alle Fotos von Ingrid Ficht-Masel (IFM) und Stefan Hagelüken (StH)
Um dem Entzug rechtzeitig entgegenzuwirken, planten wir Anfang Juli, die bereits vor einiger Zeit geplante Erkundung des Rüdesheim gegenüberliegenden Rheinufers konkret in Angriff zu nehmen.
Bingen sollte das Ziel sein, um von dort zum Drachenfels zurückzukehren. Bingen mit seinen gut 25.000 Bewohnenden ist laut Wikipedia bekannt durch den1516 erstmals erwähnten „Mäuseturm“, in dem angeblich der Mainzer Erzbischof Hatto von Mäusen gefressen und der zusammen mit der rechtsrheinisch gelegenen Burg Ehrenfels als Zollwarte seit Beginn des 14. Jahrhunderts zur Erhebung des Rheinzolls diente wurde sowie Hildegard von Bingen. Die Stadt liegt an der Nahemündung und südöstlich des Rheinknies gegenüber des Niederwaldes und des hessischen Rüdesheim, den wir im Juni 24 besucht hatten. Die Gemeinde Bingen besteht aus 8 Stadtteilen mit insgesamt gut 27.500 Bewohnenden, wobei auf Bingen-Stadt etwa 8.500 Bewohnende entfallen.
Der nun gefasste Plan umfasste die Mitnahme unserer Räder per Zug nach Bingen und die radelnde Rückkehr zur Heimstatt am Fuße des Drachensitzes.
Im ersten Schritt galt es also, die Möglichkeit des Zug- und Ausstiegs in die Bahn zwischen Königswinter und Bingen unter Mitnahme der Drahtesel zu erkunden. Und ja, die Strecke zwischen Troisdorf bis Wiesbaden, also jene Bahnstrecke auf unserer sonnenbeschienenen und „scheel Sick“ ist seit Anfang Juli bis voraussichtlich Ende 2026 komplett gesperrt. Umfangreiche Sanierungen inklusive „Beaufzugung“ der Bahnhöfe, Gleiserneuerung und Digitalisierung sollen durchgeführt werden . Ok, auch 2025 war ein Teil der Strecke bereits mehrere Monate vollgesperrt, doch wer erwartet heutzutage noch die Erledigung aller sinnvollen Erneuerungsarbeiten in einem Aufwand und während nur weniger Monate. Also Einstieg in Königswinter und Reise von hier über Koblenz hatte sich jedenfalls erübrigt, aber zum Glück gibt es ja noch den Schienenweg auf der linken Rheinseite, also von Bonn gen Süden. Und wenn wir in Oberwinter oder Remagen und nach 9.00 Uhr zusteigen, brauchen wir in Rheinland-Pfalz auch keine Fahrradtickets zu lösen.
Dieser Teil der Planung war also zumindest erfolgversprechend geplant.
Nun die Frage, ob wir in Bingen mit den Rädern vom Gleis kommen können, da wir nicht den gesamten Trip auf dem Bahnsteig verbringen wollten. Die diesbezügliche Recherche im Internet ergab, dass es eigentlich auf dem Gleis, wo wir ankämen, längst einen Aufzug geben sollte, dies aber von uns nicht unbedingt problemlos bestätigt werden konnte. Aber in Bacharach, nur 16 km vor Bingen, sollte es zuverlässig Aufzüge geben. Und so fiel die Unterkunftswahl für zwei Nächte auf Bacharach, von wo aus wir einen Tagestrip nach Bingen unternehmen könnten.
Laut Wikipedia liegt diese Stadt mit gut 1.500 Bewohnenden Stadt des UNESCO-Wektkulturerbes im Oberen Mittelrheintal am nördlichen Zipfel des Landkreises Mainz-Bingen. Der ursprüngliche Name Baccacarus deute nicht etwa auf den Gott des Weines, sondern einen keltischen Ursprung hin, obwohl in dieser Kulturlandschaft selbstredend auch dem Weinbau gehuldigt wird – dem Konsum natürlich ebenso.
In der ältesten Erwähnung vom Beginn des 11. Jahrhunderts vereinnahmte der Kölner Bischof Künibert dieses zuvor königliche Gebiet. Dann heiratete die Tochter eines Staufers heimlich auf der nahegelegenen Burg „Stahleck“ einen Sohn der verfeindeten Welfen, wodurch die Pfalzgrafschaft für kurze Zeit an das Welfenhaus in Braunschweig fiel, bevor 1214 die Wittelsbacher (also eines der ältesteb deutschen Adelgeschlechter mit Familienzweigen in Bayern ebenso wie am Rhein, Pfalzgrafen die neuen Herren Bacharachs wurden.
Im 16. Jahrhundert wurde die Pfalz protestantisch, doch konnten Burg Stahleck und die Stadtmauer nicht verhindert, dass Bacharach im Dreizigjährigen Krieg , beginnend mit der spanischen Besetzung 1620, die bis 1632 dauerte, achtmal die Besatzung und somit die vorherrschende Religion wechselte und mehrfach geplündert wurde, wobei auch mehrere Stadtbrände für Zerstörung sorgten. Die Burg Stahleck und vier Türme der Stadtmauer wurden schließlich 1688 im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch französiche Truppen gesprengt.
Nach weiteren Zugehörigkeiten zu französischen „Départment Rhin-et-Moselle“ und Preußen verfiel Bacharach in einen „Dornröschenschlaf“, bevor es im Zuge der „Rheinromantik“ um und ab 1800 durch Clemens Bretano, Lord Byron in England und Victor Hugo auch und vor allem touristisch wieder erweckt wurde.
Die Einwohnerzahl war offensichtlich mit gut 3.000 Bewohnenden 1961 am höchsten und fiel bis 2024 wieder auf gut die Hälfte ab.
Von dort planten wir dann die etwa 120 km weite Rückfahrt nach Königswinter in zwei Tagesetappen per Rad. Folglich buchten wir auch in Koblenz noch eine Nacht.
Am Sonntag, den 26.7.26 packten wir – dieses Mal erheblich zurückhaltender als für unsere vierwöchige Tour bis Glücksburg – geplant ist ja auch lediglich eine viertägige Tour.
2026-07-27 (1. Tag): Königswinter-Bacharach – 64 gefahrene km
Nachts und morgens hatte es noch etwas geregnet, doch sollte es die kommenden Tage nicht regnen, allerdings am Donnerstag (30.7.) mit bis zu 34 Grad wieder recht warm werden. Für den Tag haben wir die Rückfahrt von Koblenz nach Königswinter geplant – mal sehen, aber diesen Teil der Strecke kennen wir ja und sie verläuft zumindest teilweise im Schatten.
Ok: Planung ist eines, die DB-Realität eine andere:
Zunächst radeln wir gegen 9.15 Uhr los, und kommen am Drachenfels vor Gewitterwelten vorbei

das sieht ordentlich nach Regen aus
es fallen auch ein paar Regentropfen, aber nichts heftiges. Hinter Bad Honnef nehmen wir dann die Fähre nach Rolandseck. Auf der Fähre treffen wir zwei Damen aus Eckernförde, die allerdings teilweise mit dem Zug gekommen sind, und nun die Mosel hinauf bis Trier radeln möchten.
Wir selbst radeln zum Bahnhof in Oberwinter, wo man nun – seit ein paar Jahren auf Rampen zum Bahnsteig kommt. Auf dem Bahnsteig müssen wir etwa 1/2 Stunde warten, und der RB26 (nach Mainz) hat natürlich noch etwa 10 Minuten Verspätung, doch dann kommt er, und wir steigen mit unseren Rädern ein, wenn es auch bereits rechts voll ist

wir müssen uns mit unseren Rädern in den Eingangsbereich einer Tür stellen
Der RB26 hat nur kleine Radregionen und die teilweise auch noch an den Toiletten.
Doch dann kommt die Durchsage, dass der Zug in Remagen geteilt wird, und nur der vordere Teil nach Mainz weiterfährt. Wir sind dummerweise im hinteren Teil. Also in Remagen aussteigen und zum vorderen Teil vorgehen. Dort sind die Abteile allerdings bereits voll und für unsere Räder schon überhaupt kein Platz.
Also entscheiden wir in Remagen, mit einem nachfolgenden Zug bis Koblenz zu fahren, und dann ggf. weiter bis Oberwesel – von dort wären es nur noch gut 7 km bis Bacharach. Gesagt, getan, der RE nach Koblenz kommt und wir finden auch Platz, erneut in einem Eingangsbereich. Aber bis Koblenz sind es nur wenige Bahnhöfe (Andernach, Koblenz-Stadtmitte und dann sind wir bereits in Koblenz HBF.
Dort kommen wir auf Gleis 2 an, und sollen von Gleis 1 nach Oberwesel weiterfahren. Also mit dem Aufzug, den es zum Glück gibt, von Gleis 2 runter und in Gleis 1 wieder hoch. Da viele Räder und Koffer hoch und runter wollen, dauert dies ein wenig, aber dann sind wir auf Gleis 1, wo bereits viele Räder warten.
Als der Zug kommt, stellen wir ohnehin fest, dass es keine Räderabteile gibt.
Also erneut umplanen, und von Gleis 4 den RB26 nehmen, der eine Stunde später als unser von Oberwinter genommene fährt.
Wir stehen dann auch am Bahngleis bis wir sehen, dass die Anzeige sagt: „Keine Fahrradmitnahme möglich!“
Ok: dann radeln wir die knapp 50 km bis Bacharach halt. Das Wetter ist bedeckt, doch quasi ideal zum Radeln und die Strecke wirklich gut. Fast ist es gut, dass das mit dem Zug nicht geklappt hat.
Zunächst geht es aus Koblenz raus und dann durch ein Waldgebiet. Von dort geht es an Burg Stolzenfels

in Wald hinter Koblenz
bevor es am Rhein entlang in Richtung Rhens geht

Der Radweg am Rhein entlang Richtung Rhens
Der Radweg ist recht gut ausgebaut und führt dann vor Rhens plötzlich rechts die Böschung hoch, was etwas herausfordernd ist. Da mein Fersengummi wohl etwas ausgeleiert ist, rutscht mein Fuß aus dem Pedalenkorb und ich muss das Stück schieben, bzw. meine Partnerin mir helfen, wie dies auch bereits beim Verlassen der Rheinfähre in Rolandseck der Fall war. Oben treffen wir dann einen Rennradfahrer, der offenbar einen Plattfuß hat, und dem wir unsere Luftpumpe leihen – doch hilft ihm das nicht, da es offenbar ein Loch gibt, und die Luft sofort wieder entwichen ist.
Etwas oberhalb vom Rhein führt der Radweg nun an einer Straße Dann geht es an einer Gartensiedlung und einem Campingplatz vorbei nach Spay, wo es ein paar echt schöne und wohl alte Häuser an der Rheinpromenade gibt

der Radweg in Spay
Hinter Spay geht es dann eine Linksschleife des Rhein entlang nach Boppard

der Radweg vor Boppard führt zwar an der B9 entlang, ist aber von der Fahrbahn gut abgetrennt
Die Zugstrecke hier folgt der gleichen Route wie B9 und Rhein und ist sehr schön mit dem Personenzug zu befahren

die ist nun ein Güterzug, aus dem außer dem Lokführer wohl keiner die Aussicht genießen kann
Und dann kommen wir am Hotel-Restaurant Rheinterrasse vorbei, im Hintergrund sieht man eine der vielen Burgen in dieser Gegend

Der Wasserstand des Rheins ist ziemlich niedrig, so dass Felsen und Sandbänke zum Vorschein kommen

imHintergrund ist bereits Boppard zu sehen, am linken Ufer des Rhein ist eine große Sandbank aufgrund des Niedrigwassers
Wir rasten ein wenig auf einer Bank in der Rheinschleife und haben einen schönen Blick auf Boppard

Boppard erscheint hinter der langen Linksschleife des Rheins
In Boppard gibt es viele Hotels und Souvenirshops und einige alte und schöne Häuser. Die Stadt lebt wohl vollständig vom Tourisnmus, und eventuell vom Weinbau

meine Partnerin vor einem Haus in Boppard

sicer war Boppard mal recht wohlhabend. Jetzt sehen wir auch einige Seniorenresidenzen
Hinter Boppard geht es weiter am Rhein entlang. Bei Bad Salzig sehen wir auf der gegenüberliegenden Rheinseite einen komisch eingepackten – vermutlich Turm? Ob Christo hier war?

Ein Chisto-Verhüllungskunstwerk auf der gegenüberliegenden Rheinseite bei Bad Salzig?
Weiter geht es hinter Bad Salzig an Hirzenach vorbei, das auch noch zur Gemeinde Boppard gehört.
Hinter Hirzenach geht es dann auf St. Goar zu

vom Radweg aus sieht man bereits die Burg bei St. Goar auf dem Felsen liegen
Zur Rechten sieht man dann Burg Rheinfels auf dem Hügel trohnen

Die Burg „Rheinfels“ oberhalb von St. Goar. Burg Rheinfels wurde im 13. Jahrhundert gebaut und war eine der größten und mächtigsten Burgen am Rhein
Weiter flußaufwärts geht es an der Loreley vorbei. Dies ist ein größerer Felsen als die meisten anderen in der Region und insofern etwas markanter, doch warum er etwas derartig Besonderes sein soll, wird uns außer den Legenden und der Rheinromantik an sich nicht ganz klar. Jedenfalls reiht sich hier ein Restaurant „Loreleyblick“ an das nächste mit sehr ähnlichem Namen.
Und dann kommen wir auch bereits auf Oberwesel zu, wo es die markante Kirche und die Burg mit Restaurant gibt.

ie Rheinschleife vor Oberwesel
In dem Restaurant auf der Burg hatten wir vor einigen Jahren mal sehr lecker gegessen und einen hervorragenden Rosé getrunken

ein Teil der Stadtmauer und die Kirche von Oberwesel, auf dem dahinterliegenden Hügel die Burg mit Restaurant
Wir entscheiden, nach Oberwesel hineinzufahren und dort Kaffee zu trinken, was wir auch tun

Blick vom Café aus auf ein altes Haus in Oberwesel
Danach geht es an Kaub vorbei – einer für die Binnenschiffahrt auf dem Rhein sehr wichtige Stelle, da bei Niedrigwasser Schiffe mit einem bestimmten Tiefgang nicht mehr passieren können, dann werden Schubverbände oder nebeneinandergekoppelte Schiffsteile mit weniger Tiefgang genutzt und ggf. müssen mehr Schiffe mit weniger Tiefgang fahren. Der Rhein ist mit sener Verbindung zwischen der Schweiz und Süddeutschland und den Niederlanden eine auch für die Wirtschaft extrem wichtige Wasserstraße. Stoppt der Transport auf dem Rhein, mangelt es auch an Produktionsmitteln für die entlang des Rhein platzierte Wirtschaft. Mit 758 Bewohnenden ist Kaub laut Wikipedia die kleinste Stadt in Rheinland-Pfalz und gehört zur Verbandsgemeinde Loreley.
Der Radweg ist hier weiterhin gut zu befahren, zwar am er B9, aber von der Fahrbahn abgetrennt

der Radweg führt an Kaub vorbei

Kaub am Rhein mit Stadt und Burg „Gutenfels“ im Hintergrund
Die Passage bei Kaub an der Insel vorbei und mit sichtbar felsigem Grund ist bei Niedrigwasser schwer für die Binnenschifffahrt.
Auch steht am Radweg eine Gedenktafel an den 31.12.1813, als der preußische Feldmarschal Gebhard Leberecht Büchner, genannt „Vorwärts“ hier um Mitternacht mit seinen Truppen den Rhein überquerte, und auf das linke Rheinufer, das seit Napeleon französisch besetzt gewesen war, vordrang. Diese erfolgreiche Rheinüberquerung der „Schlesischen Armee“ mit etwa 50.000 Soldaten, 15.000 Pferden und 183 Geschützen auf einer russischen Pontonbrücke gilt als der entscheidende Schritt in den Befreiungskriegen, der 1814 zur Eroberung von Paris und 1815 zum Sieg bei Waterloo führte. Was der Spitzname „Vorwärts“ des Feldmarschalls für seine Truppen und deren Leib und Leben bedeutet haben mag, kann man erahnen. Natürlich war in jener Zeit die Schonung der Soldaten im Ränkespiel der Mächte keine Denkoption, und sicher schonte auch Napoleon seine Truppen in keiner Weise, wenn man nur an dessen erfolglosen Versuch denkt, Russland durch die Besetzung Moskaus zu bezwingen.
Angesichts der Angabe „um Mitternacht“ fragen wir uns, ob das dann nicht am 1.1.1814 war, aber vermutlich hat es länger als ein paar Minuten (oder Stunden) gedauert, so dass sicherlich beide Date n zutreffend sind. Eine Internetrecherche ergab auch, dass unsere Vermutung, dass der Zeitpunkt gewählt worden war, um die französischen Truppen zu überraschen, zutreffen war.
Und dann ist es auch nicht mehr weit nach Bacharach. Vor Bacharach gibt es eine Baustelle, so dass wir zunächst entgegenkommende Radler passieren lassen, bevor wir selbst diese enge Stelle passieren. Etwas später fahren wir über die B9 und in die Stadt hinein. Unsere Unterkunft finden wir recht schnell

die Langstraße in Bacharach, an der als Nr. 18 das Luz de Mar ist, das bei Booking.com unter „Hotelzimmer im Reihenhaus auf der Stsdtmauer“ firmiert
Und in der Tat ist das „Luz de Mar“ eines der in die Stadtmauer integrierten (alten) Häuser. Als wir ankommen, sehen wir eine Dame, die uns begrüßt und dann an eine andere Dame weiterreicht, die uns das Zimmer im 2. Stock zeigt. Vom ersten Stock aus geht es an der Küche vorbei auf eine auf der Stadtmauer liegende Terrasse und einen Gang auf der Mauer. Ich rede mit den Damen auf Spanisch, zumindest eine ist seit 7 Jahren hier und stammt aus Domenica. Für unsere Räder gibt es leider keinen Stellplatz im Innern, aber wir könne die Räder an die Hauswand in der Langstraße abstellen. Wir überlegen, dass dies gehen sollte, wenn wir sie gut und aneinander abschließen und nachher die Akkus mit ins Zimmer nehmen.
Wir bestellen für 19.00 Uhr einen Tisch für 2 Personen und radeln noch etwas im durchaus schönen Bacharach umher.

die Landstr. weg von unserer Unterkunft
Über die Obere Straße fahren wir bis zur Blücherstraße und dort den Hang hinaus

Blick von der Blücherstraße aus auf das Stadttor, rechts liegt auf dem Hügel die Burg Stahleck
Bis zur Burg, in der nun auch die Jugendherberge ist, fahren wir nicht hoch, sondern nach einer Weile drehen wir, und fahren zurück in die Stadt,

Es nennt sich „altes Haus“ und am Giebel steht „1392“, was in der Tat bereits recht alt ist

die Kirche in Bacharach (evangelische Kirche St. Peter)
Danach radeln wir noch zum Bahnhof. Dort gibt es, wie unsere Wirtin meinte, auch Stellplätze für Fahrräder, allerdings nicht abschließbar und wären für mein Dreirad ohnehin wohl ungeeignet. Allerdings gibt es tatsächlich Aufzüge und von Norden kommend könnten hätten wir hier auch mit unseren Rädern aussteigen können. Aber die Radtour von Koblenz aus war reizvoll und somit war es gut so. Nur für ein nächstes Mal wüssten wir bei Bedarf Bescheid.

die Brücke über die Gleise am Bahnhof mit Aufzügen an beiden Gleisern

das Bahnhofsgebäude in Bacharach
Dann fahren wir zum Luz de Mar zurück, gehen kurz aufs Zimmer und dann gegen 19.00 Uhr zu einem sehr leckeren Essen, wenn auch in einer geräuschlig sehr besonderen Atmosphäre

Blick vom Balkon unseres Zimmers, unter dem Balkon befinden sich die Tische des Restaurants, die durch eine kleine Mauer getrennt direkt an der Bahntrasse mit zwei Gleisen liegt. Recht oft kommen Personenzüge vorbei oder donnern Güterzüge auf der Trasse an der Mauer vorbei
Das Essen ist allerdings sehr lecker und die Atmosphäre halt etwas „Besonderes“ – die Zweiertische liegen auch etwas mehr zum Haus hin und somit nicht direkt an der Trasse.
Nach dem Essen gehen wir auf das Zimmer, setzen uns noch etwas auf den Balkon. Das Schlafen ist ebenfalls „ein wenig gewöhnungsbedürftig“. Wenn man die Balkontür öffnet, um frische Luft ins Zimmer zu lassen, ist die Vorbeifahrt von Zügen schon sehr laut, und bei geschlossener Tür ist es im Zimmer halt in diesem Juli recht warm. Wir schlafen dennoch einigermaßen, und irgendwann in der Nacht lässt auch cder Zugverkehr nach.
2026-07-28 (Tag 2): Bacharach-Rheinheimbach-Burg Hoheneck-Bingen-und zurück + in Bacharach – 36 gefahrene km
Die Bahntrasse verläuft unmittelbar an der Stadtmauer von Bacharach und den dort gelegenen Häusern, inkl. unseres Hotels „Luz de Mar“ vorbei, ist also nachts recht laut, da viele Züge (Nahverkauf, ICEs und Güterverkehr) vorbeikommen.

das Haus links neben der Laterne ist das „Luz de Mar“, die Bahntrasse ist unmittelbar am Fuße der Häuser zu sehen
Da es uns interessiert, recherchieren wir im Netz: Die Bahnstrecke von Koblenz bis Bingen, also auch an Bacharach vorbei, wurde 1859 gebaut. Die Häuser und die Stadtmauer standen damals sicher schon und es gab noch Dampflokomotiven, was sicher nochmals ein anderer Schnack war. Warum die Trasse direkt an den Häusern gebaut wurde, können wir nicht wirklich klären, und natürlich gibt es Bürgerproteste und Vorschläge von „Flüsterrädern“ für Güterwagons, reduzierte Geschwindigkeit sowie durchsichtige Schallschutzwände oder -tunnel. Letzteres können wir uns bei der Enge des Abstandes zwischen Trasse und Häusern/Stadtmauer schlecht vorstellen, doch letztlich gibt es natürlich die Situation, wie sie ist, und die Bahnstrecke von Koblenz südwärts ist ja durchaus mit Bedeutung für Personen- und Güterverkehr. Sicher waren Dampfloks noch eine ganz andere Belastung für die Anwohnenden. So kann man sich durch gute Fenster und sicher Gewöhnung vielleicht arrangieren, wenn es auch wirklich laut ist, wenn ein Güterzug vorbeidonnert!
Ich hatte nachts irgendwann die Balkontür für eine Weile geöffnet, da es im Zimmer ziemlich warm war, dann war es noch lauter. Dennoch schlafen wir relativ lange (bis 9.00 Uhr oder so), machen uns dann fertig und radeln gen Bingen.
Zunächst geht der Radweg an der B9 entlang oberhalb der Kläranlage vorbei – auf den Rückweg sehen wir, dass man dort auch links zum Rhein hin abbiegen kann, doch dachte ich beim Anblick des Wegweises „Kläranlage“, wieso das interessant sein sollte und wir blieben an der B9, bis der Radweg an der „Mainzer Straße“ offenbar ändert. Nachdem wir dort ein wenig gesucht haben, sehen wir einen Wegweiser einen gepflasterten Weg hinunter und dann unter einer Brücke hindurch zum Rhein, an dem dann der Radweg Richtung Bingen weiterführt.

der Radweg am Rhein entlang gen Bingen
Der Radweg ist angenehm zu fahren und wir passieren einige Wald- und Landschaftsarbeiter, die die Gräser am Rand schneiden oder Hecken und Äste mit der Kettensäge stutzen. Allerdings liegen häufiger auf das Werkzeug auf dem Boden und die Arbeiter sitzen irgendwo in der Nähe.
Leider scheint mein Fersengummi mittlerweile ausgeleiert, und somit habe ich ordentlich Probleme bei Anstiegen. Da wir noch nicht gefrühstückt haben, suchen wir nach entsprechenden Möglichkeiten, aber finden eine solche bis Bingen nicht.
Schließlich kommen wir nach Bingen hinein, und sehen zunächst die Mündung der Nahe in den Rhein

die Mündung der Nahe in den Rhein
In Bingen selbst kreuzen wir dann die B9 und fahren in die Fußgängerzone bis zur „No. 5“, wo es zwar leider nur noch wenig zu Essen gibt, da es mittlerweile etwa 12.00 Uhr ist, wir aber doch noch ein Croissant mit selbstgemachter Marmelade und einen Begel mit Kräuterquark ergattern, und vor allem einen wirklich guten Kaffee.

die Außentische des „No 5“ in Bingen
Leider hatte ich auf der Hinfahrt Probleme mit der Kamera, so dass ich keine Fotos machen konnte. Plötzlich hier in Bingen funktioniert die Kamera wieder. Manchmal kann man gewissen Dinge, wie das gelegentliche Nicht-Funktionieren der Bluetooth-Kopfhörer auf der ARTEFACT-Tour oder eben jetzt der Digitalkamera nicht wirklich verstehen, sondern muss diese wohl demütig hinnehmen – manche Probleme, wie auch diese, erledigen sich dann auf quasi magische Art von selbst …
Nach dem Snack im No. 5 schieben wir die Räder weiter diese Straße hoch zur Fußgängerzone am Marktplatz

der Marktplatz in Bingen
Im City-Center soll es laut Internet auch einen REWE-Markt geben, in dem wir ein paar Lebensmittel einkaufen möchten, doch finden wir einen solchen im Center nicht. Auf Nachfrage erfahren wir, dass es den tatsächlich seit Ende 2025 nicht mehr gebe. Kein Supermarkt mehr im Zentrum von Bingen? Irgendwie scheinen diese Städte ihre besten Zeiten hinter sich zu haben.
Wir fahren vom City Center runter zum Rhein und dann entlang der Rheinpromenade bis zum Fährhafen.

Im Hintergrund der Schaluppe sieht man das gegenüberliegende Rheinufer mit Rüdesheim
Auf dem gegenüberliegenden Ufer sehen wir den Niederwald und das Germania- Denkmal.

Das Germania-Denkmal nahe Rüdesheim. Hier gingen wir im Juni 2024 von Assmannshausen durch den Niederwald und fuhren hinter der Germania mit der Gondelbahn wieder nach Rüdesheim hinunten.
Diese 12,5 m hohe Bronzestatue am Niederwalddenkmal erinnert an die Gründung des Deutschen Kaiserreichs nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71.
Auch Rüdesheim sehen wir am anderen Rheinufer.

Rüdesheim von der Bingener Rheinpromenade aus
Nachdem wir nahe des Fährhafens eine Weile geruht haben, radeln wir langsam zurück zum Zentrum von Bingen und dann weiter gen Bacharach

der Radweg von Bingen aus ist sehr gut ausgebaut und fährt sich super
Auf den gegenüberliegenden Ufer passieren wir Assmannshausen

Assmannshausen vom Bingener Ufer aus. In Assmannhausen kann man gewöhnlich mit einem Sessellift zum Niederwald hochfahren. Im Juli 2026 ist dieser Sessellift allerdings außer Betrieb
Der Radweg bleibt gut und bietet einigen Schatten, was bei den gestiegenen Temperaturen durchaus angenehm ist.

der Radweg gegenüber von Assmannshausen
Anhand von Schautafeln können Radelnde sich einen Überblick über den Rheinverlauf gewinnen

diese Karte zeigt die Gegend um Bingen und Rüdesheim an

und diese Karte stilisiert den Rhein von der Loreley nordwärts
an Burg Reichenstein und Trechtlingshausen vorbei geht es unterhalb der Burg Sooneck entlang

Burg Sooneck vom Radweg aus
Der Rhein fließt neben dem Radweg dahin.

Blick zum Rhein gen Norden hinter Burg Sooneck
wie erwähnt fahren wir auf dem Rückweg unterhalb des Klärwerks weiter und erst kurz vor Bacharach hoch zur B9, der wie bis zu unerem Hotel folgen.

jenseits der B9 sieht man die Häuser auf der Stadtmauer
In Bacharach fahren wir zunächst zum Nahkauf, wo wir einige Radler und alkoholfreie Biere kaufen.

auf der Oberen Straße in Bacharach – mit dem Blick auf das „Alte Haus“
Wir genießen diese kalten Drinks nach der Hitze des Tages mit Genuss auf unserem Balkon.

auf unserem Balkon befindet sich ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen. Links sieht man die Bahntrasse
Zuvor waren wir auch zum Kultur-Café an der Oberen Straße gefahren, wo man auf der Terrasse sitzend Speisen und Getränke zu sich nehmen kann. Natürlich überwiegen Fleischgerichte und Fritten, doch gibt es auch einen griechischen Salat sowie einen Flammkuchen griechischer Art, die beide recht lecker sind.

von der Terrasse des Kulturcafés hat man auch einen guten Blick auf die Burg in Bacharach
und man kann auf die Stadtmauer mit dem nördlichen Eckturm blicken.

Blick von der Terrasse des Kulturcafés auf Bacharach
Neben dem Kulturcafé liegt ein abgebrochener Turm, auf dem sich ein Holzhäuschen befindet und von dem ein buntes Vogelkonzert zu vernehmen ist

das ist wohl ein (etwas zerstörter) Teil der Stadtmauer, doch was befindet sich im Holzhäuschen?
Nach diesem recht leckeren Essen, bei dem wir auch zwei offenbar italienische Trainspotter, von denen einer mit Wespen haderte, beobachten konnten, kehren wir in unsere Unterkunft zurück.
2026-07-29 (Tag 3): Bacharach-Oberwesel-St Goar-Boppard-Spay-Rhens-Stolzenfels-Koblenz (Bahnhofplatz 1) – 52 gefahrene km
Wir wachen sehr früh auf, duschen, packen und gehen und verlassen bereits gegen 8.00 Uhr das Hotel über die Mauer am 1. Obergeschoss und dann rechts weg über die Treppe in die Langstr.

von der oberen Straße aus kommt man durch eine Quergasse auf den Aufgang auf die Mauer zu

im Zentrum des Bildes ist ein Brunnen zu sehen, aus dem früher sicger recht mühsam das Wasser geholt werden musste, recht davon befindet sich der Aufgang auf die Stadtmauer und somit auch zu Luz de Mar
Zunächst bringen wir die leeren Pfandflaschen zum Nahkauf zurück und gehen dann zur Bäckerei in der Oberen Straße zum Frühstück. Der Andrang dort ist beachtlich, und schließlich kaufen wir je einen Capucchino, je ein Käsebrötchen und ein „Ludgers Currybrot“ für insgesamt 20,30 € – letztlich ist ein derartiges Frühstück in einer Bäckerei sicher auch nicht preiswerter oder reichhaltiger als die meisten mit gebuchten Hotelfrühstücke, doch gibt es im Luz de Mar ohnehin keine Frühstücksmöglichkeit.
Direkt neben der Bäckerei befindet sich die Tourismusinformation., die um 9.00 Uhr öffnet. Ich warte ein paar Minuten und kaufe dann dort eine Karte/Führer zum Nahe-Radweg – eine Tour, die wir künftig mal unternehmen möchten.
Anschließend fahren wir zum Radweg an der B9 und starten unsere heutige Etappe.

gegenüber der Stadtmauer befindet sich jenseits der B9 der Radweg
Wir werfen einen letzten Blick auf unsere Unterkunft und die dahinterliegende Burg von Bacharach.

das Luz de Mar befindet sich genau unterhalb der Burg auf der Stadtmauer. Unser Zimmer war dort, wo man am Balkon die spanische Fahne sieht
Noch in Bacharach müssen wir die Baustelle passieren, die wir bereits bei der Ankunft bemerkten, und dort muss ich auch den Akku wechseln.
Bald schon passieren wir Kaub.

Blick auf Kaub am 29.7.26
In „Wirtschaft und Gesellschaft“ kommt am 31.7. ein DLF ein Beitrag zum Niedrigwasser bei Kaub, dass die Passage der Binnenschifffahrt und somit die Güterversorgung der Unternehmen rheinaufwärts gefährdet . Es sei bereits fast so schlimm wie 2018, Transport-Alternativen sind natürlich die Schiebe und die Straße. Zumindest der Transport auf der Straße steigert den CO2-Ausstoß noch mehr und begünstigt somit eher noch niedrigere Wasserstände. Ja, unser Handeln hat Konsequenzen, ob wir diese nun wahrhaben möchten oder nicht.

dieses Foto stammt zwar nicht aus Kaub. sondern ist bei Bad Salzig aufgenommen, doch zeigt es den Niedrigwasserstand recht gut. Die Kommorane sitzen auf dem aus dem Wasser ragenden Felsen wie die sprichwörtlichen „Hühner auf der Stange“ – hin und wieder stoßt einer zum Fischfang in das nahegelegene Wasser und breitet dann auf dem Felsen seine Flügel zum Trocknen aus
Und bald danach passiere wir wieder, wie auf dem Hinweg, Oberwesel mit seiner über der Stadt thronenden Burg Schönburg, die aus dem 12. Jahrhundert stammt und ebenfalls zum UNESCO-Weltkuturerbe Oberes Mittelrheintal gehört.

Burg Schönburg strahlt im unbewölkten, blauen Himmel
Vom Radweg haben wir einen schönen Blick auf Oberwesel mit seiner markanten Kirche

Und dann passieren wir erneut den berühmten Loreley-Felsen.

der Loreley-Felsen vom gegenüberliegenden St. Goar Stadtteil „An der Loreley aus
Und weiter geht es an St. Goar vorbei.

Burg Katz thront über St. Goarshausen am rechten Rheinufer, die laut Wikipedia um 1360 bis 1371 vom Grafen von Katzenelnbogen erbaut wurde.
Die Burg Katz bildet mit der am linken Rheinufer gegenüberliegenden Burg Rheinfels einen Zollriegel und verstärkte so das Netz von Burgen, das die Herren von Katzenelnbogen in Südwestdeutschland kontrollierten. Das Geschlecht der Katzenelnbogener erlosch im Mannesstamm 1479. Das Grafenamt ging damit auch an den Landgrafen von Hessen, da Landgraf Heinrich III. von Hessen-Marburg die Tochter des letzten Grafen von Katzenelnbogen geheiratet hatte.
Man mag sich kaum ausdenken, was Handelsreisen in jener Zeit an Zeit und Kosten verursacht haben mag, wo alle paar Rhein-Kilometer eine Burg auf zumindest einer der Rheinseiten thronte, und von den Handelsreisenden Zoll- und Passiergebühren einforderten. Ein Schelm, wer diese als „Schutzgelder“ bezeichnet, doch vermutlich bekam es den Reisenden schlecht, sollten sie die Abgaben nicht entrichten wollen. Andererseits hatten die Handelsreisenden im Mittelalter wohl eher nicht mit Niedrigpegelständen zu kämpfen, und so mag man sagen: „Jede Zeit hat ihre Herausforderungen“ (?)
Oberhalb von St. Goar sehen wir einige recht villenartige und aufwendig gebaute Häuser sowie ein Hotel, das erneut in einer der vielen Burgen untergebracht ist.

die Häuser links auf dem Hügel sind vermutlich nicht von armen Leute bewohnt. Rechts sieht man die bereits oben erwähnte Burg Rheinfels, in der heutzutage ein Hotel untergebracht ist.
Von der kühlen Morgenfrische ist längst nichts mehr übrig und die Temperaturen steigen auf um die 30 Grad Celsius, doch genießen wir weiterhin unsere Tour durch das Rheintal auf Bad Salzig zu und an diesem Ort, wo auch Sebamed angesiedelt ist, vorbei.
Bei Bad Salzig sehen wir auch wieder den christoresk eingepackten Turm, der wohl zum Hotel Rheinkönig gehört.

der Radweg bei Bad Salzig zwischen St. Goar und Boppard – rechts auf dem Hügel der seltsam verpackte Turm, vermutlich unter Renovierung, war uns bereits auf dem Hinweg aufgefallen
Und dann kommen wir gegen 11.00 Uhr bereits nach Boppard, und passieren dort erneut das offenbar ausgebrannte Hotelgebäude im Bopparder Stadtteil Bad Salzig.

dieses ausgebrannte Haus, in dem man Stabilitätsstützen erkennen kann, muss vermutlich abgerissen werden?
Wie wir durch eine Internetrecherche nach Rückkehr erfuhren, ist dieses Park Hotel keineswegs ausgebrannt, sondern sollte teilweise abgerissen werden, da es baufällig ist. Am 8.Juli 2026 brach wohl bereits ein Teil des Gebäudes zusammen, und 19 in der Nachbarschaft wohnende Menschen mussten evakuiert werden. Deshalb die Stützen, die man im Innern erkennen kann. Was wir beim Vorbeifahren noch nicht wussten (wissen konnten) ist, dass es am Abend des 29.7., also dem Tag, an dem wir gegen Mittag vorbeigefahren waren, zu einem zweiten Teileinsturz (der Geschossdecke im zweiten Obergeschoss kam.
Wir konnten recherchieren, dass das akut einsturzgefährdete Gebäude im Besitz der Familie Joswig ist und rechtlich als Park Hotek Bad Salzig GmbH eingetragen ist.
Und dann fand ich noch eine Internetseite, die besagt, dass es das Hotel seit 1908 gab und die auch ein Foto „aus besseren Zeiten“ enthält. Auch die Chronik über die wechselhafte Geschichte des Hauses mit seinen besten Zeiten als eines der führenden Hotels am Rhein zu Beginn des 2. Weltkrieges sowie zu Zeiten des beginnenden Wirtschaftswunders, aber auch während des Krieges als Lazarett und in den 50er Jahren als französisches Besatzungs-Hauptquartier lies sich spannend. Nach den 50er Jahren sei das Hotel familiär weitergeführt worden, wobei es in den schwierigen Jahren bei teilweiser Vermietung an die LVA versäumt worden sei, in die Hotelzimmer und die Gästeberichte zu investieren, und so habe das mittlerweile marode Hotel 1987 zu Zwangsversteigerung gestanden. Die Abrisspläne hätten bereitgestanden und es habe ein Seniorenheim erstellt werden sollen. Dann jedoch erweckte das Haus das Interesse des Ehepaars Joswig, was sie in der Chronik als „jugendliche Blauäugigkeit“ bezeichnen. Bis zum Jahr 2000 hätten sie das Hotel mit Bewirtung großer internationaler Firmen sowie Persönlichkeiten wie Iris Berben, Tina Turner, Konstantin Wecker erfolgreich geführt. Die Coronazeit sei bezüglich des Personals, das sich teilweise umorientierte, ein Einschnitt gewesen und Ende der Saison 2022 sei ein Umbau durch Zusammenlegung einiger Zimmer begonnen worden, wodurch sieben Appartements für Langzeitgäste eingerichtet wurden. Ende 2023 seien das Restaurant und der Wellnessbereich geschlossen worden, während das Hotel bis 2024 mit kleinem Team mit Übernachtungsmöglichkeiten und Frühstückbuffet an den Wochenenden weiterbetrieben wurde.
Wann genau das Hotel komplett geschlossen wurde und warum es derart baufällig wurde, , ist der Chronik nicht zu entnehmen. Meine Recherche ergab lediglich, dass es 2015 eine Gesamt- und 2023 eine Teilrenovierung gegeben habe
In Boppard kaufen wir in der Fußgängerzone in einem Bioladen kalte Getränke, setzen uns ans Rheinufer und genießen das kühle Getränk zusammen mit dem morgens in Bacharach gekauften Ludgers Currybrot, das wirklich ausgesprochen lecker ist.
Anschließend fahren wir weiter gen Norden, sehen alle paar Kilometer eine Burg rechts oder links in der Höhe und erreichen dann Spay, wo wir erneut eine kleine Rast einlegen.

meine Partnerin bei einer kurzen Rast bei Spay
Unsere Räder haben wir oberhalb der Bank auf dem Weg an einer Einfahrt zu einem Grundstück abgestellt. Ein Auto kommt, und tut so, als käme es nicht vorbei. Ich stehe auf und weise auf die Einbuchtung der Einfahrt, und tatsächlich kann selbst dieser Fahrer die Räder völlig problemlos umfahren. Aber er hat mich wenigstens zum Aufstehen bewegt 😉 Nun ja – ich habe auch das überlebt.
Bei der Ortsdurchfahr von Spay sehen wir auch erneut den Balkon mit Moxdepuppen, von denen einige bemalt sind.

auf einem Balkon in Spay sind zum Teil bemalte Modepuppen aufgestellt
Es wird immer wärmer und wir müssen häufiger etwas trinken, so dass unsere Flaschen irgendwann leer sind. Die Fahrt durch das Rheintal bleibt trotzdem reizvoll. Und beim Passieren von Rhens kommen wir am Fabrikgelände des Rhenser Mineralbrunnens vorbei und dort ist ein Brunnen, an dem wir unsere Flaschen mit kühlem Trinkwasser wieder auffüllen können.

der Rhein bei Braubach
Und dann sehen wir am anderen Rheinufer Lahnstein, wo die Lahn in den Rhein mündet und wo wir vor einigen Jahren die Lahn hinabradelnd ebenfalls zum Rhein gelangten.

links vom Hügel mit dem Turm verläuft das Lahntal, etwas weiter flussabwärts mündet die Lahn dann in Lahnstein in den Rhein
Gegenüber von Lahnstein liegt die Burg Stolzenfels.

die Burg Stolzenfels ist laut Wikipedia ein im 13. Jahrhundert erbaute, und ein im 19. Jahrhundert von Wilhelm IV. von Preußen zu einem neugotisches Schloss umgebautes Gebäude in Koblenz, das als Meisterwerk der Rheinromantik gilt, ebenfalls Teil des UNESCO-Welterbes ist, und einst als königliche Sommerresidenz diente.
Hinter Stolzenfels geht es noch etwas am Rhein entlang, bevor uns der Radweg wieder in das Waldgebiet südlich von Koblenz führt

der Weg durch den Wald kurz vor Koblenzist bei den immer weiter steigenden Temperaturen eine Wohltat
Und dann radeln wir in Koblenzer Süden ein und suchen und finden unseren Weg durch die Stadt zum Bahnhofsplatz zum „Best Price Hotel“. Dort kommen wir kurz vor 14.00 Uhr an, und müssen. wie einige andere (etwa eine Familie aus Eritrea (Vater). Äthiopien (Mutter) und drei kleineren Kindern oder ein britisches Paar, an der Rezeption auf die leicht verspätete Ankunft des Rezeptionisten warten. Dann können wir jedoch unsere Räder in einem abschließbaren Raum sicher unterstellen, für morgen ein Frühstück für 11,90 €/Person hinzubuchen und unser recht geräumiges Zimmer im 4. Stock (mit AUFZUG9 beziehen. Es ist im Zimmer recht warm, so dass wir die Fenster öffnen und zunächst beide kurz abduschen. Das Zimmer liegt zum Bahnhofplatz und zum Hauptbahnhof hinaus, so dass die Geräuschkulisse auch nachts noch ordentlich ist. Uns bleibt keine der angesagten Zugverspätungen, von denen es natürlich kaum welche gibt, der Zugankunfte oder Güterzugdurchfahrten verborgen ;). Doch stehen die Räder sicher, das Hotel liegt zentral und der Zimmerpreis des völlig akzeptablen Zimmers erscheint angemessen.
Abends gehen wir in einem thailändischen Restaurant um die Ecke recht lecker und angesichts der anderen Restaurants in Bahnhofsgegend preiswert essen. Wir setzen uns angesichts mittlerweile gut 35 Grad Celsius allerdings nach Drinnen.
2026-07-30: Tag 4 – Koblenz-Königswinter – 58 gefahrene km
Wir wachen früh auf, duschen und packen und sind bereits gegen 8.00 Uhr beim nachgebuchten Frühstück. Dieses ist sicher nicht das beste noch das schlechteste, was wir hatten, aber angesichts von 11,90 €/Person vermutlich preis-„wert“.
Nach gestriger Auskunft des Rezeptionisten haben die Servicekräfte beim Frühstück den Schlüssel zum Fahrradraum, und tatsächlich wird sie auch von anderen Gästen darauf angesprochen und geht mit denen den Raum öffnen.
Als ich sie auf Deutsch anspreche, versteht sie mich nicht. Ich frage: „Englisch?“ – „Nein!“ – „Spanisch?“ – „Nein, Ukrainisch“ – ich sage „Ni panimajo“, was auf Russisch „Ich verstehe nicht“ bedeutet. Sie antwortet erfreut: „Panimaisch.“ (Du verstehst) und plappert auf Russisch (oder Ukrainisch?) los, bis ich ihr klarmachen kann, dass ich nur wenige Worte Russisch kenne. Wir kommen dann aber dennoch klar, und nachdem wir nochmals kurz im Zimmer waren, schließt sie uns gegen 10.00 Uhr den Raum auf, so dass wir unsere Räder herausholen und bepacken können.
Nun fahren wir durch Koblenz und über die Moselbrücke in den Koblenzer Norden. Nach dem Durchfahre n eines Industriegebietes führt der Radweg dann durch ein kleines Waldstück zum Rheinufer hinunter.

Ab hier führt der Radweg am Rheinufer entlang gen Norden.

Diesen Teil des Weges sind wir bereits wiederholt gefahren. Heute wird es recht schnell wärmer.
Bald kommen wir auf Koblenz-Lützel zu.

Radweg bei Lützel
Auf der gegenüberliegenden Rheinseite passieren wir Neuwied.

Neuwied liegt am gegenüberliegenden Rheinufer
Und dann kommen wir unter der Urmitz-Rheinbrücke durch.

die Eisenbahnbrücke „Urmitz“, die man auch mit dem Rad überqueren kann
Ab hier geht es auf Weißenthurm zu.

Radweg zwischen Urmitz und Weißenthurm mit Blick auf das ehemalige AKW Mühlheim-Kärlich
Gegenüber liegt Vallendar.

Hinter Weißenthurm geht es auf Andernach zu, zunächst durch Baumgruppen, bevor es eine recht starke Steigung vom Rhein weg hochgeht, die ich aufgrund des schlaffen Fersengummis mithilfe meiner Partnerin hochschieben muss. Oben angekommen muss man bald um ein Industriegebiet herum bzw. durch dieses hindurch fahren.

beim ersten Mal fragten wir, ob wir hier richtig sind, aber der Radweg führt tatsächlich hier hindurch
Wir durchfahren Andernach entlang der Uferpromenade, bis kurz hinter Andernach der Radweg recht steil empor und unter der Autobahn sowie neben der Bahnstrecke entlang führt.

auch diesen Anstieg schob ich. Mir kommt ein Rennradfahrer recht flott abwärts entgegen – nicht unnötig steht am Radweg: „Radfahrer absteigen!“ – aber da meine Partnerin, die bereits oben angekommen ist, uns beide warnt, geht es gut.
Und dann geht es durch Namedy und am Schloss Namedy vorbei.

Schloss Namedy, wo auch Jazzkonzerte stattfinden
Hinter dem Schloss führt der Radweg zunächst durch Felder.

und dann vor Brohl in ein kleines Waldstück hinein.

Bei Brohl geht es durch einen Tunnel unter der Bahnstrecke durch und dann durch Brohl nach Bad Breisig.
Zu Beginn von Bad Breisig gibt es eine schwierige und in Zerpentinen zum Rhein abwärts führende Passage.

Diese Passage führt unter der Bahnstrecke und der B9 durch.

Bei Gegenverkehr wird es hier eng
Kurz danach sind wir in Bad Breisig und machen dort eine Trinkpause, da die recht hohen Temperaturen ihren Tribut fordern.

bei der Rast an der Rheinpromenade in Bad Breisig
Im Hintergrund deutet sich eine Regenfront an. An Sinzig vorbei kommen wir durch Remagen-Kripp nach Remagen, wo uns an der Brücke von Remagen dann tatsächlich ein kräftiger Regenguss erwischt. Wir warten ihn mit einem heute aus Köln kommenden Niederländer unter einer kleinen Brücke ab.

Man kann den kräftigen Regenguss gut erahnen. Zwar werden wir nass, doch ist der warme Sommerregen eher erfrischend.
Der Niederländer wartet auf seinen Kumpel, der bei einer Rast wohl den Akku seines Rades vergessen hatte und deshalb zurückfahren musste. Gestern sind sie von Venlo bis Köln gefahren und wollen heute noch bis Koblenz, dann weiter rheinaufwärts bis Kehl und dann teilweise mit dem Zug zurück. Nun gut, ihre Etappen sind erheblich länger als unsere, doch sind sie auch mit leichten Rädern unterwegs. Etwa als der Regen nachlässt, kommt der Kumpel des Niederländers und wir verabschieden uns und fahren weiter.
Bei Oberwinter biegt ein Notarzthubschrauber über den Rhein auf das linke Rheinufer ein und landet dort.

ein Johanniter-Notarzthubschrauber landet am Ufer bei Oberwinter
Dort planscht auch eine Gänsefamilie.

Auch für uns ist dieser Teil der Strecke quasi unsere „Landebahn“, und wir fahren an Oberwinter vorbei bis Rolandseck, wo wir die Fähre nach Bad Honnef nehmen, um von dort an Rhöndorf vorbei nach Königswinter zu gelangen. Und so ist unsere viertägige Tour vorbei. Am ersten und am letzten Tag hatten wir etwas Regen, die mittleren beiden Tage sowie der letzte Tag bis zum Regenguss waren sonnig und recht warm.
Insgesamt war es erneut eine schöne Tour und wir freuen uns bereits auf die nächste z.B. entlang der Nahe, der Blies und Saar oder wohin auch immer, aber zunächst beginnt wieder der Alltag im schönen und heimischen Königswinter.