieten wollen und dann sei es halt ein Hotel geworden. Auf jeden Fall erleben wir das Haus mit vielen Kleinigkeiten liebevoll eingerichtet.
Die Wirtin erscheint uns als eine jener der „Wirte aus Berufung“.

Die Diele im Erdgeschoss der Villa Horbach. Man beachte die liebe- und absichtsvoll platzierten Kleinigkeiten wie die beiden Koffer, die auf Reisende hinweisen, aber zum Inventar gehören

de Frühstücksraum im 1. OG in der Villa Horbach
Auch das Frühstück war wirklich gut und mit vielen Auswahlmöglichkeiten, inkl. kleiner Schälchen mit vegetarischem Brotaufstrich. Die Wirtin fragt uns, ob wir eine Eierspeise möchten – wie bestellen Rührei mit Kräutern, die sie uns zubereitet.

das reichhaltige und leckere Frühstücksbuffet – im Vordergrund befinden sich unter der Glashaube einige vegetarische Brotaufstriche
Nach dem leckeren Frühstück gehen wir nochmals kurz aufs Zimmer, packen, beladen die Räder und radeln los.
Bereits etwa 100 m weiter auf der Hauptstraße geht es links über eine Brücke und hinter dieser wieder links in die Mainzer Straße.
Diese rollen wir zunächst entspannt bergab, und biegen dann links ab, wo „In der Au“ zunächst weiter abwärts führt, doch dann ziemlich steil bergan. Mein Fersengurt ist etwas ausgeleiert und so rutscht mein Fuß aus der Pedale. Auf der Straße mit Autoverkehr mein Rad recht mühevoll bergan zu schieben, ist wenig spaßig. Und dann meint noch ein „witziger Passant“: Was ist der Vorteil von einem Dreirad? – Das man nicht umfallen kann, wenn man stehen bleibt.“ – „Haha!“ Auf die Idee, mir zu helfen kommt er nicht! Nun gut – ich schaffe es auch alleine bis zu meiner Partnerin, die etwas oberhalb am Eingang der Fußgängerzone steht.

Die Mainzer Str. in Idar-Oberstein
Dann ging es durch die Fußgängerzone rechts ins Zentrum von Oberstein zur Nahe runter.

Die Fußgängerzone (Hauptstraße in Idar-Oberstein – geradeaus auf dem Fels sieht man bereits die Burg Bosselstein
Zur linken liegt die Felsenkirche und die „Burg Bosselstein“ neue und alte Schloss“ am Hang. Die Felsenkirche klebt unterhalb des Schlosses quasi am Fels.

Unterhalb der Burg Bollenstein klebt die „Felsenkirche“ am Gestein
Die Felsenkirche wurde zwischen 1482 und 1484 von Wirich IV von Daun-Oberstein errichtet, wobei man wohl eher sagen muss, dass er den Bau in Auftrag gegeben hat, und andere sie tatsächlich, wenn auch in seinem Auftrag errichtete. Es ist wohl kaum anzunehmen, dass er selbst „Hand anlegte“ und „ins Schwitzen geriet“. Doch ist aus dies ein Bespiel von „Sagen und Meinen“: Gewöhnlich nennt man den, der den Bau in Auftrag gegeben hat als „Errichter“.
Die Lage der „Felsenkirche“ ist ja sehr exponiert, doch offenbar auch nicht ungefährlich, so dass es wohl häufiger zu Steinschlag und daraus resultierenden Schäden der Kirche kam. Auch Schäden durch Feuchtigkeit traten wohl auf, die zwischen 1927 und 1929 saniert wurden.
Die Burg „Bosselstein“ wurde Ende des 12. Jahrhunderts errichtet. Seit 1600 sei sie nicht mehr bewohnt und verfalle (wie man auch von Tal aus sehen kann.
Am Ende von Idar-Oberstein führt der Radweg zunächst an einer Landstraße entlang, bevor er rechts runter zur Nahe und unter einer Brücke hindurch führt, bevor es wieder zur Straße hochgeht.

kurzzeitig führt der Radweg wirklich am Ufer der Nahe entlang
Hinter Idar-Oberstein geht es an der B41 entlang, wobei der Radweg gut und von der Straße durch eine Leitplanke getrennt ist.

Der Radweg entlang der B41
Hin und wieder sieht man auch die Nahe.

Die Nahe hinter Idar-Oberstein
Es geht bisweilen über Brücken, von denen aus man einen Eindruck der Landschaft gewinnen kann.

Blick über eine Nahebrücke
Auch hier kündigt sich der Herbst an.
Weiter führt uns ein recht guter und schöner Weg nahe der Nahe und an Nahbollenbach vorbei nach Weierbach, wobei beide Orte noch zu Idar-Oberstein gehören. Der Radweg führt uns unter der Straße und Eisenbahn hindurch. Mehrfach wechselt der Radweg auf die andere Straßenseite und endet kurz vor Nahbollenbach, und dann verläuft der Radweg ein Stück rechts von der B41. Nachdem wir die Bahn über eine Brücke überquert haben, erreichen wir dann Weierbach. Weierbach auf einer leicht abfallenden Landstr. verlassend kommen wir nach Fischbach, wo es unter der B41 hindurch geht, wo der Radweg links neben der B41 verläuft, bevor er eine sehr kurze Strecke sich von der Bundesstraße entfernt, um dann wieder an der Straße bis zu einer Kreuzung verläuft.

Felsen und herbstliche Bäume entlang der Landstraße von Idar-Oberstein in Richtung Kirn
Weiter geht es durch Weierbach, seit der Gebietsreform von 1970 ein Stadtteil von Idar-Oberstein im Landkreis Birkenfeld direkt an der B41.

Durchfahrt durch Weierbach
An den Hängen sieht man bisweilen Siedlungen.

Weiter geht es an der B41

mal fahren wir rechts, mal links von der B41
Hinter Fischbach geht es ein Stück durch ländliches Gebiet.

hinter Fischbach führt der weiterhin gut ausgebaute Radweg durch ein Tal mit Wiesen und Baumgruppen
Und dann überqueren wir erneut die Nahe.

eine Brücke über die Nahe hinter Fischbach
und radeln ein Stück entlang der Nahe in Richtung Kirn.

die Nahe hinter Fischbach
Als wir uns Kirnsulzbach nähern, ist eine Bahnschranke geschlossen.

Bahnschranke vor Kirnsulzbach
Vor uns steht ein interessantes Gespann, das uns zuvor bereits überholt und gegrüßt hatte. Am Rad sind zwei Hundeanhänger befestigt, und die beiden Hunde laufen rechts neben dem Rad.

sicher nicht einfach mit dem Gespann und den beiden neben dem Rad laufenden Hunden zu fahren. Vermutlich sind die Hunde aber gut abgerichtet
Bei Kirnsulzbach suchen wir, wie auch das Gespann den weiteren Weg, bis wir an die Landstraße in Richtung Kirn gelangen. Uns ist es etwas unheimlich, an dieser mit Tempo 70 gekennzeichneten und stärker befahrenen Straße zu radeln, doch hält eine offenbar ortskundige Radlerin und meint, wir könnten hier ruhig entlang radeln, sie tue dies täglich. Vor uns war bereits das interessante Gespann die Straße entlangegefahren.
Und so geraten wir tatsächlich nach Kirn, das wir durchfahren.
Das Mittelzentrum Kirn mit seinen gut 8.500 Bewohnenden gehört zur Verbandsgemeinde „Kirner Land“ im Landkreis Bad Kreuznach. Benannt wurde Kirn vermutlich nach den Kyrnbach, wobei dieser sich möglicherweise vom keltischen Wort („Wasser“) abstammt.

Durchfahrt durch Kirn
Hinter Kirn geht es über Hochstetten-Dhaun weiter, in dessen Nähe sich ein Kiesabbau befindet.

ein Kiesabbau bei Hochstetten
Hier wird offenbar heftig abgetragen – ob vom Fels noch etwas übrig bleibt?

Der Radweg führt auf einen Kiesabbau zu
Zumindest sehen wir einige größere Hügel Kies mit unterschiedlicher Körnung. Laut Internet gibt es hier keinen Kiesabbau, doch was ist das, was wir gesehen und fotografiert haben? Eine Fata-Morgana? Oder war es ein anderer Ort?
Egal, weiter geht es erneut durch ländliches Gebiet, zunächst durch Felder:

und dann an der Nahe entlang, wo der Radweg von Bäumen gesäumt ist

Zwischen Hochstetten und Merxheim führt der gut ausgebaute Radweg an der Nahe entlang
An dieser Strecke befinden sich einige Erläuterungstafeln zum Angeln, zu Fauna und Flora

Erklärtafel zu den Aufgaben von Angelfischern
Am Ende dieser Teilstrecke befindet sich eine Bank, auf der wir eine Pause einlegen und über die Nahe nach Weiler bei Monzingen blicken.

Jenseits der Nahe befindet sich Martinstein
Anschließend fahren wir weiter am neben der Straße verlaufenden Radweg bis zur Abzweigung nach Monzingen. Zuvor hatten wir bereits einen Wegweiser nach Monzingen (3,5 km) gefunden, doch bezeichnet Google-Maps diesen als „mit starken Steigungen“, während der von uns gewählte bis zur Abzweigung von der Straße nach Bad Sobenheim und zwischen Merxheim und Meddersheim uns über die Nahe und die Bahnstrecke führende Weg „überwiegend flach ist“. Dort kommen wir also recht unangestrengt, nach Monzingen hinein. Dort finden wir eine Bäckerei, wo wir auf einer Bank an der Straße sitzend Kaffee trinken und Teilchen essen. Gegenüber sind einige alte Fachwerkhäuser und rechts die Straße hoch die (ziemlich große) Kirche.
Wir sind bereits mittags gegen 13.00 Uhr in Monzingen
Monzingen mit seinen gut 1.500 Einwohnern liegt in einen Seitental der Nahe im Landkreis Bad Kreuznach. Die Martinskirche des Ortes stammt aus dem 13. Jahrhundert. Die erste urkundliche Nennung aus 778 geht auf eine Schenkung von Weinbergen an das Kloster Lorsch zurück, als der Ort zum Herzogtum Franken gehörte. Der Ortsname geht ebenfalls auf das Fränkische zurück und setzt sich aus der Silbe „Mund/Munt“ für Ansiedlers und „-ach“ für (fließenden) Gewässer zurück und erlebte dann einige Lautverschiebungen von Munzecha bis Montzingen (Monzingen).

Ortseingang von Monzingen (die Kirche im Hintergrund
Zunächst fahren wir eine Strecke hinein, von der wir denken, sie gehe ins Zentrum, wo wir vielleicht einen Kaffee bekämen. Als diese jedoch bergauf und offenbar nicht ins Zentrum führt, radeln wir zurück, und nehmen die Soonwaldstr., auf der auch unsere Unterkunft liegt. Auf dieser gelangen wir tatsächlich quasi von hinten in die Stadt, und vor der Linkskurve weiter bergan, biegen wir rechts in Richtung Kirche ab, und finden tatsächlich eine Bäckerei, wo wir uns Kaffee und Teilchen kaufen ,und uns auf die Holzbank vor der Bäckerei an der Straße setzen. Gegenüber gibt es einige alte Fachwerkhäuser

Häuser gegenüber der Bäckerei

Blick von der Bäckerei weiter in die Stadt hoch
Nach dem Kaffee fahren wir noch ein wenig die Straße hoch, doch gibt es da nichts wirklich interessantes. Wie schauen ein wenig in die Nebengässchen hinein, aber auch da bietet sich nicht viel.
Auch das Rathaus sehen wir noch, an dem ein Infotäfelchen hängt

das Rathaus von Monzingen stammt von 1864-66, wurde 1878 umgebaut und renoviert und im Sandsteinquaderbau in spätklassizistischer Neugotik
Viel gibt es in Monzingen tatsächlich nicht, und so radeln wir weiter die Soonwaldstr. zur Nr. 30a hoch. Eigentlich sind wir noch zu früh, doch treffen wir einen Mann an, der sagt, man könne den ganzen Tag kommen. Er informiert seine Mutter, die uns zeigt, wo wir im Hof die Räder abstellen können, und uns unser Zimmer zeigt. Von meinem Dreirad ist sie angetan und meint, das wäre etwas für sie – allerdings bei dem hügeligen Terrain hier wohl eher schwierig. Sie sei nun in Rente gegangen, ihre Tochter habe als Arzthelferin gearbeitet, und ihr Chef seine Praxis aufgegeben. Daraufhin habe die Tochter die Vermietung ausprobiert, und nun habe es ihr gefallen und sie habe es übernommen.
In der Coronazeit sei viel Gastronomie zugrunde gegangen, sie seien froh, den Bäcker noch im Ort zu haben, der das ganze Jahr arbeite und nur an Weihnachten zwei Tage zumache. Die alte Dame fragt sich, wo all das Gastro-Personal geblieben sei. Letztlich waren die Coronajahre hier wie vielerorts fatal, und die Betriebe haben sich davon nicht mehr erholt.
Tag 3 (2.9.26): Monzingen.Meddingen-Bad Sobernfeld (mit Zug nach Norheim)-Bad Münster am Stein – 15 geradelte km
Gegen 8.00 Uhr sind wir bei einem nett bereiteten und reichhaltigen Frühstück.

Frühstückstisch im B&B Schönheim in Monzingen
Dass wir Vegetarier sind, hatten wir nachmittags mitgeteilt, und so erhalten wir verschiedene Käsesorten, Obst wie Trauben, Apfelstücke und Blaubeeren, Orangensaft, Tomaten und Paprika und natürlich Brötchen, Marmelade, Butter und Kaffee. Außer uns ist noch eine andere Dame da, die aus Bad Vilbel stammend die Nahe hochradeln, dann ins Saarland hinüberwechseln will, um die Mosel hinab und die Lahn wieder hoch zu radeln – immer wieder Stücke per Zug fahrend. Ihr Mann war dieses Mal verhindert und so ist sie dieses Mal alleine unterwegs. Oft ist sie aber wohl auch mit ihrem Mann unterwegs, da die beiden, wie wir auch, passionierte Radfahrende sind.
Wir quatschen uns am Tisch gut fest und reden über Radtouren, die Wetterau und Politik.
Gegen 10.20 Uhr heben wir die Tafel dann auf und packen unsere Sachen. Bei den Rädern im Hof, reden wir noch ein wenig und verabschieden und dann.
Also fahren wir den Hang runter zur Straße von Merxheim nach Medersheim.

auf dem Radweg nach Meddersheim
Von der Landstraße haben wir nochmals einen Blick auf Monzingen.

Blick auf Monzingen von der Landstraße aus
Zunächst geht es von der Straßenkreuzung nach links in Richtung Meddersheim, einer mit gut 1.300 Bewohnenden zum Landkreis Bad Kreuznach gehörenden Ortschaft, die wir durchradeln.

Blick auf Meddersheim
Durch Meddersheim durch überqueren wir vor Bad Sobernheim auch mal wieder die Nahe.

Die Nahe hinter Meddersheim
Und weiter geht es nach Bad Sobernheim hinein, wo wir an einem Mühlenbach entlang fahren.

der Mühlenbach in Bad Sobernheim
Da die Strecke hinter Staudernheim gen Bad Münster am Stein einige starke Steigungen durch die Weinberge aufweisen soll, und um uns nicht (wieder) zu überfordern, hatten wir beschlossen, nur bis Bad Sobernheim zu radeln, dort den Zug nach Bad Kreuznach zu nehmen, und von dort zurück nach Bad Münster am Stein zu radeln. In Bad Münster selbst kämen wir mit unseren Rädern nicht barrierefrei vom Bahnsteig, wie wir unter www.bahnhof.de erkundet hatten, wohl aber in Bad Sobernheim auf das Gleis und in Bad Kreuznach vom Gleis.

am Bahnhof in Bad Sobernheim
Und so fahren wir in Bad Sobernheim zum Bahnhof, wo wir tatsächlich über eine Schräge in die Unterführung und aus dieser mit Aufzügen auf den Bahnsteig kommen. Ein verspäteter RE33 nach Mainz rollt gerade ein, aber den bekommen wir nicht mehr Allerdings komm eine halbe Stunde später ein weiterer, der ebenfalls ein paar Minuten Verspätung hat. Mit unseren Rädern kommen wir problemlos in das Fahrradabteil, wo außer uns noch ein Vater mit Kinderwagen und eine andere Radlerin sind. Letztere sagt uns, dass die Strecke von Norheim bis Bad Münster am Stein schön sei und bereits jenseits der starken Steigung. Also steigen wir in Norheim aus.

am Bahnhof in Norheim
Wir verlassen den Bahnhof und suchen zunächst unseren Weg durch Norheim.

Straße in Norheim
Bald hinter Norheim sehen bald vom Radweg aus den „Roten Felsen“.

der sogenannte „rote Felsen“ bei Norheim
Von dort radeln tatsächlich ohne große Anstrengung nach Bad Münster am Stein.

der Radweg von Norheim nach Ebernburg/Bad Münster am Stein
Kurz vor Bad Münster passieren wir eine Karte der Gegend.

Wanderkarte kurz vor Bad Münster am Stein
An der Nahe entlang fahren wir gen Bad Münster am Stein.

die Nahe vor Bad Münster am Stein
In Bad Münster radeln wir zunächst etwas umher, da wir noch Zeit haben und den Ort etwas kennenlernen möchten.

ein Haus in Bad Münster am Stein
Anfangs radeln wir am „Fischerhaus vorbei,

Das „Fischerhaus“ in Bad Münster am Stein – im Hintergrund der „Rheingrafenstein“

die Infotafel am „Fischerhaus“, das nachweislich erstmals 1560 erwähnt wurde, doch vermutlich erheblich älter ist. Mangels landwirtschaftlicher Fläche war Fischerei im Mittelalter der Haupterwerbszweig der Bevölkerung
und auf dem Radweg an der Nahe entlang.

der Radweg in Bad Münster am Stein
Auf diesem Radweg kommen wir am Salinenwehr vorbei.

Auch passieren wir den Rheingrafenstein.

der „Rheingrafenstein“ wurde vermutlich Mitte des 11. Jahrhunderts durch die Herren vom Stein erbaut. Ritter Siegfried von Stein heiratete um 1170 Lukardis aus dem Geschlecht der Rheingrafen, so dass die Herren von Stein seit 1194 im Besitz und Titel der Rheingrafen gelangten. Die Burg wurde 1688 im pfälzischen Erbfolgekrieg von den Franzosen gesprengt und das Mauerwerk später zum Bau der Salinen verwendet.
An der Nahe entlang radeln wir weiter zum Kurpark, wo uns zunächst das imposante Kurhaus auffällt.

das Kurhaus in Bad Münster am Stein
Im Kurpark setzen wir und an das Gradierwerk, und essen die Brötchen, die die Wirtin in Monzingen uns aufforderte, von unserem Frühstück vorzubereiten und mitzunehmen – sie hatte uns sogar Gefrierbeutel ausgeteilt. Wir finden es ungewöhnlich, von der Wirtin aufgefordert zu werden, uns noch Brötchen zum Mitnehme zu schmieren, und sogar noch Frischhaltebeutel hierfür zu erhalten. Doch da sie kein Buffet, sondern pro Gast das Frühstück serviert, , muss sie die übrig gebliebenen Lebensmittel derart nicht aus Hygienegründen wegwerfen!

das Gradierwerk im Kurpark von Bad Münster am Stein

am Gradierwerk in Bad Münster am Stein
Das Gradierwerk war ursprünglich Teil einer Saline, in der Salz gewonnen wurde. Die aus dem Boden geförderte Solelauge rieselt über ein Reisiggeflecht herunten, wobei es beim Herunterrieseln einen erheblichen Teil des Wassers verliert.

der untere Teil des Reisiggeflechts, über das die Solelauge hinunterrieselt
Gleichzeitig lagern sich schwer lösliche und unerwünschte Begleitminerale wie Kalk, Gips und Eisenstein am Reisig ab, wodurch sich die Qualität des Salzes erhöht. Weiterhin entweicht gegebenenfalls vorhandene Kohlensäure, was zu einer Verstärkung des Ausfallprozesses von Kalziumsulfat führt. Viele Salinen sind innerhalb der vergangenen 200 Jahre verschwunden, wobei einige zu Bade- und Kurorten umgewandelt wurden. In machen dieser Orte (wie auch Bad Münster am Stein) sind Gradierwerke als markante Reste erhalten geblieben.
Gegen 14.00 Uhr, wenn auch noch etwas zu früh, gehen wir ins Hotel Krone, und können auch jetzt bereits unser Zimmer im 1. OG beziehen. Die Räder können wir in einer Garage hinter dem Hotel unterbringen, und das Hotel hat auch einen Aufzug.
Nach etwas Ruhe gehen wir nochmals in den Ort, um ein alkoholfreies Bier zu trinken. Viel Gastronomie gibt es auch hier nicht, doch wir finden eine Pizzeria mit Außenterrasse, in der wir Drinks und je ein Bruscetta zu uns nehmen. Am Nachbartisch sind drei (offenbar) Einheimische, von denen einer einen recht neugierigen, doch offensichtlich harmlosen Hund hat, und ein anderer ziemlich laut und intensiv über Merz und die Politik, und dass er nach 45 Arbeitsjahren nicht mehr abschlagsfrei in Rente gehen können können soll, schimpft. Auch meinte er, sie seien auch hier vermutlich von Grünen und Linken umzingelt, Nun ja – hier eine Diskussion zu beginnen, macht vermutlich wenig Sinn. Wir können uns bei dem recht toten Ort aber vorstellen, dass man frustriert sein kann. Laut Internet gibt es allerdings recht viele offene Stellen, besonders im Gesundheits- und Gastronomiebereich.
Auf dem Rückweg kommen wir an der Zehntscheune vorbei.

das schmale Haus rechts ist die hiesige „Zehntscheune“, die wohl angesichts der relativ ärmlichen Bevölkerung relativ klein ist
Hier wurden im Mittelalter die Steuer in Naturalien, also die Abgabe eines Zehntels der Ernte an den Fürsten aufbewahrt – eben das „Zehnt“.
Von dort gehen wir zur Nahe runter, wo einige Einheimische in gemütlicher Runde mit Wein sitzen, und setzen uns selbst unterhalb des Rheingrafenstein hin.

Später vertreiben uns die Mücken. Wie wir recherchieren gehört die Ruine, die ein beliebtes Wanderziel und Wahrzeichen der Stadt ist, und einem guten Ausblick bietet, dem Fürsten Sayn-Salm, der sie wegen Baufälligkeit zu schließen plant, um nicht bei Unfällen in Regress gezogen zu werden. Die Bürger der Stadt sind von der Schließung überhaupt nicht angetan, doch was können sie tun?
Als wir gehen, ist der Fels in das Rot der Abendsonne getaucht.

Abendsonne auf den Felsen bei Bad Münster am Stein
Durch den Kurpark gehen wir zu unserem Hotel. Unterwegs sehen wir einige Gebäude mit offenbar hochpreisigen Appartements, wo vermutlich die Ärzteschaft lebt, und daneben einige Gebäude in weit schlechterem Zustand und vermutlich mit weniger wohlhabenderen Bewohnenden. Auch hier sind die Unterschiede und die Schere in Einkommen und Vermögen ziemlich offensichtlich!
Dieses keineswegs nur hier bestehende Phänomen ist für den Zusammenhalt der Gesellschaft und den Erhalt unserer Demokratie sicherlich wenig förderlich. Und die Merzregierung schraubt kräftig daran, die Schere noch weiter zu öffnen. Subventionen sollen abgebaut werden, aber natürlich nicht jene für Dienstwagen oder Gaskraftwerke, sondern eher jene für erneuerbare Energien und im Sozialbereich. Und während die UN am 3.9.26 verlauten lässt, dass das 1,5 Grad Ziel des Pariser Abkommens in diesem Jahrzehnt nicht mehr zu halten sei, erscheint es nicht wirklich so, dass Merz und den Seinen, entgegen allen Lippenbekenntnissen, Paris und der Klimaschutz noch wirklich wichtig wäre. Stattdessen ist oberste Priorität, dass die Wirtschaft boomt. Dass wir im Sommer 26 erleben mussten (durften?), was Hitzewellen und niedrige Flusspegel auch ökologisch-materiell für Kosten verursachen? Schwamm drüber! Ist nicht wichtig!?!
Nun gut, auch wir beschließen unseren Tag, und lassen den Herrgott einen lieben Mann und den Klimawandel nicht so wichtig sein – zumindest bis morgen 😉
Tag 4(3.9.26): Bad Münster am Stein-Bad Kreuznach-Brenzenheim-Gensingen-Bingen-Oberdiebach (B&B Schönheim (Am Hof 10) – 38 geradelte km
Das Frühstück im Hotel ist recht gut und reichhaltig. Nach dem Frühstück holen wir die Räder aus der Garage.

Neben dem Hotel befindet sich eine Villa, die man von der Hotelgarage aus sieht
Vom Hotel fahren wir in den Park.

zwischen Hotel und Villa ist die Durchfahrt zum Park
Durch den Park hindurch fahren wir in Richtung Bad Kreuznach nach Süden an der Nahe entlang.

auf dem Radweg entlang der Nahe in Richtung Bad Kreuznach
Außerhalb von Bad Münster passieren wir den Park mit mehreren Gradierwerken.

eine Reihe von Gradierwerken im Salinenpark bei Bad Münster am Stein
Bad Münster am Stein ist bereits ein Stadtteil von Bad Kreuznach, so dass beide quasi nebeneinander liegen. Am Gradierwerk überqueren wir die Nahe über eine recht steile Brücke,

die Nahe bei Bad Kreuznach
auf deren anderen Seite wir eine Stelle mit Toren eines Kanukurses sehen.

ein Wildwasser-Kanukurs in Bad Kreuznach – in der Nähe gibt es auch Hinweistafeln auf Ricarda Funk, die aus Bad Kreuznach stammt und zweifache Weltmeisterin und Europameisterin geworden ist
in Bad Kreuznach gibt es einige Umleitungen wegen Baustellen.

in Bad Kreuznach

die Landschaft hinter Bad Kreuznach
Dann geht es nach Bretzenheim weiter, das sich „Weindorf“ nennt – und vermutlich auch eines ist;)

Durchfahrt durch Bretzenheim
Hinter Brenzenheim geht es weiter gen Grolsheim.

der Radweg nach Grolsheim
Die Maisfelder am Radweg versprechen keine reichhaltige Ernte.

das sieht nicht gut aus! Da kann man die „regenärmste Region Deutschlands“ plötzlich nachvollziehen

in Grolsheim
Wir folgen weiter dem Radweg nach Bingen.

Wegweiser 1,7 km hinter Grolsheim. Noch gut 6 km bis Bingen
Und dann erreichen wir das nördliche Ende von Bingen.

Die Einfahrt nach Bingen
Der Radweg führt entlang der Nahe in Richtung der Mündung in den Rhein.

die Nahe bei Bingen
Auf der anderen Uferseite stehen entlang des Hanges viele Häuser.

diese Häuser haben einen recht individuellen Stil mit Balkonen und Gärten, sind also nicht „von der Stange“
An einem kleinen Park machen wir eine Rast und nutzen die Möglichkeit, eine öffentliche Toilette zu besuchen.

ein kleiner Park am Ufer der Nahe
Nach der Rast fahren wir in die Fußgängerzone hinein, in der wir nahe des Citycenters von einer Bäckerei wissen, wo wir uns etwas zu Essen für heute und morgen früh kaufen wollen. Und tatsächlich gibt es dort auch „Ludgers Currybrot“, das wir bei der letzten Tour bereits in Bacharach erworben und für sehr lecker befunden hatten.
In der Innenstadt gibt es offenbar gerade ein Fest, für das die Stände errichtet werden. Von der Bäckerei radeln wir auf der Suche nach einem Lebensmittelladen etwas durch Bingen, doch finden wir zunächst nichts Derartiges. Also radeln wir die Bahnstrecke überquerend zum Radweg, der uns in Richtung Bacharach auch über die Nahemündung in den Rhein führt.

die Mündung der Nahe in den Rhein in Bingen
Und dann sehen wir links vom Radweg doch noch einen Nettomarkt. Wir radeln etwas zurück und durch eine Unterführung unter der Bahn zu Straße, an der der Netto liegt. In diesem „Einkaufsparadies“ erwerben wir noch einige Dinge für heute und morgen.

am „Einkaufsparadies“ von Bingen. Man sieht rastende Arbeiter im Heck ihres Kleintransporters sitzen und ein Gebäude mit wohl „einigen Wohnungen“
Lokalpatriotische Mitmenschen mögen uns das verzeihen, doch irgendwie können wir den Charme von Bingen nicht wirklich entdecken, und so radeln wir die uns bereits aus dem Juli bekannten, gut befahrbaren Radweg in Richtung Norden nach Niederheimbach, in dessen Ortsteil Oberdiebach sich unsere heutige Unterkunft. das „Appartement Mit Rheinblick“ befindet.
Bei Rheinheimbach machen wir am Rheinufer nochmals Rast.

meine Partnerin bei der Rast bei Rheinheimbach
Wir sehen auch, dass der Rhein offenbar wieder genug Wasser führt, so dass Flügel für Windmühlen wieder per Schiff transportiert werden können.

auch für die erneuerbaren Energien ist der Schiffstransport auf dem Rhein von Bedeutung
Nach dieser Pause nehmen wir eine Unterführung unter der Bahnstrecke zur Landstraße in Richtung Bacharach und finden dann auch die Hochstr., an der unsere Unterkunft liegt. Von hier aus müssen wir gegen die Einbahnstraße hinaufradeln, doch kommen zum Glück wenig Autos entgegen. Allerdings macht natürlich mein Akku schlaff, so dass ich ein Stück schieben muss.
Am Appartement erhalten wir mithilfe eines vorab erhaltenen Codes aus der Schlüsselbox den Schlüssel, und können etwas später auch unsere Räder in der zugehörigen Garage abstellen.
Das Appartement ist wirklich schön, und von der zugehörigen Terrasse haben wir einen tollen Blick über den Rhein auf das am gegenüberliegenden Ufer liegende Lorch.

der Blick von der Terrasse auf Lorch
Auch durch das Fenster des Appartements hat man einen bemerkenswerten Blick auf Lorch.

der Blick aus dem Appartement auf Lorch (bei Tag)

und der Blick auf Lorch (bei Nacht)
Tag 5(4.9.26): Oberdiebach (B&B Schönheim (Am Hof 10)-Bacharach-Oberwesel-Loreley-St. Goar-Boppard-Spay-Rhens – 50 geradelte km
Morgens nach dem Frühstück packen wir, holen die Räder aus der Garage und bepacken diese.

Die Garage des Appartement mit Rheinblick, in der wir unsere Räder sicher abstellen können
Dann geht es die Straße „An Hof“ hinunter zum Rhein.

mein Dreirad bepackt und bereit zum Aufbruch vor dem Appartrement
unten fahren wir ein kleines Stück gen Süden und dann auf der anderen Straßenseite durch einen Tunnel zum Radweg direkt am Rhein, wo sich auch eine Infotafel zum Hunsrück-Radweg befindet

direkt an der Durchfahrt von der B9 zum Radweg befindet sich eine Informationstafel zum Hunsrück-Radweg
Den nun folgenden Teil des Radweges gen Norden kennen wir ja bereits aus dem Juli 25, als wir bis Bingen waren. Am gegenüberliegenden Ufer liegt Lorch.

gegenüber von Rheinheimbach-Oberdiebach liegt Lorch an derzeit wegen Generalsanierung Bahnstrecke zwischen Koblenz und Wiesbaden
An Bacharach, Kaub, Oberwesel und der Loreley vorbei beradeln wir bei angenehmer Witterung den uns bereits bekannten Radweg,
Die Herbststimmung ist seit Juli einiges fortgeschritten, wie wir auch um die Burg oberhalb von Bacharach herum sehen können.

Blick auf die Burg Stahleck oberhalb von Bacharach
zunächst fahren wir bis St. Goar. wo wir eine Pause einlegen. An der Fähre von St. Goar (Rheinland-Pfalz) nach St. Goarshausen (Hessen) ist eine Skulptur mit dem Lotsen, über den hinweg man auf dem Hügel der anderen Rheinseite die Burg Katz sieht,

der „Lotze“ blickt konzentriert den Rhein abwärts, hinter ihm liegt die Burg Katz am Hang, die zusammen mit der Burg Rheinfels am Ufer oberhalb St. Goars die Zollburg für die rheinaufwärts fahrenden Schiffe bildete
Rechts von der Skulptur befindet sich der Stadtplan von St. Goar, wo am 31.8.26 am Loreleyfelsen bei St. Goarshausen und Kaub, also am gegenüberliegenden Rheinufer ein Felsbrocken auf die B42 gestürzt war. Das hatten wir gehört, doch sehen können wir davon nichts mehr.

St. Goar ist mit seinen gut 2.800 Bewohnenden überwiegend ein Straßendorf im oberen Mittelrheintal an einer engen Durchflussstelle des Rheins. Linksrheinisch wird der Rhein vom rheinland-pfälzischen Hunsrück, in dem ja auch der Flughafen „Hahn“ liegt und rechtsrheinisch vom hessischen Taunus begrenzt. Die Landesgrenze zwischen beiden Bundesländern verläuft in dieser Gegen etwa in der Flussmitte. An der Fähre in St. Goar sieht man über die Schuler des Lotzen das Ortschild, das das Ortsende von St. Goar und den Ortsbeginn von St. Goarshausen, also mit dem Betreten der Fähre verlässt man wohl auf Rheinland-Pfalz und betritt Hessen.

am Ufer sieht man das Ortschild, dass dort St. Goar beendet ist und St. Goarshausen beginnt
Nach der Rast radeln wir weiter an Boppard-Hirzenach vorbei, wo wir am 16.8.26 das gebrauchte „Combo-II“ in Empfang genommen hatten.

in der Rheinschleife liegt Boppard-Hirzenach
Hinter Hirzenach geht es an Bad Salzig vorbei. In Bad Salzig befindet sich sowohl der Firmensitz von Sebamed als auch das bereits bei der Julitour gesehene Hotel, das am Abend unserer letzten Vorbeifahrt laut Internet noch mehr eingestürzt war. Nun sehen wir auch, dass es sich offenbar um den vom Rhein aus gesehen rechten Teil des baufälligen Gebäudes gehandelt hatte.

den Schutthaufen rechts neben dem Gebäude hatte es Ende Juli noch nicht gegeben
Bald hinter Boppard-Bad Salzig gelangen wir dann auch nach Boppard selbst, wo wir entlang der Rheinpromenade radeln und uns dann eine Bank für eine weitere Pause suchen.

an der Rheinpromenade in Boppard befinden sich einige recht hochwertige Gebäude aus wohl besseren Zeiten für die Stadt
Am Ausgang von Boppard passieren wir auch noch ein kleines Häuschen von 1878.

man stelle sich vor, was dieses Haus in den gut 150 Jahren bereits „gesehen“ hat
Der Rhein hat ganz offensichtlich wieder mehr Wasser als im Juli, und wird auch wieder von Containerschiffen befahren.

auch größere Containerschiffe können Anfang September den Mittelrhein wieder befahren, wobei dieses Schiff mit weniger Tiefgang gebaut zu sein scheint.
Jetzt ist es nicht mehr sehr weit über Spay bis zu unserem heutigen Etappenziel Rhens, wo wir bereits mittags eintreffen. Am Anfang von Rhens verlassen wir den Rhein und fahren links am Turm vorbei in die Stadt, um dann durch das Stadttor die „Mainzer Straße“ bis zu einem kleinen Platz zu fahren.
Rhens ist laut Wikipedia eine Stadt mit knapp 3.000 Bewohnenden im Landkreis Mayen-Koblenz, deren erstmalige Erwähnung bereitsa am 29.September 874, als der Trierer Erzbischof Bertolf dem Kunibertstift in Köln den Besitz von Gütern in Boppard, Spay, Oberspay und Rhens bestätigte. 1174 verkauften dann die Grafen von Saffenburg die Vogtei Rhens für 200 Mark an den Erzbischof von Köln. Am 11. Juli 1346 wurde Karl IV. in Rhens zum römisch-deutschen König gewählt. Die Stadtmauer wurde von 1398 bis 1414 gebaut, und Rhens im Jahr 1400 von Wenzel, Sohn von Kaiser Karl IV. zur Stadt erhoben. Im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert kam es in Rhens zu Hexenverfolgungen, bei denen 23 Frauen und drei Männer wegen angeblicher Zauberei hingerichtet wurden,

Blick durch das Stadttor die Mainzer Straße entlang zu einem kleinen Platz
An diesem Platz befindet sich ein Café, in dem wir uns stärken, ei Brunnen mit Kind und Ochsen sowie einige alte Fachwerkhäuser.

Blick vom Café aus auf die gegenüberliegenden Häuser
Eines der herrschaftlichen Häuser stammt von 1606.

im Vordergrund der Brunnen mit Kind und Ochse, am Giebel des gegenüberliegenden Hauses befindet sich die Jahreszahl 1606, das Haus ist also 420 Jahre alt!
Da wir noch Zeit bis zum Check-In haben, erkunden wir nach der Stärkung den ganz netten, aber auch ziemlich kleinen und übersichtlichen Ort.

Ein Teil der Stadtmauer von der öffentlichen Toilette am Parkplatz südlich der Stadt aus gesehen
Nach dem Besuch der öffentlichen Toilette fahren wir durch die Stadt am kleinen Platz vorbei rechts Richtung Rhein runter.

an einem Haus vor dem Stadttor zum Rhein hin sitzen einige Figuren, u.a. Stan Laurel – auffällig ist, dass die Hufeisen so angeordnet sind, dass das „Glück“ nach unten herausfällt.
Wir fahren durch ein Stadttor zum Rheinufer und setzen uns noch etwas an den Rhein.

Stadttor von Rhens zum Rhein hin.
Vor dort kann man durch das Stadttor auch in den Ort hineinschauen.

Blick vom Rheinufer auf das Tor zu

offenbar ist der betonierte Anleger für einen höheren Pegelstand des Rheins gedacht
etwas rheinaufwärts sieht man am gegenüberliegenden Ufer die Marksburg.

zwischen dem Pfahl und der Schweizer Fahne erkennt man die Marksburg
Vom Rheinufer radeln wir noch zum Rhenser Sprudel, wo wir unsere Wasserflaschen auffüllen.

am Gebäude des Rhenser Sprudels kann man sich frisches Wasser abfüllen
Gegen 16.00 Uhr im Hotel einchecken. Dir Räder können wir in einer Garage auf der dem Hotel gegenüberliegenden Straßenseite unterstellen. Das Akzent- Hotel „Roter Ochse“ selbst ist ein in dritter Generation, familiengeführtes 23-Sterne-Hotel mit 31 Zimmern, dass sich in einem alten und recht verwinkelten Haus befindet. Unser Zimmer (31) liegt über mehrere Treppen hinauf im 3. Stock, wobei es keine Aufzüge gibt. Andererseits bietet das Zimmer einen schönen Blick auf die Marksburg und die Rhenser Dächer.
Ich hole uns nach Bezug des Zimmers noch an der Rezeption alkoholfreies Weizen und alkoholisches Pils und erhalte den Tipp, dass es gegenüber unseres Zimmers hinaus auf einen Platz mit eine Tisch geht. Wieder hinauf nutze ich die Außentreppe, die vom Hotel-Innenhof zunächst über eine Wendeltreppe und dann eine weitere Metalltreppe hoch zu diesem Außenbereich führt. Ich hole meine Partnrerin im Zimmer ab und wir setzen uns zum Abendessen an den Tisch in dieser Art „Dachterrasse“.

im oberen Außenbereich befindet sich ein Tisch mit Stühlen, wo wir unser Abendessen einnehmen
Dort oben ist offenbar auch der Parkplatz und es kommen einige Hotelgäste vorbei. Nach dem Abendessen ziehen wir uns in unser Zimmer zurück und beschließen den Tag.
Tag 6(5.9.26): Rhens -Koblenz-Weißenthurm-Andernach-Brohl-Bad Breisig-Sinzig-Remagen-Rolandseck-Bad Honnef-Königswinter- 71 geradelte km
Nach einem guten, abwechslungsreichen und reichhaltigen Frühstück packen wir und radeln unsere letzte Etappe dieser Tour gen Königswinter.

kurz hinter Rhens gibt es etwa 500 m mit „historischem Kopfsteinpflaster“. über das Radler fahren sollen.
An Burg Stolzenfels gegenüber von Lahnstein geht es bald auf Koblenz zu.

im Rheinbogen voraus sieht man die Burg Stolzenfels gegenüber von Lahnstein
Auch diese Strecke kennen wir ja und sind sie zumindest ab Koblenz bereits mehrfach gefahren. In Koblenz gibt es einige Umleitungen, so dass das Finden des Radweges ein wenig herausfordernd ist, von uns aber natürlich bewältigt wird.
In Brohl lassen wir den Sprudel in Ruhe, und passieren lediglich den normalen Radweg.

Straße durch Brohl
Hinter Koblenz geht es weiter an Mühlheim-Kärlich vorbei, wo ein Kahn von einem Baum durchwachsen ist. Ob das an der Atomstrahlung liegt?

der Rost konnte dem Baum wohl nicht widerstehen, aber mag ihm „Nährstoffe“ bieten
An Weißenthurm vorbei geht es durch Namedy, wo in der Burg das Herbstfest stattfindet. Der Besuch scheint recht gut, wenn man den Parkplatz betrachtet.

das Herbstfest an der Burg Namedy (4.-6.9.26) scheint zumindest heute gut besucht
Bei Remagen sehen wir dann erneut den Transport eines Windmühlenflügels auf dem Rhein.

Der Rhein ist nun mal Deutschlands wichtigste Binnenwasserstraße
In Rolandseck fahren wir zur Fähre und überqueren mit dieser den Rhein. An der Fähre gibt es auch eine Rheinkarte.

Die Karte des Rheins an der Fähre in Rolandseck
Von Bad Honnef aus radeln wir die letzten Kilometer zurück nach Königswinter, wo wir im frühen Nachmittag wieder eintreffen. So geht eine weitere sechstägige Radtour an einem Nebenfluss des Rheins zu Ende. Die erste Etappe war anspruchsvoll und anstrengend, die weiteren Etappen einfacher. Die Aausschilderung der Radwege ist an der Nahe erfreulich gut, und so braucht man weit weniger eine Orientierungs-App als bei anderen Touren, die wir unternommen hatten.
Nur ein kleines Stück zwischen Bad Sobernheim und Norheim überbrückten wir mit der Bahn, da das Teilstück mit starken Steigungen angekündigt gewesen war. Vom Wetter her hatten wir am ersten Tag etwas Regen, ansonsten jedoch recht angenehme Witterung. Insgesamt radelten wir gut 200 km und kamen in den Zügen auch mit unseren Rädern mit, wenn wir sie brauchten – dies allerdings in der Nebensaison und nicht zu Hauptgeschäfts- und Stoßzeiten.

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