Diskussionspause – Blick von der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte auf den Kellersee (Foto: StH, Juli 2025
Das Bildungsseminar „Deutschland, Europa und die Zukunft unserer Demokratie“ fand vom 7.-11.7.25 in der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte in Malente unter sehr kompetenter Leitung von Joachim Bussiek in einer Gruppe von 19 Teilnehmenden statt. Die Inhalte und Diskussionen hier weitergeben zu wollen, würde zu weit führen. Inhalte waren unter anderem die Krisen der letzten Dekaden als Polykrisen, die Demokratieentwicklung in Deutschland, ein Überblick über bundesdeutsche Institutionen sowie die Schutzmechanismen unserer Verfassung, der Einfluss sozialer Medien, sowie die EU und ihre Chancen und Herausforderungen. Ich und die anderen Teilnehmenden empfanden die Inhalte und Diskussionen in einer wirklich interessanten Seminargruppe als hilfreich und anregend. Ich kann die Teilnahme an diesem Seminar nur empfehlen.
Vielleicht kann man das Seminar zusammenfassen durch zwei (nicht völlig überraschenden) Grundaussagen:
Gemeinsam (in Europa!) sind wir und unsere Demokratie stark – es wäre gut, wenn wir alle uns dessen wieder bewusster würden und die Ergebnisse und Erkenntnisse der letzten 80 Jahre nicht aufs Spiel setzen würden. Andernfalls merken wir, was wir verloren haben, wenn wir es verloren haben. Aber das wäre dann ein echter und großer Verlust. Einige Angehörige der jüngeren Generationen mögen es nicht mehr kennen. Ich lebte einige Jahre in Aachen, also sehr nah an den Niederlanden und Belgien, und „durfte“ z.B. die Mühen eines innereuropäischen Grenzübertrittes vor Schengen oder des Bezahlens in einem anderen europäischen Land vor der €-Einführung, und sei es für Grenzgänger auch nur wenige km entfernt, noch kennenlernen 🙁 Dies und Weiteres halte zumindest ich neben Frieden zwischen sogenannten „Erbfeinden“ für echte europäische Errungenschaften. Wer guten Willens und ernsthaft nachdenkt, mag noch weitere Erfolge der EU identifizieren! Probleme bei der EU abzuladen und „Erfolge“ national zu reklamieren, ist allerdings kein neues Phänomen, sondern wurde schon vor 40 Jahren in den Mitgliedsstaaten gerne praktiziert.
Die Demokratie benötigt jeden von uns. Und der Einsatz Jeder und Jedes für unsere Demokratie und gegen alle Interessen geleiteten Missgünstigen im Innern und von Außen lohnt sich! Gleiches gilt m.E. für Europa!
Natürlich wurden diese beiden Erkenntnisse vorbereitet und in diversen Schritten durch mehrere Themen hergeleitet und intensiv in der Teilnehmendengruppe diskutiert.
Foto: StH(1982) – manches scheint alter Kaffee, in dessen Satz es zu lesen gilt?
Europa heute mit seinen Herausforderungen
Europa ist gerade wieder in vieler Munde, sei es im Zusammenhang mit Trumps versuchtem Zolldiktat oder Putins versuchtem Diktat zu einer ihm genehmen Ordnung in der sich wehrenden Ukraine. Oder auch als „Festung“ gegen Menschen, die in Europa Schutz, oder auch Arbeits- und Entwicklungsmöglichkeiten suchen, um zu ihrem eigenen wie auch unsere aller Wohlstand beizutragen.
Wo steht Europa? Wie verhält es sich gegen solch äußeren oder auch manchen inneren Druck? Agiert es geeint oder basierend auf Individualinteressen? Wo kommt das derzeitige Europa her? Auf welchen Erfahrungen und Erkenntnissen fußt es? Was ist es uns wert?
Die einen meinen, es müsse mehr Europa geben, die Anderen wollen Europa beschneiden und wieder mehr „national“ oder „einzelstaatlich“ denken und handeln. Aber ist nicht gerade in der Auseinandersetzung mit Trump oder Putin ein geeintes Europa, das mit einer Stimme spricht, „schlag-„fertiger, stärker, einflussreicher und resilienter?
Und doch scheint dies im Europa der 27, dessen Entscheidungen in vielen zentralen Politikfeldern und Fragen auf dem Einstimmigkeitsprinzip basiert, die Entscheidungsfindung fürchterlich langwierig und anstrengend Es ist keineswegs immer Orban, der querschießt. Auch das „German Vote“ erschwert europäisches Handeln dort, wo z.B. Interessen der deutschen Autoindustrie „zu verteidigen“ sind. Oder Irland, wenn es um niedrige Unternehmenssteuern oder die Interessen der (meist nicht europäischen) „Techgiganten“ geht. Also jeder Mitgliedstaat betrachte auch seine eigene Nase und vergesse das Kehren im eigenen Eingangsbereich nicht!
Timothy Garton Ash zu Europa
Vor ein paar Wochen stieß ich durch einen Freund auf das Buch „Europa“ des britischen Historikers und Publizisten Timothy Garton Ash, aus dem ich einige mir bemerkens- und bedenkenswerte Gedanken hier zitieren möchte:
Timothy Garton Ash entwickelt seine Gedanken um die Frage von Einheit und Vielfalt vom geschichtlich wiederholt genutzten Konstrukt von Rom aus, ob das alte römische Reich, das Papsttum, das „heilige römische Reich deutscher Nation“ oder auch die „römischen Verträge“, die in der heutigen Europäischen Union eine wichtige Rolle spielen
Er schreibt: “ (…) Konrad Adenauer, der Gründungskanzler der Bundesrepublik Deutschland, bemerkte ein wenig vorsichtiger: „So ist uns das große, gemeinsame Erbe, für das Rom immerwährendes Zeugnis ablegt, zugleich Mahnung und Hoffnung.“ – Als ich in den späten 1960er Jahren zum ersten Mal den Kontinent bereiste, war die Europäische Gemeinschaft noch weitgehend mit dem Reich Karl des Großen um 800 identisch. Erst 1973, mit dem Beitritt Großbritanniens, Irlands und Dänemarks zu diesem 6. oder 7. Rom begannen die nicht-karolingischen Barbaren Karls Garten beizutreten. Aber auch wir Barbaren haben auf unsere ganz eigene Art und Weise auf Rom zurückgeblickt und es nachgeahmt. Die römische Frage ist bis heute das große politische Rätsel Europas. Es ist das Rätsel von Einheit und Vielfalt. Jede Generation fragt sich, wie Europa am besten funktioniert. Einige sagen: mehr Einheit, mehr Rom – das ist der Tenor von tausend Brüsseler Reden. Nein!, erwidern Andere: Mehr Vielfalt, weniger Rom! Nicht die Nachahmung Roms, so argumentieren sie, sondern das, was der Historiker, Walter Scheidel, die Flucht aus Rom nennt, habe unserem Kontinent seine Dynamik verliehen. In Erweiterung einer alten These, wonach Europas Vielfalt der historische Schlüssel zur Erklärung seines beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwungs ist, argumentiert Scheidel, dass es der poströmische Polyzentrismus war, der Europa im Gegensatz zu zentralisierten Einheit der asiatischen Reiche zum Geburtsort der Moderne machte. Ohne Polyzentrismus keine Moderne. Er wirft jedoch die Frage auf, ob das auch der Fall gewesen wäre, wenn es Rom gar nicht erst gegeben hätte. Ein Rom, von dem man fliehen, von dem man aber auch träumen konnte.
Einheit und Vielfalt sind Europas Yin und Yang, seine These und Antithese, die stetig auf der Suche nach ihrer schwer fassbaren Synthese sind.
Drängt man zu sehr auf Einheit, beginnt die erzwungene Union zu zerfallen. Drängt man zu sehr auf Vielfalt, bekämpfen sich die Europäer am Ende gegenseitig. Irgendwann marschiert dann jemand ein, um das innere Chaos zu beseitigen, wie Fortinbras am Ende von Hamlet – der Fortinbras von morgen könnte ein Chinese sein. Das „heilige, römische Reich“ hielt sich gerade deshalb so lange, weil es eine tiefe, einigende Mystik mit dem kombinierte, was der Historiker, Peter Wilson, einen Rahmen nennt, der lokale und besondere Freiheiten bewahrt und Vielfalt, Autonomie und Unterschiede respektiert. Bei der Aushandlung dieser Unterschiede, so Wilson weiter, hing der Erfolg in der Regel von Kompromissen und Schummeleien ab. Obwohl das Imperium nach Außen Einheit und Harmonie betont, funktionierte es in Wirklichkeit, indem es Meinungsverschiedenheiten und Verstimmungen als ständige Elemente seiner Innenpolitik akzeptierte. Wenn das vertraut klingt, sehe ich das als ein Zeichen der Hoffnung, nicht der Verzweiflung für die Zukunft der heutigen europäischen Union.“
Wie kam es eigentlich zur Europäischen Union?
Timothy Garton Ash ist bekanntlich Brite und somit heute kein EU-Bürger mehr. Aber er bereiste Europa viel und intensiv und das auch in Zeiten des Umbruchs und danach in dessen Osten. Und so führt er aus:
„Bronis?aw Geremek glaubte mit jeder Faser seines Seins an das Projekt, ein besseres Europa aufzubauen. Geremeks Geschichte ist einzigartig, aber die Grundform seines Europäertums ist typisch für mehrere Generationen von Baumeistern Europas, die unseren Kontingent zu dem gemacht haben, was er zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist.
Wenn man sich anschaut, welche Argumente für die europäische Integration in den verschiedenen Ländern von den 1940ern bis zu den 1990er Jahren vorgebracht wurden, scheint jede nationale Geschichte auf den ersten Blick sehr unterschiedlich zu sein. Aber wenn man ein wenig tiefer gräbt, findet man immer denselben Grundgedanken: „Wir waren an einem schlimmen Ort, wir wollen an einem besseren Ort sein. Und dieser bessere Ort heißt Europa.
Die Alpträume, aus denen die europäischen Nationen zu erwachen versuchten, waren vielfältig und unterschiedlich.Für Deutschland war es die Scham und Schande des verbrecherischen Regimes, das Bronings Vater ermordet hatte. Für Frankreich war die Demütigung von N iederlage und Besatzung. Für Großbritannien der wirtschaftliche und politische Niedergang. Für Spanien eine faschistische Diktatur und für Polen eine kommunistische Diktatur. Europa mangelt es nicht an Alpträumen, aber für die Menschen in all diesen Ländern war die Grundform des pro-europäischen Arguments die gleiche. Diese Form war ein langgezogenes, überschwängliches Häkchen: ein steiler Abstieg, eine Kehrtwende und dann eine aufsteigende Linie, die in eine bessere Zukunft führte. – eine Zukunft namens Europa.
Zu den Gründungsvätern der Europäischen Union gehörten Menschen, die man die „14er“ nennen könnten, die sich noch lebhaft an die Schrecken des 1. Weltkriegs erinnerten. Einer dieser 14er war der britische Premierminister Harold Mc Millan, der mit brechender Stimme von der verlorenen Generation seiner Zeitgenossen sprach.
Nach ihnen kamen 39er wie Geremek, unauslöschlich geprägt von den Traumata von Krieg, Gulak, Besatzung und Holocaust. Das gilt genauso auch für die französische Politikerin Simone Veil, die Ausschwitz und Bergen-Belsen überlebte.
Und dann waren da noch die 68er, die sich gegen die kriegsgeschädigte Generation ihrer Eltern auflehnte, von denen einige aber auch die Diktaturen in Süd- und Osteuropa aus erster Hand kannten. Jede Generation hatte ihren langen Schweif.
Die Nach-39er, wie Helmut Kohl z.B., der zu jung war, um im 2. Weltkrieg zu kämpfen, aber dennoch von ihm geprägt war. Und die Nach-68er wie mich.
Nach den 68ern kamen die 89er, die in ihren späten Jugendjahren oder Anfang 20 waren, als sie die samtenen Revolutionen von 1989, die den Kommunismus in Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei beendeten, den Fall der Berliner Mauer und die anschließende Auflösung der Sowjetunion erlebten,
Wir müssen uns natürlich davor hüten, die Nachkriegsgeschichte Europas in ein Märchen zu verwandeln, in dem weise, tugendhafte Helden aus ihren Erfahrungen in der Hölle lernen, und daraus dann den Himmel schaffen. Die wahre Geschichte ist voll von Staaten, die ihre nationalen Interessen verfolgen, von verfallenden Imperien, hinterhältigen Machtspielen mit harten Bandagen kämpfendem Wirtschaftslobbyismus, diplomatischen Kompromissen, persönlichen Ambitionen und nicht zuletzt dem historischen Glück, Fortuna, das laut Machiavelli die halbe Erklärung für die meisten politischen Ereignisse ausmacht. Doch irgendwo dazwischen war, über vier Generationen hinweg, der Erinnerungsmotor am arbeiten, in den Köpfen und Herzen der führenden Politikern, aber auch in jenen von Millionen Europäern. Und so waren wir hoffnungsvoll unterwegs in Richtung dieser besseren Zukunft, die sich Europa nennt.
Die Probleme beginnen, sobald man im gelobten Land angekommen ist. Im zweiten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts hatten wir zum ersten Mal eine Generation von Europäern, die nichts anderes kannte als ein friedliches, freies Europa, das hauptsächlich aus liberalen Demokratien bestand. Kein Wunder, dass ihnen das selbstverständlich erschien. Diejenigen, die im ehemaligen Jugoslawien, oder in Ländern wie der Ukraine, Weißrussland und Russland aufgewachsen sind, bildeten wichtige Ausnahmen.
Diese neue Generation könnte man die Nach-89er nennen, oder, um einen anschaulichen Begriff aus der Zeit nach der Apartheit in Südafrika zu verwenden, die Born frees, die in Freiheit Geborenen.
Erinnerungen an Dinge, die man persönlich gesehen und gehört, genossen oder ertragen hat, sind eine unvergleichlich starke Motivationskraft. Aber die unmittelbare, persönliche Erinnerung ist nicht die einzige Art und Weise, wie das wissen über vergangene Dinge weitergegeben werden kann.
So war beispielsweise der D-Day ein wichtiger Moment für mich, obwohl er elf Jahre vor meiner Geburt stattfand. Eine einzige, persönliche Begegnung mit einem Veteranen oder Überlebenden, kann das ganze Leben verändern. Und dann ist da noch die Arbeit von Historikern, Romanautoren, Journalisten und Filmemachern, die versuchen, die Toten um der Lebenden willen lebendig zu machen.
Der Ausschwitz-Überlebende, Elie Wiesel, nannte diesen Prozess „Erinnerungstransfusion“. Die größte Chance der Zivilisation besteht darin, dass wir aus der Vergangenheit lernen können, ohne sie selbst noch einmal durchleben zu müssen.“
noch verfügbare Erinnerung
Ja: ich weiß noch, wie es im Europa vor Schengen war, meine Eltern haben noch Krieg und Zerstörung am eigenen Leib erlebt – mit unseren „Erbfeinden“. Wer im Geschichtsunterricht nur ein wenig aufgepasst hat, kann ein vereinigtes und in friedlicher Nachbarschaft lebendes Europa wirklich schätzen, in den letzten Jahrhunderten war dies eher die Ausnahme als die Regel! Meinen Kindern, Kindeskindern – und letztlich uns allen wünsche ich, dass wir lernen, ohne die früheren Schrecken selbst nochmals durchleben zu müssen – Sie und wir alle werden genug mit den jetzigen und vermutlich künftigen, uns teilweise – und zum Glück – noch unbekannten Schrecken zu tun haben.
Wissen wir eigentlich auch heute noch, was wir leichtfertig aufs Spiel stellen, oder gar wegwerfen, wenn wir (rechts-)populistisch wählen?
Einfache Lösungen und ihre Konsequenzen
Die einfachen „Lösungen“ scheinen auf dem Vormarsch. Politiker und Parteien, die solche versprechen eilen von Wahlsieg zu Wahlsieg. Sie scheinen immer mächtiger und einflussreicher zu werden – ob in Amerika oder Europa.
Und tatsächlich erscheint die Welt unerträglich kompliziert. Pluralismus des Denkens und Lebens erscheint anstrengend. Einfache Lösungen hingegen erscheinen attraktiv. Wie schön wäre es, in einer übersichtlichen Welt zu leben, wo alle so sind und denken wie ich?
Meinem Geschlecht, meiner Religion, meiner politischen Einstellung angehören?
Meine Einstellungen und Ansichten teilen. Keine anstrengenden Meinungsverschiedenheiten oder gar Streitigkeiten?
100 % für die von mir favorisierte Partei?
Derartige „Führersysteme“, in denen mir eine starke Persönlichkeit die Qual des eigenständigen Denkens, die Verantwortung und somit die Last der Entscheidung abnimmt, gab es in vielen Zeitaltern und Weltregionen.
In einigen Ländern gibt es diese noch immer.
Und in offensichtlich immer mehr Ländern sehnen sich scheinbar immer mehr Menschen danach.
Wäre das Leben in einem derartigen Staat tatsächlich einfach? Vielleicht! Aber auch schön oder interessant?
Mit wem sollte ich diskutieren? An wessen Meinung mich reiben? An wessen Argumenten wachsen? Über wessen Kultur staunen?
Meinungsfreiheit? Presse- und Versammlungsfreiheit: Wollen Orban, Milley, Trump oder Putin eher nicht – zumindest nicht für die anderen!
Pluralismus? Besser nicht!
Offenheit für das Fremde? Gott bewahre! Viel zu anstrengend! Zu kompliziert!
Deutsche Leitkultur will ich! Was auch immer das genau sein soll! Da ich nicht genau weiß, was es sein könnte, sollen andere (starke Personen) das lieber für mich entscheiden!
Denken wir das mal zu Ende:
Alle sehen aus wie ich.
Alle denken und glauben dasselbe wie ich.
Alle wollen und wählen das Identische wie ich
In jener Welt habe ich stets den Eindruck, in einer Welt von Millionen Spiegeln rumzulaufen – überall begegne ich nur mir selbst!
Alles bleibt, wie es ist, das Leben ist leicht, geordnet und alle Probleme lösen Andere für mich. Eigentlich gibt es ja überhaupt keine Probleme.
ALLES ist klar, eindeutig und von Anderen für mich entschieden und gelöst. Die „perfekte Gleichheit“, die „grenzenlose Freiheit“ von Belastungen und Kompliziertheit/Komplexität.
Das Paradies völlig ohne Problem oder Herausforderung? Oder eher die Hölle der gleichförmigen Langeweile?
Will ich in einer derartigen Welt leben? Möchtest Du es?
Und Europa? Oh mein Gott! Die Brexitiers meinten, ohne Europa ginge es uns (Briten) besser – ging offensichtlich nicht ganz auf. Vielleicht nicht radikal genug umgesetzt? Schon stürmt einer, der sich zunächst nach dem Brexit zunächst einen schlanken Fuß machte, die Hitlisten der Wahlprognosen: Nigel Farage.
Auch in anderen europäischen Ländern, ob in den Niederlanden, Italien, oder möglicherweise demnächst Spanien, Portugal, Frankreich und selbst Deutschland, wird von einigem Parteien vom „Europa der Nationen“, von „weniger Europa und mehr nationaler Souveränität geschwafelt, und zunehmend vielen Wählenden scheint dies zu gefallen.
Wissen die, was sie wegwerfen? Warum wählen so viele junge Menschen national bzw. nationalistisch rechts? Geben Timothy G. Ashs oben zitierte Gedanken auch einen Teil der Antwort?
Nun ist bekannt, dass jede Generation wie jeder Mensch seine/ihre eigenen Erfahrungen machen muss, selbst wenn sie schmerzhaft werden.
Aber ist es nicht auch legitim, zur möglichen Schmerzvermeidung auf Gedanken wie die von Timothy G. Ash hinzuweisen?
Ist das „altklug“ oder gar „altersstarrsinnig“? Oder beinhaltet es auch ein wenig „Altersweisheit“ und eine Portion „gesunden Menschenverstandes“?
Es heißt: Geschichte wiederholt sich nicht! Das bleibt sicherlich zu hoffen!
Als wir im Frühling 2024 den Urlaub in Slowenien für den Herbst planen und nach Unterkünften in Ljubljana suchen, stoßen wir auf eine etwas andere Unterkunft;
Das Hostel Celica in Ljubljana hat ein ehemaliges Gefängnis in Hotelzimmer umgebaut, wobei die einzelnen Zellen unterschiedlich eingerichtet sind.
Es liegt nicht weit vom Bahnhof und ist mit (damals) 50-55 €/Nacht inkl. Frühstück durchaus attraktiv. Warum nicht mal etwas anderes ausprobieren?
Gedacht – gebucht. Allerdings kontaktieren wir dann die Unterkunft, da es offensichtlich unterschiedlich eingerichtete „Zellen“ gibt, und bei einigen Stiegen oder Leitern zum Bett zu überwinden wären, was mir behinderungsbedingt schlecht möglich ist. Es wird uns zugesagt, ein Zimmer ohne allzu schwierigen Bettzugang zu reservieren.
Einige Hintergründe zu Ljubljana und Slowenien
Ljubljana ist die Hauptstadt der Republik Slowenien und mit knapp 300.000 Bewohnenden die bevölkerungsreichste Gemeinde des Landes. Auch ist sie Sitz des römisch-katholischen Erzbistums und seit 1919 Universitätsstadt.
Slowenien ist die nördlichste Republik der ehemaligen Republik Jugoslawien und feierte 1991 seine Unabhängigkeit. Bei den Unabhängigkeitskriegen nach dem Tod Marschall Titos im Jahr 1980 war Slowenien im Gegensatz zu seinen südlichen Nachbarn Kroatien und Bosnien-Herzegowina relativ wenig betroffen. Lediglich vom 26. Juni bis 7. Juli 1991 gab es einen militärischen Konflikt nach der Unabhängigkeitserklärung Slowenien vom 25.6.1991. Im September 1989 wurden die ersten demokratischen Wahlen in Slowenien eingeleitet, denen die slowenische kommunistische Partei trotz massiver Drohungen aus Belgrad zugestimmt hatte, so dass sie im April 1990 durchgeführt werden konnten. Am 23. Dezember 1990 fand ein Referendum über die Unabhängigkeit Sloweniens statt, bei dem 88,2 % für die Eigenständigkeit stimmten.
Nach dem erneuten und erfolglosen Versuch eines Konsenses mit der jugoslawischen Staatsführung zur Bildung einer Konföderation lösten sich Slowenien und Kroatien am 25. Juni 1991 aus dem jugoslawischen Staatsverband. 1992 wurde Slowenien international anerkannt. Am 10. Juni 1996 unterzeichnete Slowenien ein Europa-Abkommen mit der EU und reichte gleichzeitig den Beitrittsantrag ein. Die offiziellen Beitrittsverhandlungen starteten im März 1998 und wurden Ende 2002 erfolgreich abgeschlossen. Am 23. März 2003 fand ein weiteres Referendum statt, bei dem sich über 89 % der slowenischen Bevölkerung für den EU-Beitritt aussprachen.
Am 1. Mai 2004 trat Slowenien im Rahmen der sogenannten Osterweiterung mit 9 anderen der EU bei. Anschließend trat das Land auch dem Schengen-Raum bei und führte 2007 den EURO als Währung ein, da es als ersten Land aus dem ehemaligen Ostblock die Konvergenzkriterien für die Eurozone erfüllt hatte.
Bereits 2023 hatten wir die mit etwa 113.000 Bewohnenden zweitgrößte Stadt Sloweniens, Maribor, besucht. Von dort hatten wir Tagesausflüge per Bus nach Ptuj sowie nach Ljubljana unternommen, und den die Idee zum diesjährigen Urlaub gewonnen, da uns Land und Leute sehr gut gefallen hatte.
Hinreise nach Ljubljana: Mit der Bahn – erfolgreich, wenn auch etwas anders als geplant!
Wir hatten frühzeitig die Bahnfahrt von Königswinter nach Ljubljana geplant, wobei wir eine recht gute Verbindung ohne zu viele Umstiege sowie mit genügend Zeitpuffer an den Umsteigebahnhöfen identifiziert hatten, die uns am 27.9.24 von Königswinter zunächst nach Bonn-Beuel, und von dort per IC nach Karlsruhe, weiter mit den ICE nach München, und von dort mit dem Railjet nach Villach (Österreich) und schließlich mit dem D-Zug von dort nach Ljubljana führen sollte. Als Frühbucher kostet mich das Ticket im Super-Sparpreis lediglich knapp 70 € (für mich). Meine Begleiterin kann auf meinem Behinderten-Ausweis mit „B“ kostenlos. Das geht in Deutschland, aber auch in Österreich und Slowenien, wenn man beim Ticketkauf den Behindertenausweis vorzeigt und um ein kostenloses Begleitticket bittet! Für knapp 70 € zu zweit vom Rhein in die Hauptstadt Sloweniens? Dagegen lässt sich doch nichts sagen, oder?
27./28.9.2024
Als die Reise näher rückt, erhalte ich über die Bahn-App die Nachricht, dass es den gebuchten Zug am Reisetag nicht geben wird. Also Alternative suchen, die von Bonn/Siegburg über Frankfurt/Flughafen nach München und wie geplant von dort weiter auch gefunden wird. Aufgrund des von uns nicht beeinflussbaren Zugausfalls ist die Zugbindung aufgehoben, und wir können bei der Verbindung sogar etwas später losfahren und kommen zur selben Zeit an. Also zum Bahnhof geradelt, um die Aufhebung der Zugbindung und vor allem (mit Behindertenausweis kostenlose) Sitzplatzreservierung in der neuen Verbindung zu erhalten.
Es empfiehlt es sich stets, die Verbindung vor Abfahrt nochmals zu checken – und so finde ich noch rechtzeitig raus, dass der Zug aufgrund von Signalstörungen zwischen Köln und Limburg nicht fährt.
Da alles gepackt ist, eilen meine Begleiterin und ich zum Bahnhof von Königswinter, um mit dem RE schon mal bis Koblenz zu fahren – das klappt auch noch. Der für die Weiterfahrt von Koblenz angedachte Zug fällt allerdings auch aus, wie wir unterwegs im Netz erfahren, so dass wir von Koblenz einen Zug zum Frankfurt nehmen. Unterwegs verfolgen wir gespannt die Verbindungsmöglichkeiten, und überlegen zwischenzeitlich in Mainz umzusteigen – oder doch besser in Wiesbaden? In Wiesbaden entschließen wir uns dann kurzentschlossen, in die auf dem Nachbargleis stehende S-Bahn zum Frankfurter Flughafen zu umzusteigen, da laut Bahn-App der ursprüngliche von Bonn/Siegburg angedachte ICE nun doch fährt, und wir ihn in Flughafen erreichen und besteigen könnten.
Das geht alles gut. In Frankfurt Flughafen müssen wir lediglich vom Regionalbahnhof zum Fernbahnhof gehen, und dort dann noch eine gute Weile warten, doch dann – mit erneuter Verspätung – kommt „unser“ Zug, wir steigen ein, und erreichen morgens sehr rechtzeitig München HBF, „als wäre überhaupt nichts geschehen“, quasi wie noch gestern geplant.In München erreichen wir nach einem Morgenkaffee den ganz ursprünglich geplanten Railjet nach Villach.
Danach geht alles gut, lediglich sollten Geh- und Bewegungsbehinderte wie ich bedenken, dass der D-Zug von Villach nach Ljubljana noch über alte (grüne) Wagons verfügt, wie diese früher auch in Deutschland üblich waren. Der Ein- und Ausstieg erfolgt über übereinanderliegende Tritte, was mit einem gelähmten Bein eine gewisse Herausforderung darstellt. Allerdings kennen wir das bereits von Vorjahr, als wir über Ljubljana nach Maribor gefahren waren, und auch damals hatte ich es geschafft. Also frohen Mutes einsteigen und die Fahrt gen Ljubljana frohgemut in Angriff nehmen. An der Grenze gibt es einen etwas längeren Aufenthalt, da die Lok dort gewechselt wird. Im Abteil sitzen wir mit anderen kofferträchtigen Mitreisenden ein wenig eingeklemmt, aber die Fahrt dauert ja lediglich etwa 1 1/2 Stunden.
Als ich in Ljubljana an der zum Ausstieg bereiten und offenen Wagontüre stehe, ist der Abstand zum Bahnsteig schon so, dass ich (wie letztes) Jahr etwas zögere und überlege, wie ich die Tritte und dann den Spalt zum Bahnsteig unfallfrei überwinden kann. Schließlich bitte ich einen kräftigen Herrn um Hilfe, und halb stütze ich mich auf ihn beim Sprung, halb hebt und trägt er mich auf den Bahnsteig. Auch das ist also geschafft, und wir sind im frühen Nachmittag am Zielort. Wo geht es hier nun zum Hostel Celica? Eine Mischung aus Smartphone-Check und Jemanden fragen lässt uns den nicht sehr weiten Weg in leichtem Nieselregen recht gut finden.
Dort werden wir an der Rezeption auch nett empfangen, füllen die Anmeldezettel aus, und bekommen den Schlüssel für unsere „Zelle“ im 1. Obergeschoss, das über eine Treppe erreichbar ist. Das Gemeinschafts-Bad/WC/Duschen (je eines für Männer und eines für Damen) liegen am anderen Ende des Flurs, so dass der Weg nachts bei Bedarf nicht gleich „um die Ecke“ ist, aber dennoch recht gut zu erreichen. Und zu viel Komfort könnte die Gefängnisinsassen ja zu unnötig langem Verweilen verführen konnte.
Unser Zimmer hat hinter der hölzernen Flurtür sowie dem dahinterliegenden metallenen Zellentür (s, Foto oben) einen kleinen Vorraum mit einem Stuhl, einem Schrank rechts und einen Regal links unter dem Fenster. Von dort geht es über einen großen Stein auf eine breite Matratze an deren Ende Lampen angebracht sind. Der Einstieg ins Bett über den Stein ist auch für mich recht gut bewältigbar.
Wir packen aus, erkunden die Bäder und verzehren dann im Erdgeschoss noch eine Pizza mit einem Glas Wein.
Draußen regnet es, und da wir die ganze Nacht unterwegs waren, gehen wir recht früh schlafen, was auf dem Bett recht gut geht.
28.9.2024 – Ljubljana
Nach dem mitgebuchten Frühstück im Erdgeschoss mit einem kleinen Buffet und einer kleinen Schlange am Kaffeeautomaten packen wir für die heutige Stadterkundung. Das Wetter ist heute angenehm und sonnig.
Direkt aus dem Eingang raus nach links ist ein kleiner Platz mit einigen Skulpturen und sonstigen Kunstgegenständen, auch ein kleiner Deal scheint an einem kleinen Tisch vor sich zu gehen, aber das betrifft uns ja nicht wirklich. Im Hostel hatten wir einen Stadtplan erhalten, doch ohnehin gehen wir zunächst einmal „frei Schnauze“ eine größere Straße hinunter bis zum Flussufer, an dem wir rechts abbiegen.
Bereits im Vorjahr während eines Tagesausflugs von Maribor aus waren wir durch die schöne, wenn auch ziemlich touristische Ringstr. unterhalb des Schlosses entlang gelaufen
Okt. 2023: alte Ringstr. unterhalb des Schlossberges – Foto: StH, 2023
Dort hatten wir uns an einem Platz in einem Café mit einem Snack und einem Kaffee gestärkt
Oktober 2023: Die Straßenkreuzung an einem kleinen Café an der Ringstr. unterhalb des Schlossberges. An der Ecke links geht es hoch zum Schloss – Foto: StH, 2023
Nach der Stärkung waren wir zum Schloss aufgestiegen, von wo man einen guten Blick über die Stadt hat.
Oktober 23: Blick vom Schlossberg auf Ljubljana – Foto: StH., 2023
Somit wollen wir heute andere Teile der Stadt erkunden.
Nach einer Weile am baumbestandenen Uferweg entlang geht rechts eine Treppe ab, von wo wir Musik hören. Am oberen Ende des Platzes ist ein kleiner Platz mit einem kleinen Park mit Bänken rechts. Auf dem gepflasterten Platz links ist eine „Kinderolympiade“ aufgebaut, bei der Kinder alle möglichen Sportarten an kleinen aufgebauten und betreuten Ständen ausprobieren können. Von dort kommt die Musik und der Platz ist voller Eltern mit ihren Kindern
An diesem Stand können Kinder einen Eindruck von Hockey erhalten (Foto: StH, 2024)
Offensichtlich ist die Veranstaltung von der EU gesponsert, zumindest sieht man das Logo der EU auf den Hinweistafeln zu dem Sportarten. Die Stimmung ist gut und ausgelassen friedlich. Wir denken: „So schön kann Europa sein!“ Und so lange ist der eiserne Vorhang noch gar nicht gefallen. Aber das kleine Land Slowenien scheint ein stabiles und überzeugtes Mitglied der EU zu sein, das nach unseren Erfahrungen in 2023 und 2024 von einem offenen und sehr freundlichen Volk bewohnt ist.
an anderen Ständen gibt es z.B. Bogenschießen, Skispringen (mit Kunstgrasplatten) oder Kickboxen – Foto: StH. 2024
Wir freuen uns über diese freundliche und friedliche Atmosphäre, die einfach Gemeinschaft und Interesse an Neuem ausstrahlt.
Von diesem Platz aus sieht man auch den Schlossberg, den wir 2023 besucht hatten.
29.9.2024 – Ljubljana (Foto: Stefan Hagelüken)
Nach einer Weile gehen wir weiter, zunächst kreuz und quer durch die Stadt und schließlich zum Stadtpark Tivoli. Auf dem Weg dorthin finden wir ein kleines Café hinter einer Mauer und unter Bäumen, wo wir recht leckeren Kuchen erhalten – es ist ein friedliches Plätzchen.
ein kleines Café in der Nähe des Tivoli-Parkes (Foto: StH, 2024)
Nach der Stärkung gehen wir weiter und passieren auf dem Weg zum Tivoli ein interessantes Haus mit Fassadenbepflanzung
Okt. 24 (Foto: StH)
Im Tivolipark gibt es u.a. eine Allee mit hochausgelösten Naturfotos links und rechts des Fußweges. Diese zeigen etwa Frösche, Insekten oder Pflanzen.
Die Allee im Tivoli mit sehr beeindruckenden (hochauflösenden) Naturfotos (Foto: StH, 2024)
Wir schlendern noch erkundend durch den Park, und sehen u.a. Skulpturen
Wurzelmann im Tivoli (Foto: StH, 2024)
Schließlich reicht es uns für heute und wir verlassen den Park. Wir wollen anders gehen als wir kamen, und so laufen wir leider in die falsche Richtung, die uns nicht wirklich in Richtung Hostel führt, wie wir nach einer Weile feststellen. Wir orientieren uns mithilfe unserer Smartphones, und so müssen wir einen großen Bogen nehmen, bevor wir endlich recht geschafft beim Hostel anlangen. Aber es war ein schöner Tag voller interessanter Eindrücke.
30.9.2024: Lbjubljana
Nach dem Frühstück im Hotel genießen wir erneut einen schönen Herbsttag im Tivoli-Park, in dem wir heute andere Teile erkunden und uns im Café am Seerosenteich stärken.
von der Terrasse des Cafés sehen wir den Teich, den ein Boot die Seerosenblätter befreit (Foto: StH, 2024)
Auch Spatzen freuen sich an den Krumen, die an den diversen Tischen herunterfallen
Die Spatzen – ne nicht vom Wallraffplatz 😉 (Foto: StH, 2024)
Vom Tivoli-Park aus sieht man auch ein paar recht herrschaftliche Häuser.
Foto: StH (September 2024)
Weiter im Hintergrund sieht man ein Haus mit einem interessanten Kubus auf dem Dach und dahinter das Schloss.
Das Schloss in Ljubljana vom Tivoli-Park aus (Foto: StH, 2024)
Auf dem Rückweg zum Hostel erkunden wir noch, von wo wir am folgenden Tag mit einem Kleinbus mit OMIO nach Izola, einem Ort auf einer Halbinsel an der Adria Sloweniens kommen. Die Tickets hatten wir bereits in Deutschland im Internet gekauft. Dieser etwa 1,5 stündige Transfer bis ins Zentrum von Izola ist sehr bequem und kostet uns in 2024 für die 1. Person 64 EURO, für die 2. Person dann die Hälfte, also 32 €. Vermutlich würden weitere Passagiere noch preiswertet mitfahren können.
1.10.2025: Transfer von Ljubljana nach Izola
Gegen Mittag geht unser Kleinbus von der GoOpti-Haltestelle, die hinter dem Busbahnhof ein wenig weiter in Richtung Tivoli-Park liegt nach Izola. An der Haltestelle stehen weitere Passagiere, die an unterschiedliche Orte möchten und nach und nach abgeholt werden. Dann kommt pünktlich der Kleinbus nach Izola, der erstaunlicherweise nur für uns bestimmt ist – es ist quasi ein Taxi mit eigenem Fahrer. Die Fahrt verläuft angenehm durch die hügelige und teilweise bewaldete Landschaft Sloweniens. Im Westen sieht man auch bisweilen die Ausläufer der slowenischen Alpen. Kurz vor Izola kommen wir an der Stadt Koper vorbei, von der aus wir mit Flixbus einige Tage später zurück nach Graz fahren werden. Koper ist mit etwa 54.000 Bewohnenden die viertgrößte Stadt Sloweniens, liegt am Meer und hat den einzigen Seehafen des Landes, den wir einige Tage später besuchen.
Im Hafen von Koper – Foto: StH, 2024
Man beachte die Größenverhältnisse! Unterhalb des „C“ hat ein Boot festgemacht, das vermutlich die Lotsen an Bord gebracht hat.
Aber zunächst fahren wir weiter nach Izola, wo wir für ein paar Tage ein Appartement gebucht haben. Dort werden wir in der Nähe eines Platzes an der Marina herausgelassen. An diesem Platz liegt auch die Touristeninformation, wo ich einen Stadtplan und einige Informationen erhalte. Auch eine öffentliche Toilette befindet sich in der Nähe. Und eine Post und die Bushaltestelle nach Koper liegt jenseits des Verkehrskreisel. Von diesem Kreisel aus in Richtung Altstadt findet mehrmals wöchentlich ein Wochenmarkt mit Obst und Gemüse statt, an dem wir uns am folgenden Tag recht preiswert mit diesen Lebensmitteln eindecken.
Wir trinken noch einen Kaffee und suchen dann unser Appartement. Bei dem vielleicht 1 km weiten Fußweg begegnet uns mehrfach ein Auto mit Kamera auf dem Dach, das offensichtlich die Straßen für Streetview aufnimmt. Ob auch wir seitdem bei Streetview zu Izola zu sehen sind, wissen wir nicht, aber wir sahen diesen Wagen wenigstens dreimal.
Einmal fragen wir unterwegs nach dem Weg, und erleben die Bevölkerung erneut als freundlich zugewandt und auskunftsfreudig. Slowenien ist ein kleines, recht entspanntes Land mit einigen Sehenswürdigkeiten, die – wie etwa die wohl sehr reizvollen slowenischen Alpen oder die Postanje Cave (eine wohl sehr große und beeindruckende Tropfsteinhöhle), Diese Sehenswürdigkeiten scheinen für mich als Gehbehindertem eher unzugänglich. Allerdings sehe ich nun im Internet, es gebe eine unterirdische Bahn in Postanje Cave und die Höhle sei familienfreundlich und barrierefrei. Da ich Derartiges nicht vermutete, haben wie sie auch nicht besucht. Selbst schuld, wenn man zu blöd oder zu faul zum rechtzeitigen Recherchieren ist! Nun gut: „Heute ist nicht aller Tage – ich komm (vielleicht) wieder, keine Frage!“. Genau Paulchen!
Festzuhalten bleibt in jedem Fall, dass Slowenien unserer Meinung nach einen Besuch wert ist, und sicher weniger überlaufen und vermutlich auch (noch) preiswerter als das benachbarte Kroatien. Zuzugeben ist allerdings, dass Slowenien nur einen sehr kleinen Küstenstreifen besitzt, und zum Strandurlaub sicher Kroatien tatsächlich die bessere Wahl ist. Andererseits kann man von Italien, etwa von Triest aus, auch mit dem Bus nach Slowenien fahren.
1.-5.10.25: Izola sowie Ausflug nach Koper
Nachdem wir uns im Appartement eingerichtet haben, gehen wir an der Marina entlang zurück zum Platz, wohin uns der Kleinbus gebracht hatte, und von dort weiter in die Altstadt
Die Altstadt von Izola (Foto: StH, 2024)
In einem kleinen Laden kaufen wir das Nötigste für die kommenden Tage wie Kaffee, Milch, Saft, etwas Brot und gehen dann sehr lecker in der Nähe des Marktes essen. In dieser Taverne sitzen an einem langen Tisch einige Einheimische, vielleicht lokale Fischer. Wir nehmen Platz und werden sehr freundlich bedient. Die Bedienung spricht auch Englisch, was die Kommunikation natürlich erleichtert. Wir bestellen auch eine Flasche lokalen Weißwein, der ausgesprochen lecker mit einer recht fruchtigen Note ist.
Ein lokaler Weißwein – recht lecker (Foto: StH, 2024)
Da Izola ja nur 2 Buchten von Italien entfernt liegt, und das Meer in Zeiten des „eisernen Vorhangs“ vermutlich kein wirkliches Hindernis war, frage ich die Bedienung nach jener Zeit. Ja, sie waren relativ gut mit Italien verbunden, fuhren bisweilen hin und handelten mit der Region um Triest. Ohnehin war der „eiserne Vorhang“ ja zwischen Westeuropa und Jugoslawien nicht so dicht wie zu anderen Ländern des ehemaligen Ostblocks – und zu Slowenien, das lange zum Einflussbereich Veneziens gehört hatte, wohl noch weniger.
Gesättigt gehen wir zurück zur Unterkunft und schlafen recht gut, wenn auch in der Nähe wohl eine Party stattfindet, von der recht lange laute Musik zu hören ist. Nun ja – dann merkt man zumindest, dass es (noch?) Leben gibt 😉
Am nächsten Tag erkunden wir weiter die Stadt, die nicht sonderlich groß ist. Es gibt eine kleine Kirche in der Nähe des Marktes, für die man den Schlüssel in einer Taverne gegenüber erhält, wie ich in der Touristeninformation erfahren hatte.
Der Innenraum der Kirche der Hl. Maria von Alieto – vermutlich aus dem 11. Jahrhundert, Foto: StH. 2024
Von dort gehen wir durch kleine Gassen über Treppen mit langgezogenen Stufen auf den Hügel, auf dem sich eine weitere Kirche befindet.
Kirche des Hl. Mauro: ursprünglich 1356 gebaut und im 16. Jhd. umfassend erneuert (Foto: StH, 2024)
Von diesem Hügel, der höchsten Erhebung von Izola gehen wir durch ein parkähnliches Gelände runter zur Küste, an der es auch ein paar Strandcafés und eine kleine Ecke Kiesstrand gibt. An der Küste entlang landen wir dann wieder in der Altstadt am Markt.
Das Meer unterhalb der Kirche des hl. Mauro, (Foto: StH, 2024)
Eine Gasse in der Innenstadt von Izola (Foto: StH, 2024)
Durch die Altstadt und an der Marina vorbei gelangen wir wieder zum Appartment.
Den folgende Tag verbringen wir „in-door“, da es den ganzen Tag ziemlich stark regnet, aber derart können wir uns gut ausruhen.
Am 4.10.24 fahren wir von dem kleinen Platz an der Marina, an dem auch die Touristeninformation und die Post liegen, mit dem Bus nach Koper, das vielleicht 10 km von Izola entfernt ist Aber Vorsicht: es gibt zwei Buslinien, und wir wählen die falsche, die uns nicht ins Zentrum von Koper, sondern zu einem Bushof ein wenig außerhalb bringt. Das ist letztlich nicht wirklich schlimm, aber eben ein wenig zu laufen.
In Koper geht es durch ein Tor und über einen dahinterliegenden Platz in die Stadt, dann gerade aus durch eine Straße oder halb rechts eine Treppe aufwärts mit langgezogenen Stufen zum zentralen Platz in der Innenstadt.
Der Hauptplatz in Koper (Foto: StH, 2024)
An diesem Hauptplatz liegt auch die Kathedrale, und übrigens auch ein kleiner Supermarkt.
Der Kathedrale am zentralen, hochgelegenen „Haupt-Platz“ von Koper – eine Mischung aus Gotik, Renaissance und Barock, der Glockenturm ist 54 m hoch (Foto: StH, 2024)
Von Hauptplatz gehen wir auf der anderen Seite weiter zur Küste hinunter, wo sich uns ein interessantes Farbenspiel am Meer zwischen Wasser und Himmel bietet
Foto: StH (Okt. 2024)
Am Platz wo der in die Stadt fahrende Bus aus Izola hält, befindet sich auch eine Bäckerei mit sehr leckeren Pistaziencroissantes – sehr zu empfehlen! Bislang haben wie Croissantes mit Pistazien noch nirgendwo anders gesehen. Warum eigentlich? Schoko-croissants gibt es doch auch.
Von diesem Platz vor dem Eingangstor nach Koper hinein befindet sich auch die Haltestelle des Flixbus, mit dem wir am folgenden Tag nach Graz fahren werden.
5.10.25; Transfer von Izola nach Graz
Also gehen wir nach dem Frühstück vom Appartement zum kleinen Platz nahe der Marina, wo wir vor einigen Tagen auch angekommen waren. Dieses Mal nehmen wir den richtigen Bus und gelangen somit zum Stadteingang von Koper. Wir haben noch einige Zeit, schlendern etwas herum, genießen weitere Pistaziencroissants. So ganz kann man nicht herausfinden, von welcher Seite der Straße vor dem Tor am Eingang von Koper der Flixbus nach Graz abfährt,. Wir sollten halt schauen, sagt man uns. Irgendwann sehen wir einen Flixbus auf der Straßenseite, die vom Stadttor und quasi stadtauswärts führt. Wir entschließen uns, mal zu sehen, wohin der fährt, und tatsächlich ist es unser Bus. Das Gepäck wird verladen und wir steigen ein. Kurz danach fährt der Bus los – scheinbar hat er nur noch auf uns gewartet. Dieser Bus fährt auch über Ljubljana, so dass wir auch diese Stadt nochmals durchqueren. An der Grenze zu Österreich wird ein Passagier von den Zöllnern eingesammelt. Vom Aussehen könnte es ein Afghane, Iraker oder Syrer gewesen sein. Die EU wird halt immer mehr zur „Festung“ und „irreguläre Migration“ soll unterbunden werden. So dauert der Grenzübertritt insgesamt etwas länger als geplant, aber im frühen Abend vielleicht drei bis vier Stunden nach der Abfahrt in Koper erreichen wir die Flixhaltestelle am südlichen Rand von Graz. Klar haben Züge den Vorteil, dass die Bahnhöfe meist bereits im Zentrum sind, und wir müssen nun erst einmal erkunden, wie wir in die Stadt und zu unserer Unterkunft kommen. Wir sehen aber eine Stadtbushaltestelle und fragen einen Busfahrer, der dort hält, wie wir dahin kommen, wo unsere Unterkunft ist. Mit einmal in eine Straßenbahn umsteigen gelingt uns das dann recht unkompliziert.
Es fing an, wie Bahnreisen derzeit häufig laufen; Bereits im Mai hatte ich zum Sparpreis, also mit Zugbindung, meine Hin- und Rückreise von Königswinter nach Malente gekauft.
Eingestellt am 7.11.25, erweitert am 13.7.
Zugbindung? Was schätzt Ihr?
Was soll ich Euch sagen – die Zugbindung musste ich NICHT einhalten 😉
Bereits einige Tage zuvor hatte ich realisiert, dass am geplanten Tag der Hinreise, dem 5.7., aber auch noch bei der Rückreise am 11.7. zwischen Königswinter und Köln rein gar nichts ging. Die Hinfahrt führte mich über Bonn HBF zum Kölner HBF, die Rückreise scheint noch komplizierter zu werden, aber ich bin jetzt erst einmal hier beim Seminar im Bildungsurlaub zu „Deutschland, Europa und die Zukunft unserer Demokratie. Bin sehr gespannt, was mich ab morgen und bis inklusive Freitag erwartet
Aber zunächst zur Hinreise
Los ging es um 8.15 h von der Clemens-August-Str. in Königswinter mit der 66 statt vom Bahnhof in Königswinter um 09.08 h. Also zumindest etwa eine Stunde längere Reisezeit, aber da nicht „Verspätung“, ergibt sich daraus keine Fahrpreiserstattung.
Ein Tipp aber dennoch:
Sollten Sie aufgrund eines Zugausfalles (etwa nachts) nicht öffentlich zum Bahnhof kommen, behalten Sie die Taxiquittung, da sie diese mit entsprechender Begründung im Zuge der Fahrpreiserstattung geltend machen können. Allerdings darf es dann tatsächlich keine ÖPNV-Alternative gegeben haben.
Nach Köln und weiter …
Die 66 kam pünktlich, was auch nicht garantiert ist – Eingeweihte kennen den interessanten Countdown: Die Bahn kommt in „5-4-3-2-5-4-3-…“Minuten – oh sorry: Die Bahn fällt aus“, oder „Stau“. Aber heute klappt es und ich erreiche problemlos Bonn HBF. Dort habe ich genug Zeit vom U-Bahn-Bahnhof „tief“ zu Gleis 1 zu kommen, und auch die Weiterfahrt zum Kölner HBF klappt problemlos. Dort habe ich noch etwas Zeit und setze mich ans Gleis, wo ich die Wagenreihung des ICEs nach Hamburg checke, um den mit meinen reservierten Sitzplatz zu identifizieren und ungefähr richtig bei Zugankunft zu stehen. Heute ist es für mich Wagen 2, und an B stehe ich recht gut. Kurz bevor der Zug dann kommt, frage ich einen Mitreisenden, ob er mir mit meinem Koffer beim Einsteigen helfen kann. Wir scherzen noch über plötzlich geänderte Wagenreihung, was im tatsächlichen Fall eher kein Scherz, sondern ein Grund zum schweißtreibenden Rennen zum anderen Ende des Bahnsteigs sein kann. Aber heute ist alles gut, und wir stehen ziemlich optimal. Der nette Herr antwortet ein „kriegen wir hin!“, und fragt mich auch noch nach meiner Sitzplatznummer. Er trägt dann meinen Koffer durch fast den gesamten Wagen – in der Mitte ist ein Gepäckfach, und zunächst stellen wir (er) meinen Rollkoffer dort ab. Doch dann sehe ich, dass direkt hinter meinem gebuchten Sitzplatz ein weiteres Gepäckfach steht. Also gehe ich zurück, und will meinen Rollkoffer holen, doch lässt es sich mein freundlicher Helfer nicht nehmen, meinen Rollkoffer höchstpersönlich erneut durch den Wagon zu tragen. Dann sitze ich – den Rollkoffer direkt hinter mir und wir fahren gen Hamburg.
Am HH-HBF gehe ich zur Ausgangstür, wo ich mit einer Soldatin und zwei anderen Frauen stehe. Die Soldatin frage ich, ob sie aussteigt. – „Ja“ – „Können Sie mr beim Ausstieg mit meinen Koffer helfen?“ – „“Klar!“ – Da meldet sich die direkt an der Tür stehende Dame: „Ich nehme ihn mit raus!“ – Die Soldatin: „Ich mache das – Sie haben doch selbst einen Koffer.“ – Darauf die dritte Dame: „Ich kann Ihnen auch helfen.“ Jetzt sind es drei:-)
Die Dame an der Tür nimmt meinen Koffer und hebt ihn hoch – „Na, sind ja keine Backsteine drin!“ – „Ne“, sage ich, „nur Goldbarren“. Jetzt mischt sich die 3. Dame wieder ein: „Dann nehme ich ihn!!!“.
Nun gut, der Zug hält, wir steigen alle aus und wünschen uns gute Reise. Im PKW hätte ich diese Art von kleinen, netten Begegnungen nicht – und zwar kennt auch die Bahn entgegen eines Werbespruches sehr wohl „Stau“ – aber die Autofahrenden natürlich auch – und viele sitzen dann einsam in ihrer Blechkarosse und können nicht mal mit anderen Reisenden mosern stänkern und lästern. Sind Autofahrende also nicht bedauernswerte Kreaturen – angeblich und subjektiv mit mehr „Freiheit“? Klar: „weitgehend frei von kurzen belebend schönen Begegnungen mit Mitreisenden – außer „Stoßstange an Stoßstange“!
Ok, ganz pünktlich kommen wir dort nicht an, aber bei einer geplanten Umstiegszeit von 20 Minuten ist auch deren Halbierung kein Problem, und so stehe ich rechtzeitig an Gleis des Zuges nach Lübeck
Lübeck Bahnhof (Foto: StH)
Und dann treffe ich Spiderman
Direkt am von mir gewählten Eingang gibt es eine 4er-Gruppe, in der ein Vater mit seinem Sohn sitzen. Ob ein Platz frei sei, frage ich den Vater. Ja, setzen Sie sich. Ich sitze am Gang, neben mir der Sohn, uns gegenüber der Vater. Plötzlich sitzt der Sohn neben dem Vater und letzterer bedeutet mir, dann könne ich meinen Rucksack auf den Sitz neben mit legen.
Dann fängt der Vater (könnte Syrer der Gruppe von 2015 sein) an „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ mit seinen Sohn an. Erst „blau“, doch der Sohn sagt: „Ne – rot!“ – „Gut, also rot“. Auf jeden Fall kommt der Aufdruck auf des Jungen T-Shirts raus – und das ist ein blau-roter Spiderman. Die beiden sprechen in fehlerfreiem Deutsch miteinander und es ist schön, ihren neckenden Umgang miteinander – etwa die Rechenaufgaben, die der Vater ihm stellt – zu beobachten. In Ahrensburg steigen sie aus – und wir verabschieden uns freundlich voneinander. Die beiden repräsentieren sicherlich eine gelungene Integration – ich will nicht wissen, was der Vater auf seinem Weg nach Deutschland (und zuvor) erlebt haben mag. Besser gesagt; es würde mich schon interessieren, aber es ist nicht das Setting für ein derartiges Gespräch und so frage ich auch nicht.
Aber ich freue mich über diese freundlich-offene Begegnung und das unser Land den Beiden eine (hoffentlich sichere) Heimat geben kann.
Übergang zu SEV
Wir kommen mit so viel Verspätung (etwa 15 Minuten) in Lübeck an, so dass mein geplanter SEV nicht zu erreichen ist.
So hatte der Nachwuchs-Spiderman zwar nicht die Verspätung verhindert, damit ich den Anschluss erreiche, aber immerhin meine Laune gerettet und weiter aufgehellt – zusammen mit seinem Vater.
Und man darf Spiderman mit seinen Superkräften ja auch nicht überfordern. Für die Pünktlichkeit der Bahn braucht es nach Jahrzehnten der Vernachlässigung, um sie zunächst „börsentauglich“ zu machen und dann ihr gegenüber anderen Prioritäten die Flügel zu stutzen, bzw. die Räder zu entölen, also die erforderlichen Mittel zu streichen, mehr als die Begleitung für vielleicht 20 Minuten und all dem guten Willen eines freundlichen Spiderboys!
Das ist zwar überaus schade, aber der Lauf der Dinge im real extistierenden Bahn-Sparianismus seit Herrn Mehdorn im Auftrag des viertletzten Bundeskanzlers, also jenes Kurfürsten aus der Pfalz, der seinen (Vor-)Namensvetter abgelöst hatte und den „Spar-(stab) an jenen Kanzleramtstor-gerüttelt habenden Niedersachsen übergab, dessen Vorname zumindest alphabetisch ein Rückschritt war. Über den Rest seines Vermächtnisses wie auch das dessen mit den „jüdischen Vermächtnissen“ mag man trefflich streiten – was weder hier noch meine Aufgabe ist …
Zwar mögen seitdem die Zahl der Gleise nicht sonderlich viel mehr geworden sein, aber der Parteien im bundesrepublikanischen Alltag und Parlament auf jeden Fall, und der ungelösten Probleme vielleicht auch – selbst wenn einige Gruppierungen politischer Akteure deren Existenz hartnäckig zu leugnen belieben.
Also muss ich den Abfahrtsort für den SEV finden, was nach einigem Fragen auch gelingt. Am Bus des SEV gibt es vielfaches Befragen des dann ankommenden Buses und einige Verwirrung bei Fahrer und Reisenden. Schließlich jedoch werden alle Klarheiten beseitigt, und ich sitze im Bus, der in Eutin, aber auch in Malente hält.
Mit dem SEV-Bus geht es bis zum Bahnhof in Malente. Dort suche ich den Bus 3 zur Holebystr., von wo aus es dann noch gut 700 m bis zu meinem Ziel, der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte, sein soll.
Ich finde sie und setze mich gerade auf eine Bank, als ein PKW hält und ich durch das offene Fenster gefragt werde, wo in Malente ich denn hin wolle. Zwar hatten meine Eltern mir für etlichen Jahrzehnten immer gesagt, ich solle mich nicht von fremden Menschen ansprechen lassen , aber erstens ist es ein älteres Ehepaar, und sie haben, wie ich glaube, im SEV-Bus hinter mir gesessen.
Und so erhalte ich auf meine wahrheitsgemäße Auskunft ein: „Wir bringen Sie hin!“. Also hilft mir der Herr, mein Gepäck in den Kofferraum zu verstauen und dann im Auto Platz zu nehmen.
Und zu guter Letzt ein unerwartetes „Privattaxi“
Das Ehepaar, das aus Malente kommt, und gerade aus Magdeburg vom Besuch einer Freundin der Dame kommen, fragen, welches Seminar es denn gebe? Ich antworte „Deutschland, Europa und die Zukunft unserer Demokratie“ Kurz versichern wir uns gegenseitig, dass wir die derzeitigen Entwicklungen in der Welt als echt schrecklich und eine ziemliche Katastrophen empfinden , und schon sind wir da und ich habe mir eine Wartezeit von gut 40 Minuten in Malente sowie gut 700 m laufen erspart.
Und so geht meine, ein wenig abenteuerliche Reise nach einigen wirklich netten Begegnungen mit freundlichen und hilfsbereiten Händen, bzw. den ihre Handlungen steuernden Köpfen nach etwa 9 Stunden glücklich, wenn auch etwas erschöpft, zu Ende.
Ende gut, alles gut! – Und der Weg war das Ziel!
Nun bin ich gespannt auf eine (hoffentlich) spannende Woche zur Bildung und mit Gesprächen zu und über Demokratie und unser aller Zukunft.
Der Kellersee von der Gelände der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte aus – Foto: StH, 2025
Gemeinsam in Europa und Jeder Einzelne!
Das Bildungsseminar „Deutschland, Europa und die Zukunft unserer Demokratie“ fand vom 7.-11.7.25 in der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte in Malente unter sehr kompetenter Leitung von Joachim Bussiek in einer Gruppe von 19 Teilnehmenden statt. Die Inhalte und Diskussionen hier weitergeben zu wollen, würde zu weit führen. Inhalte waren unter anderem die Krisen der letzten Dekaden als Polykrisen, die Demokratieentwicklung in Deutschland, ein Überblick über bundesdeutsche Institutionen sowie die Schutzmechanismen unserer Verfassung, der Einfluss sozialer Medien, sowie die EU und ihre Chancen und Herausforderungen. Ich und die anderen Teilnehmenden empfanden die Inhalte und Diskussionen in einer wirklich interessanten Seminargruppe als hilfreich und anregend. Ich kann die Teilnahme an diesem Seminar nur empfehlen.
Vielleicht kann man das Seminar zusammenfassen durch zwei Grundaussagen:
Gemeinsam (in Europa!) sind wir und unsere Demokratie stark – es wäre gut, wenn wir alle uns dessen wieder bewusster würden und die Ergebnisse und Erkenntnisse der letzten 80 Jahre nicht auf’s Spiel setzen würden. Andernfalls merken wir was wir verloren haben, wenn wir es verloren haben. Aber das wäre dann ein echter und großer Verlust
Die Demokratie benötigt jeden von uns. Und der Einsatz Jedes und Jeder für unsere Demokratie und gegen alle Interressen geleiteten Missgünstigen im Innern und von Außen lohnt sich!
Am Freitag, den 11.7.25 kam es dann zur Heimreise – und auch diese verlief nicht völlig ohne Überraschungen, von denen ich eine hier schildern möchte, da sie wirklich überaus überraschend war. Dass es so etwas gibt!
Die Strecke von Köln nach Königswinter war lediglich bis Troisdorf per Zug fahrbar. In Troisdorf war in den Schienen-Ersatz-Verkehr (SEV) zu bewältigen. Offensichtlich gab es mehrere unterschiedliche Unternehmen, die diesen Service für die Passagiere zwischen Troisdorf und Bad Honnef durchführten. Der Bus, den ich bestieg, fuhr dann geleitet durch eine Navi-App die eigentlich auf der Strecke liegenden Bahnhöfe an, also zunächst Friedrichs-Wilhelmshütte und fuhr von dort weiter gen Menden.
Und dann kam es zur Überraschung. An der Kreuzung , wo der Bus eigentlich rechts zum Bahnhof Menden unter einer Brücke hätte abbiegen sollen, stoppte der Fahrer und meinte, sein Bus passe nicht unter der 3,1 m hohen Brücke durch. Er telefonierte ratsuchend und fuhr schließlich ein Stück zurück, um direkt nach Bonn-Beuel abzubiegen. Andere Busse hatten wohl auch Menden angefahren, aber für seine Art Bus war die Brücke einfach zu niedrig. Dass es so etwas auch gibt! Schon erstaunlich!
Zumindest danach ging es problemlos weiter und zu „guter Letzt“ kam ich dann mit einiger Verspätung doch in Königswinter am Bahnhof an und von dort zu Fuß dann auch in meiner Wohnung.